Hundekonflikt Nr. 21

Ungefähr zweieinhalb Jahre sollten vergehen, bis ich mich wieder mit der Hundethematik auseinandersetzen durfte – heute. Oder mußte; je nach Belieben. Ich spreche bewußt von einem Konflikt, denn ein Angriff fand nicht statt. Ich verlasse auf dem Rückweg meinen geliebten Wald, passiere ein parkendes Auto und vernehme mehrere Stimmen von Spaziergängern, die soeben in den Forst eintreten wollen. Das satte, grüne Blattwerk hindert mich an einer näheren Beobachtung – ich laufe weiter – und habe bereits fast 80 Meter zurückgelegt, als plötzlich tosendes Geschrei zu hören ist, ein lautes Rufen erklingt; natürlich nach einem Hund, der mich schnellstens verfolgt. Die Rasse ist mir unbekannt, eine große und schlanke Hundedame.

Nach meiner subjektiven Erfahrung schätze ich die Art als nicht gefährlich ein, entsprechend mein aufgeschlossenes Verhalten, vielmehr sieht der Vierbeiner in meinen Augen „lieb“ aus. Ich bleibe nun stehen und der Hund bellt mich nicht sonderlich freundlich an und will immer näher zu mir; bis ich meine Stimme erhebe. Ich nehme an, sie handelte aus einem Instinkt heraus und wollte mich stellen und nachdem das offenkundige Ziel erreicht war, schien sie ihren ursprünglichen Weg fortsetzen zu wollen. Am Waldrand erscheint auf einmal der männlich-menschliche Besitzer und beginnt erneut mit seinem „Brüllen“, was dem Hund wohl gar nicht gefällt, so mein unbedeutender Eindruck. In der Konsequenz geht der Vierbeiner wieder auf mich los und das lustige Menschlein erteilt nun m i r Befehle: „AAAAARME UNTEN LASSEN, ZUR SEITE DREHEN!!!“. Was? Wie bitte? Ein Mensch hält sich einen Hund, hat selbigen nicht unter Kontrolle, hat ihn nicht erzogen, leint ihn nicht an, so daß er flüchtet und somit eine Gefahr für andere darstellt, der Hund hört in keiner Weise und stellt einen friedlichen Täglichläufer, der nur in Harmonie Laufen will und niemanden etwas tut und erteilt anschließend dem Läufer, also meiner Wenigkeit Verhaltensmaßnahmen? Das ist stark, das ist mehr als stark.

Das paßt wieder einmal perfekt in mein Bild von Hundehaltern, was ich in 15 Jahren Laufen und 21 Hundekonflikte erworben habe. Auf meine Ermahnung, er möge ihn nächstes Mal anleinen, antwortete er: „das habe ich ja versucht“. Wunderbar. Er hat es versucht. Nur gut, daß kein Kleinkind in der Nähe war, welches der Hund hätte in den Kopf beißen können – nach diesem mißglückten Versuch. Ich wiederum erwiderte, daß das hätte böse enden können – „ich weiß“, so die Antwort. Nun, jenen Satz hat er falsch interpretiert. Ich war nie in Gefahr, zudem laufe ich stets bewaffnet. Meine ehemals positive Einstellung zu Hundehaltern hat einen neuen denkwürdigen Tiefstand erreicht. Mein eigenes Verhalten gegenüber Hunden wird sich zukünftig wieder eklatant ändern, was mich durchaus betrübt. Ein Jammer. Es ist ein Jammer, wozu friedliche Läufer von beschränkten und unfähigen Menschen gezwungen werden. Ich kann und muß mich schlußendlich nur anpassen. Wie es in den Wald ruft…

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