Ein interessanter Satz. Diese Worte bekam ich in meiner Bundeswehrzeit eingetrichtert, eine Zeit, die für mich sehr prägend war. Auch wenn ich das einst nicht so sah, mittlerweile bin ich dafür dankbar. Damals habe ich viel über das Erkennen körperlicher Grenzen gelernt, bis hin zur Ohnmacht; und auch das Hinausschieben derselbigen. Bis zu einem gewissen Grad sind die Worte bzw. die dahinter liegende Einstellung sinnvoll. Nach Erreichen besagten Punktes verkehrt sich die Wirkung in das Gegenteil. In meinen Augen eine überaus mächtige Einstellung, die maßvoll eingesetzt, motivierend und ungeahnte Kräfte freisetzen kann, darüber hinaus aber kontraproduktiv und sogar schädlich ist. Wer diese Gratwanderung beherrscht, kennt seinen Körper und sich selbst mehr als gut. Sicherlich hilft diese Einstellung auch in Situationen weiter, in denen es nicht um körperliche Anstrengung geht.
Wenn ich nun einen Bogen schlage und das Laufen einbringe, muten derart markige Worte seltsam an. Ich bin kein Ultraläufer, meine Distanzen bewegen sich in einem Rahmen, in denen solche Motivationen obsolet sind. Und dennoch habe ich in den letzten Tagen während meiner Läufe diese Einstellung ein wenig reaktiviert. Der Grund liegt ursächlich in Schmerzen meines linken Oberschenkels begründet. Ein Schmerz, den ich so noch nie erlebt habe, vermutlich die Folge „exzessiven“ Radfahrens. Ich bin in der Medizin nicht sonderlich bewandert, eventuell handelt es sich um eine Muskelzerrung. Im Gehen stellen sich nur leichte Schmerzen ein, Treppen steigen, ist einigermaßen möglich, hinab ist sehr problematisch.
Ebenfalls die Läufe, durchaus schmerzintensiv. Der Höhepunkt konzentrierte sich im gestrigen Lauf, nach einer kurzen Gesprächspause setzte ich mich in Bewegung und hätte laut aufschreien mögen. Ich unterdrückte den Schmerz und wahrscheinlich hätte man mir auch nichts anmerken können, allerdings kostete das einige Energie. Probleme mit dem Oberschenkel sind für mich ein Novum, bisher kanalisierten sich Verletzungen in den Knien, Waden oder in den Füßen und auch das kam lange Zeit nicht vor. Die nächste Fahrradtour wird mit Sicherheit in einem gemächlicheren Tempo vonstatten gehen.
Mein heutiger Lauf war höchst unschön, jedes Auftreten mit dem linken Bein ein einziger Schmerz. Um es mit einer Metapher zu formulieren: was ich mir regulär aus dem „Arm schütteln“ würde, bedeutete heute Zähne zusammen beißen. Ich habe zwar meine Standardrunde geschafft, aber unter welchen Bedingungen. Ich bin gespannt, wie lange der Spaß noch andauern wird.
Während meines Laufes wurde mir einmal mehr die Vorfahrt genommen. Anstatt am Stoppschild zu halten, bog ein älteres Ehepaar mit ihrem Auto auf die Hauptstraße ein. Besonders frech fand ich den Blick der Dame, die mich groß anstierte, aber ihren Mann nicht informierte, daß ein Läufer die Straße bereits betreten hatte. Nachdem ich meine Stimme erhoben hatte, zuckte sie merklich zusammen, was dem Fahrer jedoch nicht weiter imponierte. Ich habe schon angenehmere Läufe erlebt.
