Geräuschvolle Stille

Temperatursturz. Gestern noch 24 C°, blauer Himmel und Sonnenschein – heute 15 C°, dichte Wolken und die Sonne auf der Flucht. Nicht nur Sol ist heute verlustig, sondern auch die zahllosen Besucher, die mein Laufareal zu Pfingsten erkundeten. Somit hielt die Einsamkeit während meines Laufes das Zepter der Macht in der Hand. Das Alleinsein und die damit einhergehende Stille gehören zu den eindrücklichsten Ereignissen des Lebens. Ich beziehe das Schweigen natürlich auf die Menschen, denn die Wälder selbst sind alles andere als ruhig – sie schreien regelrecht vor Leben. Gleich im ersten Wald raschelte es linker Hand und prompt erhoben sich zwei Tauben in die Lüfte. Mein Opi, Zeit seines Lebens Taubenzüchter hätte sich gefreut, was ich nun an seiner Stelle übernahm.

Ich verließ den Wald und lief zu meinen Schafen, in freudiger Erwartung die Babyschafe zu begrüßen. Jedoch, ich sah keinen zweifachen Nachwuchs, sondern dreifachen! Leider gelang es mir auf meiner gestrigen Phototour nur einen Putzel zu erwischen; irgendwann banne ich die beiden anderen auch noch auf ein Bild.

Wie bereits erwähnt, haben sich die Wälder fein herausgeputzt und Mutter Natur hat großzügig grüne Kleider verteilt. Ein grandioser Anblick, der erst im Sonnenschein richtig zur Geltung kommt und sich in atemberaubenden Lichtspielen in den Baumkronen widerspiegelt. Aber, kein Licht ohne Schatten. Den Nachteil, sofern ich es so bezeichnen darf, erlebte ich vor einigen Tagen an einer Gabelung dreier Wege. Ich bewegte mich auf das Zentrum zu, als plötzlich und völlig unerwartet ein extrem lauter Befehl durch den Wald hallte. Der Besitzer des, natürlich unangeleinten, Dobermanns rief seinen Hund zurück. Die Lehre für mich aus diesem Erlebnis kanalisiert sich in der Konsequenz an uneinsehbaren Orten noch wachsamer zu sein. Mein Lauf führte mich zum Damm, auf dem das Gras ungezügelt in die Höhe schießt. Zum Ende des Dammes fallen bereits 1,3 Kilometer Laufstrecke aus meinem Programm, da ich mich nicht in kurzen Hosen in scheinbares Zeckengebiet begebe.

Nach der Brandkatastrophe in der Industrieanlage ist nun eine Woche vergangen. Die Bewohner des Hochwasserschutzgebietes sind mittlerweile zurückgekehrt, allerdings nur zum Teil, vor allem die Anzahl einiger Tiere kommt mir arg reduziert vor. Während meiner großen Waldrunde erspähte ich Meister Reineke, der von einem Feld schnell in den Wald sprang. Später gelang es mir, einen Raubvogel zu beobachten, ich vermute einen Adler, rotbraun und riesengroß. Im direkten Vergleich wirkt mein Bussard richtig klein, um nicht zu sagen „lütt“.

Mein Bericht neigt sich dem Ausklang zu, gleichermaßen die Wolken, welche ihren Platz räumen und der Sonne selbigen anbieten. Folgendes Stiefmütterchenphoto als Farbbeispiel, wie schön die Natur sein kann, finde ich besonders gelungen.

16 Antworten to “Geräuschvolle Stille”

  1. Daaaaaanke!, das Schaf ist aber knuffig. So richtig lütt noch 🙂

    Dein Bericht ist wie immer so anschaulich, als wäre man debei! Fast bin ich mitgelaufen, aber nur fast. Du würdest sofort hinter der nächsten Kurve verschwinden, so fix wie du bist *g*

    Die Stiefmütterchen lachen einem direkt an. Eine wunderschöne Pflanze.

    *knutscha*

  2. Ja, das ist mehr als süß. Sooo herzig! Ich würde nicht verschwinden, niemals. Ich laufe doch eher gemütlich, das weißt Du doch. *knufft Dich* 😉

    Die Mütterchen haben richtige Gesichter, gell?

  3. Na wenn jemand gemütlich läuft, dann bin ich es. Sogar sehr gemütlich. Ausserdem hab ich wesentlich kürzere Beine!!

    Ja, die gucken einem direkt an *gg*

  4. Mit längeren Haxen kann man doch auch gemütlich laufen. 🙂

  5. Klar kann man das, aber deine Haxen sind so lange, da machst du einen Schritt und ich zwei *gg*

  6. Da ist was dran. Das sollten wir „Off Blog“ ausdiskutieren. 😀

  7. Hallihallo, Marcus, erst einmal danke für das Schaf-Baby, junge Tier sind immer zum Knuddeln, egal, was es auch sei. Auch die Stiefmütterchen sind sooooooooooo schön, ein herrliches Bild.

    Wenn ich so durch die Blogs ziehe, auf dem einen gerade vom verbissenen Tempo-Training auf der Bahn lese und dann zu dir komme, dann kehrt Ruhe ein, und es bestärkt mich noch mehr, mich weiterhin – so wie du – dankbar in der Natur aufzuhalten, als irgendwelchen Minuten oder Sekunden nach zu hecheln ?

    Bei uns ist es auch kühler, aber sehr angenehm, die Sonne scheint nach wie vor, ich habe heute Lauf-Pause, werde mich nachher noch ein wenig der Sonne hingeben. 8)

  8. Dankeschön Margitta! Ja, das Kindchenschema wirkt immer, gell? 🙂

    Mittlerweile ist es doch recht warm geworden und auch sonnig, kein Vergleich mehr mit heute früh.

    Da sagst Du was! Du weißt ja, Zeiten, Tempo und und und interessiert mich nicht. Ich laufe, mehr nicht. Aber jeder wie er mag. Wie ich erst neulich schrieb, wenn alle so denken würden, wäre in den Wäldern noch mehr los. 😉

  9. Ach wie schön!

  10. Freut mich, wenn es Dir gefällt.

  11. Ein schöner Bericht,
    mir fehlt das Laufen schon nach zwei Tagen. Ich hatte ja letzte Woche einen Lauf sozusagen quer (wald) feldein. Da erlebt man die natur noch intensiver. Im nachhinein fällt mir ein, dass ich mir über Zecken gar keine Gedanken gemacht hatte. Ich bin zwar gegen FSME geimpft aber gegen Borreliose kann man sich nicht impfen. Vielleicht sollte ich in Zukunft die „Erkundungsläufe“ auf eine andere Jahreszeit verschieben. Die Natur hat auch an ihren „bekannten“ Wegen ihre Reize.
    Weiterhin viel Spaß beim Laufen und Danke für deine Genesungswünsche!

    Gruß Gerd

  12. Das neue Headerbild passt perfekt zu geräuschvolle Stille. Ganz leise plätschert das Wasser, leichter Wind säuselt, Vögel zwitschern und die Steine, die wir werfen, hinterlassen auch ein Geräusch – platsch, platsch platsch, platsch (bei dir) platsch (bei mir) *gg*.

  13. Gerd, ich drücke Dir die Daumen, daß Du bald wieder laufen kannst. Daß Dir das Laufen bereits nach zwei Tagen fehlt, kann ich sehr gut verstehen. Für mich war dieses Gefühl einst der Grund mit dem Täglichlaufen zu beginnen.

    Zeckenkontakt habe ich bis dato nicht, dennoch, ins hohe Gras wage ich mich nicht.

    Alles Gute!

  14. Brigitte, Dankeschön! Die Frage ist nur, wie lange ich das drin lasse. Bezüglich des „Platschens“ mußt Du noch üben. *lacht* Und ich wohl auch. 😀

  15. Hallo Marcus, Dein Banner gefällt mir sehr! Die Stiefmütterchen sehen auch lustig aus. 🙂
    Es ist wirklich schön, was man jetzt beim Laufen so beobachten kann.

  16. Danke Ramona! Der Mai ist wirklich der schönste Monat im Jahr. 🙂

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