Die Trauer des Windes

Welch launenhafter Morgen! Blauer Himmel. Sonne. Wolken. Dunkelheit. Regen. Sturmböen. Die Himmelsmächte vereint in einem unbändigen Wechselspiel der Bewegung. Das Zepter der Vorherrschaft wanderte unstet umher und verweilte nie länger als wenige Minuten an einem Ort. Bei ungewohnt warmen 06 C° startete ich meinen Lauf und nahm am Himmelschauspiel als Beobachter teil. Gleich zu Beginn erfuhr meine Euphorie einen Dämpfer, einmal mehr versuchte mich ein Auto anzufahren. Da ich an dieser Örtlichkeit grundsätzlich damit rechne, war ich auch heute vorbereitet. Zudem forciere ich die Thematik, in dem ich mein Tempo nicht reduziere oder gar stehen bleibe. Nein, die Autofahrer lernen nur dann dazu, wenn sie wirklich mit einem Fastunfall konfrontiert werden. Beim nächsten Mal werden sie diese Stelle mit anderen Augen passieren. Ich erinnerte mich an ein Gespräch mit der Polizei; der Polizist äußerte seinen Unmut und Unverständnis, vor allem im jenem Kontext, da das Stopschild das einzige Verkehrszeichen seiner Art ist, auf dem explizit zu lesen ist, wie sich der Verkehrsteilnehmer zu verhalten hat. Das unaufhörliche Nichtbeachten impliziert für mich, daß viele Autofahrer nicht lesen können. Ich erhob meine Stimme und drohte mit dem Arm – eine Reaktion vom Fahrer blieb jedoch aus.

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Im Wald war der Ärger schon vergessen. Der Frühling umarmte mich in seiner gefühlvollen Intensität. Überall sprühte es förmlich vor Leben, eine mannigfaltige Aktivität allenthalben. Ich durchquerte den Forst als ich plötzlich am Waldrand eine Bewegung registrierte. Etwas Großes und Schwarzes mit einer leuchtend roten Spitze schoß von rechts nach links. Zwischen den Bäumen und aufgrund der Distanz konnte ich das Gebilde nicht einordnen. Ich verließ den Wald und sofort war das Rätsel gelöst. Ein großer, schwarzer Hund mit einem roten Ball im Maul – ein edles Tier. Die Besitzerin, eine Nachbarin grüßte freundlich und erzählte mir etwas – doch der Wind spielte um meine Ohren – ich verstand nichts und war längst mit großen Schritten weit entfernt. Meine Schafe warteten bereits auf mich und guckten mich wie immer neugierig an. Gemächlich bog der dunkelbraune Schafbock um die Ecke, der sicherlich als temporärer Gast für Nachwuchs sorgen soll.

Der Damm lag einsam und verlassen im Wind. Die zerfetzten Bäume erzeugen weiterhin Trauer und Wut in meinem Inneren. Entgegen meiner ursprünglichen Absicht habe ich den Großteil der Zerstörung auf Photos festgehalten. Helle Punkte blitzen förmlich auf, das zerrissene Holz scheint die Täter zu warnen. Mittlerweile haben meine Recherchen ergeben, daß offensichtlich nicht die Stadt dafür verantwortlich zeichnet. Wie dem auch sei, ich versuche mich auf die schönen Aspekte zu konzentrieren. Rasante Sturmböen hintereinander werfen sich meinem Körper entgegen – auch sie scheinen ungehalten und traurig. Unzählige Eichelhäher kleiden ihren Zorn in Laute und meckern unaufhörlich.

Die Himmelsbühne bietet auch weiterhin ein unvergleichliches Panaroma. Wolken in den unterschiedlichsten Schattierungen, umrahmt von Blautönen. Darunter die Sonne, die den aufgewühlten See zu einem Glitzern animiert. Reflektierte Sonnenstrahlen, die sich in den Wellen widerspiegeln. In den Uferzonen kämpfen letzte Eisschollen um ihr Fortbestehen, nicht wissend, daß sie längst dem Untergang geweiht sind. Wildgänse und Enten sind derzeit die eigentlichen Herrscher in dem Areal mit seinen überfluteten Wiesen. Ihre possierlichen Laute zwingen mich zu einem Lächeln. Am Horizont leuchten weiße Punkte, grazile Schwäne, die sich lieber eine gewisse Distanz bewahren. Wenngleich natürlich auch besonders zutrauliche Exemplare existieren, wie ich während meiner Phototour erleben durfte.

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Den Damm verlassend treffe ich auf Bow, den großen Rottweiler. Ich grüße den Halter und absolviere eine kleine Waldrunde. Erneut begegne ich einem Hundehalter, diesmal mit einem Dobermann. Bei meinem Anblick leint er augenblicklich seinen Hund an – wir hatten einst eine Auseinandersetzung und seitdem verhält er sich vorbildlich. Grüßend passiere ich ihn, der Dobermann zieht an der Leine und will in meine Richtung. Ich trete endgültig den Rückweg an und integriere eine Tempoeinheit, in der ich mir zum Ziel setze eine Radfahrerin zu überholen, was ich auch realisieren werde. Der Lauf war angenehm, er stand im Zeichen der Wettermächte. Langsam aber sicher bereitet der Winter seinen Rückzug vor.

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26 Antworten to “Die Trauer des Windes”

  1. Das hört sich schon viel besser an – der Frühling naht. Wieder einmal lief ich mit dir mit und das mit sehr grosser Freude.

    Deine Läufe müssen dir soviel Befriedigung gehen, das kann man richtig rauslesen Spatz!

    Pass bloß auf, dass dich nicht einmal doch ein Auto erwischt!!! Das wäre ganz schlimm! Viele Autofahrer können auch keine rote Ampel richtig einschätzen und fahren einfach drüber. Passiert mir hier beim Bahnhof jeden Tag.

    *drückt dich*

  2. Ja, er ist schon auf dem Wege, der gute alte Frühling!

    Da passiert schon nichts, ich bin auf die vorbereitet und mit der Zeit kann man das sehr gut einschätzen. Die Verkehrsregeln im Allgemeinen finden leider keine Beachtung mehr. Aber das paßt zu unserer Gesellschaft.

    Paß schön auf Dich auf! *knuddel*

  3. Lieber Marcus,

    wieder ein echter MARCUS sehr poetische Natur-Beschreibung, und du trafst sogar den Frühling ! 8)

    Doch immer wieder holen dich Dinge ein, die du beim Laufen in der Natur überhaupt nicht gebrauchen kannst: Ärger über Menschen, die in Autos sitzen, über Menschen, die DEIN Gebiet sinnlos zerstören, aber dafür entschädigt dich dann wieder das schöne Panorama !

    “ Ich erhob meine Stimme und drohte mit dem Arm “

    Bist du denn da nicht ein wenig zu kess, das Auto ist in jedem Fall stärker als du, da gab es schon genug Fälle von aggressiven Auto-Fahrern, mit denen nicht zu spaßen ist ?

    Wie immer am Schluss:

    Pass gut auf dich auf !

    Danke für die Frühlingsbotschaft ! 8)

  4. Ich kann ihn Dir vorbei senden, wenn Du denn möchtest!? 😉

    Tja, alles Gute ist nie beisammen. Ich muß wohl damit leben.

    Autos sind immer stärker, aber ich habe das schon so oft erlebt, ich kann das relativ gut einschätzen. Und aggressive Fahrer? Nun ja, ich kann auch ungemütlich werden.

    Ich hoffe, bei Dir kommt ebenfalls ein Hauch von Frühling an. Allerdings dürfte es bei Dir noch wärmer sein, vermute ich.

  5. Früüüüüüüüüüühling….endlich macht er sich auch bei uns ganz langsam bemerkbar. Die Sonne blinzelt immer öfter hervor, der Schnee schmilzt…morgen ist ein Lauf geplant.
    Hey…pass auf dich auf, mit manchen Autofahrern ist nicht gut Kirschen essen. Deshalb laufe ich nur ungern an der Straße. Ich fühle mich da unsicher, bedroht und beobachtet. Ich verschwinde lieber im Wald.
    Schönes WE wünsch ich dir.

  6. Ich laufe auch lieber im Wald, aber da muß ich erstmal hinkommen…

    Davon lasse ich mich nicht beeindrucken, ich gehe davon aus, daß ich mich schon adäquat verhalten würde. 😉 Viel Spaß beim Laufen morgen!

  7. Hallo Marcus,

    mir ging es beim Lesen ähnlich wie Brigitte, ich nahm einen eher versöhnlichen Ton in Deinem Bericht wahr – bis auf den Autokontakt – so dass ich mich nur dem allgemeinen Tenor anschliessen kann und meine: man merkt Dir den Frühling an 😉

    Aber auch mir ging es heute so, am Nachmittag durch Nieselregen bei angenehmen 8°C nahm ich im Wald zum ersten Mal in diesem Jahr Vogelgezwitscher wahr, was mich an den Frühling erinnerte und auf einmal war er auch in meinem Herzen 😎

    Pass auf Dich auf

    Salut

    Christian

  8. Der Frühling legt so langsam los, es war herrlich. Allerdings muß ich mich doch beschränken, da ich es gestern auf die KM bezogen – übertrieben habe. In Hinblick auf mein Knie. Daher heute etwas weniger, dennoch herrlich.

    Nieselregen? Jetzt schreibst Du auch von Regen, den könntest Du mir schicken, vielleicht finde ich noch ein wenig Sonne für Dich. 😉

    Viel Freude im Frühling! 🙂

  9. Nachtrag: Schön zu lesen, daß Du wieder laufen kannst – es geht also aufwärts bei Dir! Weiterhin alles Gute!

  10. Äh, Marcus, ich schätze das laufen im regen ebenso sehr wie Du, von daher behalt ich für heute meinen Regen 😉
    Aber morgen auf einem langen Lauf hoffe ich auf Sonne 😎

    Und ja, ja, ja, seit gestern bin ich wieder auf der Piste und heute konnt ich es auch richtig geniessen.

    Schon Dein Knie und mach langsam

    Salut

    Christian

  11. Da biete ich großzügig Sonne an und was passiert? Mein Angebot wird abgelehnt! 😀 Im Ernst, ich finde es erstaunlich, wie viele Läufer ich doch real und virtuell schon getroffen habe, die Regen ebenso lieben wie ich. Finde ich echt toll!

    In diesem Sinne, genieße es wie es kommt! Es ist immer schön!

  12. Ich mag ja auch das Laufen bei Wind und Wetter.
    Aber im Augenblick finde ich es beim Biken ziemlich ungemütlich. So langsam freue ich mich dieses Jahr auch auf einen schönen, sonnigen Frühlingstag. 😉
    Im Augenblick würde es mir schon reichen wenn der Wind ein wenig nachlässt.
    Oder mal ausnahmsweise von hinten bläst. 😆

  13. Danke Christian! Ich sag auch immer – schon dein Knie. Aber bei Marcus redet man irgendwie gegen eine Wand *schimpf* 😉

    Ich hoffe, dass er wirklich auf seinen Körper hört!

    Schön, dass du wieder laufen kannst 🙂

  14. Gerd, da hast Du Recht, der Wind ist derzeit sehr aktiv. Da die Temperaturen nun angestiegen sind, ist es aber erträglich. Allerdings erzeugst Du beim Biken ja noch mehr Wind. 😉 Egal, welche Richtung Du fährst, der Wind kommt immer von vorne, gell? Das kenne ich aus Erfahrung.

    Brigitte, bei mir doch nicht! Also Wand ist übertrieben. Ich höre schon auf meinen Körper, sonst wäre die Serie ja längst vorbei.

  15. Nein, ist nicht übertrieben 😛 :P.

    Aber du passt schon auf dich auf, ich weiß! Hab dich lieb 🙂

  16. Ah ja, ich habe es nicht so mit Smilies. 😛 Merci! 😀

    Klar ist es übertrieben! Ich kenne mich halt gut und weiß entsprechend, wie weit ich gehen darf. In Relation zu anderen mag es eben weiter sein oder geringer, das ist relativ.

    *drückt Dich* 🙂

  17. Da genießt jemand das Laufen und fasst danach den Genuss in Worte. 🙂 Das Lesen wird da dann auch zum Genuss. Es ist fast so als wäre man da mit gelaufen.

  18. Reiner Genuß, Bernd – ich stimme Dir zu! 🙂 Am liebsten möchte ich täglich einen Bericht schreiben, aber das würde meine Leserschaft wohl leicht überfordern. 😉

  19. Würdest du jedoch wirklich auf jedes Signal hören, wäre die Serie auch schon vorbei. Du bist schon sehr hart zu dir und deinem Körper. Aber geschadet hats dir ja bisher nicht. Deine Disziplin ist sowieso bemerkenswert. Nicht nur beim Laufen, sondern auch allgemein.

  20. Da hast Du allerdings Recht. Man muß manchmal eben rücksichtslos zu sich selbst sein. Mit der Zeit lernt man aber, wie weit man gehen kann.

    Allgemeine Disziplin? Hm, alles relativ. 😉

  21. Genau das meine ich, du weißt meistens bzw. immer wie weit du gehen kannst/darfst.

    Ich war auch mal in besagtem Forum, aber mir ging das dann schon so auf dem Keks. So Beiträge wie – ich lief sogar mit einem Ermüdungsbruch (mit sämtlichen Seitenhiebe auf angebliche Weicheier, die aus welchen Gründen auch immer aufgehört haben), damit ich 1 Mio Marathons zusammenbekomme, oder oder oder. Da gibt es sooo viele Beispiele. Und da soll nochmal jemand schreiben, dass täglich Laufen ungesund ist – na ich weiß nicht.

  22. Mit den Jahren lernt man das eben, man muß seinem Körper nur vertrauen. Vertrauen auf sich selbst, in sich.

    Ich weiß, was Du meinst, aber das hat mit Weicheier nichts zu tun. Das ist dann nur noch unvernünftig und nicht mal im Ansatz hart. Ich persönlich erachte auch Marathondistanzen und darüber hinaus als ungesund. Nun gut, wer das eben mag, ist auch okay. Aber manche driften dann ins Fanatische ab, da gibt es auch bei den Täglichläufern Beispiele.

    Man kann alles übertreiben.

  23. Fastunfall – da musst ich wirlich innerlich lachen und an meine Mutter denken, die immer forsch ( heute noch mit über 70) über die Straße spring und danach grinzend sagt…“ ach das kommt den viel zu teuer mich anzufahren“…*gröhl*… bei uns immer noch alles weiß und nebel ich hatte tatsächlich depri beim laufen gekriegt, bin nach hause abgebogen und hab meinen mann alleine weiterlaufen lassen *kopfschüttel-über mich selbst* – aber DAS Wetter ist zur Zeit noch schlimmer wie di -15 Gräder und frieren beim laufen vorher – grüßle aus der Nebelkammer Franken

  24. Deine Mutter gefällt mir! 😉 Man darf sich eben nicht alles bieten lassen, vor allem dann nicht, wenn man im Recht ist.

    Eine weiße Nebelwelt? Traumhaft schön! Das wäre mein Wetter. Wie kann man da den Lauf abbrechen? Na ja, sicherlich zu dunkel, gell? Aber ich liebe das.

    Ich biete Dir auch einen Tausch an: Sonne gegen Nebel? 😉

  25. hallo marcus-

    schön, dass du auch sturm und brodelnden himmel geniessen kannst…
    gut, dass dir nichts passiert ist!

    wie gut, dass mittlerweile die sonne scheint- die temperaturen sind fast kaum zu glauben, nach dieser bibberkälte…

    geniesse den tag und heute sieht dein himmel bestimmt genauso schön aus, wie unserer hier…

    einen schönen sonntag von athena!

  26. Hier stiegen sie auf fast 10 C° an und sogar die Sonne gesellte sich dann doch noch zu mir. 😉 Ich vermute dennoch, daß der März zumindest in Teilen noch frisch wird. Lassen wir uns überraschen!

    Ebenfalls einen schönen Restsonntag!

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