Wenn das kein origineller Titel ist.
Schwache Körper – I. Als Täglichläufer erlebt man viele angenehme Momente, die einem lange in Erinnerung bleiben und weniger schöne Erfahrungen, welche schnell verdrängt werden. Bisher habe ich mehrheitlich erstere Erlebnisse thematisiert. Um eine gewisse Ausgewogenheit herzustellen, folgt nun ein Beispiel aus der zweiten Kategorie. Vor ein paar Tagen lief ich zum Ende meiner Runde (17 KM) die Brücke hoch, als ich auf der anderen Straßenseite den lokalen Laufmeister erspähte. Ich reagierte nicht weiter, bis er auf einmal immer schneller wurde, was mir nicht gefiel, so daß ich meinerseits nun das Tempo erhöhte. Nicht wirklich mein Stil. Die paar Meter bis zur Treppe hätte er mich sowieso nicht einholen können, wenn nicht mein Körper in einer Art reagiert hätte, wie ich es bis dato noch nie erlebt habe. Ich gehe jetzt nicht ins Detail – jedenfalls ist mein Körper „kollabiert“. Wie weit doch wenige Meter sein können. Sicherlich bot ich einen seltsamen Anblick. In diesem Moment habe ich das Täglichlaufen verflucht; ich habe mit dem Gedanken gespielt meine Serie zu beenden. Nach fünf Minuten hatte ich mich einigermaßen erholt und diese negative Eingebung war verschwunden. Am nächsten Tag lief ich bereits wieder 14 Kilometer und war um eine Erfahrung reicher.
Sonne. Nach meiner Erfahrung bekommt man selten das, was man möchte. Die logische Konsequenz manifestiert sich in der Lektion, das zu mögen, was man bekommt. Daher wird das Wetter immer so wie ich es mag. Schließlich können wir es nicht ändern, nur akzeptieren. Über 30 C°, blauer Himmel und heißer Sonnenschein ist dennoch nicht mein Lieblingswetter. Laufen in der prallen Sonne bereitet mir nicht wirklich Freude. Vor allem wenn ich meinen Blick schweifen lasse, über den See – und die zahllosen Schiffe, Segelboote und Yachten erblicke. Die Eigner sonnen sich auf Deck und dümpeln dahin. Nicht wenige sind am Damm angelandet und liegen ebenfalls in der Sonne. Und ich schwitze, das Wasser läuft in Bächen, die schwarze Kleidung zieht die Wärme an. Ein Hauch von Neid entwickelt sich. Warum tue ich mir das nur an?
Indianer. Ein Jugendfreizeitklub hat am Waldrand ein Grundstück erworben, welches derzeit aktiv genutzt wird. Zwei Zelte wurden aufgebaut und wenn auch niemand zu sehen ist, umso lauter sind die Jugendlichen zu hören. Sie trommeln – und wie! Ein Gefühl wie in einem alten Westernfilm. Ich laufe im Wald und im Hintergrund ein famoses Trommeln. Wie man sieht, bin ich nicht am Marterpfahl gelandet, zum Glück, denn sonst wäre dieser Beitrag unter erschwerten Bedingungen entstanden. Ich hoffe, sie trommeln noch einige Zeit weiter – mir hat es gefallen. Eine tolle Atmosphäre.
Schwache Körper – II. Auf der Rücktour betrachte ich die Wassertouristen eingehender und stelle verblüfft fest, daß nicht eine einzige Person „Normalgewicht“ hat. Wohin ich gucke, ich sehe nur dicke Bäuche. Im Rahmen dieser Erkenntnis verflüchtigt sich mein Neid und ich bin froh als Läufer die Natur zu genießen – in jedem Fall besser als dick und faul in der Sonne zu braten. Der Höhepunkt meines heutigen Laufes bildete ein, ebenfalls sehr korpulenter Mann, der sich auf dem Damm hingelegt hat. Töricht. Nicht einfach so, nein, sondern direkt auf dem Weg in der Mitte einer von Bäumen umsäumten Kurve. Ich hoffe für ihn, daß kein schnelles Fahrrad diesen Weg erkundete.
Ein anstrengender, aber schöner Lauf. Viel gesehen, viel gehört, viel genossen. Es ist Sommer.





