Von der folgenden Anekdote ist mir der Autor nicht bekannt; zudem weiß ich nicht, ob sich diese Begebenheit explizit in der hier beschriebenen Form so zugetragen hat. Vielleicht ist die Geschichte auch nur erfunden. Doch all dies ist irrelevant. Der Sinn, der sich dahinter verbirgt, ist wahr und gewaltig. Ich definiere jene Personen mit ihrem Verhalten als Vorbilder und genau dieses Handeln verdeutlicht, was ich unter Sport verstehe. Gelebter Sport von wahrhaft großen Sportlern. Denn ich betrachte Sport in erster Linie nicht als körperliche Leistung, sondern als geistige Einstellung – als ein faires Miteinander und ehrliches Agieren zu sich selbst und zu seinen Mitmenschen.
Vor langer Zeit starteten bei einer Leichtathletikveranstaltung neun Athleten zum Sprint über 100 Meter. Sie alle waren körperlich oder geistig behindert. Der Startschuß fiel und der Lauf begann. Nicht alle wollten die sogenannte Bestzeit laufen, aber alle wollten dabei sein und mit ein wenig Glück auch gewinnen. Als sie ein Drittel der Strecke hinter sich hatten, stolperte einer von ihnen, überschlug sich und fiel hin. Er begann zu weinen. Die anderen Acht hörten das, hielten inne und schauten sich um. Sie blieben stehen und gingen zurück. Alle. Ausnahmslos.
Eine junge Frau mit Down-Syndrom kniete bei ihm nieder, nahm ihn in die Arme und fragte: „Geht es Dir jetzt besser?“ Anschließend gingen alle Neun gemeinsam über die Ziellinie. Schulter an Schulter. Das Publikum erhob sich von den Plätzen und applaudierte. Der Beifall währte sehr lange. Die das sahen, werden diese Szene nie vergessen können. Warum eigentlich?
Weil wir tief in uns wissen, daß es Wichtigeres im Leben gibt als zu gewinnen. Eines der wichtigsten Dinge in diesem Leben besteht darin, anderen Menschen zum Sieg zu verhelfen. Schwache Menschen zu unterstützen und ihnen beizustehen. Auch wenn das bedeutet, den eigenen Lauf zu verlangsamen oder seine Richtung zu ändern. Eine Kerze vergibt nichts, wenn sich eine andere an ihr entzündet.
Wahre Stärke kann sich Toleranz,
Verständnis und Güte leisten.
(Dr. Tilly Boesche-Zacharowski)
Bleib Menschen fern,
die Deine Ambitionen belächeln.
Kleine Menschen tun das immer,
aber die wirklich Großen
geben Dir das Gefühl,
daß auch Du groß werden kannst.
(Mark Twain)