Archiv nach Kategorie "Pro Natur"

Magische Momente

Veröffentlicht in Flora, Pro Natur, Täglichlaufen. Philosophie. am 13. Mai 2009 von Marcus

Den menschlichen Organismus mit einem täglichen Lauf zu würdigen, skizziert nur mein körperliches Handeln. Die nicht sichtbare Philosophie dahinter ist diffiziler. Ich sehe mich als Naturläufer. Mich zieht es hinaus in die unendliche Weite der facettenreichen Natur, in die unergründlichen Wälder – Laufen bei jeder Witterung, zu jeder Tageszeit; den Elementen ausgesetzt sein – in den Horizont laufen. Fühlen. Ich genieße die Freiheit, die sich mir bietet; nicht selten habe ich das Gefühl, als ob ich dort zu Hause wäre. Im Einklang mit sich selbst und der Natur ist es für mich der Weg zur Ruhe.

2009_Mai_Mittelwiese

Am Montag raschelte es im Wald, ich blieb stehen und sah in die großen Augen eines nur wenige Meter entfernten Rehs. Erst nachdem ich es anredete, verschwand das Reh langsam im Unterholz. Gestern durfte ich einen ca. 30 Zentimeter großen Schwarzspecht beobachten – ein prächtiges Tier, welches mich ungefähr eine Minute an seinem Leben teilhaben ließ. Jene magischen Momente sind es, die mein Täglichlaufen definieren. Willkommen in meiner Welt!

2009_Mai_Rhododendron
2009_Mai_Zierlauch

An die Natur

Die Menschen altern und wandeln zuletzt
als Greise gebückt, unkenntlich fast.
Doch Du, Natur, Du bleibst dieselbe
in gleicher Frische Jahr um Jahr.
Auf Deinem Antlitz ändert sich nichts.
Nicht Falten und Furchen lässest Du schau´n,
Allen Sterblichen ihrer Jugend, bleibst Du ein Bildnis.
Du und Erinnerung. Leiden im Prangen. Keine Schmach.
Schön bist Du so, wie Du es warst.
Seit zahllosen Tagen, wann längst ich zerfallen,
preist Dich ein andrer.

(Friedrich Hermann Frey)

Mensch versus Natur

Veröffentlicht in Pro Natur am 1. September 2008 von Marcus

Wird mir die Möglichkeit offeriert, Lebewesen vor dem Tod zu retten, nehme ich die sich mir bietende Gelegenheit stets mit Freuden wahr. So auch dieses kleine Kerlchen, welches ich vor dem Ertrinken aus dem Wasser hob. Anschließend zur Regeneration auf eine Blüte gesetzt und photographiert. Ein winziger Marienkäfer, den die meisten Menschen nicht einmal bemerkt, geschweige denn gerettet hätten. Aufmerksamkeit, Achtung und Respekt vor anderen Lebensformen? Meines Erachtens ist das sehr selten geworden in der heutigen Zeit.

Wir Menschen gehören nicht mehr der Natur an und bemühen uns sehr engagiert sie an allen Fronten zu zerstören; die Konsequenz kanalisiert sich in der Verachtung und Vernichtung zahlloser, partiell sogar unbekannter Arten. Wir greifen damit in ein System ein (Stichwort: Wechselbeziehung der Arten), was wir nicht einmal im Ansatz begreifen, wenn wir auch so tun als ob. Unsere Spezies bekämpft im sinnlosen Wahn und Gier nach Geld die gesamte Erde mit all ihren Bewohnern. Blind für Weisheit, Nachdenken, Intelligenz und Lernen aus Fehlern führen wir einen Kreuzzug gegen die Natur, das Leben und letztendlich gegen uns selbst. Vermeintlich kluge Geister ersinnen immer perfidere Waffensysteme, wir hegen das Militär und spielen Krieg. Wenn das nicht wichtig ist. Wir lernen nicht dazu. Am Ende dieses Handelns wird sich vielleicht für einige von uns die Erkenntnis offenbaren, daß wir nicht ohne die Natur überleben können. Die Natur ohne uns schon – und die Sonne wird noch mit einem strahlenden Lächeln auf- und untergehen, während die sinnlosen Atomsprengköpfe längst verrottet und wir vergessen sind.

Wirkliches Verständnis. So schwer zu erlangen?

Wenn man sehr jung ist und wenig weiß,
sind Berge Berge,
Wasser ist Wasser
und Bäume sind Bäume.

Hat man studiert und ist aufgeklärt
sind Berge nicht mehr Berge,
Wasser ist nicht mehr Wasser
und Bäume sind nicht länger Bäume.

Hat man wirkliches Verständnis gewonnen,
sind Berge wieder Berge,
Wasser ist Wasser und Bäume sind Bäume.

(ZEN Weisheit)

Kunstvolle Natur

Veröffentlicht in Flora, Pro Natur am 2. Mai 2008 von Marcus

Die Natur hat überraschend schnell ihr grünes Kleid angelegt. Ich freue mich über diesen beruhigenden Anblick, der für mich als Läufer aber nicht nur positiv ist, worauf ich in einem späteren Beitrag zurückkommen werde. Jede Jahreszeit hat ihre Reize und ist auf spezielle Art wunderschön – jedoch, ich favorisiere den Frühling. Vermutlich achten die wenigsten Läufer auf Flora & Fauna; ich dagegen versuche möglichst viele Eindrücke in mir aufzunehmen. Die kunstvollen Schachbrettblumen sind ein hervorragendes Beispiel für die unerschöpflichen Ideen der Natur. Und der Sonnenuntergang umhüllt die überfluteten Wiesen mit einem romantischen Schimmer. Laufen hat durchaus etwas mit Romantik zu tun.

Blumen

Blumen sind uns nah befreundet,
Pflanzen unserm Blut verwandt,
Und sie werden angefeindet,
Und wir tun so unbekannt.

Unser Kopf lenkt sich zum Denken
Und die Blume nach dem Licht,
Und wenn Nacht und Tau einbricht
Sieht man sich die Blätter senken.
Wie der Mensch zum Schlaf’ einnickt,
Schlummert sie in sich gebückt.

Schmetterlinge fahren nieder,
Summen hier und summen dort,
Summen ihre trägen Lieder,
Kommen her und schwirren fort.

Und wenn Morgenrot den Himmel säumt,
Wacht die Blum’ und sagt, sie hat geträumt,
Weiß es nicht, dass voll von Schmetterlingen
Alle Blätter ihres Kopfes hingen.

Ludwig Tieck (1773-1853)

Wolkentanz in der Abenddämmerung

Veröffentlicht in Pro Natur am 23. April 2008 von Marcus

Sonntagabend. Eindrucksvolle Wolken an der Himmelsfront, mit Blautönen infiltriert, tanzend gleich. Im Lichte der roten, untergehenden Sonne – ein grandioses Schauspiel. Am Horizont zahllose Graugänse, Schwäne und Enten – Raubvögel kreuzten in der Luft. Dieser Anblick ist zu einer schönen Erinnerung geworden.

Abenddämmerung

Am blassen Meeresstrande
Saß ich gedankenbekümmert und einsam.
Die Sonne neigte sich tiefer und warf
Glührote Streifen auf das Wasser,
Und die weißen, weiten Wellen,
Von der Flut gedrängt,
Schäumten und rauschten näher und näher -
Ein seltsam Geräusch, ein Flüstern und Pfeifen,
Ein Lachen und Murmeln, Seufzen und Sausen,
Dazwischen ein wiegenliedheimliches Singen -
Mir war, als hört ich verschollne Sagen,
Uralte, liebliche Märchen,
Die ich einst, als Knabe,
Von Nachbarskindern vernahm,
Wenn wir am Sommerabend,
Auf den Treppensteinen der Haustür,
Zum stillen Erzählen niederkauerten,
Mit kleinen, horchenden Herzen
Und neugierklugen Augen; -
Während die großen Mädchen,
Neben duftenden Blumentöpfen,
Gegenüber am Fenster saßen,
Rosengesichter,
Lächelnd und mondbeglänzt.

Heinrich Heine

Natürliche Gedanken

Veröffentlicht in Pro Natur am 6. März 2008 von Marcus

In den letzten Tagen zeigte sich das Wetter von seiner wechselhaften Seite. Von Sonnenschein, über einen Orkan bis hin zu Schneeregen mit großen Flocken – die Natur griff tief in ihr Repertoire und bot uns ein bewegendes Schauspiel. Ich halte die Natur stets für wunderschön und reizvoll, unabhängig von der Jahreszeit und von der jeweiligen Witterung. Selbst im Orkan oder im stärksten Regen – man muß sich nur die Zeit nehmen die Natur zu beobachten, ihr die ungeteilte Aufmerksamkeit schenken. Wer diesen Weg, der letztendlich auch Selbsterkenntnis bedeutet, bewußt und nachdenklich weitergeht, kommt unweigerlich zu der Schlußfolgerung: Ich liebe die Natur! Natur bedeutet Leben. Wir sollten sie beschützen, achten und lieben, mit all ihren Facetten – und sie nicht unterwerfen und beherrschen.

Folgende Bilder lasse ich, ganz natürlich, für sich selber sprechen.

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Die Welt ist allezeit schön

Im Frühling prangt die schöne Welt
In einem fast Smaragden Schein.

Im Sommer glänzt das reife Feld,
Und scheint dem Golde gleich zu sein.

Im Herbste sieht man, als Opalen,
Der Bäume bunte Blätter strahlen.

Im Winter schmückt ein Schein, wie Diamant
Und reines Silber, Flut und Land.

Ja kurz, wenn wir die Welt aufmerksam sehn,
Ist sie zu allen Zeit schön.

Barthold Heinrich Brockes (1680–1747)