Den Weg gehen – IV. 2012. Elf Jahre, vier Monate. Regenharmonie.

Täglichlaufen. Stolze Elf Jahre, vier Monate. Verbannt. In kalte, eisenharte Fesseln gelegt und in die unendlichen Weiten des erbarmungslosen Universums für alle Zeiten immer und immer verbannt. Jener vergangene Monat, den ich hier im gewohnten Rückblick im Zeichen des Täglichlaufens noch einmal temporär hochleben lasse. Wie ein leiser werdendes Echo, das ungerührt verhallt, bis dereinst selbst die Erinnerungen vergessen sind und sich wie ein Hauch im Nichts auflösen. Eine surreal seltsame Phase mit unwirklichen Begebenheiten, die zwar mein Täglichlaufen in keiner Weise tangieren, aber doch die elf Jahre und vier Monate noch irrealer erscheinen lassen – im besonderen Maße im Kontext der Gesundheit, jenem fragilen Konstrukt der Unwägbarkeit. Gesundheit. Schätzen wir sie, ehren wir sie, achten wir sie – so wir denn können; denn wir haben nur die eine. Sie symbolisiert das, welches uns am wertvollsten sein sollte – das Leben selbst. Was könnte bedeutsamer sein?

An ausgewählten Tagen vollzog ich meine tägliche Laufrunde widerwillig, was einem mentalen Unwillen geschuldet war. So sei es. Auch dies ist ein gewichtiger Grundpfeiler im Täglichlaufen. Und Erlebnisse wie die neuerliche Hundekonfrontation trugen das ihre dazu bei. Schweigen. Positiver indessen, von dem törichten Gespräch freilich abgesehen, erwies sich die Erkenntnis, daß das Jahr 2012, d a s Jahr der Wildschweine ist. Von ebenso freudiger Natur sollte die Rückkehr „meiner“ geliebten Schafe aus ihrem wohlverdienten Sommerurlaub sein. Nun, sie kehrten nicht sonderlich gebräunt zurück, aber doch mit einem eklatanten „mehr“ an kuscheliger Wolle.

Die Witterungsbedingungen vom vergangenen Sonntag suchten ihresgleichen, die 15 Kilometer im strömenden Regen entschädigten mich für all die drückenden und unangenehmen Hitzeläufe in den letzten zwei Monaten. Jedwede Wolkenschleusen öffneten und ergossen sich sodann mit aller Macht auf die grüne, dürstende Erde, indessen ich jede Sekunde davon par excellence genoß. Ein mäßiger Wind mit partiellen Sturmböen gesellte sich belebend hinzu und glitt sanft über das säuselnde Schilfmeer und streichelte es vereint in der Harmonie des Regens zärtlich, so daß es sich behutsam an den Boden schmiegte. Von einem einzigartigen Charakter enttarnte sich eine exponierte Bussardbegegnung. Nicht viel später trottete mir ein herziger Nachwuchsfuchs entgegen, der jedoch leider einen direkten Kontakt vermied und sich rasant in die sogenannten „Büsche schlug“. Ein knuffiger Anblick.

So vergeht ein weiterer Monat, der soeben noch in der Zukunft weilte, unter den diffizilen Bedingungen des Täglichlaufens. Elf Jahre und vier Monate. Ich lasse mich überraschen, wohin die Reise zukünftig gehen wird, wie lange und wie weit ich noch laufen darf, täglich. Doch nach wie vor beschreite ich diesen meinen Weg der Zufriedenheit von Herzen und mit den daraus resultierenden Konsequenzen – und das mit dem konzentrierten Bewußtsein – mentaler und körperlicher Natur; denn das ist mein Weg. Gelebtes Täglichlaufen.

19.06.2012 14 KM
20.06.2012 14 KM
21.06.2012 13 KM – besonderer Lauf (Begleitumstand)
22.06.2012 14 KM
23.06.2012 14 KM – 15. Wildschweinkontakt
24.06.2012 13 KM
25.06.2012 12 KM – Waldschranke geschlossen
26.06.2012 15 KM – herrlicher Lauf, Zeltbewohner erschreckt
27.06.2012 14 KM
28.06.2012 14 KM – extrem unangenehme Atmosphäre
29.06.2012 14 KM
30.06.2012 14 KM – Gespräch geführt, Waldschranke geschlossen
01.07.2012 13 KM – drückende Atmosphäre
02.07.2012 13 KM
03.07.2012 14 KM
04.07.2012 14 KM – fast auf eine „riesige“ Ringelnatter getreten
05.07.2012 13 KM
06.07.2012 13 KM – unangenehme Witterungsbedingungen
07.07.2012 13 KM – unangenehme Witterungsbedingungen
08.07.2012 13 KM – Bussarderlebnis
09.07.2012 13 KM – 21. Hundekonflikt
10.07.2012 14 KM – Schafrückkehr, grandioses Bussarderlebnis
11.07.2012 14 KM – unangenehme Atmosphäre
12.07.2012 14 KM – Schafpause
13.07.2012 14 KM
14.07.2012 14 KM – Schranke geschl., Gespräch, Nachwuchsfuchs
15.07.2012 15 KM – R e g e n lauf – endlich!!!
16.07.2012 13 KM
17.07.2012 14 KM – Gespräch geführt, Streckenänderung
18.07.2012 14 KM – 11 Jahre und 04 Monate Täglichlaufen
Jahres-KM bis 18.07.2012: 2794 KM

28 Antworten zu “Den Weg gehen – IV. 2012. Elf Jahre, vier Monate. Regenharmonie.”

  1. Kaum zu fassen… ich wiederhole mich… schon wieder ist ein Monat vergangen. Das ist purer Wahnsinn.

    Dass die Schafis wieder zurück sind, gefällt mir wohl am besten, jetzt kannst du mir von den süßen Wollis wieder erzählen 😀

    Im letzten Monat war ganz schön viel los :))

  2. Ich nehme das nur schweigend hin – bevor ich mich ebenfalls wiederhole. Tempus fugit.

    *lacht* Ja, die Putzels sind immer noch schwer beschäftigt mit ihren Macheten den Dschungel ein wenig zu lichten. Andere würden das als Frühstück, Abendessen usw. bezeichnen. 😉

    Bis auf wenige Ausnahmen (Hundekonflikt) war der Monat relativ ruhig.

  3. Und das mit dem Bussard war natürlich auch irre schön. Das erlebt kaum jemand. Du natürlich schon.

    Ach in deinem Aufzählung ist schon viel zu lesen. Hundekonflikte können nicht schön sein, das ist klar!

  4. Das mag sein; aber wie lange mußte ich auf ein derartiges Erlebnis warten? Freilich, ich habe derlei nicht wirklich erwartet, dennoch mußten über 15 Jahre vergehen. Aber das werde ich nie vergessen.

    Ich hatte gehofft, es würden mehr Jahre vergehen, bis derartiges wieder eintritt, aber leider, leider…

  5. Richard Says:

    Wie gewohnt gratuliere ich ihnen zu der neuen gewonnenen Grenze im Täglich-Laufen. Ich habe nichts anderes erwartet. Da sie ihre Serie seit über 11 Jahre souverän meistern, kann ich mir nur schwer etwas anderes vorstellen. Bemerkenswert finde ich ihre Kilometerstatistik, die sie nur am Rande erwähnen. Ohne Stolz. Mir sind Menschen bekannt, die mit dem Rad oder Auto weniger Kilometer hinter sich bringen als sie im Laufschritt. Von Läufern zu schweigen, die sich auf viel weniger viel einbilden. Passen sie auf sich auf und bleiben sie wie sind sind. Danke.

    Herzlichst
    Richard

  6. Vielen Dank, Richard. Ja, die vielen Jahre können sich positiv wie negativ auswirken – wie das Leben selbst schlußendlich. Doch irgendwann wird das Ende über mich herein brechen, ebenso wieder auf beide Punkte bezogen.

    Die Kilometer interessieren mich auch nicht, von den Jahreskilometern abgesehen. Aber wie könnte ich darauf stolz sein? Ich bin ja auch nicht stolz darauf, daß ich atme. Ich kenne auch viele Menschen, die sich auf wenig oder nichts viel einbilden – was mich nicht stört. Ich bin mit meinem Weg sehr zufrieden. Andere Pfade interessieren mich nicht.

  7. Hallo Marcus,

    herzliche Gratulation zum neuen Staffelfähnchen! Die 12 kommt langsamer näher.

    Du hast wieder viel erlebt in der Zeit. Ich hoffe, das Positive wird die schlechten Tage verdrängen.

    Glück auf für den neuen Monat!

    LG

    Beata

  8. Vielen Dank, Beata. Die schönen Begebenheiten verdrängen früher oder später immer die unangenehmen. Zwölf Jahre liegt noch in ferner Zukunft…

    • Du machst einen besonnenen Eindruck auf mich und die 11 Jahre sprechen für sich. Bleibst Du gesund hält Dich nichts auf, oder?

      LG

  9. Wie immer eine klasse Rückschau! Man sollte nicht meinen, was man alles beim Streaken erleben kann. So lange es nicht gefährlich wird, gehts ja (Hunde). In Zukunft also aufpassen und davon verschont bleiben!

    Auf in den nächsten Monat! Halbzeit naht!

    MfG

  10. Das nützt nichts, wenn i c h aufpasse und andere Personen leider nicht. Wer viel läuft, erlebt viel – wer täglich läuft, erlebt noch mehr. 😉

  11. **Zeltbewohner erschreckt** Diesmal keine Biker? Was war da los? :mrgreen:

  12. Ich erschrecke doch keine „Biker“. 😯

    Auf meinem Damm haben einige Personen in einem Zelt übernachtet und somit den Weg gänzlich blockiert; die „Strafe“ manifestierte sich in schreckhafter Art. 😉

  13. Dietmar Says:

    Irgendwie habe ich mich dran gewöhnt Deinen monatlichen Rücklick zu lesen, so als wäre es das selbstverständlichste überhaupt, lieber Marcus. Und ich meine da nicht etwa das Lesen. Das Täglichlaufen über einen solchen Zeitraum widerspricht meiner beschränkten Vorstellungskraft. Wenn Du gelegentlich mental schwächeren Phasen andeutest, so würde mich interessieren, welche Energie Du aufwenden musst, um solche Situationen zu überwinden. Aber besteht die Motivation nicht ohnehin aus unseren eigenen Gedanken?

    Die Grundvoraussetzungen von alldem ist aber die Gesundheit. Und da scheint es bei Dir erfreulich zu stimmen. Mag es dabei bleiben!

    Weiterhin alles Gute!
    Dietmar

  14. Lieber Dietmar,

    meine Rückschau besitzt fast einen traditionellen Charakter. Aber dies ist eine sehr fragile Tradition, umso mehr bemühe ich mich sie zu pflegen (und täglich zu laufen).

    Die schwachen Phasen treten vor dem Laufen auf, selten während des Laufens. Dann kostet mich das (mentale) Überwindung mein Programm (Vorübungen) zu beginnen. Oft frage ich mich dann, wieso ich schon wieder laufen will – ich war doch erst gestern? – entsprechend beginne ich mit Widerwillen und/oder Unlust. Aber das muß auch dazu gehören. Nichts ist nur positiv. Alles hat zwei Seiten. Und schlußendlich beginne ich dann doch, in Wahrheit stand es nie zur Disposition.

    Nichts geht über die Gesundheit. Wer halbwegs gesund ist, kann sich glücklich schätzen.

    In diesem Sinn, viel Freude beim Laufen und bleibe gesund.

    • Dietmar Says:

      Danke für Deine Antwort, lieber Marcus. Die Art wie Du das Täglichlaufen betreibst macht von außen betrachtet Sinn. Es geht auch – so meine Erfahrung – nur in der ausschließlichen Konzentration auf das Täglichlaufen (also keine anderen läuferisch ambitionierten Ziele).

      Ich habe gestern einen sehr interessanten Bericht eines 100 Km-Läufers gelesen. Der berichtete u.a. über die Schinderei im ersten Halbjahr, wo er 2.500 Km zur Vorbereitung gelaufen ist, dabei zahlreiche Marathon und Ultraläufe. In der Deinem Rückblick lese ich, dass Du 2794 KM mit Stand 18.07. gelaufen bist. Auch wenn solche Vergleiche keinen Sinn machen, so zeigt es doch läuferische Dimensionen auf. Nochmals alles Gute.

  15. Vielleicht können das manche Menschen vereinen, also Täglichlaufen und ambitionierte Ziele, was immer das im Einzelfall bedeuten mag; ich selbst könnte das nicht.

    Wenn ich mir ein bestimmtes Ziel setze und dies setzt voraus, 2500 Kilometer in der Vorbereitung zu absolvieren, so würde ich das auch als Anstrengung empfinden. Mein Täglichlaufen ist weit davon entfernt; in der Regel laufe ich ja nur entspannte 14 Kilometer pro Tag – das ist meistens in 65 bis 70 Minuten erledigt und kostet nicht viel Kraft. Da sich das eben täglich abspielt, wirken die Kilometer in der Summe recht ordentlich, aber sie entstehen nur nebenbei – ohne Anstrengung (meistens).

  16. Lieber Marcus,
    es ist ja schon wieder ein Monat rum. Manchmal habe ich das Gefühl, die Zeit rast immer schneller.
    Schön Deinen Rückblick zu lesen. Am besten gefallen mir Deine vielen Tierbegegnungen und -beobachtungen. Damit kann ich hier leider nicht konkurrieren. Deshalb beneide ich Dich drum.
    Deinen Regenlauf von letzter Woche kann ich aber gut nach vollziehen. Der hätte mir auch gefallen
    Ich wünsche Dir weiterhin viel Spaß bei Deinen täglichen Läufen.
    Wünsche ein schönes Wochenende!“
    Liebe Grüße
    Kornelia

  17. Vielen Dank, liebe Kornelia. Das Gefühl habe ich auch manchmal, aber diese Rückblicke konzentrieren diese Empfindung noch viel mehr. Das Leben fließt rasant in die tote Vergangenheit.

    Und ich beneide Dich um die Witterungsbedingungen, die bei Dir herrschen. Du kannst mich gerne verbessern, aber mein subjektiver Eindruck ist, daß Du sehr viel öfter in den Genuß von Regen kommst. Für 2012 zähle ich gerade mal 19 Regenläufe – das ist nichts.

    Ich wünsche Dir ebenfalls ein herrliches Wochenende.

    • Ob ich in diesem Jahr schon mehr Regenläufe hatte wie Du, weiß ich nicht. Ich führe darüber ja nicht Buch. Aber Hauptsache ist doch, dass wir unsere Läufe täglich genießen können.
      Das ist doch das A und O, oder?
      Liebe Grüße
      Kornelia

  18. Wenn auch nicht täglich, so doch in der Mehrheit. Täglicher Genuß wird mit der Zeit auch langweilig und man weiß es nicht mehr zu schätzen.

    In diesem Sinn, mehrheitlich viel Freude beim Täglichlaufen. 🙂

  19. 11 Jahr – 4 Monate – wie die Zeit doch rennt, unglaublich!
    Mensch Marcus, ich erinnere mich immer wieder so gerne an den Jubiläumslauf, den für das 10. Jahr, und das soll nun schon wieder so lange her sein? Mir ist es als ob es gestern gewesen wäre – wobei es schon viel zu lange her ist, das wir uns gesehen haben, irgendwie verrückt, gelle?

    Aber hey, was habe ich da gelesen – 2794 Km für dieses Jahr? Ist ja ein Ding, ich führe 😉 , habe 2916,4 Km bis Dato hinter mich gebracht und niemals gedacht, dich nochmal einholen zu können!
    Allerdings steht damit eines für uns beide fest – die 5000 fallen auch in diesem Jahr auf jeden Fall….ähm, halt, letztes Jahr war das bei mir ja OP-bedingt gar nicht der Fall 😉 . Aber 2012 sollte das klappen!!

    Ich wünsche dir ein grandioses Wochenende,
    Steffen, dem die Zeit weg läuft…

  20. Wie wahr, wie wahr, lieber Steffen. Das ist erschreckend, wie schnell die Zeit – unser Leben – doch vergeht. Und am Ende vergehen wir selbst und fallen für immer in den Fluß der Vergangenheit. Aber jenen Tag werde ich nie vergessen, das war wirklich erst gestern. Derlei war einmalig in meinem Leben und Ihr seid dabei gewesen, wofür ich Euch sehr dankbar bin. Du hast Recht, wir haben uns lange nicht gesehen, wer weiß, vielleicht bekommen wir wieder mal ein Treffen hin!?

    Die Kilometerzahl stimmt nicht mehr; mittlerweile sind ein oder zwei dazu gekommen und ich nähere mich der „3“ mit ein paar Nullen. 😉 Daß Du am 31.12. führen wirst, überrascht mich nicht. Als Täglichläufer kann ich gegen das (Dich) personifizierte Ultralaufen nicht mithalten.

    Ich hoffe und wünsche Dir, daß Du die gesundheitlichen Klippen erfolgreich umschifft hast und zukünftig in ruhigen Gewässern einer stabilen Gesundheit umher schippern wirst. Also, bleibt bitte gesund, gell?

    Auch Dir ein herrliches Wochenende.

    • Moin Marcus,

      bei mir waren es gestern 3125,4 Km….aber personifizieres Ultralaufen……da kenne ich noch ganz andere 😉

      Aber ich bemühe mich…

      Dir noch eine tolle Restwoche,
      Steffen

  21. Ich hinke hinterher, werde aber deswegen nicht in Trübsal verfallen. 😉

    Andere sind bedeutungslos. Ich bleibe bei meiner Einschätzung. 🙂

    Ich wünsche Dir ebenso eine famose Woche.

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