Den Weg gehen – X. 2016. Vierzehn Jahre, Zehn Monate. Schneegnade.

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Vierzehn Jahre und Zehn Monate in Serie. Das alte Jahr verschied traurig seufzend von dannen, eine weitere Phase in meinem Täglichlaufen nicht minder, doch ja, diese meine Konzeption setzt sich darüber hinaus fort, allein wie könnte ich jenen wertvollen wie elementaren täglichlaufenden Stil auch nicht fortführen? Tag für Tag vergeht ungehalten für immerdar, die noch nicht geborene Zukunft schreitet in die unendliche Vergangenheit und reißt gnadenlos und ungerührt alles und jeden mit sich. Im Rahmen dieser unabwendbaren Fragilität erstaunt es mich nachhaltig, daß ich diesen Stil immer noch wertschätzen darf und das bald – mit ein wenig Glück – seit 15 Jahren. In der Tat, auf diese Ausnahmezahl werde ich in diesem Jahr immer wieder zurückkommen, zu gewichtig wird dieser Tag für mich werden – oder auch eben nicht. Die Zeit wird es lehren. So sei es.

In dem vergangenen Monatsabschnitt alternierten die Temperaturen zwischen 12 °C und -12 °C und somit generierte die zärtliche Witterungsregentin 22 Kälte-, zwei Regen-, zwei Nebel- und einen Glatteislauf. Meinen traditionellen zweiten Silvesterlauf ließ ich 2015 – mehr oder weniger ausnahmsweise – ausfallen. Ganz banal durch die Tatsache einer latenten Lustlosigkeit begründet. Somit blieben die genannten Jahreskilometer für das Jahr 2015 bei einem Wert von 4749 unverändert. Ende Dezember und Anfang Januar wurde ich einmal mehr als Futterlehrling für meinen wolligen Freunde bestallt und war somit für das kulinarische Wohl verantwortlich. Diese schöne Zeit verging viel zu schnell und unvergessen bleibt der Moment, als der gewaltige Schafbock einen Luftsprung vollzog – als wir alle gemeinsam zu ihrem Futterplatz marschierten. Freilich, die sich anschließende Zeit brach und bricht mir fast das Herz, da sie bis heute sofort laut rufen – sobald sie mich in der Ferne erkennen – und alle geschlossen zum Tor stürmen, in der Hoffnung, ich würde ihr Frühstück bereiten. Und doch darf ich nicht mehr. So bleibt mir nur, die lieben Putzels zu streicheln. Doch das laute Wehklagen hält an. In der Sekunde, in der ich hier die Rückschau verfasse, erhielt ich einen Anruf und wurde gebeten, erneut das Futteramt anzutreten – mit Freuden habe ich zugesagt!

Am 03.01. durfte ich nahezu auf den Tag genau nach zwei Jahren wieder einen Biber beobachten, der fröhlich entspannt durch seine traumhafte Eislandschaft schwamm. Die Weiher sind in ihrer Bewegung frostig erstarrt, aber im Reiche des Bibers werden bewußt hier und dort Zugänge freigehalten. Natürlich ist es vermessen in den ersten Tagen des neuen Jahres bereits einen „schönsten Lauf“ überhaupt zu küren, demungeachtet kann ich mich der erdrückenden Wahrheit nicht verschließen. Die Schneewelt vom 06.01. war tatsächlich ein Traumlauf par excellence, wie er seinesgleichen sucht und nie finden wird. Als zauberhaften Auftakt zogen die ehernen Sendboten mit einer würdigen Kälte von bis zu -12 °C in den natürlichen Weltgesang ein und hernach wurde das traumhafte Gemälde der liebreizenden Natur in ein edles Weiß gezeichnet, welches trunken vor Glück seinesgleichen suchte. Am 05.01. marschierten die Wolkenfronten mit Engagement auf und in der folgenden Nacht schneite es ohne Unterlaß – welche rare, elementare Gnade.

Mich umgab eine Einsamkeit – die wie eine melancholische Sängerin ihren wehmütigen Text in die weite, dunkle Welt hinaus sang – der doch nur für bestimmter Hörer gedacht war. Weiter und weiter lief ich, hinein in die Tiefe des Waldes, selten gewahrte ich Windböen – die die einzigartigen Schneekristalle rasant hin und her wirbelten, in alle Richtungen tanzen ließen. Auch sie vernahmen das leise Wispern des frostigen Forstes und das melancholische Lied der unsichtbaren Künstlerin. Ein graues Heer von Wolkenformationen trübt die Weite des Horizonts und sorgt für steten Schneenachschub. Ich verliere ich mich immer weiter in jenes Habitat, welches von einer wahren Einzigartigkeit beherrscht wird, genieße jeden Augenblick dieser Schneewelt und mir ist bewußt, daß ich nach nur sechs Läufen in dem noch jungen Jahr – bereits den wundervollsten Traumlauf in diesem Jahr absolviert habe.

Ein weiterer bedeutender Lauf stand gleichfalls im Zeichen der Witterungsbedingungen und wurde in einer raren Einzigartigkeit geboren. Die unwägbare Wetterfürstin bot mir einen Kälte-, Nebel-, Glatteis- und Regenlauf feil. Tatsächlich, all jene Bedingungen zu der gleichen Zeit – während eines Laufes. Derlei habe ich in all den Jahren Täglichlaufen noch nie erlebt. Kälte. Regen. Nebel. Eis. Vereint in einem Lauf – wahrlich, mehr Glück zur gleichen Zeit ist faktisch unmöglich. Der 12.01.2016 wird sich in meinem Geist als besonderer Tag einbrennen. Dank der wunderbaren Kälte eroberte ich auch die Grenze von 1100 Kälteläufen und überschritt sie mittlerweile.

Nachdem der erste Schnee endgültig in die Flüchtigkeit taute, sollte es nicht lange währen, bis die nächste Schneefront engagiert aufzog und das ihre tat, um die ersten Impressionen zu intensivieren. So vollzog ich gestern erneut einen formidablen Schneelauf, der gar mit einer Rotfuchsbegegnung gekrönt wurde. Auch die wühlenden Schwarzkittel dürfen nicht unerwähnt bleiben, denen ich gestern und heute begegnete (30. und 31. Wildschweinkontakt). Nichts geht über die greifbare, knirschende Schneegnade. So setzt es sich also fort, mein Täglichlaufen in dem Jahr 2016. Möge die Gesundheit auch künftig obsiegen, sodann wird auch mein Täglichlaufen den gewohnten Pfad beschreiten – auf die einsamen Höhen – empor gen 15. Möglicherweise.

Werbeanzeigen

Kommentare sind geschlossen.