Archiv nach Kategorie "Pro Natur"

Kunstvolle Natur

Veröffentlicht in Pro Natur bei Mai 2, 2008 von blacksensei

Die Natur hat überraschend schnell ihr grünes Kleid angelegt. Ich freue mich über diesen beruhigenden Anblick, der für mich als Läufer aber nicht nur positiv ist, worauf ich in einem späteren Beitrag zurückkommen werde. Jede Jahreszeit hat ihre Reize und ist auf spezielle Art wunderschön – jedoch, ich favorisiere den Frühling. Vermutlich achten die wenigsten Läufer auf Flora & Fauna; ich dagegen versuche möglichst viele Eindrücke in mir aufzunehmen. Die kunstvollen Schachbrettblumen sind ein hervorragendes Beispiel für die unerschöpflichen Ideen der Natur. Und der Sonnenuntergang umhüllt die überfluteten Wiesen mit einem romantischen Schimmer. Laufen hat durchaus etwas mit Romantik zu tun.

Blumen

Blumen sind uns nah befreundet,
Pflanzen unserm Blut verwandt,
Und sie werden angefeindet,
Und wir tun so unbekannt.

Unser Kopf lenkt sich zum Denken
Und die Blume nach dem Licht,
Und wenn Nacht und Tau einbricht
Sieht man sich die Blätter senken.
Wie der Mensch zum Schlaf’ einnickt,
Schlummert sie in sich gebückt.

Schmetterlinge fahren nieder,
Summen hier und summen dort,
Summen ihre trägen Lieder,
Kommen her und schwirren fort.

Und wenn Morgenrot den Himmel säumt,
Wacht die Blum’ und sagt, sie hat geträumt,
Weiß es nicht, dass voll von Schmetterlingen
Alle Blätter ihres Kopfes hingen.

Ludwig Tieck (1773-1853)

Wolkentanz in der Abenddämmerung

Veröffentlicht in Pro Natur bei April 23, 2008 von blacksensei

Sonntagabend. Eindrucksvolle Wolken an der Himmelsfront, mit Blautönen infiltriert, tanzend gleich. Im Lichte der roten, untergehenden Sonne – ein grandioses Schauspiel. Am Horizont zahllose Graugänse, Schwäne und Enten – Raubvögel kreuzten in der Luft. Dieser Anblick ist zu einer schönen Erinnerung geworden.

Abenddämmerung

Am blassen Meeresstrande
Saß ich gedankenbekümmert und einsam.
Die Sonne neigte sich tiefer und warf
Glührote Streifen auf das Wasser,
Und die weißen, weiten Wellen,
Von der Flut gedrängt,
Schäumten und rauschten näher und näher -
Ein seltsam Geräusch, ein Flüstern und Pfeifen,
Ein Lachen und Murmeln, Seufzen und Sausen,
Dazwischen ein wiegenliedheimliches Singen -
Mir war, als hört ich verschollne Sagen,
Uralte, liebliche Märchen,
Die ich einst, als Knabe,
Von Nachbarskindern vernahm,
Wenn wir am Sommerabend,
Auf den Treppensteinen der Haustür,
Zum stillen Erzählen niederkauerten,
Mit kleinen, horchenden Herzen
Und neugierklugen Augen; -
Während die großen Mädchen,
Neben duftenden Blumentöpfen,
Gegenüber am Fenster saßen,
Rosengesichter,
Lächelnd und mondbeglänzt.

Heinrich Heine

Natürliche Gedanken

Veröffentlicht in Pro Natur bei März 6, 2008 von blacksensei

In den letzten Tagen zeigte sich das Wetter von seiner wechselhaften Seite. Von Sonnenschein, über einen Orkan bis hin zu Schneeregen mit großen Flocken – die Natur griff tief in ihr Repertoire und bot uns ein bewegendes Schauspiel. Ich halte die Natur stets für wunderschön und reizvoll, unabhängig von der Jahreszeit und von der jeweiligen Witterung. Selbst im Orkan oder im stärksten Regen – man muß sich nur die Zeit nehmen die Natur zu beobachten, ihr die ungeteilte Aufmerksamkeit schenken. Wer diesen Weg, der letztendlich auch Selbsterkenntnis bedeutet, bewußt und nachdenklich weitergeht, kommt unweigerlich zu der Schlußfolgerung: Ich liebe die Natur! Natur bedeutet Leben. Wir sollten sie beschützen, achten und lieben, mit all ihren Facetten – und sie nicht unterwerfen und beherrschen.

Folgende Bilder lasse ich, ganz natürlich, für sich selber sprechen.

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Die Welt ist allezeit schön

Im Frühling prangt die schöne Welt
In einem fast Smaragden Schein.

Im Sommer glänzt das reife Feld,
Und scheint dem Golde gleich zu sein.

Im Herbste sieht man, als Opalen,
Der Bäume bunte Blätter strahlen.

Im Winter schmückt ein Schein, wie Diamant
Und reines Silber, Flut und Land.

Ja kurz, wenn wir die Welt aufmerksam sehn,
Ist sie zu allen Zeit schön.

Barthold Heinrich Brockes (1680–1747)