Der Auftakt des vergangenen Monats begann zwar noch im Zeichen der unzulänglichen Schwäche, doch ich konnte bereits den genesenden Aufwind spüren. Ein heikles Stadium der körperlichen Gesundheit stellt diese Übergangsphase dar. Subjektiv betrachtet – nahezu wiederhergestellt – der Körper will in bewährte Muster zurückkehren, darf respektive sollte nicht. Sich in Zurückhaltung üben und die Intensität beschränken, ist der weisere Weg. Und so nahm ich mein Standardprogramm nicht sofort wieder auf, sondern näherte mich langsam den einst etablierten Rahmen an. Obwohl die Widrigkeiten sich augenscheinlich in Luft auflösten, benötigte mein Körper mehrere Tage, um die reguläre Form aufzubauen. Nun heiße ich die gewohnte und geschätzte Konstitution erneut in alter Stärke willkommen.
Was bot der siebte Monat in diesem Jahr? In den letzten Wochen wurde der herbstliche Jahreswechsel mit voller Inbrunst vollzogen. Die Temperaturen fielen während meiner Läufe von 18 C° auf 04 C°. In den ruhigen Wäldern verabschieden sich nach und nach die grünen Kleider und die Farben des Herbstes dominieren uneingeschränkt – ein buntes Potpourri im dramatischen Wandel der grünen, roten und gelben Welt in der von mir geliebten Natur. Welch formidabler Anblick! Demungeachtet erreichten mich die ersten kalten wie liebevollen Ausläufer der winterlichen Legionen, die uns immer näher kommen. Vor nicht langer Zeit trauerte ich wehmütig dem Sommer hinterher, doch jetzt freue ich mich auf die kalten Tage. Die kühle, belebende Luft ist ein einziger Genuß; einmal eingeatmet, führt der prosperierende Odem der Wintermacht zu einer Stärke, die sich unverzüglich auf das Laufen auswirkt. Der aufgenommene Sauerstoff verteilt sich im Blut und setzt eine lange vermißte Macht frei. Meine geliebte Kälte – Du bist zurück! Die innere Kraft scheint übermächtig, sie manifestiert sich in großen Schritten, die Geschwindigkeit erhöht sich – greifbare konzentrierte Energie, fühlbar. Ein überhöhtes Empfinden mächtiger Dynamik und immenser Willenskraft, nichts und niemand kann mich während meiner Läufe in natürlicher Freiheit aufhalten. Ungebrochenes, knisterndes Temperament.
Der in die Vergangenheit aufgebrochene Monat offerierte eine gehaltvolle Alternation. Ein langjähriger Hundefreund von mir, der Rottweiler Bow – einst fester Bestandteil meiner täglichen Laufeinheit wird mich nicht mehr begleiten – er verstarb leider. Das gewohnte Bild hat sich einmal mehr verändert, ja, es ist ärmer geworden. Auch meine Schafherde verschwand urplötzlich. Glücklicherweise ist mir nun ihr aktueller Aufenthaltsort bekannt; demnächst werden sie ihr gewohntes Zuhause wieder beziehen. Anfang Oktober blockierte ein umgestürzter Baum den Damm, temporär gelang es mir, Täglichlaufen mit Klettern zu verbinden. Das Hindernis wurde jedoch schneller beseitigt als ich es mir in meinen kühnsten Träumen ausgemalt hätte. Für einen weiteren Höhepunkt des Monates zeichneten die Hochlandrinder verantwortlich, die sich selbst in den Stand der Freiheit erhoben, um ungehindert ihre Welt zu erkunden.
In dieser Woche stand auf der Wiese in Dammnähe ein Reh und beobachte mich neugierig. Ich blieb stehen und wir guckten uns an, selbst als ich es ansprach, flüchtete es nicht. Wenige Minuten später lief ich an einem edlen Bussard vorbei, der erhaben auf einem Pfahl thronte – die Entfernung betrug drei Meter. Ein wahres Prachtexemplar! Diese beiden Momente verkörpern für mich mein Täglichlaufen par excellence. Den Blick auf die natürliche Welt gerichtet, nicht auf die menschliche. Im Geist während des Laufens völlig versunken, in das innere Reich der Harmonie – was jüngst dazu führte, daß ich spazierende Freunde gänzlich ignorierte. Erst als ich sie längst passiert hatte, wurde mir mein Fauxpas bewußt. Ich kehrte um und korrigierte lächelnd meine Taktlosigkeit, die mir auch sofort verziehen wurde. Das sind meine liebsten Läufe. Wenn sich der Geist scheinbar vom Körper trennt und sich auf eine andere Ebene erhebt – durch die Welt fliegend – im Einklang mit sich selbst.
| 19.09.2009 | 06 KM – bei den Schafen angehalten |
| 20.09.2009 | 09 KM – Erkältung beendet |
| 21.09.2009 | 10 KM |
| 22.09.2009 | 10 KM – langes Gespräch mit einer Bekannten |
| 23.09.2009 | 11 KM – Gespräch mit Grußfreund |
| 24.09.2009 | 12 KM | 25.09.2009 | 12 KM |
| 26.09.2009 | 09 KM |
| 27.09.2009 | 12 KM – Jagdspiel zwischen Bussard und Möwe |
| 28.09.2009 | 13 KM – Radfahrerin überholt |
| 29.09.2009 | 13 KM |
| 30.09.2009 | 13 KM – Gespräch mit Hundehalterin, Hund aggressiv |
| 01.10.2009 | 11 KM – wunderbarer Regenlauf |
| 02.10.2009 | 13 KM – Radfahrerin überholt, Baum umgestürzt |
| 03.10.2009 | 13 KM |
| 04.10.2009 | 13 KM – Schranke geschlossen; Gespräch Grußfreund |
| 05.10.2009 | 15 KM – Melancholischer Lauf |
| 06.10.2009 | 13 KM |
| 07.10.2009 | 15 KM |
| 08.10.2009 | 12 KM |
| 09.10.2009 | 13 KM – Gespräch mit Grußfreundin |
| 10.10.2009 | 08 KM |
| 11.10.2009 | 13 KM – drei Fasane aufgeschreckt |
| 12.10.2009 | 13 KM |
| 13.10.2009 | 13 KM – Gespräch mit Grußfreund, Hochlandrinder frei |
| 14.10.2009 | 13 KM |
| 15.10.2009 | 14 KM |
| 16.10.2009 | 14 KM |
| 17.10.2009 | 14 KM |
| 18.10.2009 | 14 KM – Täglichlaufen: 08 Jahre und 07 Monate |








