Der große Almabtrieb

Mei, des wos a zünftige Sach! Tatsächlich fand heute der große Almabtrieb oder auch Viehscheid genannt – in gehaltvoll, traditioneller Atmosphäre statt. So absolvierte ich meinen Lauf in prachtvoller Ledertracht und trug dazu einen würdigen Hut, welchen ich mit Silberdisteln und Seidenblumen verziert hatte. Passend hierzu läuteten die Glocken und das Orchester spielte eine formidable Blasmusik in diesem Kontext. Nun, mir deucht, dies fand exakt so in einem Paralleluniversum statt – die hiesige, preußisch korrekte Version gestaltete sich durchaus weniger opulent – indessen jedoch schneidiger organisiert.

Ich wurde kürzlich gebeten, den Umzug meiner geliebten Wollfreunde in ihr Sommerquartier zu begleiten und so legte ich den Zeitpunkt meines heutigen Laufes entsprechend so, daß ich auf dem Rückweg, mich in hilfreicher Weise engagieren konnte. Als ich die heimatliche Weide erreichte, befand sich bereits eine freundliche Dame vor Ort, die die wichtige Funktion des Streckenpostens mit Hund einnahm, um Ausbrüche in den rückwärtigen Raum, heißt – in die Tiefe des Waldes – zu unterbinden. Im Zuge der ordnungsgemäßen Verlegung rückte sie nach und sicherte das Rückzugsgebiet in vortrefflicher Art und Weise.

Sodann wurden die Gatter geöffnete und die mähenden Wollies mit hervorragenden Köstlichkeiten begrüßt, so daß der Zweck der Traubenbildung um den „Herrn der Schafe“ sofort realisiert werden konnte. Das Wollschild baute sich stante pede auf und so rückte jener geschlossen vor – auf 12 Uhr Richtung Sommerresidenz. Ich selbst verlagerte meine Position vor und harrte den Dingen, die da kommen sollten – ebenso sehr gut mit kulinarischen Leckerlis bestückt. Das Geschehen wurde selbstredend in herziger Form kommentiert und allein die Lautäußerungen der Schafe zauberten mir mehr als ein Lächeln in das Gesicht.

Als sie nun meinen Versorgungsstützpunkt erreichten, stockte der Vormarsch ein wenig, so daß ich mich genötigt sah, zwei Wolldamen in die gewünschte Richtung zu dirigieren, in dem ich sie leicht über ihr sehr, sehr weiches wolliges Hinterteil streichelte. Und weiter ging der Vorstoß! Innerhalb kürzester Zeit war die Übersiedlung vollendet und die Schafe zogen in ihr neues Domizil – gewiß voller Freude. Ich muß gestehen, ich hatte mir den Ortswechsel als Herausforderung vorgestellt – allein die Putzels sind es gewohnt und haben ihre Sache hervorragend umgesetzt. So wurde aus dem großen Almabtrieb nur ein kleiner Woll-Umzug, der auch in dem Fehlen jedweder Almen begründet liegt. Dennoch, mein heutiger Lauf bildete somit eine Besonderheit, wie ich sie höchst selten erlebte. Mögen meine Wollies sich an ihrem neuen Ort sehr wohl fühlen!

Werbeanzeigen

Kommentare sind geschlossen.