Den Weg gehen – III. 2015. Vierzehn Jahre, drei Monate. Unspektakuläre Phase.

Täglichlaufen. Stolze und kostbare Vierzehn Jahre und drei Monate in Serie. Wieder wurde ein geschätzter Monat Täglichlaufen von der tödlichen Vergänglichkeit zärtlich berührt, um sich anschließend in gelebter Rasanz in finsteren wie strahlenden, illusionären Staub zu verwandeln – der Eintritt in das unausweichliche vergessende Totenreich folgte in seiner lächelnden Konsequenz. Was bleibt nun? Einmal mehr das Erstaunen ob der flüchtigen Zeit. Wie ein schneller Pfeil wird Lebensmonat um Lebensmonat von einem imaginären Bogen abgeschossen, schnellt ungehalten rücksichtslos, um irgendwann still in das allumfassende Nichts hernieder zu fallen. Monat für Monat vergeht und in solchen ausgewählten Momenten frage ich mich, wie lange wird es mir noch möglich sein, dieses meine Täglichlaufen noch zu zelebrieren, ja noch zu leben? Wohin wird mich jener surreale Pfad künftig führen? Die omnipotente Großmeisterin der Zeit wird es lehren. Morgen oder übermorgen, doch nicht heute.

Die vergangene Phase in meinem Täglichlaufen war wahrlich unspektakulär, wenngleich das entomologische Gepräge durchaus gravierend erschien und mir nicht selten die Freude in meinem Handeln verwehrte. So darf es nicht irritieren, daß ich wiederholt höchst lustlos agierte und ja, selbst an den Tagen, die sich durch perfekte Bedingungen auszeichneten, verwandelte sich mein Täglichlaufen in eine Herausforderung – freilich „nur“ mentaler Natur. Aber starke und schwache Zeiten gehörten jeher zu meiner Konzeption und so will ich nicht viele Worte darüber verlieren. Wenn immer alles nur großartig wäre – das wäre wahrlich entsetzlich. Dennoch, eine weitere Schreckensnachricht muß in diesem Kontext erwähnt werden – ich erlebte keinen einzigen Regenlauf. Welch ein Jammer! Die Temperaturen alternierten zwischen 07 °C und 26 °C, was dieser Jahreszeit angemessen erscheint – wenngleich nicht nach meiner eigenen Definition.

Um im Reich des Schreckens zu bleiben, in der Regel bin ich hier als Schreckgespenst bekannt, da ich zahllose Personen und Tiere – natürlich unabsichtlich (meistens) – erschreckt habe, aber am 09.06. erwischte es mich selbst; nun war ich das Opfer. Ein Bekannter passierte mich mit seinem Auto und als er meine Höhe erreichte, hupte er direkt neben mir – und ich war zutiefst mit meinen Gedanken in anderen Welten versunken. Und so nahm ich die ungewollte Opferrolle ein – einfach schrecklich. Nach der feuerwehrlichen Attacke vor kurzem war dies nun der zweite Akt. Verkehrte Welt. Ein weiteres Beispiel aus der verkehrten Welt erfolgte am 16.06. – eine Radfahrerin fuhr auf dem Fußweg und der schwarze Täglichläufer lief auf dem Radweg und überholte selbige; seltsame Dinge geschehen.

Am 24.05. wurde mir die große Ehre zuteil, einen Kranich in einem Abstand von nur zehn Metern zu passieren, der temporär die Flügel ausbreitete, um mich dann gelassen zu beobachten. Vier Tage später durfte ich zweimal Vertreter der piroligen Sphäre erspähen, welche stets einen zauberhaften Anblick bilden. Wenig später, am ersten Junitag wurde auf meinem Damm endlich das Gras gemäht; in jene partiell gestörte Einsamkeit wagte sich ein heftiger Sturm und latenter Sprühregen, welchen ich leider nicht als Regenlauf werten durfte, da es an greifbarer Intensität und Permanenz mangelte. Möge in dem nächsten Abschnitt der Regen eine dominierende Rolle einnehmen und die täglichlaufende Zunft in freudiges Entzücken versetzen. Hoffnung treibt das Schiff der Narren. So endet ein rasanter Monat ohne Besonderheiten, was ich selbstredend mitnichten negativ betrachte. Ich lasse mich überraschen, wie sich die nachfolgenden Läufe in diesem Kontinuum gestalten werden. Und, möge es sich fortsetzen – das Gelebte Täglichlaufen.

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