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Den Weg gehen – VIII. Harmonie.

Veröffentlicht in Täglichlaufen. Rückschau. am 18. November 2009 von Marcus

Täglichlaufen in Serie. Acht Jahre – Acht Monate. Zwar ein unbedeutendes Datum, allerdings eine interessante Zahlenkonstellation. Erneut wurde ein Täglichlaufkapitel vom sagenumwobenen Reich der verblaßten Erinnerungen aus der Zukunft angezogen, um dort für alle Zeiten absorbiert zu werden. Das gewichtigste Ereignis in diesem Jahr sollte sich in meinem zehnjährigen Jubiläum als Täglichläufer materialisieren. Wer hätte das einst gedacht? Selbst ich hätte dies als ein unmögliches Vorhaben deklariert. Doch im Nachhinein stellt sich die Welt anders dar, gänzlich konträr zu meinem damaligen Denken, gleichwohl hat das Leben Recht und ich bin froh, daß ich vor einer Dekade den Pfad des Täglichläufers – unbewußt – gewählt habe. Trotz aller Härten würde ich ihn auch mit dem heutigen Wissen exakt wieder so gehen – wie ich es tat. Und diese Erkenntnis – der Sieg über mich selbst – läßt mich stolz lächeln; die Widrigkeiten und Herausforderungen bilden den Nährboden von liebevoller Härte und gewachsener Selbstdisziplin und die daraus gewonnene tägliche Permanenz einer Fortführung meiner Philosophie generiert die gelobte Zufriedenheit und eine mentale wie körperliche Gesundheit, die ich nicht mehr missen möchte. Ich bin dankbar, daß ich das Gefühl des Täglichlaufens in seinen vielen Facetten erfahren, empfinden durfte und weiterhin hoffentlich darf.

Jener vergangene Monat wird als sehr harmonischer Abschnitt in meine Annalen eingehen. Wie im letzten Rückblick bereits formuliert, ist die alte Stärke mit voller Inbrunst zurückgekehrt und hat sich mit der inneren Ruhe vereint, so daß bei den absolvierten Läufen mehrheitlich der lächelnde Genuß obsiegte. Die Wettermächte taten das ihrige und etablierten mit edler Hingabe einen dunkelschönen Oktober/November-Wechsel. Der Jahreszeit entsprechend sanken die Temperaturen von 12 C° auf 01 C° – freilich auf den jeweiligen Laufzeitpunkt bezogen. Somit erfolgten die ersten beiden „Kälteläufe“ zu Beginn des diesjährigen Novembers – nahezu 20 Tage früher als im Vorjahr. Eine wirkliche Anpassung war auf Grund der milden Phasen nicht möglich, ja, offensichtlich auch gar nicht nötig, da die kühlen Gradzahlen sich kaum auf mein Empfinden auswirkten. Im Gegenteil, die klare, kalte Atmosphäre erwies sich mehr als angenehm. Enttäuschend hingegen gerieten die Regenläufe, nur zwei an der Zahl. Ich wage jedoch weiter auf die Gnade der nassen Witterungsgewalt zu hoffen.

Rückblickend betrachtet, verlief der Monat sehr unspektakulär. Die von mir so geliebten Läufe in der Melancholie, geboren in der Einsamkeit dominierten engagiert die letzten Tage. Allein im Laufschritt in der Abgeschiedenheit die dunklen Wälder erkunden; die endlose Himmelsschlacht zwischen eingesperrter Sonne, atemberaubenden Wolken und kräftigen Sturmböen zu beobachten, bildeten die Basis für eine sanfte Ruhe, welche oft knisternd und greifbar war – nur „gestört“ durch zahlreiche Tiere, die sich wie stets in Gelassenheit übten. Die unzähligen Waldpolizisten, ebenfalls bekannt als Eichelhäher in Kooperation mit den Fischreihern enttarnen sich hierbei als Ausnahmen, da sie grundsätzlich erbost ob meiner Präsenz sind – regelrechte Schimpfkanonaden muß ich über mich ergehen lassen, was mich wiederum oft lachen läßt.

Langsam aber sicher neigt sich das Jahr seinem Ende entgegen. Was eben noch so fern in der Zukunft lag, liegt jetzt fast vergessen in der Vergangenheit. Tag um Tag schält sich aus dem Nebel der Dunkelheit, präsentiert uns das temporäre Licht und wankt erneut auf die nächtliche Finsternis zu. Der beständige Kreislauf unseres Lebens. Aus Tage werden Jahre und wir registrieren mit Erstaunen, wo die Zeit geblieben ist. Wir werden sie nie aufhalten können, jedoch in besonderen Momenten ist es uns möglich, sie festzuhalten – sie für den Hauch eines Augenblicks einzufrieren. Wenn uns das mit einer vollkommenen Hingabe gelingt, dann leben wir.

19.10.2009 16 KM – 02 Radfahrer überholt, Gespräch mit Freundin
20.10.2009 14 KM – Damm: Gras gemäht
21.10.2009 14 KM
22.10.2009 14 KM
23.10.2009 14 KM – 04 Vereinsläuferinnen überholt
24.10.2009 13 KM – Fasan beobachtet
25.10.2009 13 KM – Rückkehr der Schafe
26.10.2009 14 KM – 02 Vereinsläuferinnen überholt
27.10.2009 14 KM
28.10.2009 14 KM – Zehnjähriges Täglichläuferjubiläum
29.10.2009 12 KM
30.10.2009 13 KM
31.10.2009 13 KM
01.11.2009 14 KM
02.11.2009 12 KM – Gespräch mit Hundehalter
03.11.2009 12 KM – Radfahrer überholt
04.11.2009 12 KM – Gespräch mit Hundehalter
05.11.2009 08 KM
06.11.2009 14 KM
07.11.2009 14 KM
08.11.2009 13 KM
09.11.2009 14 KM – Schafe beobachtet
10.11.2009 14 KM – Spaziergang mit einer Bekannten
11.11.2009 14 KM
12.11.2009 14 KM – am Seeufer angehalten
13.11.2009 14 KM – am Seeufer angehalten
14.11.2009 14 KM
15.11.2009 14 KM – am Seeufer angehalten
16.11.2009 14 KM – langes Gespräch mit einer Freundin
17.11.2009 14 KM – Radfahrer überholt
18.11.2009 14 KM – Täglichlaufen: 08 Jahre und 08 Monate

Den Weg gehen – VII. Alte Stärke.

Veröffentlicht in Täglichlaufen. Rückschau. am 21. Oktober 2009 von Marcus

Der Auftakt des vergangenen Monats begann zwar noch im Zeichen der unzulänglichen Schwäche, doch ich konnte bereits den genesenden Aufwind spüren. Ein heikles Stadium der körperlichen Gesundheit stellt diese Übergangsphase dar. Subjektiv betrachtet – nahezu wiederhergestellt – der Körper will in bewährte Muster zurückkehren, darf respektive sollte nicht. Sich in Zurückhaltung üben und die Intensität beschränken, ist der weisere Weg. Und so nahm ich mein Standardprogramm nicht sofort wieder auf, sondern näherte mich langsam den einst etablierten Rahmen an. Obwohl die Widrigkeiten sich augenscheinlich in Luft auflösten, benötigte mein Körper mehrere Tage, um die reguläre Form aufzubauen. Nun heiße ich die gewohnte und geschätzte Konstitution erneut in alter Stärke willkommen.

Was bot der siebte Monat in diesem Jahr? In den letzten Wochen wurde der herbstliche Jahreswechsel mit voller Inbrunst vollzogen. Die Temperaturen fielen während meiner Läufe von 18 C° auf 04 C°. In den ruhigen Wäldern verabschieden sich nach und nach die grünen Kleider und die Farben des Herbstes dominieren uneingeschränkt – ein buntes Potpourri im dramatischen Wandel der grünen, roten und gelben Welt in der von mir geliebten Natur. Welch formidabler Anblick! Demungeachtet erreichten mich die ersten kalten wie liebevollen Ausläufer der winterlichen Legionen, die uns immer näher kommen. Vor nicht langer Zeit trauerte ich wehmütig dem Sommer hinterher, doch jetzt freue ich mich auf die kalten Tage. Die kühle, belebende Luft ist ein einziger Genuß; einmal eingeatmet, führt der prosperierende Odem der Wintermacht zu einer Stärke, die sich unverzüglich auf das Laufen auswirkt. Der aufgenommene Sauerstoff verteilt sich im Blut und setzt eine lange vermißte Macht frei. Meine geliebte Kälte – Du bist zurück! Die innere Kraft scheint übermächtig, sie manifestiert sich in großen Schritten, die Geschwindigkeit erhöht sich – greifbare konzentrierte Energie, fühlbar. Ein überhöhtes Empfinden mächtiger Dynamik und immenser Willenskraft, nichts und niemand kann mich während meiner Läufe in natürlicher Freiheit aufhalten. Ungebrochenes, knisterndes Temperament.

Der in die Vergangenheit aufgebrochene Monat offerierte eine gehaltvolle Alternation. Ein langjähriger Hundefreund von mir, der Rottweiler Bow – einst fester Bestandteil meiner täglichen Laufeinheit wird mich nicht mehr begleiten – er verstarb leider. Das gewohnte Bild hat sich einmal mehr verändert, ja, es ist ärmer geworden. Auch meine Schafherde verschwand urplötzlich. Glücklicherweise ist mir nun ihr aktueller Aufenthaltsort bekannt; demnächst werden sie ihr gewohntes Zuhause wieder beziehen. Anfang Oktober blockierte ein umgestürzter Baum den Damm, temporär gelang es mir, Täglichlaufen mit Klettern zu verbinden. Das Hindernis wurde jedoch schneller beseitigt als ich es mir in meinen kühnsten Träumen ausgemalt hätte. Für einen weiteren Höhepunkt des Monates zeichneten die Hochlandrinder verantwortlich, die sich selbst in den Stand der Freiheit erhoben, um ungehindert ihre Welt zu erkunden.

In dieser Woche stand auf der Wiese in Dammnähe ein Reh und beobachte mich neugierig. Ich blieb stehen und wir guckten uns an, selbst als ich es ansprach, flüchtete es nicht. Wenige Minuten später lief ich an einem edlen Bussard vorbei, der erhaben auf einem Pfahl thronte – die Entfernung betrug drei Meter. Ein wahres Prachtexemplar! Diese beiden Momente verkörpern für mich mein Täglichlaufen par excellence. Den Blick auf die natürliche Welt gerichtet, nicht auf die menschliche. Im Geist während des Laufens völlig versunken, in das innere Reich der Harmonie – was jüngst dazu führte, daß ich spazierende Freunde gänzlich ignorierte. Erst als ich sie längst passiert hatte, wurde mir mein Fauxpas bewußt. Ich kehrte um und korrigierte lächelnd meine Taktlosigkeit, die mir auch sofort verziehen wurde. Das sind meine liebsten Läufe. Wenn sich der Geist scheinbar vom Körper trennt und sich auf eine andere Ebene erhebt – durch die Welt fliegend – im Einklang mit sich selbst.

19.09.2009 06 KM – bei den Schafen angehalten
20.09.2009 09 KM – Erkältung beendet
21.09.2009 10 KM
22.09.2009 10 KM – langes Gespräch mit einer Bekannten
23.09.2009 11 KM – Gespräch mit Grußfreund
24.09.2009 12 KM
25.09.2009 12 KM
26.09.2009 09 KM
27.09.2009 12 KM – Jagdspiel zwischen Bussard und Möwe
28.09.2009 13 KM – Radfahrerin überholt
29.09.2009 13 KM
30.09.2009 13 KM – Gespräch mit Hundehalterin, Hund aggressiv
01.10.2009 11 KM – wunderbarer Regenlauf
02.10.2009 13 KM – Radfahrerin überholt, Baum umgestürzt
03.10.2009 13 KM
04.10.2009 13 KM – Schranke geschlossen; Gespräch Grußfreund
05.10.2009 15 KM – Melancholischer Lauf
06.10.2009 13 KM
07.10.2009 15 KM
08.10.2009 12 KM
09.10.2009 13 KM – Gespräch mit Grußfreundin
10.10.2009 08 KM
11.10.2009 13 KM – drei Fasane aufgeschreckt
12.10.2009 13 KM
13.10.2009 13 KM – Gespräch mit Grußfreund, Hochlandrinder frei
14.10.2009 13 KM
15.10.2009 14 KM
16.10.2009 14 KM
17.10.2009 14 KM
18.10.2009 14 KM – Täglichlaufen: 08 Jahre und 07 Monate

Den Weg gehen – VI. Wertsteigerung.

Veröffentlicht in Täglichlaufen. Rückschau. am 24. September 2009 von Marcus

Wieder wurde ein Täglichlaufmonat in die Schattenschlucht des Vergessens entführt. Er wird nie zurückkehren; er wird verblassen, denn er ist in das geheimnisvolle Reich der Erinnerungen eingetreten. Jeden Tag mehr. Ein Monat, der wie lange nicht von Höhen und Tiefen dominiert wurde. Die Routine gnadenlos durchbrochen – ohne Vorwarnung. Gleichwohl trägt dieses durchschrittene Tal zu einer erneuten Wertsteigerung meiner Konzeption bei. Denn Herausforderungen sind wie der Sand in einer Muschel. Ein Körnchen ist die Ursache für die Entwicklung einer Perle – mehrere hingegen – töten die Muschel. Wie immer ist alles eine Frage der Intensität und der persönlich definierten Grenzen. Das Reservoir der erlebten Erfahrung ist tiefer geworden, woraus ich zukünftig intensiver schöpfen kann. Cui dislet meminit.

Ich konnte mein Halbjahresjubiläum zwar mit einem gebührlichen Lauf würdigen, dennoch fiel selbiger entsprechend bescheiden aus – als mein Tribut an die Gesundheit. Die gesundheitliche Zurückhaltung halte ich weiter aufrecht. Mehr als 10/11 Kilometer wage ich derzeit nicht. So sei es. Die Temperaturen variierten von 13 C° bis 34 C° und boten keine Besonderheiten. Der schönste Lauf der vergangenen Wochen wurde exponiert mit einem Bericht honoriert, ein Regenlauf par excellence. Ein Traum wahr gewordenen Genusses, unbeschreiblich schön. Für die Sinnesorgane unsichtbar, doch für den Geist fühlbar. Nur für die gefühlvolle Empfindung konzipiert.

Und so blicke ich zurück. Das verrostete Tor in das neunte Jahr befindet sich bereits außer Sichtweite, ebenso all jene Wege, die mich behutsam hierher führten. Für immer und ewig. Entschwunden in eine andere Welt, in eine Welt der lächelnden Gedanken, nur noch existent in meinem Kopf. Was wird mich im neuen Monat erwarten? Das weiß niemand. Licht und Schatten. Abgründe und Gipfel. Sie sind bereits da und warten auf mich, nur die Konstellation ist noch fragwürdig. Doch nicht mehr lange – ich bin auf dem Weg. Den Weg gehen. In den goldenen Herbst – in die noch nicht geborene Zukunft.

19.08.2009 13 KM
20.08.2009 11 KM – 34 C°; Grußfreund: “Bei der Hitze???“
21.08.2009 12 KM – sehr drückend, zeitweise Regen
22.08.2009 13 KM – Gespräch mit Grußfreund; Schafe auf der Flucht
23.08.2009 13 KM – Gespräch mit Schafsbesitzer
24.08.2009 11 KM – Spaziergang Grußfreundin; Dialog Grußfreundin
25.08.2009 13 KM
26.08.2009 13 KM – angehalten und einen Bussard beobachtet
27.08.2009 13 KM
28.08.2009 12 KM
29.08.2009 13 KM – großes Reh gesichtet
30.08.2009 13 KM
31.08.2009 13 KM – Fastunfall mit Auto
01.09.2009 13 KM
02.09.2009 13 KM – langes Gespräch mit einer Bekannten
03.09.2009 14 KM – traumhafter Regenlauf
04.09.2009 13 KM – sehr stürmisch
05.09.2009 13 KM – Mann fragte mich nach dem Weg
06.09.2009 13 KM
07.09.2009 15 KM – gemeinsamer Lauf mit einem Freund
08.09.2009 13 KM
09.09.2009 13 KM
10.09.2009 13 KM
11.09.2009 15 KM
12.09.2009 13 KM – Dammschranke geschlossen
13.09.2009 10 KM – Beginn Erkältung; später Zusammenbruch
14.09.2009 02 KM – Minimaldistanz
15.09.2009 03 KM
16.09.2009 04 KM
17.09.2009 04 KM
18.09.2009 06 KM – Täglichlaufen: 08 Jahre und 06 Monate

Den Weg gehen – V. Widrigkeiten.

Veröffentlicht in Täglichlaufen. Rückschau. am 19. August 2009 von Marcus

Täglichlaufen. Acht Jahre und fünf Monate. Schon wieder wurde ein Laufmonat durch das temporäre Nebelschwert der Zeit niedergestreckt und ist stolz gefallen. Und es geht weiter. Nur noch ein Monat bis zum Halbjahresjubiläum – der Wegbiegung, die in das neunte Täglichlaufjahr führen wird – entsprechendes Glück vorausgesetzt. Auch die Widrigkeiten in den letzten Wochen hinderten mich nicht an der Ausübung meiner Konzeption. Die Temperaturen schwankten von 18 C° bis 30 C°; bei 11 Hitzeläufen und zwei stimmungsvollen Laufeinheiten im geliebten Regen.

Für den absoluten Höhepunkt des Monats im negativen Sinn sollte der Großbrand vom 30.07. verantwortlich zeichnen. Einmal mehr wurden die „dummen“ Bürger von der Politik als Narren eingestuft und vorgeführt. So sei es – eine reine Zeitfrage, bis der nächste Großband die Bevölkerung von seiner Unschuld überzeugen wird. Frei nach Johann Wolfgang von Goethes, „Zauberlehrling“ – von meiner Wenigkeit zynisch adaptiert:

Welch entsetzliche Katastrophe!
Bürger und Oberbürgermeisterin!
Hört mich rufen!
Ach, da kommen die Verantwortlichen!
Bürger, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geister
werd ich nun nicht los.

„In die Ecke,
Besen, Besen!
Seids gewesen.
Denn als Geister ruft
euch nur zu diesem Zwecke,
erst hervor das Unternehmen.“

Doch keine Angst!
Gifte, Dämpfe, und Gase –
atmet sie ruhig ein,
sie werden harmlos sein!
Natur und Tiere gehen ein,
wen kümmert es
in seinem finanziellen Sein?

Die ich rief, die Geister
werd ich nun nicht los.
Die Not ist groß,
doch ein Großbrand stets famos!

Am darauf folgenden Tag brachte mich meine immer noch ungestüme Wut und Hilflosigkeit zu Fall – eine übersehene Baumwurzel initiierte den neunten Sturz in meiner Läuferkarriere, gleichwohl verdrängten die Schmerzen den erneuten Industriebrand nicht aus meinen Gedanken. Von jenen Ereignissen abgesehen, zeigte sich der vergangene Monat von seiner schönen, sommerlichen Seite. Viele Unterredungen fanden statt und die spannendste Begebenheit sollte die Enttarnung eines bis dato für mich unbekannten geheimen Weges in meinem Laufareal sein. Mittlerweile unterbrach ich wiederholt weitere Läufe in glühender Hitze, um den beruhigenden Ort in seiner vollendeten Schönheit genießen zu können.

Vor wenigen Tagen drang ein Gerücht zu mir durch. Der „Herr der Schafe“ will seine Herde abgeben, auflösen oder verkaufen – wie dem auch sei. Möge sich diese Mitteilung als unwahr erweisen! „Meine“ Schafherde stellt täglich den ersten Höhepunkt dar, sie sind die treuesten Zeugen meines gesamten bisherigen Läuferlebens. Unvorstellbar, daß sie eines Tages mich nicht mehr neugierig beäugen und lauthals begrüßen! So vergeht der Sommer, die Monate galoppieren dahin und wir reiten alle mit. Ob freiwillig oder nicht. Der September naht – Auf in den nächsten Monat!

19.07.2009 13 KM – Gespräch mit Bekannten; viele Grußfreunde
20.07.2009 13 KM
21.07.2009 13 KM – Kleine Brücke: neuer Holzboden
22.07.2009 13 KM – Kleine Brücke: angenehm frischer Holzduft
23.07.2009 13 KM – Gespräch mit Grußfreund
24.07.2009 14 KM – herrlicher Regenlauf
25.07.2009 13 KM – Radfahrer überholt
26.07.2009 13 KM
27.07.2009 11 KM – Spaziergang mit Grußfreundin
28.07.2009 13 KM – Schafe auf der Flucht
29.07.2009 13 KM – Gespräch mit einem Freund
30.07.2009 13 KM – Schafsjagd; Großbrand in Industrieanlage
31.07.2009 13 KM – Gespräch & Sturz; Läufer überholt
01.08.2009 13 KM – Gespräch mit Grußfreundin
02.08.2009 13 KM
03.08.2009 13 KM – Im Regen angehalten und das Naß genossen
04.08.2009 10 KM – Gespräch mit Grußfreund
05.08.2009 13 KM
06.08.2009 11 KM
07.08.2009 12 KM – Gespräch mit einer Bekannten
08.08.2009 12 KM
09.08.2009 13 KM – Gespräch mit Bekannten
10.08.2009 12 KM – Versteckten Weg entdeckt
11.08.2009 13 KM
12.08.2009 12 KM
13.08.2009 13 KM – Gespräch mit Grußfreundin
14.08.2009 14 KM
15.08.2009 13 KM – Waldrand: kleinen Hasen beobachtet
16.08.2009 13 KM
17.08.2009 13 KM
18.08.2009 14 KM – Täglichlaufen: 08 Jahre und 05 Monate

Den Weg gehen – IV. Kontraste.

Veröffentlicht in Täglichlaufen. Rückschau. am 19. Juli 2009 von Marcus

Erneut ein Laufmonat, der seine temporäre Existenz mit Engagement begraben hat. Nicht nur ich laufe täglich – auch die Zeit praktiziert meine Konzeption. Eine unbarmherzige Lehrmeisterin, der man nicht entkommen kann – dereinst wird sie uns allen ihre endgültige Lektion erteilen. Dieser Monat sollte von kontrastreichen Wochen dominiert werden. Von wunderschönen Läufen, währenddessen ich inbrünstig wünschte – sie mögen nie enden, bis zu Laufeinheiten, die von ausgeprägtem Unwohlsein beherrscht wurden, in Kombination mit gesundheitlichen Unwägbarkeiten. Höchst konträre Zustände schlichen sich heimlich ein und sorgten für Divergenzen par excellence.

Auch die Witterungsverhältnisse mischten in einem identischen Stil mit und boten hochfliegende Momente und belastende Situationen. Die Gradzahlen vollzogen ein Wechselspiel zwischen 15 C° bis 31 C° im Schatten. Besonders interessant der Temperatursturz am 18.07. – innerhalb eines Tages sanken die Temperaturen um 13 C° – auf meinen Laufzeitpunkt bezogen. Von einer drückenden Hitze zu einer entfesselten und frischen Welt voller Energie – animiert durch ein spielerisches Gewitter. Der mit Abstand schönste Lauf seit langem fand am 25.06. statt – ein leidenschaftlicher Regenlauf in Reinkultur. Seitdem meiden mich die romantischen Regenmächte – leider. Offensichtlich erweise ich mich ihrer als unwürdig.

19.06.2009 13 KM – Damm-Schranke geschlossen
20.06.2009 14 KM – Gespräch mit Grußfreunden, Radfahrer überholt
21.06.2009 13 KM
22.06.2009 13 KM
23.06.2009 13 KM
24.06.2009 14 KM
25.06.2009 15 KM – ENDLICH ein Regenlauf – GRANDIOS!
26.06.2009 13 KM – extrem hohe Luftfeuchtigkeit
27.06.2009 13 KM
28.06.2009 14 KM
29.06.2009 12 KM – Gespräch mit Grußfreund
30.06.2009 13 KM – Autofahrer fragte mich nach dem Weg
01.07.2009 12 KM
02.07.2009 12 KM – Aus dem Nichts Rückenschmerzen
03.07.2009 11 KM
04.07.2009 13 KM – Fastunfall, dem Fahrer gedroht
05.07.2009 13 KM – Gespräch mit Bekannten
06.07.2009 13 KM
07.07.2009 06 KM – Spaziergang mit einer Bekannten
08.07.2009 14 KM – ausgeprägtes Unwohlsein
09.07.2009 14 KM
10.07.2009 14 KM – Sturm; kleinen Fuchs gesehen
11.07.2009 12 KM – neun Nachwuchsenten beobachtet
12.07.2009 13 KM – fast auf eine Ringelnatter getreten
13.07.2009 11 KM – Spaziergang mit Grußfreundin
14.07.2009 14 KM – Läufer überholt, dann gemeinsam gelaufen
15.07.2009 13 KM – Damm: toter Iltis; Gespräch mit Grußfreundin
16.07.2009 13 KM
17.07.2009 13 KM
18.07.2009 13 KM – Täglichlaufen: 08 Jahre und 04 Monate

Wie immer ergaben sich mehrere Gespräche, von den vielen Kommentaren ganz zu schweigen. Allesamt positiv. Die Unterredungen hingegen – verlangten durch permanente Insektenangriffe ihren unerfreulichen Tribut. Am 14.07. überholte ich einen Läufer – der mir bisher nur durch Grüßen bekannt war – und lief eine Teilstrecke mit ihm gemeinsam. Ob meiner Geschwindigkeit während der unangenehmen Schwüle klassifizierte er mich als Profiläufer, worüber ich ihn sofort aufklärte, daß ich Welten von Wettkämpfen und ähnlichem entfernt bin. Nach einem sympathischen Gespräch schlossen wir beide mit dem Fazit, „Chips sind lecker!“ und so zog jeder von dannen.

Eine wunderbare Entwicklung betrifft mein Laufareal. Augenscheinlich zieht es den einsamen Mantel der Vergessenheit immer fester an sich. Die Zahl der Besucher nimmt stetig ab, was ich sehr begrüße. Somit zogen auch diese Wochen mit Täglichlaufen in die Vergangenheit. Eine wiederkehrende Alternation zwischen Hoch und Tief, Freud und Leid. Zu guter Letzt erfülle ich noch einen speziellen Wunsch von Brigitte und veröffentliche hiermit ein geheimes Photo einer besonderen Übereinkunft – der Froschkönig mit seinen Untertanen.