Den Weg gehen – IV. 2016. Fünfzehn Jahre, Vier Monate. Niedergestreckt.

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Fünfzehn Jahre und Vier Monate in Serie. In der letzten Rückschau konstatierte ich in dem Kontext der mentalen Unlust – ”Explizit diese Zeiten der Herausforderungen definieren den wahren Wert und verleihen meiner Intention ihre grundlegende Wertschätzung“. Wohlan, nur einen Tag später – nach diesen Worten, die im Zeichen der gefährlichen Routine entstanden – streckte mich die Gesundheit völlig unerwartet wie nachhaltig nieder. Für mehr als nur einen Moment gab ich mich dem Gedankenspiel hin, mein Täglichlaufen an dieser Stelle abzuschließen und ja, ich gestehe – es hing alles an einem seidenen Faden, der zudem schon „angeritzt“ war. Doch genug der nebulösen Worte. Ich mußte meine Umfänge auf ein Grad reduzieren, der fast schon als lächerlich zu bewerten ist, gleichwohl habe ich meine Intention fortgesetzt. Nach einigen Tagen kehrte ich behutsam auf das gewohnte Maß zurück und in der Konsequenz hat sich mein Denken, mein gelebtes Täglichlaufen als Geschenk zu definieren, um Welten intensiviert.

Und selbst die Hitze, welche mit den zuvor erwähnten Mückenplagen einhergeht, läßt mich nach dieser Phase nur noch müde lächeln. Eine derartige Reduzierung meines Täglichlaufens erlebte ich mutmaßlich 16 Jahre nicht. Dementsprechend ging ich davon aus, daß sich das auf meinen Körper im Kontext der Leistungsfähigkeit, wenn auch nicht negativ, so doch merklich auswirken würde. Ich bildete mir ein, derlei im Jahr 2000 herum erfahren zu haben, doch nein – dieses Intermezzo blieb folgenlos. Mittlerweile praktiziere ich mein Täglichlaufen in dem standardgemäßen Stil und „freue“ mich nun selbst über Mücken. Es ist wahrlich bemerkenswert, wie sich die Wahrnehmung durch harte, unerwartete Einflüsse verändern kann. Täglichlaufen auf der 15. Jahresebene – es ist das eine unfaßbare Gnade, ein einzigartiges Geschenk, was ich nicht reproduzieren kann und wahrscheinlich auch nicht will und welches sich nicht mit allen Kostbarkeiten der Welt aufwiegen läßt.

In dem vergangenen Abschnitt alternierten die Temperaturen zwischen 13 °C und 25 °C und ich bin nun sehr betrübt, hier keine besonderen Läufe vermelden zu dürfen. Zwar nieselte es dreimal während meiner Läufe, aber diese Ausnahmen als Regenläufe einzutragen, wäre doch sehr vermessen von mir. Am 02.07. dominierten die Mücken die Wälder in unbeschreiblicher Weise, aber was bedeuten schon ein paar Insekten? Drei Tage später stach mich eine Bremse in den Finger, aber auch dieser Vorfall gehört in das Reich der Bedeutungslosigkeit. Im Gegensatz zu der Begegnung am 08.07., die in meinem Laufareal stattfand – hier führte ich ein Gespräch mit einem Taubenzüchter, der ungefähr 60 Tauben fliegen lassen wollte. Seit jeher bin ich ein Taubenfreund und die Putzels beobachten zu dürfen, war freilich hochinteressant; das Gespräch nicht minder. Mögen sie alle wohlbehalten zurückgekehrt sein. Seit heute relativiert sich mein Gleichmut in Richtung der Insekten jedoch wieder, da mich vorhin ein unbekanntes Etwas in meine Wade stach – allein der Einstich generierte solche Schmerzen, wie ich es bis dato noch nie erlebte. So lebt sie wieder auf, die heikle Routine.

Zu einer gefährlichen Situation kam es am 15.07. an dem berühmt-berüchtigten Stop-Schild, wo mich ein LKW-Fahrer zwang, auf die Straße auszuweichen, die in der Sekunde jedoch befahren war. Ohne Worte. Ich kann meine Einschätzung über diese Spezies hier nicht näher erörtern. Viel schöner war die Rettungsaktion nur wenige Minuten später; denn eine wundervolle Weinbergschnecke lustwandelte einmal mehr über die Straße. Ihr vorzeitiges Ende war mit Sicherheit nur eine Zeitfrage, doch ich nahm mich ihrer an und überführte sie in den schützenden Forst. So vergeht ein durchaus nicht gewöhnlicher Monat Täglichlaufen, der in meiner Erinnerung einen besonderen Stellenwert einnehmen wird. Jener Abschnitt veredelt meine Intention in einem bemerkenswerten Maße, der mich noch demütiger werden läßt. Und so schließe ich mit den Worten – ein Hoch auf die Gesundheit. Gelebtes Täglichlaufen.

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