Vor nicht allzu langer Zeit las ich einen Bericht, der von einem Bundeswehrausbilder handelte. Ein durchtrainierter, starker und athletischer Mensch im besten Alter. Vergangenheit. Aktuell liegt der Mann im Krankenhaus, er kann denken, schlafen, träumen, hören und fühlen. Nur, er sieht nicht mehr, kann sich nicht bewegen, nicht sprechen – ein Gefangener in seinem Körper; der Geist abgetrennt von der Umwelt ohne eine Option zur Kommunikation. Ein Schicksal, was mich sehr betroffen gemacht hat. Von diesem Kontext aus betrachtet, erlangt mein Täglichlaufen eine völlig neue Bedeutung. Und wenn ich diesen Gedankenweg noch einen Schritt weiter gehe, so dehnt er sich komplett auf das Laufen an sich aus und, natürlich und logisch, auf mein Leben als essentiellsten Punkt überhaupt.
Ich bin in der glücklichen Situation in die Natur zu gehen und mich dort zu bewegen. Nach der Lektüre eines solchen Artikels kann ich das nicht als selbstverständlich annehmen. In jeder Sekunde existiert die Wahrscheinlichkeit selbst in einen Unfall verwickelt zu werden oder eine Krankheit zu bekommen, die mein „Ich“ ebenfalls in die Vergangenheit befördern würde. Diesen Bericht nehme ich zum Anlaß und setze mir das Ziel, noch weitaus bewußter und sensibler die Natur wahrzunehmen und jeden einzelnen Lauf zu genießen, ja, jeden einzelnen Moment des Tages. Durch die Konzentration auf die Zukunft gehen nur Freude und Genuß aus dem „Hier und Jetzt“ verloren. Stets wollen wir Garantien und Sicherheiten auf unser Leben bezogen – Sicherheit für die Ewigkeit, ein Leben lang. Eine Illusion. Diese Forcierung auf das Unerreichbare beraubt uns den Genuß des Augenblickes. Manchmal sind solch traurige Schicksale nötig, um an den wirklichen Wert des Lebens erinnert zu werden. Denken wir weniger, LEBEN wir mehr.
Die folgenden zwei Zitate ergänzen diesen Artikel angemessen.
Hälfte seines Lebens
seine Gesundheit für den Reichtum,
um in der zweiten Hälfte zu versuchen,
den Reichtum wieder
in Gesundheit zu verwandeln.
(Autor mir unbekannt)
In der heutigen Zeit steht die Geld- und Gewinnmaximierung an erster Stelle, ein törichter Pseudo/(un)sinn des Lebens, der uns vorgegaukelt wird und uns die grundlegenden Rechte beraubt hat, dem wir uns jedoch nicht wirklich entziehen können.
und der Geist wird frei von jeder Last sein.
Miß den Zehntausend Dingen keine Bedeutung bei,
und Dein Herz wird nicht verwirrt sein.
Laß Dir Leben und Tod gleich wichtig sein,
und Dein Verstand wird ohne Angst sein.
Nimm gegenüber Wandel und Beständigkeit
die gleiche Haltung ein,
und nichts wird Deine Klarheit trüben.
(Laotse)
Die Konzentration auf den Augenblick und eine sensible Wahrnehmung meiner Umwelt, in Kombination mit der Erkenntnis, daß die Gesundheit mein höchstes Gut ist, habe ich aus diesem Schicksal gelernt. Und mal ehrlich, wir sind alle länger tot, als wir leben – die daraus resultierende Konsequenz liegt evident auf der Hand.
mehr leben.
Genießen.
LEBEN.
