Hoffnung treibt das Schiff der Narren

Heute früh hat die Sonne den Kampf um die Dominanz am Himmel klar verloren – ein dunkles Grau bei ca. 05 C° gab den Ton an. Ich machte mich für 14 Kilometer auf den Weg, zum zweiten Mal in neuen Schuhen, welche einfach nur perfekt sind. Ein windstiller Tag. Vorbei an einem Aufgebot der Polizei, die geschäftig Geld einsammelten. Ich verschwand in meine Wälder und genoß das Alleinsein. Ein Gefühl von Einsamkeit stellte sich nicht ein, schließlich war ich umgeben von purer Lebendigkeit. Ich erreichte den Damm und betrachtete den überfluteten Weiher, als es plötzlich im Teich sehr hell wurde. Der Himmel spiegelte sich und die Sonne kehrte wieder auf die Himmelsbühne zurück. Ein phantastischer Anblick. Nicht nur ich war von dieser Schönheit überwältigt, auch viele Tiere begrüßten die Sonne. Die Enten machten sich lauthals bemerkbar, ebenso die Wildgänse. Sonnenstrahlen leuchteten durch die Bäume und bildeten abwechselnd ein Muster aus Licht und Schatten auf dem Boden.

Ich lief bis zum Ende des Deiches und wollte schon umkehren, als ich zwei Rehe aufschreckte, die schnell nach rechts sprangen. An diesem Ort existiert keine Ausweichmöglichkeit – mich interessierte, ob sie ins Wasser flüchteten – also lief ich noch ein paar Meter weiter, plötzlich brachen sie von rechts aus dem Gebüsch und liefen wieder in die Richtung aus der sie vorher kamen. Ich wollte sie nicht noch mehr ärgern und drehte ab. Später lief ich in drei Meter Entfernung an einem Bussard vorbei, der am Boden eine Mahlzeit zu sich nahm. Meine Anwesenheit beunruhigte ihn nicht. Anschließend absolvierte ich eine große Waldrunde – im tiefen Wald kommen die Sonnenstrahlen, die durch die Baumkronen brechen erst richtig zur Geltung. An allen Ecken und Enden wuselte es: ein Specht hämmerte fleißig, Eichhörnchen sprangen umher und die verschiedensten Vogelarten zwitscherten und sangen. Die Natur ist erwacht und ich habe jeden einzelnen Schritt genossen.

Leider empfinden die wenigsten Menschen so. In der heutigen Zeit zählt nur Papier mit bunten Zahlen – und diese Gier nach Geld zerstört die einzigartige Natur. Aktuell wirkt sich dieser Zerstörungswahn mit sehr fragwürdigen Methoden auch auf „mein“ Naturschutzgebiet aus. Die Natur braucht keine Menschen, aber wir Menschen können ohne die Natur nicht leben. Ich wünschte, diese Erkenntnis käme in der Wirtschaft an. Aber Hoffnung treibt das Schiff der Narren.

Aus diesem Grund werde ich versuchen, meine täglichen Läufe im Naturschutzgebiet noch bewußter zu erleben und zu genießen.

13 Antworten to “Hoffnung treibt das Schiff der Narren”

  1. Ein wunderschöner Bericht, aber das ist eh nichts Neues mehr 🙂

    Leider wirst du kaum was gegen die Zerstörung machen können!! Das ist wirklich traurig 😦

  2. Danke sehr! Na mal sehen – der Widerstand läuft so langsam an. Aber letztendlich wird der schnöde Mammon wohl siegen.

  3. Paul Arden sagt:
    Wenn Du ein Problem nicht lösen kannst, liegt es daran dass Du Dich an die Regeln hälst.
    Das gilt auch und gerade in der Wirtschaft – höchste Zeit, dass es die Vernunft der breiten Masse für sich selbst entdeckt. Lasst und die Regeln der Gesellschaft brechen, wenn es um den Schutz unserer Existenz – in anderen Worten: der Natur – geht!

  4. hi, marcus-

    schön, wie immer beschrieben!!!

    ich freu mich auch über jedes wilde tier, das ich auf meiner strecke sehe- wie bei dir sind es die reiher, rehe und ein brauner vogel, von dem ich mal schätze, es ist ein falke *ggg.

    ich denke, es tut sich schon viel in die richtige richtung. die menschen werden wieder bewusster.

    es ist wie mit allem -ein geben und ein nehmen…

    ja, es wäre schön, wenn die menschen ihren wieder belebten natursinn in ein kollektives projekt steckten und an der erhaltung viel tun!

    drücken wir die daumen, dass es so ist.

    gut, dass die neuen schuhe nicht schmerzten!!! die ersten tage in neuen schuhen sind immer ein heikles gefühl- jede gehirnzelle versucht schmerzen zu wittern, wo keiner ist…

    danke für den schönen bericht- ich hab mein läufchen noch vor mir, bin aber sooooooooooooooooooooo müde 😦 heute !!!

    liebe grüsse!!!!!!!!!!!!111

  5. Hallo Torsten, danke für dieses wunderbare Zitat. Jene, die gegen die Natur vorgehen, biegen und brechen die Regeln für sich selbst. Das erlebe ich derzeit. Ein Problem ist, meines Erachtens, daß die breite Masse die Bedrohung oft gar nicht erkennt. Hier reagieren derzeit nur die Menschen, die direkt davon betroffen sind. Und die Regeln der Gesellschaft zu brechen, finde ich gut – vieles ist falsch und wird nur aus Tradition praktiziert.

  6. Hi Athena, ebenfalls Danke! Du müßtest Deinen braunen Vogel auf ein Photo bannen. Aber das ist sicherlich schwierig bis unmöglich. 😉

    Ich hoffe, daß die Menschen wieder bewußter werden. In meinem Vorgängerbeitrag bzw. seinem Blog hat Torsten ja beschrieben, daß es auch anders geht. Jedoch, noch denken zu wenige in diesen Ebenen.

    Schuhe: Die schmerzen (meine Füße) absolut nicht. Ich habe zwar erst 24 KM weg, aber alles ist bestens. Ich sollte wohl mehr bestellen. 😉

    Ich wünsche Dir noch Energie für Deinen Lauf heute, hoffentlich ist es auch so schön sonnig bei Dir. Hier strahlt sie mich an…

  7. Lieber Marcus,

    wie schön, dass es Menschen wie Dich gibt, die mit allen Sinnen unterwegs sind, alles hören, sehen, riechen, schmecken und auch noch diese Schönheiten in vollen Zügen genießen und in Wort fassen können.

    Ich unterschreibe alles.

    Danke für diesen Ausflug in die Natur ! 8)

  8. Merci Margitta! 🙂 Ich versuche jedenfalls, es einigermaßen anschaulich zu formulieren. Und mal ehrlich: Die Natur kann/muß man doch nur genießen. Zumindest, wenn man sensibel genug ist.

  9. Mensch Marcus – OK, ich liebe Wortspiele 😉 – wir sollten aufpassen das unsere Kommentare nicht zu anarchistisch klingen, sonst geraten wir noch in die Fänge des Verfassungsschutzes! Zu Zeiten in denen Verfassungsänderungen wie das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung durchgehen… 😀
    Aber ich muss mich auf outen – ich bin selber ein „Gewinnmaximierer“! Nur steht das für mich nicht im Wiederspruch zu ökologischer Verantwortung, im Gegenteil! Kaputte Natur reparieren ist in der Regel – neben dem Risiko irreparable Schäden zu verursachen – viel teurer, als gleich vernünftig mit den Ressourcen zu wirtschaften.

    Herzliche Grüße

    Torsten

  10. Ach und so nebenbei – ich schätze Deinen Stil zu „be“-schreiben, Danke für Deine Gedanken!

  11. *lacht* Ein wenig Anarchie schadet nicht. 😉 Und vom Verfassungsschutz lasse ich mich nicht beeindrucken.

    Bezüglich der Vorratsdatenspeicherung kann ich Dir nur Recht geben. Nach und nach fallen immer mehr Grenzen, die vom Grundgesetz absolut nicht gedeckt sind. Aber das ist ein anderes Thema.

    Auch sonst stimme ich Dir, wieder einmal, zu. Kurzfristig werden Raubbauaktionen Gewinne abwerfen, langfristig betrachtet gleich es einem Bumerang. Wenn wir uns selbst (die Menschen) schaden, mag das noch okay sein, mich stört vielmehr, daß so viele andere Tierarten unter uns leiden. Beispielsweise rotten wir ganze Arten aus, die uns nicht einmal bekannt sind. Natürlich wirkt sich das alles auf das ökologische Gleichgewicht aus. Dazu gab es mal eine Studie. Na, lassen wir das – ein Endlosthema und wir Menschen lernen es nicht mehr.

    Danke für Dein Kompliment! 🙂

    Ich wünsche Dir einen schönen Abend!

  12. Hallo Marcus! Es ist schön, dass Du die Natur so beobachtest.
    Die Zeilen könnten fast von mir sein denn oft denke ich das, was Du schreibst.

    Schau Dir mal die Fotos auf meiner Seite an die ich beigefügt habe in meinem letzten Bericht (den Du schon kommentiert hast) Die werden Dir sicher gefallen.
    Dir ein schönes Wochenende.
    Viele Grüße Jessica

  13. Dankeschön, Jessica. 🙂 Die Natur ist eben ungeschlagen, man muß nur hingucken…

    Ebenfalls ein schönes Wochenende!

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