Täglichlaufen. Warum?
Eine gute Frage. Nächste Frage. Ich habe das nie bewußt geplant, was in meinen Augen auch gar nicht möglich ist. Und hätte ich mir vorgenommen, ein Jahr oder mehr täglich zu laufen, wäre ich mit Sicherheit gescheitert. Es war ein langsamer Prozeß, eine stetige Entwicklung zum Täglichläufer. Als Auslöser kann ich viele Verletzungen ausmachen, die mich damals oft vom Laufen abhielten. Nach einer größeren Verletzung fing ich an jeden Tag zu laufen, mit der Intention: „Laufe so oft wie möglich, die nächste Zwangspause ist nicht weit“. Darauf warte ich noch immer.
Die meisten Menschen denken jetzt an Wörter wie beispielsweise: „ungesund“, „schädlich“, „Ruhetage sind wichtig“, „ohne Regeneration geht es nicht“, „das geht auf die Gelenke“ usw. usf. Ich verbanne diese Einwände in das Reich der Fabeln. Natürlich kann kein Anfänger täglich 15 Kilometer laufen, aber das versteht sich von selbst. Insgesamt betrachtet, haben sich meine Verletzungen extrem reduziert, im Vergleich zu meiner Laufzeit davor. Sicherlich ist Täglichlaufen nicht jedermanns Sache, auch existieren einige Nachteile, das möchte ich nicht abstreiten. Ich vergleiche Täglichlaufen mit einem Messer. Es kann mir nutzen oder aber, ich kann mich schneiden – die Frage ist nur, ob ich das Messer am Griff oder an der Klinge berühre. Soll heißen, solange man es nicht übertreibt, ist es die natürlichste Geschichte der Welt.
Jeden Tag zu laufen ist für mich eine Lebenseinstellung, ein Ritual geworden. Für mich ist das nur positiv, gut für Körper und Geist. Viele können das sicher nicht nachvollziehen, aber das verlange ich auch nicht.
Nichtsdestotrotz ist in mir noch der unsportliche Mensch von früher vorhanden, der sich nicht vorstellen konnte auch nur einen Kilometer zu laufen. Aus diesem Grund ist mein Verständnis für Menschen, die sich bewegen und etwas für ihren Körper tun besonders ausgeprägt. Wenn ältere oder dicke Menschen Walken oder ähnliches betreiben, lachen manche Personen. Schwache, unsägliche Geister, die ich verabscheue. Ich dagegen bewundere und respektiere diese Sportler.

November 18, 2007 um 6:53 Uhr nachmittags
Hallo !
Deine HP und vor allem deine Selbstdisziplin beeindrucken mich sehr. Ich selber versuche alle paar Monate wieder mit dem Laufen anzufangen. In meiner Jugend bin ich regelmäßig gelaufen, so drei bis vier mal pro Woche. Jetzt scheitert es leider immer wieder an meinem Alltag. Will damit sagen das ich durch Familie, Beruf, andere Hobbies nur sehr wenig Zeit habe. Zum Zweiten fehlt mir heute auch der Biss - leider.
Deshalb ein paar Fragen:
Bist du ledig oder in festen Händen? Wenn du in festen Händen bist und / oder sogar Kinder hast, wie organisierst du deinen Tag?
Wie hast du dich gerade am Anfang, also als du die ganzen kleinen Wehwehchen hattest motiviert weiter zu laufen?
Wäre schön wenn ich von dir hören würde!
Luigi
November 19, 2007 um 1:07 Uhr nachmittags
Hallo Luigi,
danke für Deinen Kommentar. Eines vorweg: Ich habe (noch) keine Kinder, welches mein Laufen zeittechnisch schon mal vereinfacht. Die Motivation am Anfang war gar nicht das Problem. Schließlich lief ich nicht jeden Tag, sondern unregelmäßig. Was ich rückblickend für mich als wichtig erachte in bezug auf mein Täglichlaufen, sind meine Laufaufzeichnungen. Bei Verletzungen pausierte ich nicht mehr, sondern ich lief einfach weiter (Grenzen austesten). Natürlich habe ich die KM reduziert. Ich sagte damals immer: – „Wenn ich jetzt unterbreche, habe ich ein Loch in der Statistik.“ – Und das wollte ich nicht. Letztendlich verschwanden nach einiger Zeit die Probleme von allein.
Die Organisation ist schon schwieriger. Versuch einfach ein paar Laufeinheiten fest in der Woche zu verankern, die Du Dir nicht nehmen läßt (ich plane auch manchmal Tage voraus). Ich würde Dir raten, ebenfalls Aufzeichnungen zu führen. Das kann Dir bei der Motivation helfen. Außerdem ist es spannend zu lesen, was man früher so erlebte. Ansonsten stellt sich die Frage der Organisation täglich neu. Ich bin schon zu allen Tages- und Nachtzeiten gelaufen.
Ich hoffe, ich konnte Dir etwas helfen. Für mehr Informationen einfach schreiben…
November 21, 2007 um 7:29 Uhr vormittags
hi nach berlin
wir haben wirklich die gleiche einstellung zum laufen- so sätze wie: “täglichlaufen ist eine lebenseinsellung, ein ritual geworden”-entsprechen meinem denken- aber das weisst du ja *lach.
@luigi- auch mit familie ist täglichlaufen kein problem!!! wir haben 3 kinder und 5 haustiere- alles klappt prima- mein mann und ich laufen beide seit über 600 tagen täglich. die kinder wachsen damit auf und finden es selbstverständlich. man kann das prima in den alltag einplanen…
ich schliess mich black sensei an- bei fragen, einfach schreiben
November 21, 2007 um 6:13 Uhr nachmittags
So ist es Athena, das habe ich schon öfter festgestellt, ist doch schön, wenn Du auch so denkst.
Wenn das tägliche Laufen nicht in Fleisch und Blut übergehen würde, wir würden es wohl kaum so lange durchhalten, gell? Nur so funktioniert es, wenn auch nicht gleich zu Beginn.
November 21, 2007 um 9:21 Uhr nachmittags
Also - ich habe mir nun fest vorgenommen mindestens jeden dritten Tag zu laufen. Kann auch sein das ich am Anfang “nur” spazieren gehe. Ich fürchte das meine Knie und mein Rücken sonst zu schnell die Segel streichen. Zur Erklärung: Ich wiege momentan 92 kg bei einer Größe von 176 cm. Vor zwei Jahren hatte ich schon mal den Entschluss gefasst zu laufen und habe es direkt übertrieben. Dadurch schlief die ganze Sache ziemlich schnell wieder ein. Bin nun mal nicht so ein harter Brocken.
Aber auf jeden Fall Danke für eure ermunternden Worte !
November 21, 2007 um 9:35 Uhr nachmittags
good luck, luigi- es lohnt sich
November 22, 2007 um 12:44 Uhr nachmittags
Wenn Du Dein Vorhaben in die Tat umsetzt, hast Du schon gewonnen. Dein Gewicht ist doch in einem akzeptablen Rahmen. Und schnelleres Gehen, ist ebenfalls für den Anfang okay. Nach und nach kannst Du Dich ja steigern. Und laß Dir nicht einreden, Laufen ist schädlich für die Gelenke. Das ist Blödsinn. Im Gegenteil, durch die ständige Forderung wird im Knie sogar neue Knorpelflüssigkeit gebildet. Vor kurzem belegte das sogar eine Studie.
Das Wichtigste ist: Du mußt Spaß an der Sache haben. Langsam anfangen, später steigern. Und notiere Dir Deine Läufe. So kannst Du Deine Fortschritte besser verfolgen und in ein paar Jahren macht es Spaß darin zu lesen.
Viel Erfolg!
Februar 19, 2008 um 9:37 Uhr nachmittags
Wow…ist ja echt interessant…ich laufe im Moment so ca. 3-5mal die Woche…ist unterschiedlich. Je anchdem wie ich zeit finde. Leider habe ich nicht die Motivation so wie du in jeder Tages oder Nachtzeit laufen zu gehen. Aber dem Tipp mit dem Regen gehe ich mal nach….der nächste Regen kommt bestimmt und dann gehe ich auch laufen
Versprochen !
Februar 20, 2008 um 9:05 Uhr vormittags
Hallo Sascha,
vielen Dank für Deinen Kommentar.
Fünf Laufeinheiten pro Woche sind doch relativ viel. Zum Täglichläufer ist der Schritt da nur noch sehr klein.
Ich weiß, die liebe Zeit. Davon kann ich auch ein Lied singen. Das Thema Motivation erledigt sich irgendwann von selbst.
Daß Du einen Regenlauf versuchen willst, finde ich gut. Hoffentlich erwischst Du einen Tag, an dem es während Deines Laufes durchgängig regnet – denn, 20 Minuten im Regen zu laufen und anschließend scheint für 80 Minuten die Sonne – finde ich eher unschön. Entweder es regnet durch oder gar nicht. Wie auch immer, ich würde mich freuen, wenn Du über Deine Erfahrungen berichtest.
Mai 31, 2008 um 3:47 Uhr nachmittags
Im Forum bin ich über Deinen Bericht gestolpert. Hier nun auch nochmal. Und, ehrlich gesagt, was ist dran an den ganzen Anfeindungen? Jeder, der sich auch nur oberflächlich mit dem Training von Läufern auseinandersetzt, die national und international vorne mitrennen wird sehen, dass fast ALLE täglich laufen. Regenarationstage sind dann eben nur weniger Kilometer lang. Das auf der einen Seite. Auf der anderen Seite verstehe ich (deshalb?) nicht, warum für tägliches Laufen ein Anglizismus gefunden werden muss, es ein (schönes!) Forum gibt? In USA gibt es dann die Marketingmaschine “RAVEN MAN” oder in England RON HILL, die Streak-running vermarkten oder zur “Religion” stilisieren. Warum?
sondern als Läufer, also jemand der im Laufschritt Distanzen bewältigt. (Ein Experiment für Dich: Jeden Weg außer Haus im Laufschritt bewältigen, ein paar Tage lang. Inspirierend.) Deshalb verstehe ich auch alle Streaker! Eine tolle Idee. (Nur eben für mich nix, da ich meistens auf Signale meines Körpers achte, und wenn ich keine lust habe, laufe ich nicht… 
Ich verstehe Dich, wenn Du sagst, dass Dein Täglich-Laufen Dich innerlich und äußerlich gestärkt hat! Und Du warst es, der mich dazu brachte, darüber nachzudenken. Für mich ist es nicht anstrebenswert, aber das ist egal.
Ich persönlich sehe mich nicht als Sportler (nicht mehr…
Juni 1, 2008 um 8:29 Uhr vormittags
Hallo Lars,
das Wort „Streakrunning“ lehne ich auch für mich ab. Ich laufe täglich und streake nicht. Daß sich Gleichgesinnte in Foren zusammenschließen, ist gut so. Und dieses Hochstilisieren zu einer Religion, wir kennen ja viele Beispiele,
verstehe ich ebenfalls nicht. Da könnte man auch aus dem täglichen Brot holen oder so eine Religion machen. Albern.
Wie auch immer, ich laufe nun einmal täglich, aber ich würde das niemanden aufzwängen wollen. Jeder soll das machen, was ihm beliebt. Ich freue mich über Walker usw. Aber ein wenig erwarte ich diese Toleranz auch von anderen. Auch wenn das selten der Fall ist. Und leider kann man im Internet eher schlecht Kopfnüsse verteilen.

August 17, 2008 um 8:16 Uhr nachmittags
Streakrunning - dein Kommentar dazu gefällt mir sehr gut - machen was einem gefällt - ohne das Hochstilisieren zu einer Religion…
Ein ehemaliger Mitläufer meines Lauftreffs bringt in regelmäßigen Abständen Berichte zu seinen Lauferfolgen und in jedem 2. Bericht wird mit seiner Streakrunning Statistik geprahlt… - tssss
Laufen ohne Zwang - nur zum Spaß - einfach so….
Schön
August 18, 2008 um 8:06 Uhr vormittags
Willkommen hier, Martin!
Mir ist auch ein Experte bekannt, der Täglichlaufen über alles stellt. Aber offenkundig gibt es für bestimmte Personen nichts anderes mehr im Leben, eigentlich traurig. Streakrunning ist auch zu „natürlich“ als das man eine Religion daraus machen könnte. Aber jeder wie er mag…