Goldene Gezeiten der Anmut

Nun ist er also zurückgekehrt, der lang ersehnte Frühling. Nur als Besucher für ein Intermezzo oder doch in wahrer blühender Natur? Die Zeit wird es uns zeigen. Zahlreiche Vögel scheinen indes mehr zu wissen, denn sie verkünden lauthals das Ende des Winters. Zaunkönige, Drosseln, Eichelhäher, um nur wenige von ihnen aufzuzählen, heißen die grüne Welt – welche mit großen Schritten naht – willkommen. Die Temperatur stieg heute auf 10 C°, der Himmel bot ein Wechselspiel zwischen Wolken und Sonne. Ideale, wenn auch ungewohnte Bedingungen für meinen täglichen Lauf.

Die Wiesen im Hochwasserschutzgebiet tragen mehrheitlich keinen Eispanzer mehr, doch die Flut beherrscht nach wie vor das Ensemble. Auch die Graslandschaft in der Nähe des Waldes ist überflutet. Sobald die Sonne sich durch die Wolken neigt, spiegelt sie sich goldenen Hauptes barer Anmut im Wasser wider. Ich erreiche den Damm und grüße meinen Nachbarn, der mit seiner Schäferhunddame Jenny unterwegs ist. Wenige Minuten später zieht mich das Himmelspanaroma endgültig in seinen Bann. Der Horizont weit über dem See manifestiert sich in einem Kunstwerk, geführt mit Pinselstrichen aus Blautönen, dunklen Farben in Wolken ineinander gehend, welche die Sonne umschließen und alles in sich vereinen. Im Zentrum zweier Wolken bildet sich ein Grat, der wie ein erstarrter Blitz aussieht. Sol zeigt sich verborgen, kann dennoch nicht seine mannigfaltigen Strahlen tarnen, die sich in sämtlichen Richtungen aufmachen.

Der Höhepunkt dieses überwältigenden Schauspieles kanalisiert sich in einem Primärstrahl, der aus dem Zentrum der Sonne mit immenser Konzentration direkt auf den See führt und ihn im leisen Wind auf den Wellen glitzernd erstrahlen läßt. Mein Weg erfährt eine Biegung, die mich in verlängerter Achse direkt zu einer Badestelle und anschließend auf das Wasser leiten würde. Just in diesem Moment teilt sich die schattierte Wolkendecke, entblößt ihr goldenes Licht und dirigiert den ursprünglichen Strahl freiweg zum Ufer. Ein goldener Weg aus dem Himmel – eine Einladung nur für mich ihn zu beschreiten und aufzusteigen. Bereits eine Sekunde später schließen sich die Himmelstore und die leuchtende Zugbrücke verflüchtigt sich in das Nichts aus dem sie geboren wurde. Schweigend setze ich meinen Lauf fort und beobachte weiterhin gespannt den Horizont, vor dem sich Graugänse mit kräftigem Flügelschlag geschmeidig durch die Lüfte bewegen.

2009_februar_flut

Auch die Wälder erscheinen heute viel freundlicher und grüner als in den vergangenen Tagen. Die Lichtstrahlen durchbrechen die Baumkronen und sorgen für ein surreales Schattenspiel. Mein Lauf stand im Zeichen des Frühlings, der seine ersten Fühler in dieses Jahr ausgestreckt hat. Es wird wärmer, die Wälder füllen sich mit menschlichen Leben. Die Kälte und Einsamkeit muß weichen. Ich freue mich auf die warme Jahreszeit, vermisse aber bereits jetzt den kalten Hauch und die Stille des Winters. Sie läßt sich nicht aufhalten, die Veränderung des Lebens. Sie ist allgegenwärtig.

30 Antworten to “Goldene Gezeiten der Anmut”

  1. Jaaaaaaa! Endlich! Es ist soweit. Es wird endlich wärmer! Der Frühling kommt!

    Ich habe deinen Bericht so genossen! Danke dafür!

    Hier hält sich die Sonne zwar noch immer ein bisschen bedeckt, aber es geht schön langsam los. Auch ich finde den Vogelgesang so herrlich! Er zeigt uns, dass es nun soweit ist.

    In meinem Heimatort liegt zwar noch sehr hoch der Schnee, aber ruck zuck wird auch er weg sein und das Grün der Wiesen und Wälder wird zu Vorschein kommen. Ich freu mich schon so!!!

  2. Ja, purer Frühling zum Genießen – heute jedenfalls! Ich vermute aber, daß es nochmal kalt wird. Immerhin war der Winter sehr frisch. Ich sollte meine Jahresdaten auswerten.

    Der Gesang der Piepmätze ist wunderschön! Es wuselt überall – voller Leben sind die Wälder. Ich liebe es! 🙂

    Hoffentlich verschwindet der Schnee bald, gell? Das geht schneller als wir denken! 🙂

  3. Ich vermute auch, dass es nochmal so richtig kalt wird. Nur wird der Frühling die Oberhand behalten 😉

    Hier im Garten ist der Schnee geschmolzen und es ist so richtig eklig sumpfig. Jetzt brauchen wir dann wirklich schon die warme Sonne.

  4. Aber sicher erst mitte April, doch wie gesagt, eine reine Vermutung. Vielleicht haben wir Ende März auch schon 25 C° – alles Spekulation! 😉

    Na ich hoffe doch, daß Du nicht zum Sumpfling wirst. 😀 😉 Auf die Wärme!

  5. hallo marcus-

    der wundervolle titel versprach viel und deine herrliche beschreibung- was andere schlicht als: es schien heute wieder die sonne- bezeichnen würden *g -war einfach ein genuss zum lesen- du läuferpoet 😉

    ja- das aufgeregte massige gezwitscher des kleinen federvolkes gefällt mir auch gut. wenn ich morgens mit gingi im garten bin- begrüssen sie mich- unsichtbar in den kahlen büschen…

    danke fürs mitnehmen- ich bin heute ziemlich müde- zu wenig schlaf- aber mein lauf steht in der nächsten stunde an… mal sehen, was sich so draussen alles tut 🙂

    liebe grüsse von athena!

  6. Ich nicht, aber die Rotzlöffel *gg*

  7. Athena, ja, so könnte man das auch nennen. Aber so war es nicht, diese Himmelstreppe war GRANDIOS! Da kann ich nur wieder sagen, die Welt für eine Kamera!!!

    Also hier sind die Putzels nicht unsichtbar, im Gegenteil, die fliegen Dich fast um. 🙂

    Viel Freude bei Deinem Lauf, genieße ihn, auch wenn Du müde bist! Es wird sicher ein Genuß.

    Brigitte, dann hast Du gleich drei Sumpflinge. 😀 Und was ist mit Chan?

  8. Gabs da nicht zum Burzeltach ne Cam? 😉

    Chan? Der Faulsack schläft doch nur IM Haus!

  9. Schon, aber die schleppe ich nicht mit. Ich trage nur einen Gegenstand bei mir, das ist wichtiger.

    Katzis dürfen das! Der will sich halt nicht schmutzig machen. Das hat Stil! 😉

  10. Ich weiß, trotzdem schade.

    Ich glaube der weiß gar nicht, was dreckig heisst *g*

  11. Das sind eben Katzis, kleine Snobs! 😉 Aber ich bin ein großer Katzenfan. 🙂

  12. “ Sobald die Sonne sich durch die Wolken neigt “ da muss man erst mal drauf kommen, unsere Sprache so poetisch anwenden zu können.

    Lieber Marcus, das hast du wieder genial formuliert – und schließe die Augen, höre nur zu – gut vorgelesen ein Genuss für Ohr und Phantasie !

    Ich habe deinen Text laut vorgelesen und versucht, ihn gut zu intonieren, schade, dass keiner hier war, um deinen Natur-Erlebnissen lauschen zu können !

    Danke, Marcus ! 8)

  13. Ein sehr schöner Bericht, da läuft man beim lesen mit und genießt den beginnenden Frühling. 🙂

    Ich finde Deine Berichte würden zusammengefasst ein wunderschönes Buch ergeben.

  14. Margitta, merci! 🙂 Ich freue mich immer, wenn ich meine Erlebnisse teilen kann/darf. Jedoch trifft auch hier wieder zu, daß meine Worte nicht wirklich an die Realität heranreichen. Ein Bild wäre besser gewesen. Aber ich wüßte nicht, wo ich die Kamera lassen sollte. Wo hast Du Dein Handy? In einer Tasche oder in der Hand? Aber nein, das wäre nichts für mich.

    Vielleicht kannst Du den Text später noch einmal vorlesen? 😉

    Bernd, danke! Ich hoffe, bei Dir ist auch Frühling. Ich werde Dich gleich besuchen, also auf Deiner Seite. 😉

    Ja, das Buch – das Thema hatten wir hier schon mal. Ich bin da immer noch skeptisch.

  15. Lieber Marcus,

    ja, das werde ich tun ! 😉

    Das handy trage ich in einer kl. Tasche, die an einem Gurt befestigt ist, (extra für Läuer konzipiert !) du spürst weder Gurt noch handy, und du hast immer, immer, immer, immer die Möglichkeit, auch deine Worte in Bilder zu fassen und alles mit nach Hause zu nehmen, ich liebe das, und darum praktiziere ich es auch, weil es täglich immer wieder neues Schönes zu sehen gibt, das es sich lohnt, mit nach Hause zu nehmen ! 8)

  16. Herzlichen Dank für Deinen Tip! So ein Gurt leuchtet natürlich ein. Ich werde mich da mal genauer informieren. Die Idee an sich ist super, allerdings käme ich dann noch zum Laufen, wenn ich nur noch Bilder mache? 😉

  17. Hallo Marcus,

    mir ist manchmal wenn ich Deine Einträge lese, als wenn Du vorher in mein Innerstes geblickt hättest, hört sich irgendwie seltsam an, aber gerade bei Deinem letzten Absatz fühlte ich mich tief berührt. Genau diese Gedanken hatte ich am Samstag, die Freude über den eingetroffenen Frühling, aber gleichzeitig auch den Verlust der klaren, klirrend kalten Luft des Winters. Die erdigen Farben der letzten schneefreien Tage, die ich sehr mag, weichen nun den frischen hellen Farben des Frühlings…

    Vielen Dank wieder Mal für Deinen wortgewaltigen Eintrag, hat mir sehr gefallen und mich zum mehrmaligen Lesen animiert.

    Salut

    Christian

  18. Jaaaaaaaaaa, der Frühling ist da. Wir haben heute bei uns im Garten die ersten Stare gesehen *freu*. Einzig die Temperatur (4 Grad) hat noch nicht gemerkt, das es wärmer sein müsste. Und…unsere Waldwege sind noch schnee- bzw. matschbedeckt.

  19. wortgewaltig ist ein schönes wort für diesen bericht, finde ich.

    bei mir hats auch gepiept beim laufen *lach. aber nur zwischen den häusern- zum wald hin war stille und alles roch schwer und war still- bis auf ein paar rabis… meine lieblinge… danach war auch die müdigkeit weg- bis ich zum tvgucken auf sofa fiel… gerade aufgewacht -so- das war der vogelbericht aus süddeutschland…

    süsse träume wünscht athena 🙂

  20. Christian, wahrscheinlich ist das gar nicht seltsam. Wenn ich mir Deine Seite angucke – allein schon Dein Headerbild – und Deine Texte, so lese ich ebenfalls Berichte von einem Menschen, der sehr naturverbunden ist und mit wachen Augen seine Läufe absolviert. Da haben wir etwas gemeinsam! 🙂

    Ja, ich freue mich auf die warmen Temperaturen und bin gleichzeitig wehmütig über den Verlust der Kälte. Vor allem wenn es wieder 30 C° heiß ist, dann werde ich die -05 C° besonders vermissen. Doch das ist nicht zu ändern.

    Viel Spaß beim Laufen – die Farben werden stärker. 😉

    Anett, verrätst Du mir in etwa die Region, wo Du herkommst? Ich dachte, ich wüßte es, aber Deine Gradzahl paßt irgendwie geographisch nicht. Schnee- und Matschwege gibt es hier schon länger nicht. Ein Glück! Vielleicht mußt Du die Temperatur noch aufklären? 😉

    Athena, was sind denn Rabis? Kohlrabis? Oder Rabis abgeleitet von Rabbits? Häschens? Hm, Du verwirrst mich! 😉

    Ich hoffe, Dein Schlaf war erholsam, so daß Du frisch gestärkt in den Tag starten kannst!

  21. raben, lieber marcus *prust- du wieder 😉 ich mag diese schwarzen krächzenden viehcher über alles !

    ich schlafe tief und fest- aber mal wieder zu kurz- jedoch scheint die sonne und ich werde meinen lauf- heute kein läufchen – auf den morgen verlegen *freu-

    einen positiven tag wünscht dir athena!

  22. Hi Marcus…ich wohne im wunderschönen Sachsen…genauer gesagt, in der Oberlausitz am Rande des Zittauer Gebirges. Schnee haben wir wie gesagt, fast nur noch auf Waldwegen. Matschig ist es aber noch sehr häufig.

  23. Athena, ah ja, danke für Deine Aufklärung! 😀 Auf diese nahe liegende Antwort bin ich nicht gekommen. Raben usw. sehe ich täglich Dutzende, manchmal sind die Bäume voll davon und sie sind sehr weit zu hören.

    Ich hoffe, Dein Lauf war schön! 🙂

    Anett, alles klar, ich hatte Dich woanders vermutet. Das dauert wohl noch seine Zeit bis Deine Laufwege trocken sind – und dann regnet es sicher. 😉

  24. Der Lauf der Jahreszeiten. Die eine geht, die andere kommt.
    Nicht nachtrauern.
    Nicht auf die nächste freuen.
    Das jetzt genießen!
    Ein schöner Beitrag.

  25. Hallo Marcus,

    sorry wenn ich mich sooooo lange nicht gemeldet habe. Wir haben hier zu Hause eine Menge um die Ohren. Die Schwangerschaft verläuft ganz gut den Umständen entsprechend.
    Zum laufen bin ich außer meinen 2 km Steakrunden nie wirklich gekomen. Am Samstag und Sonntag habe ich mich dann aufgrund des schönen Wetters aufgerafft. Der Bericht ist auch auf meiner Seite zu lesen.

    Ich kann immer nur sagen und mich wiederholen das deine Bericht zu den wunderschönsten im kompletten WWW gehören. meine Meinung aber wenn ich das hier lese packt mich immer wieder ein Gefühl von Freiheit, Dankbarkeit und unglaublichen Glücks.

    Danke dafür…

    LG
    MArco

  26. Gerd, mein Reden, mein Denken!

    Marco, schon okay, die Realwelt ist wichtiger und geht immer vor. Mich überfordert die virtuelle Welt auch ein wenig, so daß ich hier meine Aktivität schon einstellen wollte, aber Du siehst, es gelingt mir nicht. Schön zu lesen, daß alles gut verläuft – weiterhin viel Glück! Mit der Zeit werden Deine täglichen Runden wieder länger.

    Danke für Deine Zustimmung, es freut mich, wenn meine – sicher ungewöhnlichen – Berichte, da ohne Bestzeiten usw. positiven Anklang finden. Freiheit trifft es gut, so ist es auch beim Laufen. Befreit von allem und nur Laufen. So einfach.

  27. Hallo lieber Marcus,

    mit tiefer Begeisterung habe ich diese so gefühlvolle Beschreibung der Beobachtungen auf Deinem Lauf gelesen. Ich hätte am liebsten die Augen dabei geschlossen und geträumt… Aber da hätte ich ja nicht weiterlesen können… 🙂
    Es ist immer wieder ein Erlebnis, dich auf Deinen Läufen gedanklich zu begleiten – Danke fürs mitnehmen!

    Jaaaaaa – und auch ich freue mich auf die warme Jahreszeit! 🙂

    Liebe Grüße
    Petra

  28. Besten Dank liebe Petra! Ich merke schon, auch Du tendierst in Richtung Hörbuch. Vielleicht sollte ich die Berichte als MP3 File zur Verfügung stellen. 😉

    Ja, der Frühling wird mit jedem Tag stärker; Schneeglöckchen und Krokusse legen los… 🙂

  29. Das ist eine super Idee – mein I Pod müßte eh mal wieder „gefüttert“ werden! 🙂
    Liebe Grüße
    Petra

  30. Ja, das wäre schon eine spannende Idee. 🙂

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