Unterstützung beim Abnehmen

Veröffentlicht in Pro Bewegung bei Juli 30, 2008 von blacksensei

Derzeit versuche ich jemanden das Laufen näher zu bringen. Nicht in der Theorie, sondern in der Praxis; in einem minimalen Rahmen bestehend aus Walken, Gehpausen und Laufen. Das Primärziel liegt, ganz banal, in der Gewichtsreduktion. Ich stehe sozusagen als Berater zur Seite, doch durchaus aktiv. Bisher wurde im Garten geübt, was jedoch höchstens kurzfristig praktikabel ist. Zumal der Wunsch auf die Straße zu gehen nicht nur von mir kommt. Der erste auswärtige Versuch wurde allerdings vertagt. Warum? „Da sieht man mich und jeder guckt komisch“. Ich antwortete, daß es dir noch nie etwas ausmachte, was andere Menschen denken. „Das stimmt, aber trotzdem!“. Nun gut.

Ich kann dieses Denken sehr gut nachvollziehen, obwohl es natürlich unsinnig ist. Wen interessiert es, wenn man nicht Idealmaße hat und entsprechend etwas für seinen Körper tun möchte, bzw. warum sollte ich mir darüber Gedanken machen und mich mit negativen Gedankengut belasten? Und wenn törichte Kommentare fallen und man belächelt wird? Na und? Schwache und kleingeistige Menschen agieren so, sie versuchen andere zu verletzen, sei es weil sie dumm sind oder kein Selbstvertrauen besitzen, um ihre Unsicherheit zu kompensieren oder weil sie neidisch sind. Es mögen viele Gründe existieren, welche jedoch für uns irrelevant sind. Relevant ist die Erkenntnis zu erlangen, daß Bewegung grandios für den Körper ist und diese Einsicht in die Tat umzusetzen. Ohne falsche Rücksicht auf Neider. Schwer genug. Vielleicht gibt man in den Augen anderer Menschen damit eine seltsame Figur ab, aber wen hat das zu interessieren? Bewegung ist gut für die Gesundheit, für Körper und Geist, für das Wohlbefinden – man tut also etwas, um sich ein Gefühl von Wohlbehagen aufzubauen – wie könnte das je lächerlich wirken? Diese Fragestellung an sich ist schon obsolet. Lächerlich ist, wer so denkt, lächerlich ist, wer sich über andere Menschen lustig macht, lächerlich ist, wer andere verletzt – anstatt sie zu unterstützen.

In meinem aktuellen Beispiel wurde auch schon über unsere Ambitionen gelacht. Mit versteinerter Mine bot ich dem vermeintlichen Schelm an gemeinsame 15 Kilometer zu laufen. In der Sekunde verschwand das süffisante Grinsen. Ein Mensch, selbst nicht in der Lage auch nur fünf Kilometer zu laufen, aber andere demotivieren. Ich enthalte mich einer Bewertung.

Menschen, die nicht den Idealmaßen entsprechen, werden immer mehr in unserer faulen Gesellschaft. Die Gründe sind vielfältig. Es steht mir nicht zu über diese Menschen zu richten, nur weil sie nicht der suggerierten Idealfigur entsprechen. Sie sind deswegen nicht schlechter als schlanke Menschen. Und ehrlich gesagt, sehe ich lieber einen Bauch, der nicht einer Pseudonorm entspricht, als ein Hochglanzmodel, bei der ich Angst habe, daß sie schon vom Angucken aus lauter Magersucht ins Koma fällt. Ein gefährlicher Trend, der die Medien seit Jahren dominiert. Wie dem auch sei, wenn ein Mensch sich dem Sport zuwendet, welchen auch immer, sollte er oder sie sich auf das eigentliche Tun konzentrieren und jegliche Spötter durch Nichtachtung ignorieren. Man darf diesen Narren keine Bühne bieten, geschweige denn auf ihr einfältiges Gerede hören.

Mittlerweile waren wir bereits einmal auf der Straße. Ich freue mich zu sehen, wie schnell sich doch der Körper auf die Bewegung einstellt. Die erreichten Distanzen sind noch nicht der Rede wert – aber sie werden länger. Ein schönes Gefühl dabei zu sein und diese positiven Effekte hautnah zu erleben. Vor allem im Gesicht derjenigen, die diese großartige Leistung vollbringt. Jener Anblick erfüllt mich mit Freude. Mein Fazit an alle Menschen mit Gewichtsproblemen lautet daher: Bewegt Euch, lächelt und ignoriert unsägliche Kommentatoren. Es lohnt sich. In jedem Alter. Zu jeder Zeit. Immer.

Schwache Körper, Sonne und Indianer

Veröffentlicht in Laufberichte bei Juli 27, 2008 von blacksensei

Wenn das kein origineller Titel ist. :D

Schwache Körper – I. Als Täglichläufer erlebt man viele angenehme Momente, die einem lange in Erinnerung bleiben und weniger schöne Erfahrungen, welche schnell verdrängt werden. Bisher habe ich mehrheitlich erstere Erlebnisse thematisiert. Um eine gewisse Ausgewogenheit herzustellen, folgt nun ein Beispiel aus der zweiten Kategorie. Vor ein paar Tagen lief ich zum Ende meiner Runde (17 KM) die Brücke hoch, als ich auf der anderen Straßenseite den lokalen Laufmeister erspähte. Ich reagierte nicht weiter, bis er auf einmal immer schneller wurde, was mir nicht gefiel, so daß ich meinerseits nun das Tempo erhöhte. Nicht wirklich mein Stil. Die paar Meter bis zur Treppe hätte er mich sowieso nicht einholen können, wenn nicht mein Körper in einer Art reagiert hätte, wie ich es bis dato noch nie erlebt habe. Ich gehe jetzt nicht ins Detail – jedenfalls ist mein Körper „kollabiert“. Wie weit doch wenige Meter sein können. Sicherlich bot ich einen seltsamen Anblick. In diesem Moment habe ich das Täglichlaufen verflucht; ich habe mit dem Gedanken gespielt meine Serie zu beenden. Nach fünf Minuten hatte ich mich einigermaßen erholt und diese negative Eingebung war verschwunden. Am nächsten Tag lief ich bereits wieder 14 Kilometer und war um eine Erfahrung reicher.

Sonne. Nach meiner Erfahrung bekommt man selten das, was man möchte. Die logische Konsequenz manifestiert sich in der Lektion, das zu mögen, was man bekommt. Daher wird das Wetter immer so wie ich es mag. Schließlich können wir es nicht ändern, nur akzeptieren. Über 30 C°, blauer Himmel und heißer Sonnenschein ist dennoch nicht mein Lieblingswetter. Laufen in der prallen Sonne bereitet mir nicht wirklich Freude. Vor allem wenn ich meinen Blick schweifen lasse, über den See – und die zahllosen Schiffe, Segelboote und Yachten erblicke. Die Eigner sonnen sich auf Deck und dümpeln dahin. Nicht wenige sind am Damm angelandet und liegen ebenfalls in der Sonne. Und ich schwitze, das Wasser läuft in Bächen, die schwarze Kleidung zieht die Wärme an. Ein Hauch von Neid entwickelt sich. Warum tue ich mir das nur an?

Indianer. Ein Jugendfreizeitklub hat am Waldrand ein Grundstück erworben, welches derzeit aktiv genutzt wird. Zwei Zelte wurden aufgebaut und wenn auch niemand zu sehen ist, umso lauter sind die Jugendlichen zu hören. Sie trommeln – und wie! Ein Gefühl wie in einem alten Westernfilm. Ich laufe im Wald und im Hintergrund ein famoses Trommeln. Wie man sieht, bin ich nicht am Marterpfahl gelandet, zum Glück, denn sonst wäre dieser Beitrag unter erschwerten Bedingungen entstanden. Ich hoffe, sie trommeln noch einige Zeit weiter – mir hat es gefallen. Eine tolle Atmosphäre.

Schwache Körper – II. Auf der Rücktour betrachte ich die Wassertouristen eingehender und stelle verblüfft fest, daß nicht eine einzige Person „Normalgewicht“ hat. Wohin ich gucke, ich sehe nur dicke Bäuche. Im Rahmen dieser Erkenntnis verflüchtigt sich mein Neid und ich bin froh als Läufer die Natur zu genießen – in jedem Fall besser als dick und faul in der Sonne zu braten. Der Höhepunkt meines heutigen Laufes bildete ein, ebenfalls sehr korpulenter Mann, der sich auf dem Damm hingelegt hat. Töricht. Nicht einfach so, nein, sondern direkt auf dem Weg in der Mitte einer von Bäumen umsäumten Kurve. Ich hoffe für ihn, daß kein schnelles Fahrrad diesen Weg erkundete.

Ein anstrengender, aber schöner Lauf. Viel gesehen, viel gehört, viel genossen. Es ist Sommer.

Übertriebene Besorgnis?

Veröffentlicht in Allgemein bei Juli 23, 2008 von blacksensei

In der Nähe meiner Laufstrecke wohnt am Waldrand eine entfernte Bekannte. Sie hat zwei Kinder, ein Mädchen um die 12 Jahre und einen Jungen, vielleicht sieben Jahre alt. Am Montag führten beide ihren Hund aus; ich traf sie am Anfang des Dammes. Als ich sie vor mir spazieren sah, ohne ältere Personen, fand ich das ein wenig bedenklich. Sicher, es ist ihr Revier und sie kennen dort wohl jeden Stein. Allerdings liegt der Eintritt zum Damm mitten im Wald, den man vorher entsprechend durchqueren muß. Auch sonst ist die Gegend eher abgelegen. Zumal ich schon die seltsamsten Gestalten in dem Areal gesehen habe, von aggressiven freilaufenden Hunden und Wildschweinen gar nicht zu reden.

Ich grüßte sie und lief zum Ende des Dammes, meinem Wendepunkt. Bevor ich selbigen erreichte, kamen mir drei männliche Personen entgegen. Vorsichtig formuliert, sahen sie nicht sonderlich vertrauenswürdig aus. Ich weiß, Vorurteile. Wahrscheinlich ist man auch übersensibilisiert, auf Grund der Medien. Ich kehrte um, überholte erst die Männer und traf später erneut auf die Kinder, welche ihre Richtung beibehielten. Eigentlich wollte ich nun den Rückweg einschlagen, entschied mich jedoch zwei weitere Kilometer zu laufen, um alle Personen zu beobachten. Um dieses Vorhaben auszuführen, mußte ich über die Mittelwiese laufen, eigentlich ein Bruch meiner Überzeugung, da die Gräser ca. 130 cm hoch sind und der Weg somit komplett zugewachsen ist. Glücklicherweise erwischte mich keine Zecke. Und auch meine bösen Gedanken wurden nicht bestätigt. Die Kinder wurden ohne Probleme vorbeigelassen und als ich sie das dritte Mal traf, fragte mich der Junge, wie viel Kilometer ich eigentlich laufe.

Meine Besorgnis, auch resultierend aus einem extrem schlechten Menschenbild, wurde also nicht bestätigt. Vollkommen absurd waren meine Gedanken jedenfalls nicht, da am 07.09.2005 eine Vergewaltigerkreatur ausgebrochen war und in meinem Laufgebiet entsprechend viele Polizeiposten stationiert wurden. Das Gefühl zu wissen, daß nichts passiert ist, war sehr beruhigend und ich konnte unbekümmert den Heimweg antreten. Lieber einmal zu oft genau hinsehen, als einmal zu wenig. Und die paar Kilometer mehr haben auch nicht weh getan. Ein schöner Lauf.

Feinfühlig und verletzlich

Veröffentlicht in Laufphilosophie bei Juli 19, 2008 von blacksensei

Ein Sonnenuntergang im Juni. Natur. Leben. Stille. Einsamkeit. Laufen. Eine wunderbare Kombination! Einfach nur laufen, seinen Gedanken nachhängen – am Horizont dieser Anblick – weit und breit nichts, was mich in meiner Konzentration stören könnte. Keine Menschen, keine Autos, keine Maschinen – nur die Natur in ihrer unendlichen Schönheit. Man wird selbst zur Ruhe – Laufen als Katalysator um einen Zustand des Genusses zu erreichen. Meine Laufphilosophie.

Wer lebendig sein möchte,
muß feinfühlig und verletzlich sein.
Eins bedingt das andere.
Wer hart,
wer unempfindlich ist,
ist seelisch nicht vorhanden
und fristet hinter seinen
Mauern, Zäunen und Panzerungen
ein hohles Leben.

(Hans Kruppa)

Jugendliche Gedanken

Veröffentlicht in Gedichte & Zitate bei Juli 17, 2008 von blacksensei
Wie bleibt man jung?

Jugend ist nicht ein Lebensabschnitt,
sie ist ein Geisteszustand,
sie ist Schwung des Willens,
Regsamkeit der Phantasie,
Stärke der Gefühle,
Sieg des Mutes über Feigheit,
Triumph der Abenteuerlust über die Trägheit.

Niemand wird alt,
weil er eine Anzahl Jahre
hinter sich gebracht hat.
Man wird nur alt,
wenn man seinen Idealen Lebewohl sagt.
Mit den Jahren runzelt die Haut,
mit Verzicht auf Begeisterung aber
runzelt die Seele.

Du bist so jung wie Deine Zuversicht,
so alt wie Deine Zweifel.
So jung wie Dein Selbstvertrauen,
so alt wie Deine Furcht.
So jung wie Deine Hoffnungen,
so alt wie Deine Verzagtheit.
Solange die Botschaften der Schönheit,
Freude, Kühnheit, Größe
Dein Herz erreichen, solange bist Du jung.

(Albert Schweitzer)

Und Laufen? Eine weitere, nicht unerhebliche Komponente – bezogen auf das Puzzle des Lebens – um seine Jugend zu erhalten. Geistig wie körperlich. Laufen befreit den Geist.