Entführte Lebenszeit

Oh geliebte Zeit, du flüchtiges und surreales Wesen der unendlichen Einzigartigkeit – warum nur eilst du so rasant durch den Weltgesang des temporären Daseins? Mit jedem Tag, der ungerührt vergeht, wirst du transparenter und gnadenlos entführst du meine Lebenszeit ohne Hoffnung auf Wiederkehr und absorbierst sie auf deiner nie endenden Reise in die Vergessenheit. Viel intensiver und konzentrierter wirkst du in der Tat auf mein Täglichlaufen, welches eine besondere Zeitwahrnehmung generiert und ja, das gewaltige 15-Jahre-Jubiläum im Zeichen des Gelebten Täglichlaufens ist längst in die Vergangenheit eingetreten und doch ist es mir, als ob jener Tag erst gestern war.

Lange schon lebt jener kostbare Moment nicht mehr und besteht nur noch in meiner Erinnerung fort. Indessen strahlt das nächste Jubiläum lächelnd hernieder: 15 Jahre und Sechs Monate Täglichlaufen. Nun, ich gebe es gerne zu – dieses inoffizielle „Jubiläum“ reizt mich sehr und diesen Wert in der Realität vollzogen zu haben, wird den Stolz auf mein Täglichlaufen mehren – diese Interpretation wird angesichts der niederstreckenden Erfahrung vor drei Monaten allumfassend bestätigt und unterstreicht die Nichtreproduzierbarkeit meiner gelebten Konzeption für mich nach all den vielen Jahren. Die daraus resultierende Wertschätzung kann freilich nicht in schnöde, unvollkommene Worte gegossen werden. Wohlan, die nächsten Tage werden es lehren, ob ich meine Intention nach meinem Willen gestalten und in die Realität übertragen darf.

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