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Täglichlaufen. Acht Jahre & Sechs Monate. Cui dislet meminit.

Veröffentlicht in Täglichlaufen im Fokus, Täglichlaufen. Philosophie. am 18. September 2009 von Marcus

Am vergangenen Sonntag führten verschiedene Ursachen zu einer konzentrierten Überlastung meiner körperlichen Systeme, die adäquat mit einer temporären Notabschaltung reagierten. Ich konnte vier Gründe identifizieren, die kausal dafür verantwortlich zeichneten. Jeder für sich genommen, stellte keine Bedrohung dar. Doch in der Summe addiert, war die Konsequenz nur allzu logisch. Es war ein sorgloser Fehler, keine Verknüpfung zu etablieren. Einen jener Gründe – zolle ich nun den angemessenen Tribut und übe mich in distanzierter Zurückhaltung. Das Augenmerk sollte hierbei auf den Terminus Distanz liegen. In den letzten Tagen bemühte ich mich um schonende Gesundheitsläufe; ich absolvierte nur verkürzte Strecken und auch mein Vorprogramm habe ich merklich reduziert.

In Fesseln gelegte Kraft. Innere Energie. Unbändig und vollem ungestümen Zorn und dennoch brutal in Ketten gezwängt. Es fiel und fällt mir eklatant schwer, diese Selbstbeschränkung durchzuhalten. Doch das Wissen um die Alternative ließ mir keine andere Wahl – jene wage ich nicht zu präferieren. Dessenungeachtet gelang es mir den akuten Widrigkeiten zum Trotz mit dem heutigen Lauf von sechs Kilometern mein Halbjahresjubiläum zu verwirklichen. Somit erhöht sich das unbedeutende Nebenprodukt meiner Täglichlaufphilosophie auf –Acht Jahre und Sechs Monate– täglichen Laufens. Jeden Tag. Ausnahmslos.

Endlich wieder zurück auf meinem Damm! Nur noch bis zum nächsten Baum, ein paar Meter bis zur kommenden Biegung. Die Augen geschlossen; die Sonne fühlend, wie sie die spätsommerlichen Baumkronen durchbricht und mein Antlitz kitzelt. Doch ich kehre um, noch bin ich vorsichtig. Das bisher unzugängliche Tor, welches den Weg in das neunte Jahr freigibt, wurde heute mit einem lauten Knarzen aufgestoßen – wenngleich selbiges derzeit leicht eingerostet erscheint. Umso größer der Stolz, daß mein Willen und meine Selbstdisziplin geneigt sind, mein Denken im Fortbestehen weiterhin zu unterstützen. Ich gestehe, dafür bin ich extrem dankbar. Denn Täglichlaufen ist wahrhaftig ein Geschenk, in erster Linie meines Körpers an mich selbst – und umgekehrt. Die Ebene, auf der die Vorstellung ihren Ursprung hat, auch nur einen Tag zu pausieren, habe ich seit langem verlassen. Natürlich währt nichts ewig, alles hat seine Zeit – für mich das gewichtigste Argument, die Endlichkeit meiner Laufkonzeption täglich zu feiern – mit einem entsprechenden Lauf in der von mir so geliebten Natur. Den Genuß so lange zu leben, wie er realisierbar ist.

Als Sinnbild dieser Symbiose habe ich folgenden Baum ausgewählt. Irgendwann war er da. Er war ganz klein und reckte sich neugierig gen Himmel, er wuchs edel in die Höhe und ging scheinbar eine symbiotische Verbindung mit dem steinernen Gebilde ein. Äquivalent mein Täglichlaufen. Wie das Gebäude konnte auch ich die Entwicklung des Täglichlaufens, respektive des Baumes weder planen noch bewußt beeinflussen. Das hätte ich auch gar nicht gewollt. Wie auch? Erstens nahm ich das zu Beginn nicht in der Form wahr wie ich es heute tue und zweitens wurde ich dadurch ein anderer Mensch. So wie sich der Baum liebevoll an das Gebäude schmiegt, gehört das Täglichlaufen ebenfalls zu mir. Beide bilden eine harmonische Einheit, doch ist der Nutzen für mich weitaus bedeutender – als es das Baumgebilde möglicherweise in meinem Beispiel erfährt. Der Bund ist zeitlich begrenzt – irgendwann wird er auseinander fallen, ja, muß auseinander brechen – denn so ist der Lauf des Lebens. Die Kunst liegt in der Wertschätzung solange er besteht. Und ihn nicht erst zu achten, wenn meine natürliche Konzeption ihr Ende gefunden hat.

Gerade im Kontext der erlebten Schwierigkeiten, die automatisch damit einhergehen. Stets sprach ich davon, wie fragil das gesundheitliche Konstrukt ist und einmal mehr wurde mir das vor wenigen Tagen eindrucksvoll demonstriert. Freilich hätte ich mich gänzlich der vernünftigen Ruhe hingeben können. Oder mal eben so auf der Stelle laufen und das als Täglichkaufen betrachten, was es durchaus geben soll. Aber wo läge da der Ernst? Der gelebte Sinn meines Denkens? Bliebe dann nicht mein Stolz, meine Freude über das Erreichte auf der Strecke? Die Ehrlichkeit zu mir selbst? Der Triumph über mich selbst? All die gemeisterten Herausforderungen würden ihrer Würde beraubt. Trotz partieller Probleme, die hin und wieder auftreten, ja, auftreten müssen – darf man nicht verzagen und sollte seiner Konzeption treu bleiben. Natürlich in einem vertretbaren Rahmen, welcher der Gesundheit geschuldet sein sollte – was selbstredend wiederum eine individuelle Geschichte ist. Das ist jene Selbstdisziplin, die durch das Täglichlaufen ebenso eingefordert wie forciert wird. Beides bedingt einander. Die Grundlage dessen, worauf der Wert des Täglichlaufens in meinen Augen basiert. Mehrheitlich genießen, aber wenn die Zeit reif ist – auch Härte zu sich selbst zeigen. Jahrelanges Täglichlaufen ohne mentale wie körperliche Herausforderungen ist eine reine Illusion. Ein stetes Ringen mit sich selbst ist vonnöten, um dem Stil seine individuelle Legitimation zu verleihen. Cui dislet meminit.

Hierbei definiere ich die gezählten Jahre wie Tage einmal mehr als Beiwerk. Die Zahlen an sich sind irrelevant. Es geht nicht um ein Zählen oder Vergleichen. Sondern um die Erkenntnis, daß es möglich ist, täglich zu laufen. Jeden Tag. Heute. Immer nur heute. Als ein Sieg über sich selbst. Gegen seine eigene Unzulänglichkeit aus Überzeugung. Wenn man denn will. Wenn man in dem Stil seine Zufriedenheit findet. Wenn es statt Zwang Liebe ist. Wenn man die Ritualphase überwunden hat. Über eine Verinnerlichung hinaus ist. Ja, auch wenn es ein schweres Wort ist – beinahe schon unangemessen, handelt es sich doch nur um banales Laufen – wenn es zu einer Art Lebenseinstellung geworden ist. Die Einsicht dieser beschriebenen Gratwanderung ermöglicht mir das Täglichlaufen zu leben. Wie lange noch? Nur heute. Immer nur heute.

Die Vergangenheit ist ohne Leben, die Gegenwart fast vergessen und die Zukunft ist noch nicht geboren. Die Fortführung kann in jeder Sekunde ihren Schlußpunkt finden. Aber das stolze Gefühl, wie die vergangenen Jahre bravourös in das unendliche Nichts eingezogen sind – mit all ihren prächtigen und harten Erlebnissen, mit Lachen und Weinen, im Licht und Schatten als eine Verkörperung von Freud und Leid bilden für mich trotz allem ein schönes Gefühl, welches ich nicht missen will. Gerade auch die Widrigkeiten tragen das ihrige dazu bei. Zu wissen, daß ein unsportlicher Mensch acht Jahre und sechs Monate jeden Tag laufen kann, ist ein großartiges Gefühl. Ich weiß nicht, ob ich neun Jahre erreichen werde. Ebenso weiß ich nicht, ob ich morgen laufen werde – laufen kann und laufen darf. Zahllose Faktoren entziehen sich meinem Einfluß. Einst rechnete ich nicht einmal mit zwei Jahren. Gleichwohl bestimmte das kuriose Leben mich vom Antisportler – der glücklicherweise immer noch in mir existiert – zum Täglichläufer. Und so werde ich auch weiterhin meine tägliche Runde drehen; mal weiter – mal kürzer. Die intensivste Ruhephase des Tages – als ein Hort der inneren Zufriedenheit und vollkommenen Harmonie. In natürlicher Ruhe. Über Jahre. Es ist möglich.

Täglichlaufen und ich. Eine diffizile Einheit, die ich von Zeit zu Zeit kritisch hinterfrage und in Verbindung mit Zweifeln betrachte. Eine konstante Neubewertung ist für mich obligat. Das Fazit konzentriert sich in der Frage, was die richtige Entscheidung für mich und meinen Körper ist. Bisher fielen die Antworten für mich – nach reiflicher Überlegung – evident aus, wenn das auch bei Außenstehenden nur Unverständnis auslöst. Aber wie könnte mich auch jemand verstehen, der diesen Weg der Höhen und Tiefen nicht täglich gemeinsam mit mir gegangen ist? Wahres Verständnis setzt die gleiche Erfahrung voraus. Ich maße mir nicht an, von anderen Menschen Verständnis zu erwarten. Das Leben hat Recht.

Ich werde auch in der Zukunft mein tägliches Laufen praktizieren. Solange sich die etwaigen gesundheitlichen Hürden überwinden lassen, werde ich es tun. Die Meßlatte, bei Hindernissen aufzuhören, hat sich in den absolvierten Täglichlaufjahren signifikant erhöht, die Grenzen sind andere als noch vor fünf oder sieben Jahren. Eine unabdingbare Folge meiner Entwicklung. Der menschliche Körper mag zwar schwach sein, gleichwohl ist er widerstandsfähiger und stärker als sich die meisten Menschen dies überhaupt vorstellen können. Um mein Denken zu verdeutlichen, schließe ich mit einer Anekdote. Und ich lasse mich überraschen, welche Erlebnisse auf dem endgültigen Pfad in das neunte Jahr auf mich zukommen werden. Ich bin bereit. Täglichlaufen. Ein großartiges Gefühl. Und es wird immer wunderbarer, sobald ich in die Vergangenheit zurückblicke. Mit einem zufriedenen Lächeln blicke ich zurück. Täglichlaufen. Mein Weg. Nichts ist jemals einfach.

Die Lektion des Schmetterlings

Eines Tages erschien eine kleine Öffnung in einem Kokon. Ein Mann beobachtete den zukünftigen Schmetterling mehrere Stunden lang, wie dieser kämpfte, um seinen Körper durch jenes winzige Loch zu zwängen. Dann plötzlich schien er nicht mehr weiter zu kommen. Es schien, als ob er so weit gekommen war wie es ging, aber jetzt aus eigener Kraft nicht mehr weitermachen konnte. Er war am Ende. Scheinbar. So beschloß der Mann, ihm zu helfen: er nahm eine Schere und schnitt den Kokon auf.

Der Schmetterling kam dadurch sehr leicht heraus. Aber er hatte einen verkrüppelten Körper; er war winzig und hatte verschrumpelte Flügel. Der Mann beobachtete das Geschehen weiter, weil er erwartete, daß die Flügel sich jeden Moment öffnen, sich vergrößern und sich ausdehnen würden, um den Körper des Schmetterlings zu stützen und ihm Spannkraft zu verleihen. Aber nichts davon geschah. Stattdessen verbrachte der Schmetterling den Rest seines Lebens krabbelnd mit einem verkrüppelten Körper und verschrumpelten Flügeln. Niemals war er fähig zu fliegen. Totes Leben. Fern der Freiheit.

Was der Mann, in seiner Güte und seinem Wohlwollen nicht verstand war, daß der begrenzende Kokon und das Ringen, das erforderlich ist, damit der Schmetterling durch die kleine Öffnung kam, der Weg der Natur ist, um Flüssigkeit vom Körper des Schmetterlings in seine Flügel zu fördern. Dadurch wird er auf den Flug vorbereitet sobald er seine Freiheit aus dem Kokon erreicht. Manchmal ist das Ringen genau das, was wir in unserem Leben benötigen. Wenn wir durch unser Leben ohne Hindernisse gehen dürften, würde es uns lahm legen. Wir wären nicht so stark, wie wir sein könnten, und niemals fähig zu fliegen.

Ich wünschte mir Kraft. Und mir wurden Schwierigkeiten gegeben, um mich stark zu machen. Ich wünschte mir Weisheit. Und mir wurden Probleme gegeben, um sie zu lösen und dadurch Weisheit zu erlangen. Ich wünschte mir Mut. Und mir wurden Hindernisse gegeben, um sie zu überwinden. Ich wünschte mir Liebe. Und mir wurden besorgte, unruhige Menschen mit Problemen gegeben, um Ihnen beizustehen. Ich wünschte mir Entscheidungen. Und mir wurden Gelegenheiten gegeben.

Ich bekam nichts, was ich wollte – aber ich bekam alles, was ich brauchte.

(Autor unbekannt) – in Teilen von mir modifiziert.

Jubiläum und Abschied

Veröffentlicht in Täglichlaufen im Fokus am 3. Juni 2009 von Marcus

Nach nun mehr fast drei Jahren Mitgliedschaft im Täglichläuferforum habe ich selbige gelöst. Ich werde mich rudimentär dazu äußern, wenn auch nicht en détail. Auch werde ich keine Namen nennen; eine Abrechnung oder dergleichen ist nicht mein Stil – dies überlasse ich gern den selbsternannten Experten. Eine Debatte wird auf meiner Seite nicht stattfinden.

Mein Resümee nehme ich vorweg. Es waren schöne Jahre an diesem virtuellen Ort im Internet, die mir viel Spaß bereitet haben. Vor allem die großartigen Läuferinnen und Läufer, die ich traf – auch real – haben mich nachhaltig beeindruckt. Ihre Leistungen verdienen höchste Anerkennung. Wie paßt also mein Rückzug dazu? Mir gefiel nicht, daß ich als Täglichläufer – in einem (primären) Täglichläuferforum – der permanenten Kritik von scheinbar wichtigen Nichttäglichläufern ausgesetzt war. Partiell sogar von Läufern, die in der Summe weniger Lauferfahrung besitzen als meine aktuelle Serie überhaupt andauert. Dies ist ebenso bemerkenswert wie inakzeptabel.

Als ich mich 2006 anmeldete und später meine Daten eintrug, war mir sofort klar, daß der erste Platz langfristig sehr belastend sein wird – zumal ich ein schreibfreudiger Charakter bin. Damit wurden automatisch Neider generiert. Ich bin diesen Menschen jedoch nicht böse oder nehme ihnen dies übel. Nein. In jedweder menschlichen Gemeinschaft existieren starke und schwache Personen, ruhige und hitzköpfige Menschen, kluge und weniger kluge Wesen – das ist normal und gut so. Explizit dieser Mix macht eine markante Verbindung aus.

Nicht zuletzt war ich mit meinem Denken immer der Exot. Ein Widerpart der Norm. Für nichts laufen, einfach so, Jahre täglich – ohne je an einem Marathon teilgenommen zu haben. Manchmal liest sich das selbst für mich paradox. Ich kann nicht erwarten, daß andere Menschen mich verstehen. Doch das Leben hat mich dazu gemacht und es hat Recht. Dem kann und will ich mich nicht widersetzen. Das bin ich und ich werde mich nicht verbiegen. Daher trete ich den Rückzug an – so lebt Ihr zufriedener, weil es niemand mehr zu kritisieren gilt, der polarisierend wirkt. Das störende Element nimmt sich selbst aus dem Spiel. Ein weiser Weg.

Ich möchte hiermit in aller Herzlichkeit meinen Dank an den Gründer aussprechen, sowie an das Administratorenteam. Ebenso geht mein Dank an viele weitere, grandiose Mitglieder. Die Menschen, die mir im Forum stets ein wenig näher standen, werden wissen, daß sie gemeint sind. Wir pflegen unseren Kontakt selbstverständlich auch in der Zukunft. Es war eine wunderbare Zeit und viele von Euch werde ich vermissen – einige jedoch nicht.

Für den heutigen Tag nehme ich noch das Zählen der Tage aus dem Forum mit. Ich habe aktuell 3000 Tage Täglichlaufen erreicht. Auch wenn sich das auf meiner Seite vielleicht sehr entspannt darstellt – das war es nicht immer. Dieses Jubiläum hat durchaus seinen Tribut gefordert, was nur eine Minorität wirklich versteht. Dennoch haben die Jahre mich zu einem anderen Menschen gemacht, der die Welt heute wesentlich tiefgründiger sieht. Allein dafür hat sich jeder Preis gelohnt. Ab sofort kehre ich zu meiner eigenen Zählweise zurück und lasse die einzelnen Tage außen vor. Auch wenn 3000 Tage eindrucksvoll erscheinen mögen – sie sind ohne Bedeutung. Von Relevanz ist nur der Lauf an sich. Jeder einzelne. Immer nur der heutige. Gleichwohl bin ich extrem stolz auf 3000 Tage Täglichlaufen, vor allem im Kontext, daß ich meine Jugendjahre als Sportversager nicht vergessen kann. Ein Vorteil, wenn man sich seiner Anfänge erinnert – das schützt vor Überheblichkeit.

Übrigens, natürlich kann man mir vorwerfen, daß ich mein Täglichlaufen zu ernst nehme. Damit kann ich leben. Doch wer definiert das schon? Sogar für andere? Mit welchem Recht? Schließlich ist mein Ernst für mehr als acht Jahre Täglichlaufen in Folge ausreichend. Sollte ich eines Tages auf die Idee kommen – im Wohnzimmer „auf der Stelle laufen“ – als Laufen, bzw. Täglichlaufen zu betrachten, dann werde ich meine Serie sofort beenden. Dies versteht sich von selbst, da sich das Laufen – was ich darunter verstehe – ad absurdum führen würde.

Ansonsten wird meine Serie ohne Ziele weiterlaufen. Sie bestand lange vor meiner Mitgliedschaft, hielt während der interessanten Jahre dort an und wird auch nach meinem Ausscheiden weiterhin bestehen. Täglichlaufen kann man nicht nur praktizieren, sondern durchaus leben und das tue ich. Denn es ist ein Gefühl. Ein kleiner aber feiner Unterschied.

Im Fluß der Erkenntnis

Veröffentlicht in Täglichlaufen im Fokus am 23. Februar 2009 von Marcus

Heute absolvierte ich den 2900. Täglichlauftag in Folge. Im Prinzip keine Besonderheit, da es für sich betrachtet ohne tiefere Bedeutung für mich ist. Gleichwohl ist das für mich ein einschneidendes Datum, da es das letzte Jubiläum seiner Art ist, welches mit einer zwei beginnt. Weiterhin bin ich überzeugt demnächst die achte Jahresebene zu erreichen. Zudem werde ich im November 2009 mein zehnjähriges Täglichläuferjubiläum feiern. Entsprechendes Glück und positive Aspekte für die mittelfristige Zukunft vorausgesetzt. Ich kann nicht wissen, was das Leben mit mir vorhat. Ich weiß nur, daß ich diesen Weg auch in Zukunft mit der erforderlichen Bestimmtheit beschreiten und die beeinflußbaren Faktoren im Rahmen meiner Möglichkeiten adäquat steuern werde.

Vergangenen Mittwoch lief ich zum ersten Mal seit drei Jahren eine Notrunde. Dieses Handeln war der Gesundheit geschuldet und stellte eine Vorsichtsmaßnahme dar. Jener Lauf offenbarte mir erneut, was das Täglichlaufen für mich bedeutet. Es ist untrennbar mit meinem Geist und Körper verbunden – eine Trias der Liebe, vereinigt in Harmonie, tief in meinem Denken verankert. An diesem Tag fühlte ich mich auf Grund des kurzen Laufes nicht wirklich wohl, in erster Linie mental. Nicht etwa im Kontext einer Sucht, nein, das wäre zu banal und unsinnig, zumal auch negativ definiert. Sondern vielmehr in der Fokussierung im Fluß der Erkenntnis, wie elementar tägliche Bewegung, hier: Laufen – doch für mich ist. Sie ist buchstäblich essentiell, weil natürlich und lebensnotwendig. Die alltägliche Routine neigt ein wenig dazu das wahre Selbstverständnis zu korrigieren. Umso substantieller besagte Zäsur zwecks Konzentration auf das Wesentliche.

Der Gedanke eines Ruhetages ist mir grundsätzlich fremd geworden. Es ist auch gar nicht nötig, da ich mein Programm auf ein gesundes Maß konzipiert habe. Der Weg des Täglichlaufens macht mich zu einem zufriedenen Menschen. Ich habe diesen Stil gefunden – ohne ihn je gesucht zu haben. Er ist zu meinem Weg geworden, wofür ich dankbar bin. Irgendwann findet meine aktuelle Serie ihren logischen Schlußpunkt. Ich habe oft darüber nachgedacht, ob ich das Täglichlaufen anschließend weiterleben werde. Spätestens letzten Mittwoch erschlug mich die Antwort mit atemberaubender Evidenz – natürlich! Wie konnte ich das je hinterfragen? Die bloßen Tage, Monate und Jahre sind per se bedeutungslos. Die Intention, die sich dahinter verbirgt – nur sie ist von Relevanz. Die Einsicht, daß für den menschlichen Körper tägliche Bewegung – ich rede nicht explizit vom Laufen – als Lebenselixier obligat ist. Wenngleich es sich in meinem Fall um Täglichlaufen handelt.

Ich gebe mich der Freude des Täglichlaufens hin und genieße den Nutzen in vielfältigen Facetten. Welch vollkommener Sinn – bestechend in seiner Simplizität. Und doch so viele Jahre vor meinem Verständnis verborgen. Ja, das Spiel des Lebens ist nicht prognostizierbar, schon gar nicht in seiner allumfassenden Totalität. Aber es hat Recht. Immer. Zu jeder Zeit. In allen Belangen. Ausnahmslos.

Täglichlaufen. Sieben Jahre & Sechs Monate.

Veröffentlicht in Täglichlaufen im Fokus am 18. September 2008 von Marcus

Ich halte Täglichlaufen für die natürlichste Bewegungsform überhaupt. Daraus folgt, daß diesbezügliche Jubiläen für mich keine große Bedeutung besitzen. Zwei einschneidende Ausnahmen existieren dennoch, erreichte Halbjahres- und Jahresabschnitte. Heute, der 18.09.2008, ist wieder so ein Tag, der mich vor allem daran erinnert, wie schnell die Zeit vergeht und wie vergänglich unser kurzes Gastspiel auf Erden wirklich ist. Mit den heutigen 16 Kilometern in völliger Einsamkeit dehnt sich meine aktuelle Serie auf sieben Jahre und sechs Monate täglichen Laufens aus. Auch wenn ich seit 2000, streng genommen bereits seit November 1999 ein Täglichläufer bin und es die normalste Sache der Welt für mich ist, nehme ich diese erreichte Etappe stolz zur Kenntnis. Grund genug, Täglichlaufen wieder einmal zu thematisieren. Im Titel steht zwar Täglichläufer, doch die wenigsten Beiträge von mir beschäftigen sich damit. Warum?

Täglichlaufen per se ist unspektakulär. Es ist zu natürlich für mich, als daß ich ständig darüber schreiben möchte. Ich tue es einfach. Täglich. Ich will mit meiner Laufkonzeption niemanden missionieren. Ich kann und will niemanden überzeugen, es mir gleichzutun. Täglichlaufen ist ein spezieller Stil mit seinen Eigenheiten, eine Konzeption mit Vor- und Nachteilen, letztendlich aber nichts Besonderes. Leider können sich heutzutage die wenigsten Menschen nicht einmal mehr das vorstellen und noch weniger werden es je praktizieren. Und diejenigen, die es versuchen, werden nach ein paar Tagen ihr Experiment abbrechen. Eine verschwindend geringe Minderheit vermag einen vollkommenen Sinn darin erkennen und kann dem Täglichlaufen eine tiefere Bedeutung verleihen. Ich hingegen habe es verinnerlicht und denke selten darüber nach. Selbstverständlich hat sich diese Erkenntnis über einen langen Zeitraum entwickelt. Das Geheimnis im langfristigen Täglichlaufen liegt in der mentalen Einstellung und weiterhin in der Einsicht, nicht Jahre erreichen zu wollen, sondern nur jeweils den aktuellen Tag. Das Morgen ist nur eine Vision – ich verweise auf die Worte am Ende dieses Beitrages.

Wer jeden Tag läuft, über Jahre ohne Ruhetage – schadet seinen Gelenken, den Knien, verwehrt seinem Körper die dringend benötigte Regeneration – so der allgemeine Tenor. Alles Märchen. Ich mag zwar Märchen, aber diesen törichten Unsinn kann ich nur ablehnen. Worte dieser Art kommen von unwissenden Menschen, die es nie versucht haben. Wer mehrere Jahre täglich läuft, kann sich über derlei Äußerungen nur wundern. Das Gegenteil ist korrekt. In den wenigen Jahren, wo ich ein „normaler“ Läufer war, hatte ich ständig Probleme und Verletzungen. Erst in der Zeit als Täglichläufer hat sich das extrem reduziert. Ich bin durch diese Form körperlich und mental stärker geworden und gleichzeitig vertrauter mit meinem Körper. Disziplin und vor allem Selbstdisziplin sind zum elementaren Bestandteil meiner selbst geworden. Der Geist offeriert Optionen, die ich früher nie für möglich gehalten hätte.

Wahrscheinlich ist das Feld derjenigen, die mich verstehen – selbst unter Läufern nur sehr minimal ausgeprägt. Zeitenjäger und die reine Marathonkonzentration als Primärziel und Laufdefinition bilden genau den Gegenpart zu meiner Intention, gerade im Kontext der Kombination Täglichlaufen und Natur, was für mich tief ineinander verwoben ist. Wer nicht ebenfalls über Jahre täglich läuft und die unterschiedlichsten Erfahrungen und die stetig wachsende Entwicklung erlebt, kann die Bedeutung für mich nicht im Ansatz ermessen. Mein Fazit: Täglichlaufen (für mich) – ich relativiere – tägliche Bewegung (für andere) ist das natürlichste der Welt. Daß tägliche Bewegung, in meinem Fall Laufen als Hauptbestandteil, essentiell und lebensnotwendig ist, bedarf keiner Langzeitstudien, die nur das beweisen, was offensichtlich ist und einem der gesunde Menschenverstand schon sagt. Sich nicht täglich zu bewegen, ist hochgradig unnatürlich. Dafür sind unsere menschlichen Körper nicht konstruiert. Natürlich suggeriert uns unsere faule und verweichlichte Gesellschaft das Gegenteil.

Vor 12 Jahren hätte ich über diesen Artikel gelacht, weil ich ihn mit meinem damaligen Horizont nicht begreifen konnte. Und heute? Mein Horizont hat sich verschoben, die Perspektive ist eine gänzlich andere geworden. Täglichlaufen ist wie Atmen, ohne dem kann ich nicht mehr existieren. Wenn es auch nicht immer reibungslos verläuft, oft schwer fällt, Krisen kommen und gehen – es gehört zu meinem Leben. Trotz mancher Widrigkeiten obsiegt die Freude. So veränderte die Zeit mit viel Geduld mein Denken, mein Handeln, meine Gedanken. Täglichlaufen beeinflußt mein Leben. Und es hält mich gesund, geistig wie körperlich. Der Weg dieser Erkenntnis bildet einen Triumph – über mich selbst.

Früher oder später wird diese Serie, die aus dem Nichts kam, für Nichts besteht und im Nichts enden wird – einen Schlußpunkt finden. Bis dieser Zeitpunkt erreicht ist, genieße ich es. Ich bin ein Täglichläufer. Das macht mich zu einem zufriedenen Menschen. Ich empfehle jedem Menschen, sich täglich zu bewegen, egal wie. Ich empfehle niemanden täglich zu laufen. Doch ich lebe es.

Achte gut auf diesen Tag
denn er ist das Leben -
das Leben allen Lebens.
In seinem kurzen Ablauf
liegt alle Wirklichkeit
und Wahrheit des Daseins,
die Wonne des Wachsens,
die Herrlichkeit der Kraft.
Das Gestern
ist nichts als ein Traum,
und das Morgen
nur eine Vision.
Aber das Heute
-richtig gelebt-
macht jedes Gestern
zu einem Traum
voller Glück
und das Morgen
zu einer Vision
voller Hoffnung.
Achte daher wohl
auf diesen Tag.

(aus dem Sanskrit)

Wenn ein Traum Wirklichkeit wird

Veröffentlicht in Täglichlaufen im Fokus am 22. Mai 2008 von Marcus

Am Dienstag fuhr mir die Bahn vor der Nase weg. Bevor ich nun 20 Minuten warte, entschloß ich mich per Pedes den Weg nach Hause einzuschlagen. Quer durch die Innenstadt – trotz der Erkenntnis, daß die nächste Bahn in jedem Fall schneller ist. Wie dem auch sei, Warten liegt mir nicht – so ging ich schnellen Schrittes los. In normalen Halbschuhen, welche für derartige Distanzen nicht eingelaufen sind. Die Lehre von der Geschichte, nicht weiter verwunderlich, manifestiert sich in Blasen an beiden Füßen. Sehr unangenehm. Unabhängig davon habe ich derzeit noch leichte Rückenschmerzen. Ich will nicht jammern, das ist halb so wild und die Probleme verschwinden bald, hoffe ich. Dennoch, das Laufen wird dadurch nicht leichter. Und ich gebe zu, ich wäre derzeit gern ein normaler Läufer wie früher. Denn dann würde ich pausieren. Ein wenig sehne ich mich danach in die Unregelmäßigkeit zurückzukehren.

Einst war mein Körper schwach und ich habe die Personen in meinem Umfeld beneidet, die sportlich topfit waren; damals war ich alles andere als trainiert. Die Zeiten haben sich geändert, mein Traum von damals ist Wirklichkeit geworden – nicht zuletzt auch durch das Täglichlaufen. Mittlerweile denke ich, daß ich mir nach über sieben Jahren Täglichlaufen (auf die aktuelle Serie bezogen), Tag für Tag, genug bewiesen habe. Ich bin nicht der Streakrunning-Hardcore-Dogmatiker, für den das Täglichlaufen alles bedeutet. Im Gegenteil. Meine Einstellung ist relativ entspannt, aber nach diesen Jahren wird es mit jedem Tag schwerer einen Schlußpunkt zu finden. Das ist der Nachteil meiner Konzeption, sozusagen der Tribut. Ich gebe weiterhin zu, daß ich zu mir selbst sehr rücksichtslos sein kann – eine Grundvoraussetzung.

Der Preis für die Erfüllung des Traumes ist inzwischen recht hoch geworden. Sollte ich aber einen guten Grund finden, aufzuhören, kann ich dem Ende gelassen entgegen sehen und mit stolzem Blick zurückblicken. Ob mir das dann auch gelingen wird, steht freilich in den Sternen. Jahrelanges, ritualisiertes Training kann man nicht einfach beenden. Immerhin stelle ich das mit diesem Beitrag zur Disposition, auch wenn es das Zentrum meiner Philosophie nicht tangieren wird, zumindest nicht im Grundsatz. Noch nicht. Vielleicht bin ich derzeit auch nur in einer schwachen Phase. Wer weiß.

Der heutige Tag wird schön, blauer Himmel und Sonne. Ein langer Lauf wäre angemessen, allerdings muß ich mich auf eine extreme Minirunde beschränken. Einerseits schade, andererseits der Gesundheit geschuldet – doch unumgänglich.