Archiv nach Kategorie "Laufalltag"

Reaktiviert

Veröffentlicht in Laufalltag bei Juni 27, 2008 von blacksensei

In den vergangenen Wochen hat mir mein Laufen nicht wirklich viel Spaß bereitet. Ich hatte verschiedene Schmerzen und an meinem linken Fuß sind sie immer noch nicht ganz abgeklungen, jedenfalls nicht beim normalen Gehen. Viel gravierender war jedoch meine mentale Einstellung, partiell sehr demotivierend. Natürlich lief ich weiterhin jeden Tag, aber selten mit Genuß. Von einzelnen Läufen abgesehen, beispielsweise meinen letzten Regenlauf (“Entfesselt“), die einfach nur grandios waren. Das sind genau die Phasen, die Täglichlaufen so schwierig machen – sich gegen die Strömung zu stellen, den Wellen der Demotivation standzuhalten.

Wie es scheint, habe ich diesen Abschnitt einmal mehr überwunden. Seit Montag freue ich mich wieder auf jeden Lauf, was sich auch in den Distanzen widerspiegelt. Einschließlich heute bin ich bereits 71 Kilometer in dieser Woche gelaufen. Ich stecke voller Energie und möchte am liebsten gar nicht mehr aufhören. Bin ich zu Hause angekommen, habe ich das Gefühl, daß ich viel zu wenig lief. Und habe ich die Dusche verlassen, könnte ich erneut loslaufen. Zur Zeit ist es eine reine Freude, die ich kaum beschreiben kann. Eine schöne Phase, die ich genieße. Möge sie lang andauern.

Das Große im Kleinen und das Viele im Wenigen

Veröffentlicht in Laufalltag bei Juni 23, 2008 von blacksensei

Manche Menschen, die sich dem Laufsport verschreiben, reagieren ängstlich auf freilaufende Vierbeiner. Rational betrachtet und auf Grund meiner bisherigen Erfahrung, stellen Hunde nur eine geringe Gefahr dar, als potenzielle Aggressoren kann man sie abwehren, schlichtweg auf der Tatsache basierend, daß sie „greifbar“ sind, ein reales Ziel bietend. Was mich als Läufer weitaus stärker berührt, ist ein „Gegner“, der aus dem Nichts auftaucht und dem ich nicht adäquat begegnen kann, weil er einfach zu klein ist. Ich laufe überwiegend im Wald und in einem Naturschutzgebiet, von daher ist es nur natürlich, daß ich den wahren Herrschern unseres Planeten, den Insekten, meine Aufwartung mache.

Normale Fliegen und Mücken sind nicht weiter problematisch. Jedoch, einige Unterarten sind nicht nur wenige Millimeter groß, sie treten zu Millionen auf – subjektiv betrachtet. Besonders betroffen ist der Damm, dort bilden sich regelrechte Insektenbälle in der Luft, die einem fast schon die Sicht versperren und stets in Kopfhöhe auftreten. Kopf zur Seite, Augen schließen und die Hand vor den Augen halten, ist meine erste Wahl – jedoch nicht oft von Erfolg gekrönt, zumal der nächste Insektenschwarm nicht weit entfernt ist. Die Winzlinge finden ihren Weg in die Augen, Nase, Ohren und gelegentlich in den Mund. Vor allem Hitze und eine drückende Witterung, wie es dieser Tage des Öfteren vorkommt, bilden einen idealen Nährboden für diese Schwärme. Störende Fremdkörper in den Augen, eingeschränkte Sicht. Hals und Arme übersät mit schwarzen Punkten, die vorher wie Salven auf mich einprasselten. Das ist extrem unangenehm. Vor Jahren brach ich sogar einen Lauf ab und kehrte um, weil die Fliegen übermächtig waren, das hat bisher noch kein Hund geschafft.

So zeigt sich einmal mehr, daß Unannehmlichkeiten nicht immer von offensichtlichen, großen Kontrahenten ausgehen, sondern vom Kleinen und Unscheinbaren, welches nur konzentriert auftreten muß, um einen Läufer die Tränen in die Augen zu treiben. Dann und wann entscheiden also Insekten über meine gelaufene Distanz, aber wahrscheinlich betrifft das aktuell viele Läufer.

Gewitter

Veröffentlicht in Laufalltag bei Juni 3, 2008 von blacksensei

Aus Läufersicht interessiert mich das Wetter nicht sonderlich. Egal, wie meine Einstellung dazu wäre, ändern könnte ich die Witterung sowieso nicht. Ich habe zwar einige Vorlieben und ebenso mißfallen mir manche Wetterverhältnisse, aber Respekt besitze ich nur vor zwei Wetterlagen. Zum einen Glatteis, zum anderen Gewitter. Glatteis ist derzeit relativ unwahrscheinlich, womit das zentrale Thema dieses Beitrags klar wäre.

Ich lief bei 32 C° los, die Sonne bereits hinter Wolken verdeckt. Nach 250 Metern das erste Donnergrollen. Damit war die heutige Distanz besiegelt. Vier Kilometer. Ich habe zwar keine Angst, aber ohne zwingenden Grund laufe ich nicht gern im Gewitter – nicht, wenn ich die Wahl habe. Unterwegs donnert es noch weitere Male, was für mich eine Bestätigung meiner verkürzten Runde darstellte. Letztendlich war es eine Fehleinschätzung, ein dauerhaftes Gewitter blieb bisher aus. Die Wolken am Himmel sind jedoch extrem dunkel – nur eine Frage der Zeit, bis es heute richtig kracht. Hoffentlich artet es nicht zum „Unwetter“ aus, allerdings sind die Klimaverhältnisse heutzutage immer öfter „extrem“. Ich hoffe, daß niemand zu Schaden kommt.

Im Jahr der Schwarzkittel

Veröffentlicht in Laufalltag bei April 28, 2008 von blacksensei

Ich laufe überwiegend in Waldgebieten und somit wäre es relativ wahrscheinlich, öfter auf Wildschweine zu treffen. Jedoch, Wildschweinkontakte sind eine absolute Seltenheit. Zum einen sind sie sehr scheu, zum anderen eher in der Dunkelheit aktiv. Meinen ersten Kontakt erlebte ich im Jahr 2000. Im Dunkeln überquerte eine komplette Familie, inklusive Frischlingen den Waldweg. Die Distanz zu meiner Person betrug nur wenige Meter, allerdings zeigten die Schwarzkittel nicht den Hauch eines Interesses und beachteten mich nicht weiter. Bevor ich die Situation richtig realisieren konnte, waren sie in der Tiefe des Waldes und der vorherrschenden Dunkelheit verschwunden. Die Jahre vergingen – ebenso meine Gedanken bezüglich der Wildschweinthematik.

Im Februar 2008 traf ich völlig überrascht erneut auf Wildschweine. Meine Eindrücke habe ich damals in einem entsprechenden Artikel verarbeitet (unter „Besondere Läufe“). Ungewöhnlich fand ich die Tageszeit dieses Zusammentreffens, ca. 10:30 Uhr. Mit großem Respekt beobachtete ich diese, vor Kraft nur so strotzenden, Waldbewohner.

Nach diesem Treffen ging ich davon aus, daß eine neuerliche Begegnung wieder Jahre auf sich warten lassen würde. Vor sechs Tagen wurde ich eines Besseren belehrt. Vormittags, im schönsten Sonnenschein flüchtete ein Wildschwein vor mir in den tieferen Wald. Und zwar mit einer Geschwindigkeit, die jeden Läufer vor Neid hätte erblassen lassen. Zu diesem Zeitpunkt fanden in den umliegenden Wäldern umfangreiche Forstarbeiten statt, ich nehme an, daß sich Frau Bache oder Herr Keiler dadurch gestört fühlte. Nach dem ersten Kontakt vergingen also fast acht Jahre, bis ich dann innerhalb kürzester Zeit gleich zweimal auf die borstigen Tiere traf. Anscheinend sind weitere Wiedersehen nun nicht mehr so selten. Ich lasse mich überraschen.

Exkurs: Vermutlich in der Nacht zu Samstag haben jämmerliche Wesen prall gefüllte Müllsäcke im Wald abgeladen – direkt auf dem Weg. In meinen Augen eine ungeheuerliche Tat, wenngleich mir bewußt ist, daß das in der heutigen Zeit und Welt normal ist und sich darüber kaum noch jemand aufregt. Es ist zwar nicht mein Stil, aber diesen Unpersonen hätte ich eine aggressive Wildschweinrotte gewünscht.

Nicht allein

Veröffentlicht in Laufalltag bei April 6, 2008 von blacksensei

Seit Beginn meiner Laufzeit zähle ich zu den Läufern, die alleine unterwegs sind. Ich hatte nie einen Laufpartner, mit dem ich zusammen trainiert habe – wie auch, denn meine Definition vom Laufen ist nur für mich konzipiert und dadurch auch erst in dieser Form möglich geworden. Der Durchschnittsläufer harmoniert nicht mit meiner Intention. Und auch die Natur läßt sich am besten in kompletter Einsamkeit genießen. Zusätzlich würden sich praktische Probleme ergeben, als ersten Punkt führe ich sofort den Kompromiß auf eine gemeinsame, adäquate Geschwindigkeit an. In den letzten Jahren wurde das nie zu einem Thema, da gemeinsame Läufe sehr selten stattfanden. Vereinzelt ergaben sich Gelegenheiten diesbezüglich.

In den vergangenen Monaten kam es jedoch öfter vor, daß ich meine Strecke, partiell, nicht alleine lief. Hauptsächlich, weil ich Läuferinnen und Läufer vor mir nicht mehr nur überhole und hinter mir lasse, sondern temporär auf der gleichen Höhe bleibe – oft ergeben sich interessante Gespräche. Ein Freund von mir, mittlerweile unter die Läufer gegangen, frequentiert mein Laufareal ebenfalls häufig. So auch heute – meine Runde neigte sich mehr oder weniger dem Ende zu, als er mir auf dem Damm entgegen kam. Nach der Begrüßung schloß ich mich ihm an und wir liefen gemeinsam. Deshalb erreichte ich ungeplante 18 Kilometer.

Mittlerweile habe ich Gefallen an gemeinsamen Läufen gefunden. Die Zeit vergeht noch schneller und es macht einfach Spaß. Mit dem heutigem Lauf fand nun ein Jubiläum statt: „Der 25. Lauf in Begleitung“. Auf die Jahre hochgerechnet immer noch ein verschwindend geringer Anteil. Dennoch, der Lauf zu zweit war herrlich. Ich freue mich auf den nächsten.

Nico, ich wünsche Dir für Deine Laufveranstaltung am Sonntag viel Erfolg & Spaß!