Der Tag der Schwäne

Schwan

Fürwahr, solange ich der Gilde der Läufer angehöre, erlebte ich noch nie einen Tag, ohne die wundervollen Schwäne beobachten zu dürfen. Mein Laufareal ist ihre angestammte Heimstatt und so darf ich sie täglich erleben. Sie im Flug zu erspähen, mit ihrem sonoren Sirren – diesem grandiosen Begleitgeräusch – ist derart verzückend für mich, daß ich in solchen Momenten meinen Lauf noch stets unterbrochen habe, um dieses wunderbare Schauspiel nur auf mich wirken zu lassen und ja, konzentriert zu genießen. In der Tat ein edler Genuß. Der heutige Tag, respektive Lauf bildet eine Ausnahme – wie ich sie bis dato noch nicht erfahren durfte. Heute war der Tag der Schwäne. Wahrlich.

Von Anfang bis Ende meiner 14 Kilometer erspähte ich ein massives Aufgebot von Schwänen am sonnigen Himmelsgewölbe, die in allen Richtungen hin und her schwebten. Sobald ein oder mehrere Schwäne meinem Blick entschwanden und eindrucksvoll landeten – dabei lauthals schimpfende Enten erschreckten – zogen von der anderen Seite weitere Schwäne in mein Gesichtsfeld und stiegen gen Firmament erhaben empor. Indessen ich sie ehrfürchtig beobachtete, kreuzten sie galant im Himmelsreich, zogen ihre tanzenden Bahnen und ließen sich andernorts hernieder – im Hintergrund tröteten die Kraniche ihre ureigene Melodie des erwachenden Frühlings. Stets von dem geheimnisvollen Sirren flankiert, welches ich so sehr liebe. Was für ein Anblick – was für ein Tag! Im Zeichen der Schwäne. Strahlendes Weiß in der Ferne. Fürwahr, ein einzigartiger Tag.

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