Den Weg gehen – IX. 2014. Dreizehn Jahre, neun Monate. Das Schwere im Einfachen und das Einfache im Schweren.

Täglichlaufen. Stolze Dreizehn Jahre und neun Monate in Serie. Auf meiner wunderbaren Reise durch das scheinbar endlose, weite Reich des Täglichlaufens gelang es mir – verbunden mit der lächelnden Zufriedenheit – eine weitere Ebene in diesem surrealen Stil zu realisieren und hernach zu festigen. Freilich hätte ich das nie für möglich erachtet, derart tief in diese mysteriöse, unbekannte Welt vorzudringen; zuerst unbewußt im Kontext einer wahrlichen Banalität; geboren im Trotz – sodann immer bewußter, immer aufmerksamer, immer wertschätzender, immer respektvoller, immer fokussierter und lebendiger – fürwahr, immer einnehmender. Allein wie simpel ist dieses Täglichlaufen! So einfach, so einfach! Natürlich banal, ja, natürlich. Und doch so schwer, so herausfordernd und so unsagbar diffizil. In den vergangenen Tagen fragte ich mich in ausgewählten Momenten, was ich hier eigentlich mache – eingehüllt in tiefer Finsternis, nur umgeben von eisiger Kälte und mich dem stürmischen Odem des Winters entgegen werfend – obgleich ich derlei Bedingungen doch übermächtig liebe, wollte ich flüchten – nur noch flüchten. Und ja, ich flüchtete und rannte und rannte und registrierte einmal mehr das Schwere im Einfachen und das Einfache im Schweren. Schlußendlich obsiegte der Widerspruch über sich selbst oder ich selbst über mich? Täglichlaufen ist ein wahrer Widerspruch in sich; muß es sein. Wie dem auch sei, starke und schwache Phasen kommen, gehen. Schlußendlich erhalten sie die bedeutende Demut und dafür bin ich dankbar. Temporäre Zweifel sind noch stets ein Garant für die gelebte Permanenz des eigenen Handels gewesen. So sei es.

In dem vergangenen Abschnitt, der kausal für die letzte Monatsrückschau in diesem Jahr verantwortlich zeichnet, alternierten die Temperaturen zwischen 04 °C und -05 °C und der frostige Weltgesang dominierte allenthalben. Indessen die Schneeregentin nach wie vor zur Fahndung ausgeschrieben ist. Dementsprechend erlebte ich 26 Kälteläufe und je ein Nebel- und Regenlauf. Vor nicht allzu langer Zeit traf ich in einem Restaurant auf einen höflichen Mann, der mich ansprach: „Sie sind doch der Läufer, der täglich in meinem Wald unterwegs ist!“ – nach einer latenten Verwirrung meinerseits erkannte ich den hiesigen Jäger, der mit seiner Freundlichkeit so gar nicht in mein Weltbild paßte. Um bei dem Thema zu bleiben, passierte ich am 14.12. mehrere Jäger, die sich gerade ihrem blutigen Tun hingaben, welche nicht minder freundlich waren und mich sogar winkend begrüßten. Demungeachtet kann ich derlei Agieren nur verurteilen; zumal sie an jenem Sonntag die freie Wasserfläche bestrichen, mutmaßlich also zutiefst harmlose Wasservögel töteten, um im Anschluß nicht mal physisch ihre Beute zu erreichen. Vollkommen absurd.

Am 20.11. durfte ich zum ersten Mal überhaupt beobachten, wie Schwäne miteinander kommunizieren. Ich stand am Ufer und drei Schwäne zu meiner linken und drei zu meiner rechten Seite führten eine Unterhaltung und jede Stimme hatte ihren ureigenen charakteristischen Klang. Seit so vielen Jahren durchstreife ich täglich mein Laufareal und derart viel Zeit mußte vergehen, bis ich derlei vernehmen durfte. Nicht weniger beeindruckend sind die Bläßhühner, die bei entsprechender Kälte gewaltige Kreise auf dem See bilden – zu Aberhunderten – und mit ihrem ausgeprägten Schwarz die Sicht weithin dominieren respektive absorbieren. Weiterhin zählt die Rettung der Blindschleiche zu einem Höhepunkt in diesem Monat und ich bin geneigt anzunehmen, daß sie aufgrund meines Eingreifens den allzu frischen Tagesbeginn überlebte.

So vergeht ein neuerlicher Monat Täglichlaufen für immerdar, der eben noch hoffnungsfroh in der dunklen Zukunft schwebte; Tag um Tag und Lauf um Lauf fließt in die unendliche Vergangenheit und mit jeder weiteren Sekunde, die seufzend hernieder in den Tod gefällt wird, verflüchtigt sich auch parallel dazu die begrenzte Lebenszeit von meinem unsichtbaren Konto, welches uneinsehbar ist, gleichwohl jedes Lebewesen besitzt. Wahrscheinlich wird nur noch ein Artikel in diesem Jahr folgen – der unvermeidliche Jahresrückblick – der zudem wieder mit offener Kommentarfunktion aufwarten wird, so es meine Zeit denn erlaubt. Doch jetzt geht meine Reise weiter; im Täglichlaufen. Wohlan Gelebtes Täglichlaufen, möge es beginnen!

19.11.2014 14 KM – x Schranken geschlossen
20.11.2014 14 KM – Kommunikation von Schwänen beobachtet
21.11.2014 14 KM – Kältelauf
22.11.2014 14 KM – Gespräch geführt
23.11.2014 14 KM – Gespräche, Frau erschreckt
24.11.2014 14 KM – Regenlauf
25.11.2014 14 KM – Gespräche geführt, Nebellauf
26.11.2014 14 KM – Gespräch geführt
27.11.2014 14 KM – Gespräch, Rückkehr der Schafe
28.11.2014 14 KM – Pirol beobachtet
29.11.2014 13 KM – Gespräch, sehr kalter Ostwind
30.11.2014 14 KM – See: schwarzer Kreis aus Bläßhühnern
01.12.2014 14 KM – Gespräch geführt
02.12.2014 14 KM – Kältelauf
03.12.2014 14 KM – Kältelauf
04.12.2014 14 KM – Kältelauf
05.12.2014 14 KM – Gespräch, Greifvogelbegegnung
06.12.2014 14 KM – Gespräch, Sonne & Nebel gleichzeitig
07.12.2014 13 KM – mehrere Gespräche
08.12.2014 14 KM – Schafe gestreichelt
09.12.2014 14 KM – Gespräch, Blindschleiche gerettet
10.12.2014 14 KM – Gespräch geführt, kalter Sturm
11.12.2014 14 KM – Gespräch geführt, kalter Sturm
12.12.2014 14 KM – Kältelauf
13.12.2014 14 KM – „lärmendes“ Eichhörnchen beobachtet
14.12.2014 14 KM – x Gespräche, Jägerkreaturen aktiv
15.12.2014 14 KM – Schranken geschlossen
16.12.2014 12 KM – Gespräch geführt
17.12.2014 10 KM – partiell glatt, Kältelauf
18.12.2014 10 KM – 13 Jahre und 09 Monate Täglichlaufen
Jahres-KM bis 18.12.2014: 4863 KM
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