Archiv nach Kategorie "Laufberichte"

Schwache Körper, Sonne und Indianer

Veröffentlicht in Laufberichte bei Juli 27, 2008 von blacksensei

Wenn das kein origineller Titel ist. :D

Schwache Körper – I. Als Täglichläufer erlebt man viele angenehme Momente, die einem lange in Erinnerung bleiben und weniger schöne Erfahrungen, welche schnell verdrängt werden. Bisher habe ich mehrheitlich erstere Erlebnisse thematisiert. Um eine gewisse Ausgewogenheit herzustellen, folgt nun ein Beispiel aus der zweiten Kategorie. Vor ein paar Tagen lief ich zum Ende meiner Runde (17 KM) die Brücke hoch, als ich auf der anderen Straßenseite den lokalen Laufmeister erspähte. Ich reagierte nicht weiter, bis er auf einmal immer schneller wurde, was mir nicht gefiel, so daß ich meinerseits nun das Tempo erhöhte. Nicht wirklich mein Stil. Die paar Meter bis zur Treppe hätte er mich sowieso nicht einholen können, wenn nicht mein Körper in einer Art reagiert hätte, wie ich es bis dato noch nie erlebt habe. Ich gehe jetzt nicht ins Detail – jedenfalls ist mein Körper „kollabiert“. Wie weit doch wenige Meter sein können. Sicherlich bot ich einen seltsamen Anblick. In diesem Moment habe ich das Täglichlaufen verflucht; ich habe mit dem Gedanken gespielt meine Serie zu beenden. Nach fünf Minuten hatte ich mich einigermaßen erholt und diese negative Eingebung war verschwunden. Am nächsten Tag lief ich bereits wieder 14 Kilometer und war um eine Erfahrung reicher.

Sonne. Nach meiner Erfahrung bekommt man selten das, was man möchte. Die logische Konsequenz manifestiert sich in der Lektion, das zu mögen, was man bekommt. Daher wird das Wetter immer so wie ich es mag. Schließlich können wir es nicht ändern, nur akzeptieren. Über 30 C°, blauer Himmel und heißer Sonnenschein ist dennoch nicht mein Lieblingswetter. Laufen in der prallen Sonne bereitet mir nicht wirklich Freude. Vor allem wenn ich meinen Blick schweifen lasse, über den See – und die zahllosen Schiffe, Segelboote und Yachten erblicke. Die Eigner sonnen sich auf Deck und dümpeln dahin. Nicht wenige sind am Damm angelandet und liegen ebenfalls in der Sonne. Und ich schwitze, das Wasser läuft in Bächen, die schwarze Kleidung zieht die Wärme an. Ein Hauch von Neid entwickelt sich. Warum tue ich mir das nur an?

Indianer. Ein Jugendfreizeitklub hat am Waldrand ein Grundstück erworben, welches derzeit aktiv genutzt wird. Zwei Zelte wurden aufgebaut und wenn auch niemand zu sehen ist, umso lauter sind die Jugendlichen zu hören. Sie trommeln – und wie! Ein Gefühl wie in einem alten Westernfilm. Ich laufe im Wald und im Hintergrund ein famoses Trommeln. Wie man sieht, bin ich nicht am Marterpfahl gelandet, zum Glück, denn sonst wäre dieser Beitrag unter erschwerten Bedingungen entstanden. Ich hoffe, sie trommeln noch einige Zeit weiter – mir hat es gefallen. Eine tolle Atmosphäre.

Schwache Körper – II. Auf der Rücktour betrachte ich die Wassertouristen eingehender und stelle verblüfft fest, daß nicht eine einzige Person „Normalgewicht“ hat. Wohin ich gucke, ich sehe nur dicke Bäuche. Im Rahmen dieser Erkenntnis verflüchtigt sich mein Neid und ich bin froh als Läufer die Natur zu genießen – in jedem Fall besser als dick und faul in der Sonne zu braten. Der Höhepunkt meines heutigen Laufes bildete ein, ebenfalls sehr korpulenter Mann, der sich auf dem Damm hingelegt hat. Töricht. Nicht einfach so, nein, sondern direkt auf dem Weg in der Mitte einer von Bäumen umsäumten Kurve. Ich hoffe für ihn, daß kein schnelles Fahrrad diesen Weg erkundete.

Ein anstrengender, aber schöner Lauf. Viel gesehen, viel gehört, viel genossen. Es ist Sommer.

Die Sonne brennt

Veröffentlicht in Laufberichte bei Juli 3, 2008 von blacksensei

Blauer Himmel, sengende Hitze. Um 09:55 Uhr, Startzeit meines heutigen Laufes, zeigt mir das Thermometer im geschützten Schatten schon 28 C°. Nicht unbedingt mein Lieblingswetter. Meine Laufkleidung bestehend aus schwarzer Hose, schwarzem T-Shirt, keine Kopfbedeckung, keine Wasserflasche oder ähnliches. Ein gutes Beispiel, wie man bei diesen Temperaturen nicht laufen sollte. Ich laufe los und ein Nachbar winkt mit seinem Wasserschlauch und bietet mir eine kalte Dusche an. In 30 Minuten werde ich mich danach sehnen, antworte ich ihm.

Es dauert nicht lange, bis ich richtig schwitze. Es läuft an meiner Stirn herunter und meine Arme glänzen naß in der Sonne. Als ich den zweiten Wald erreiche, sagen mir die parkenden Autos, welche Hunde heute auf dem Damm lustwandeln. Ein Minihund und „Smash“, der Rottweilermischling. Von beiden droht keine Gefahr. Der Damm, bei diesen Temperaturen als Laufstrecke eher ungünstig gewählt, strahlt mich mit seinen sonnigen Abschnitten regelrecht an. Es gibt dort zwar viele Bäume, die jedoch nicht viel Schatten spenden, der größte Teil ist Mutter Sol vollständig ausgeliefert. Umso schöner jene Meter, die geschützt liegen, zudem der leichte Wind an diesen Orten erst richtig fühlbar ist.

Auf der Rücktour erwäge ich noch meine kleine Waldrunde zu absolvieren, so käme ich auf 13 Kilometer. Bevor ich die Option richtig durchdenken kann, schwenkt mein Körper mehr oder weniger gewollt nach links in den Wald, um noch einen Kilometer zusätzlich zu laufen. Ich nähere mich den Waldarbeitern und in einer Entfernung von 20 Metern höre ich schon: „jeden Tag, jeden Tag“. Ehrlich gesagt, ich kann es nicht mehr hören. Es ist zwar kein negativer Kommentar und auch nicht böse gemeint, aber ich kann es einfach nicht mehr hören. Immer das gleiche. Ich sage ja auch nichts, wenn ich sie täglich sehe. Den Begriff „Waldarbeiter“ muß ich revidieren. Bisher haben sie vielleicht zweimal Bäume geschlagen, in den letzten Wochen sitzen sie nur noch auf selbst gebauten Stühlen und spielen Karten. Egal, zu welcher Tageszeit ich vorbei laufe – sie spielen Karten.

Ich trete langsam den Heimweg an und obwohl ich gänzlich durchnäßt bin, schüttelt es mich kurz und ich bekomme eine Gänsehaut. Clever, wie der Körper auf Kühlung umschaltet. Je näher ich mich dem Ende meiner Runde nähere, desto mehr freue ich mich auf das Wasserangebot des Nachbarn, nur – er ist weg! So viel dazu. Eine andere Nachbarin lacht und staunt, als sie mich in meinem Zustand sieht. Sie versteht es nicht wirklich, was ich damit bezwecken will. Ein Blick auf das Thermometer im Schatten sagt nun 31 C° – direkt nach dem Lauf. Insgesamt war der Lauf relativ schön, zwar sehr heiß, aber sonderlich anstrengend nun auch wieder nicht. Die kalte Dusche anschließend war einfach nur phantastisch.

Die Macht des Sturms

Veröffentlicht in Laufberichte bei Mai 28, 2008 von blacksensei

Sonnenschein, blauer Himmel, 24 C°. Eingeschlossen in einer Glocke, in der ein kräftiger Sturm seine Macht demonstriert. Subjektiv betrachtet, möchte ich einzelne Ausläufer schon als Orkanböen definieren. Im ersten Wald ist sofort das Ausmaß des Sturms zu erkennen. Ein grüner Blätterteppich liegt auf dem Boden und schwirrt durch die Luft. Fast schon ein herbstlicher Hauch, jedoch sind die Blätter grün. Dazu liegen alle paar Meter Äste auf der Erde. Ich freue mich den Damm zu erreichen, denn gestern wurde dort Gras gemäht, so daß ich wieder bis zum Ende laufen kann. Besonders imposant der Anblick eines Bussards, der edel und grazil über dem See schwebt und sich vom Wind ohne eigene Anstrengung tragen läßt.

Erst im letzten Beitrag schrieb ich, daß alles zwei Seiten hat. Mir ist es nun wieder möglich den Damm komplett abzulaufen, dafür verzichte ich ab morgen auf ein Teilstück im Wald – auch dort ist mir das Gras mittlerweile zu hoch. In kurzen Hosen wäre ich ein hervorragendes Ziel für Zecken. So gleicht sich alles aus und bleibt im Gleichgewicht. Während meiner Rücktour auf dem Damm höre ich ein lautes Krachen, ein Bersten – ich drehe mich um und sehe wie ein großer Ast vom Baum abbricht, welcher zum Glück, den Damm nicht berührt. Minuten später erspähe ich einen weiteren umgeknickten Baum, der zu Beginn meiner Runde noch stolz und aufrecht stand. Vermutlich vom letzten Sturm angebrochen, gab er nun seinen Widerstand auf.

Im Wald das gleiche Lied, links und rechts knacken die Äste und fallen zu Boden. Ich habe heute Glück und werde von direkten Treffern verschont. Plötzlich fühle ich mich beobachtet und mein Gefühl trügt mich nicht. Ich laufe an mehreren Waldarbeitern vorbei, die eine Pause eingelegt haben. Sie grüßen nicht und sagen kein Wort, ihre Blicke sind dafür umso aussagekräftiger. „Wie kann man sich bei dieser Hitze nur bewegen?“ – Wer weiß, vielleicht treffe ich sie bei 35 C° wieder. Heute habe ich sie nur emotionslos taxiert, dann jedoch werde ich lächeln.

Die 14 Kilometer waren relativ angenehm, sehr einsam – aber schön. Folgende Bilder vermitteln einen Eindruck, wie der Damm aussieht. Demnächst folgt der Wald.

Geräuschvolle Stille

Veröffentlicht in Laufberichte bei Mai 13, 2008 von blacksensei

Temperatursturz. Gestern noch 24 C°, blauer Himmel und Sonnenschein – heute 15 C°, dichte Wolken und die Sonne auf der Flucht. Nicht nur Sol ist heute verlustig, sondern auch die zahllosen Besucher, die mein Laufareal zu Pfingsten erkundeten. Somit hielt die Einsamkeit während meines Laufes das Zepter der Macht in der Hand. Das Alleinsein und die damit einhergehende Stille gehören zu den eindrücklichsten Ereignissen des Lebens. Ich beziehe das Schweigen natürlich auf die Menschen, denn die Wälder selbst sind alles andere als ruhig – sie schreien regelrecht vor Leben. Gleich im ersten Wald raschelte es linker Hand und prompt erhoben sich zwei Tauben in die Lüfte. Mein Opi, Zeit seines Lebens Taubenzüchter hätte sich gefreut, was ich nun an seiner Stelle übernahm.

Ich verließ den Wald und lief zu meinen Schafen, in freudiger Erwartung die Babyschafe zu begrüßen. Jedoch, ich sah keinen zweifachen Nachwuchs, sondern dreifachen! Leider gelang es mir auf meiner gestrigen Phototour nur einen Putzel zu erwischen; irgendwann banne ich die beiden anderen auch noch auf ein Bild.

Wie bereits erwähnt, haben sich die Wälder fein herausgeputzt und Mutter Natur hat großzügig grüne Kleider verteilt. Ein grandioser Anblick, der erst im Sonnenschein richtig zur Geltung kommt und sich in atemberaubenden Lichtspielen in den Baumkronen widerspiegelt. Aber, kein Licht ohne Schatten. Den Nachteil, sofern ich es so bezeichnen darf, erlebte ich vor einigen Tagen an einer Gabelung dreier Wege. Ich bewegte mich auf das Zentrum zu, als plötzlich und völlig unerwartet ein extrem lauter Befehl durch den Wald hallte. Der Besitzer des, natürlich unangeleinten, Dobermanns rief seinen Hund zurück. Die Lehre für mich aus diesem Erlebnis kanalisiert sich in der Konsequenz an uneinsehbaren Orten noch wachsamer zu sein. Mein Lauf führte mich zum Damm, auf dem das Gras ungezügelt in die Höhe schießt. Zum Ende des Dammes fallen bereits 1,3 Kilometer Laufstrecke aus meinem Programm, da ich mich nicht in kurzen Hosen in scheinbares Zeckengebiet begebe.

Nach der Brandkatastrophe in der Industrieanlage ist nun eine Woche vergangen. Die Bewohner des Hochwasserschutzgebietes sind mittlerweile zurückgekehrt, allerdings nur zum Teil, vor allem die Anzahl einiger Tiere kommt mir arg reduziert vor. Während meiner großen Waldrunde erspähte ich Meister Reineke, der von einem Feld schnell in den Wald sprang. Später gelang es mir, einen Raubvogel zu beobachten, ich vermute einen Adler, rotbraun und riesengroß. Im direkten Vergleich wirkt mein Bussard richtig klein, um nicht zu sagen „lütt“.

Mein Bericht neigt sich dem Ausklang zu, gleichermaßen die Wolken, welche ihren Platz räumen und der Sonne selbigen anbieten. Folgendes Stiefmütterchenphoto als Farbbeispiel, wie schön die Natur sein kann, finde ich besonders gelungen.

Allein im dunklen Tann

Veröffentlicht in Laufberichte bei März 26, 2008 von blacksensei

Die winterlichen Geplänkel setzen sich fort. Besonders eindrucksvoll war mein gestriger Lauf – zu Beginn umhüllte mich intensives Schneetreiben bei gleichzeitigem Sonnenschein – phantastisch! Der heutige Morgen zeichnete sich durch einen geschlossenen Wolkenvorhang aus, ein dunkler Tag bei 01 C°. Auch heute sollte leichter Schneefall mein treuer Begleiter sein. Es ist nicht weiter verwunderlich, daß ich in meinem Laufareal nicht eine Person getroffen habe. Auf dem Weg dorthin erntete ich entsetzte und mitfühlende Blicke, denn meine kurze Laufbekleidung paßt augenscheinlich nicht zur aktuellen Witterung. Ich erwiderte diese Blicke gleichermaßen, in dem Wissen, daß diese Menschen nicht den Hauch einer Ahnung besitzen, wozu ihr Körper fähig wäre.

Der Wald, durch die düsteren Wolken noch dunkler als sonst, bot durch den Schneefall einen beruhigenden, weißen Anblick. Einsam durchstreifte ich die Wälder, nur begleitet von Vogelkonzerten und einigen Windböen. Während meiner Dammrunde fühlte ich mich plötzlich beobachtet, konnte jedoch niemanden entdecken. Als mein Blick in die Höhe wanderte, erspähte ich einen Bussard, der auf einem Ast saß, welcher sich über den Damm bog. Ich lief direkt unter dem Bussard entlang – auf diese Distanz ließ er mich noch nie an sich heran. Sofort sprach ich ihn an: „Naaa, meine Schöne???“ – er blieb ruhig sitzen und guckte mich neugierig an. Ein edles, stolzes und wunderschönes Tier. Allein dieser Augenblick machte meinen Lauf zu einem Erlebnis, der sich nicht im Ansatz mit Gold aufwiegen läßt.

Auf dem Rückweg war der Bussard leider verschwunden. Auf einmal riß mich ein ohrenbetäubender Krach aus meinen Gedanken. Ein Kampfflugzeug streifte mein Laufgebiet, um es 15 Minuten später erneut zu überfliegen. Gräßlich. Ein Konstrukt menschlicher Mord- und Zerstörungslust. Nicht meine Welt. Aber ein Eindringling in der Meinen. Gegen Ende meiner 12 Kilometer Standardrunde öffnete sich die Wolkendecke und fügte dem Himmel eine weitere, diesmal blaue Farbpalette hinzu. Ich mußte nicht lange warten, bis sich die Sonne ebenfalls hinzugesellte. Ein Wechselspiel, welches heute vermutlich den ganzen Tag andauern wird.

In absehbarer Zeit wird die Temperatur endgültig ansteigen. Aus diesem Grund genoß ich die Kälte besonders. Ein angenehmer Lauf.