Schwache Körper, Sonne und Indianer

Wenn das kein origineller Titel ist. 😀

Schwache Körper – I. Als Täglichläufer erlebt man viele angenehme Momente, die einem lange in Erinnerung bleiben und weniger schöne Erfahrungen, welche schnell verdrängt werden. Bisher habe ich mehrheitlich erstere Erlebnisse thematisiert. Um eine gewisse Ausgewogenheit herzustellen, folgt nun ein Beispiel aus der zweiten Kategorie. Vor ein paar Tagen lief ich zum Ende meiner Runde (17 KM) die Brücke hoch, als ich auf der anderen Straßenseite den lokalen Laufmeister erspähte. Ich reagierte nicht weiter, bis er auf einmal immer schneller wurde, was mir nicht gefiel, so daß ich meinerseits nun das Tempo erhöhte. Nicht wirklich mein Stil. Die paar Meter bis zur Treppe hätte er mich sowieso nicht einholen können, wenn nicht mein Körper in einer Art reagiert hätte, wie ich es bis dato noch nie erlebt habe. Ich gehe jetzt nicht ins Detail – jedenfalls ist mein Körper „kollabiert“. Wie weit doch wenige Meter sein können. Sicherlich bot ich einen seltsamen Anblick. In diesem Moment habe ich das Täglichlaufen verflucht; ich habe mit dem Gedanken gespielt meine Serie zu beenden. Nach fünf Minuten hatte ich mich einigermaßen erholt und diese negative Eingebung war verschwunden. Am nächsten Tag lief ich bereits wieder 14 Kilometer und war um eine Erfahrung reicher.

Sonne. Nach meiner Erfahrung bekommt man selten das, was man möchte. Die logische Konsequenz manifestiert sich in der Lektion, das zu mögen, was man bekommt. Daher wird das Wetter immer so wie ich es mag. Schließlich können wir es nicht ändern, nur akzeptieren. Über 30 C°, blauer Himmel und heißer Sonnenschein ist dennoch nicht mein Lieblingswetter. Laufen in der prallen Sonne bereitet mir nicht wirklich Freude. Vor allem wenn ich meinen Blick schweifen lasse, über den See – und die zahllosen Schiffe, Segelboote und Yachten erblicke. Die Eigner sonnen sich auf Deck und dümpeln dahin. Nicht wenige sind am Damm angelandet und liegen ebenfalls in der Sonne. Und ich schwitze, das Wasser läuft in Bächen, die schwarze Kleidung zieht die Wärme an. Ein Hauch von Neid entwickelt sich. Warum tue ich mir das nur an?

Indianer. Ein Jugendfreizeitklub hat am Waldrand ein Grundstück erworben, welches derzeit aktiv genutzt wird. Zwei Zelte wurden aufgebaut und wenn auch niemand zu sehen ist, umso lauter sind die Jugendlichen zu hören. Sie trommeln – und wie! Ein Gefühl wie in einem alten Westernfilm. Ich laufe im Wald und im Hintergrund ein famoses Trommeln. Wie man sieht, bin ich nicht am Marterpfahl gelandet, zum Glück, denn sonst wäre dieser Beitrag unter erschwerten Bedingungen entstanden. Ich hoffe, sie trommeln noch einige Zeit weiter – mir hat es gefallen. Eine tolle Atmosphäre.

Schwache Körper – II. Auf der Rücktour betrachte ich die Wassertouristen eingehender und stelle verblüfft fest, daß nicht eine einzige Person „Normalgewicht“ hat. Wohin ich gucke, ich sehe nur dicke Bäuche. Im Rahmen dieser Erkenntnis verflüchtigt sich mein Neid und ich bin froh als Läufer die Natur zu genießen – in jedem Fall besser als dick und faul in der Sonne zu braten. Der Höhepunkt meines heutigen Laufes bildete ein, ebenfalls sehr korpulenter Mann, der sich auf dem Damm hingelegt hat. Töricht. Nicht einfach so, nein, sondern direkt auf dem Weg in der Mitte einer von Bäumen umsäumten Kurve. Ich hoffe für ihn, daß kein schnelles Fahrrad diesen Weg erkundete.

Ein anstrengender, aber schöner Lauf. Viel gesehen, viel gehört, viel genossen. Es ist Sommer.

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15 Antworten to “Schwache Körper, Sonne und Indianer”

  1. Dieser Beitrag zeit mir/uns wieder, wie menschlich du doch bist. Kein Wunderknabe, dem einfach nichts was anhaben kann. Sorgen hab ich mir trotzdem gemacht!

    Über die Indianer haben wir schon eingehend gesprochen und gelacht 🙂

    Der Radfahrer wäre aber auch schlimm dran…

  2. Hab ich ja nie gesagt, daß ich ein Wunderknabe wäre. Wäre ja schlimm!

    Der Radfahrer aber weniger als der Schläfer – vermute ich. 😀 😉

  3. Nein, gesagt hast du es nie, aber durch deine Disziplin kommt das schon mal so rüber 🙂 Aber gut, dass du es nicht bist.

  4. Mag sein, aber nur weil man etwas Disziplin entwickelt hat, heißt das ja nicht, daß das leicht geht oder ist. Im Gegenteil, es ist oft genug sehr schwer.

  5. Was aus dem Bericht ja herauszulesen ist! *drückt*

  6. Sollte ich wohl öfter machen? *knufft*

  7. Danke, sehr angetan. 🙂
    Immer nur Glückjuchee und ach, was sind wir doch für tolle Typen, weil wir x, x, x… erleben und weil wir laufend einfach super sind, ist mir suspekt. Das wirft bei mir ganz flott die Frage auf, was hier wohl superkompensiert und eigentherapiert wird.

  8. Ich hoffe, dass Du irgendwann ganz friedlich mit Dir vereinbaren kannst, die Serie zu brechen. Deine Rufe danach häufen sich. Ich kann verstehen, dass Du es nicht ohne weiteres tust aber irgendwie wünsche ich Dir, dass es passiert. Ich hoffe, Du verstehst, was ich meine.

  9. Phönix, wie wahr! Obwohl dieses Glücksjuchee, wie Du es formulierst bei mir eher selten vorkommt, aus Mangel an Wettkämpfen etc.p.p…Ich bin alles andere als ein Superläufer, nur stur. 😉

    Anja, schon verstanden. Ich denke auch sehr zweigeteilt über diese Thematik. Irgendwann ist es vorbei, aber der Grund muß grandios sein, positiv oder negativ. Das wird sich zeigen.

  10. Der Titel ist schon mal gut und macht neugierig !

    Schwacher Körper
    Marcus, ich mache mir ernsthaft Gedanken um dich, würde allzu gerne wissen, wie dein Körper reagierte ! Und der Schrei nach Erholung dringt immer wieder an mein Ohr !!!!!!!!

    Sonne
    Ja, warum tun wir uns das an, du weil du ein Streaker bist, ich weil ich laufen muss. Aber der Blick auf wohlgeformte – vorsichtig ausgedrückt -Körper, die auch hier am Strand haufenweise aufzufinden sind, bestätigt mir immer wieder, dass es gar nicht so falsch sein kann, auch bei widrigen Verhältnissen mal über die Strenge zu schießen, denn wir wissen, wie wir nicht sein möchten, gell ❓

    Und damit ist der letzte Punkt auch abgearbeitet.

    Pass auf dich auf ! 8)

  11. Danke Margitta – lieb von Dir! 🙂 Ich will nicht jammern, aber immer nur positives kann ich auch nicht schreiben, weil es sich nicht so verhält. Du weißt doch, alles hat Höhen und Tiefen.

    „denn wir wissen, wie wir nicht sein möchten,“ – Wie wahr. Auch ein schöner Grund, wie ich finde.

  12. Schwacher Körper 1 – Du machst ja Sachen! 🙂 Aber, Du hast Dich offensichtlich wieder gut erholt. Das freut mich. Vielleicht muss man auch mal so eine Erfahrung machen?
    Sonne – mag ich eigentlich ganz gerne. Sie erhellt alle Sinne, ohne sie wäre es ziemlich dunkel, nicht nur auf der Erde, auch in unserem Leben. Aber bei anstrengenden Läufen… naja, Du weißt.
    Indianer – wunderschön! Ich wäre gern dort gewesen. 😉
    Schwache Körper 2 – wie Margitta sagt, es lohnt sich ab und an doch. Wir erholen uns eben auf eine andere Art und Weise, auch wenn es für andere gar nicht so aussieht.
    Es hat alles seine zwei Seiten.

  13. Dieses Jahr habe ich schon so einige Erfahrungen gemacht – das reicht erstmal. 😉

    Die Sonne war auch mehr auf Laufen bezogen, da mag ich sie nicht sonderlich. Wenn ich an Deine 33 KM denke…das wäre mir zu viel gewesen. 8)

    Die Indianer sind immer noch dort und trommeln fleißig weiter. Sicherlich die Ferienzeit über.

  14. Mir ist heute dein Erlebnis mit der über den Weg gespannten Angelschnur ins Gedächtnis gerufen worden. Ich las heute in der Tageszeitung, dass ein Mofafahrer schwer verletzt wurde, weil über einen Weg ein dünnes Stahlseil gespannt war.
    Manchmal frage ich mich wie krank Menschen sein können. Dies hat bestimmt nichts mehr mit einem Streich zu tun. Denken die nicht nach. Oder können Sie nicht nachdenken?
    Mich machen solche Nachrichten jedesmal ziemlich fertig.
    Wenn ich daran denke, dass ich Morgens mit strammer Geschwindigkeit durch den stockfinsteren Wald bike!

  15. Da ich das nun selbst schon erlebt habe, kann ich das besonders gut verstehen. Was mich damals erstaunte, wie stark der Druck schon bei einer geringen Geschwindigkeit war. Ich hoffe, der Mofafahrer wird wieder genesen.

    Und die Täter? Wer weiß. Hoffentlich stuft die Polizei das als Mordversuch ein, aber selbst wenn, die zu erwartenden Strafen sind lächerlich. Ich gebe zu, daß meine Strafe sehr hart wäre, bei einer derartigen Heimtücke aber durchaus adäquat. Aber unser Justizsystem denkt da natürlich anders…

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