Neue Freunde

Nach meinem Pseudoausflug in die zweifelhafte und von Inkompetenz dominierter Paralleldimension der unsäglichen Politik mit ihrer gelebten Realitätsferne kehre ich zurück in die liebevolle Laufwelt der mehr oder weniger freien und ehrlichen Natur. Wie bekannt, laufe ich in einem Naturschutzgebiet. Innerhalb dieses Areals existieren Wiesen, auf denen seit einiger Zeit Galloway-Rinder ihr zu Hause gefunden haben. Ich finde die Knuffels mit ihren viel zu langen Haaren richtig süß. Vor allem der Nachwuchs ist mehr als herzig. Ihr Refugium ist umschlossen von einem leichten Zaun, der sicherlich unter Strom steht. Seit dem 10.10.2008 sind die Rinder nicht mehr in ihrer eingezäunten Umgebung zu sichten – nein – sie bewegen sich frei und ungehindert im Hochwasserschutzgebiet. Bisher blieben sie dem Damm fern oder wagten sich nur in dessen Nähe. Freilich beäugten sie mich neugierig, während ich dort meine Runden drehte. Ich sprach sie täglich an, z.B.: „Naaaa ihr Putzeeeeels, ihr braucht doch keine Angst haben!“. Wahrscheinlich fragten sie sich, was der blöde Läufer jeden Tag von ihnen will. 😀

Vor zwei Tagen gab es eine Überraschung für mich. Ich lief auf dem Damm und war noch nicht allzu weit vorgedrungen, als vor mir ein Galloway-Rind auftauchte. Direkt auf dem Damm. Und kein kleines Nachwuchsputzel, sondern ein ausgewachsener, großer Bulle mit ausgeprägten Hörnern. Der Anblick irritierte mich doch etwas, immerhin fand der Kontakt bis dato nur aus einer eher mittleren Entfernung statt. Ich lief langsamer, wich nach links aus und redete den Bullen an. Er beobachtete mich, während ich in einer Distanz von drei Metern an ihm vorbei lief. Nicht einen Zentimeter hat er sich bewegt – doch die Augen ließen mich keine Sekunde aus seinem Blickfeld. Meine Affinität zu Tieren ist sehr ausgeprägt, ich mag und respektiere alle tierischen Lebewesen. Fast hätte ich der Versuchung nachgegeben ihn zu berühren. Jedoch kann ich Rinder nicht einschätzen und wahrscheinlich hätte er das nicht toleriert. Der Rückweg indes, verlief ohne erneuten Kontakt. Ob der Besitzer vom Ausbüxkommando informiert ist? Wer weiß…

Eine neue Freundin fand ich in der Huskydame „Cathy“, die ich vor kurzem zum ersten Mal traf. Ich unterhielt mich mit ihrem Halter, als sie sich langsam näherte. Sie schnupperte ausgiebig und leckte nach bestandener Prüfung meine Hand. Anschließend streichelte ich sie ausgiebig, welch weiches Fell! Ein schöner und lieber Hund, den ich am liebsten mitgenommen hätte. Der Besitzer erzählte, daß sie sich im Frühjahr mit einem Biber anlegte und daraufhin blutend zum Tierarzt gebracht werden mußte. Und wieder etwas gelernt. Ich hätte Biber eher als Fluchttiere eingeschätzt – so kann man irren.

Einige Hunde und ihre Halter vermisse ich derzeit. Ich habe sie lange nicht gesehen. Jedoch, neue kamen hinzu. Der Lauf des Lebens. Ein beständiger Kreislauf der Unbeständigkeit.

Die Mitteilungsmöglichkeit
des Menschen ist gewaltig,
doch das meiste, was er sagt,
ist hohl und falsch.

Die Sprache der Tiere ist begrenzt,
aber was sie damit zum Ausdruck bringen,
ist wichtig und nützlich.

Jede kleine Ehrlichkeit
ist besser als eine große Lüge.

(Leonardo da Vinci)

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19 Antworten to “Neue Freunde”

  1. Dass du dem Bullen nicht zu nahe gekommen bist, ist gut. Abschätzen kann man die Reaktion leider nicht. Schön, dass du immer wieder so tolle Begegnungen hast.
    Huskies sind total schöne Hunde, ich mag sie sehr gerne. Sie hat sich sicher sofort als Freund gesehen!
    Das Zitat ist soooo wahr!

  2. Achja – gratuliere zu deinem Jubiläum! 7 Jahre und 7 Monate – irre.

  3. Ich habe echt keine Ahnung, wie der reagiert hätte. Vor kurzem lief ich mit einem Freund, da sind sie geflüchtet, allerdings machte er ruckartige Bewegungen.

    Huskys sind auch total süß, liebenswert! 🙂

    Merci – das sieht gut aus: 7-7. 😉

  4. Marcus,

    als erstes muss ich Stellung beziehen zu Leonardo da Vinci, was für ein begnadeter Mensch, facettenreich, erfinderisch, vielseitig …..und dann noch so ein Satz, der mir so sehr aus der Seele spricht, wie kaum ein anderer.

    Ich hasse Verlogenheit –

    Jede kleine Ehrlichkeit
    ist besser als eine große Lüge

    Dazu könnte ich noch mehr preisgeben, aber das eher unter uns !

    Auch bei den Tieren geht es dir wie mir, man trifft Hunde, die man auf Anhieb mag, so wie es auch bei Menschen ist, nur zeigen es die Hunde, dass sie dich mögen, Menschen leider eher nicht ! 😉

  5. Tja, so ist das im Leben. Ehrlichkeit ist sehr selten…leider! Und damit handelt man sich oft Ärger ein.

    Da Vinci war wirklich ein begnadeter Mensch – ohne Frage. Ich liebe dieses Zitat, es entspricht perfekt meinem Denken. Bei Tieren weiß man immer woran man ist.

    Ich hoffe, Deine negative Erfahrung war nicht zu enttäuschend!

  6. Ich mag auch gern Galloway-Rinder, und an meiner Laufstrecke gibt es tatsächlich auch ein paar Wiesen, auf denen diese knuffigen Tiere – allerdings hinter einem Zaun – gehalten werden. Ob ich angesichts eines Bullen allerdings weiter gelaufen werde, bezweifle ich. Soviel ich weiß, werden sogar bei Hausrindern die Bullen einzeln gehalten und mit sehr viel Vorsicht behandelt. Testosteron soll ja aggressiv machen.

    Und zum Biber: da hab‘ ich auch was gelernt!

    Lass‘ dich nicht auf die Hörner nehmen 😎

  7. Eigentlich sind die harmlos. Wenn man ihnen nichts tut und das merken sie auch. Tiere können uns wunderbar beurteilen.

    Der Tierarzt sagte damals, sie hatte Glück, daß der Biber sie nicht an der Pfote erwischte, die wäre sonst ab gewesen… Wehrhafte Baumexperten also. 😉

  8. Auge in Auge mit dem Bullen!
    Ein interessanter Augenblick.
    Keine Ahnung wie ich mich verhalten hätte. Aber vor einer Tonne Lebendgewicht habe ich besonderen Respekt!

  9. Mein erstes Erlebnis dieser Art. So ein Racker ist schon beeindruckend, aber wie man sieht – harmlos.

  10. Racker? Also so würd ich einen Eintonner nicht mehr bezeichnen. Ich hätte echt das Weite gesucht. Ev. wäre ich jedoch kläglich gescheitert, der ist sicher um einiges schneller!

  11. Natürlich war mir die Begegnung auch nicht geheuer. Allerdings kannten sie mich schon einige Zeit, dazu ruhige Bewegungen und leises Anreden. Wozu flüchten?

  12. Vor Tieren habe ich in der Regel keine Angst. 😉

  13. Vor Menschen wohl eher? *lach*

  14. Sollte man wohl, oder?

  15. Grünau! 😉 Homo homini lupus! Bzw. Lupus est homo homini, non homo, quom qualis sit, non novit. 😀

  16. Hallo Marcus,

    so ein ähnliche Erlebnis hatte ich ihn Österreich mit diesen süßen, hellbraunen Milkakühen. Auf einem engen Weg kam mir eine entgegen, guckte neugierig und ich ging sicherheitshalber mal zwei Meter die Böschung runter. Die Kuh fand das interessant…. und anschließen weitere ca. 50 Kühe auch noch. Einzeln und in kleinen Gruppen kamen sie den Weg runter in Richtung Stall und jede blieb stehen um mir neugierig zuzugucken Ich stand fast eine Stunde….nicht so ganz sicher ob ich mich da vorbei quetschen sollte. 🙂 Aber irgendwie machte das Warten auch Spaß.
    Sicher hätten sie mir nicht getan, aber den Umgang mit Kühen ist man doch nicht gewohnt. Überfallen haben mich danach dann drei Haflinger. 🙂

    Tschüss
    Klaus

  17. Klaus, das sind doch wirklich tolle Erlebnisse – das macht unser Laufen aus, oder? Jeden Tag ergibt sich eine neue, interessante Situation. Aber wie Du schon sagst, wer hat schon Umgang mit Kühen und kann sie einschätzen? Ich mußte mich heute übrigens zwischen der Polizei durchschlängeln.

    Eine Stunde Warten ist schon sehr lange. Ich hätte einen Ausbruchversuch gewagt. Sind Milkakühe nicht lila? 😀 😉 Manche Kinder denken das wirklich.

    Inwiefern wurdest Du von den Haflingern überfallen? Von ihnen gejagt?

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