Den menschlichen Organismus mit einem täglichen Lauf zu würdigen, skizziert nur mein körperliches Handeln. Die nicht sichtbare Philosophie dahinter ist diffiziler. Ich sehe mich als Naturläufer. Mich zieht es hinaus in die unendliche Weite der facettenreichen Natur, in die unergründlichen Wälder – Laufen bei jeder Witterung, zu jeder Tageszeit; den Elementen ausgesetzt sein – in den Horizont laufen. Fühlen. Ich genieße die Freiheit, die sich mir bietet; nicht selten habe ich das Gefühl, als ob ich dort zu Hause wäre. Im Einklang mit sich selbst und der Natur ist es für mich der Weg zur Ruhe.

Am Montag raschelte es im Wald, ich blieb stehen und sah in die großen Augen eines nur wenige Meter entfernten Rehs. Erst nachdem ich es anredete, verschwand das Reh langsam im Unterholz. Gestern durfte ich einen ca. 30 Zentimeter großen Schwarzspecht beobachten – ein prächtiges Tier, welches mich ungefähr eine Minute an seinem Leben teilhaben ließ. Jene magischen Momente sind es, die mein Täglichlaufen definieren. Willkommen in meiner Welt!


Die Menschen altern und wandeln zuletzt
als Greise gebückt, unkenntlich fast.
Doch Du, Natur, Du bleibst dieselbe
in gleicher Frische Jahr um Jahr.
Auf Deinem Antlitz ändert sich nichts.
Nicht Falten und Furchen lässest Du schau´n,
Allen Sterblichen ihrer Jugend, bleibst Du ein Bildnis.
Du und Erinnerung. Leiden im Prangen. Keine Schmach.
Schön bist Du so, wie Du es warst.
Seit zahllosen Tagen, wann längst ich zerfallen,
preist Dich ein andrer.
(Friedrich Hermann Frey)







