Archiv nach Kategorie "Jahresrückblicke"

Die vergangene Zukunft

Veröffentlicht in Jahresrückblicke am 27. Dezember 2008 von Marcus

Nur noch wenige Tage und das Jahr 2008 wird aufhören zu existieren. Routiniert erobert es mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit die Vergangenheit. Gleichwohl sich noch wenige mutige Tage dem widersetzen und leider aussichtslos für das alte Jahr kämpfen, ist es nun an der Zeit für meinen Jahresrückblick.

Januar

Der Jahresbeginn war recht kalt und partiell sehr glatt, wodurch ich fast eine Treppe herunter gefallen wäre. Im Laufe des Monats erhöhten sich die Temperaturen auf über 10 C°. Die meisten Kommentare im Januar bezogen sich auf meine kurze Bekleidung, wie kann man diese Kälte nur in Sommersachen ertragen? Die Antwort liegt bereits in der Frage. Als unschön stellte sich ein kleiner Disput mit einem Dobermannhalter dar – der seitdem nett grüßt.

Februar

Ein Monat der Schwäche. Während eines Laufes bekam ich Herzrasen, ein Schwindelgefühl trat auf; vergleichbar mit einer gerissenen Kette beim Radfahren – man tritt und tritt – und kommt doch nicht vorwärts. Ich reduzierte mein Tempo fast in den Spaziermodus und kurz vor einer Ohnmacht normalisierte sich mein Körper wieder. Dieses Phänomen trat im Februar mehrfach auf – warum auch immer. Sehr herzig war ein Eichhörnchen, welches einen grünen Moosball im Gesicht hatte, größer als der Kopf. Weiterhin läutete der Februar das Jahr der Wildschweinbegegnungen ein – nach acht Jahren Ruhe traf ich 2008 viermal auf Familie Schwarzkittel.

März

Der März begann stürmisch – der Orkan „Emma“ machte mir seine Aufwartung – entsprechend sahen die Wälder und Wege aus – kaputte Bäume allenthalben. Mit dem Lauf am 18.03.2008 erreichte ich mein siebenjähriges Täglichläuferjubiläum. Meine lieben Vorfahren wären stolz, wenn sie wüßten, daß ihre Sturheit weitervererbt wurde. Und ja, aller schwachen Momente in diesem Jahr zum Trotz – setze ich meine Philosophie fort. Ich lebe das Täglichlaufen. Im März fanden besonders viele Tierbegegnungen statt; herausragend der wiederholte und langsam vertraute Bussardkontakt oder relativ zahme Schwäne. Ebenfalls interessant für mich, der größte Fund in meiner Laufzeit, ein großes Wildschweinskelett – welches einen Tag später verschwunden war.

April

Erneut ein tierreicher Monat – von Rehen, Bussarden, Spechten über Fasane und Graugansnachwuchs bis zu Wildschweinen – die komplette Bandbreite war wieder vertreten. Der April war auch ein großer Abschnitt der gemeinsamen Läufe. In diesem Jahr war ich oft zu zweit unterwegs – ein Novum. Für das süßeste Erlebnis sorgte ein Schaf, welches seinen Rücken an einem Ast schubberte – ein knuffiger Anblick.

Mai

Der Mai begann und endete traurig. Am 06.05.2008 explodierte die neuansässige Industrieanlage und ein Großbrand hielt die Feuerwehr den ganzen Tag in Atem. Mein Lauf fand im beißenden Rauch unter Tränen statt – der erste Lauf in 11 Jahren, bei dem ich nicht ein einziges Tier sah. Ende des Monats sprach mich auf der Straße ein Mann an und fragte mich: „Sie sind der Sportler?“, „Ich beobachte Sie!“ – ein nettes Gespräch mit viel zu viel Lob entwickelte sich mit einem Mann, den ich nie zuvor bewußt wahrnahm. Einen weiteren negativen Höhepunkt bildete mein Lauf am 31.05.2008. Während der Rücktour auf dem Damm blieb ich mit meinem Hals in Angelschnur hängen, die quer über den Damm gespannt war. Wäre die Temperatur niedriger gewesen, so wäre ich auf Grund der erhöhten Geschwindigkeit nicht ohne Verletzungen davongekommen. Mögen die Urheber auf ewig unerkannt bleiben!

Juni

Ein schöner und unspektakulärer Monat. Eine Wanderin, die mittlerweile zur lieben Grußfreundin avanciert ist, fragte mich: „Sie wohnen wohl hier!?“. Die Frage ist gar so nicht abwegig, ich fühle mich dort in der Tat auf eine gewisse Art und Weise heimisch. Später half ich einer Freundin bei der Vorbereitung ihrer Geburtstagsfeier. Wir holten Bänke und Tische aus einer mir unbekannten Gegend des Stadtgebietes. Mit folgenden Satz wurden wir begrüßt: „Du bringst ja den Läufer mit!?“ – erstaunlich, wie bekannt man doch als Täglichläufer wird.

Juli

Der Juli begrüßte und verabschiedete sich mit heißen Temperaturen. Ansonsten war der Monat eher durchwachsen. Die Temperaturen gingen zeitweise auf 17 C° zurück, die drei Regenläufe genoß ich natürlich. In diesem Monat initiierte ich mein Abnehmprojekt und begann damit, einer Dame den Laufsport näher zu bringen. Viele Laufeinheiten später wurde das weit entfernte Ziel Realität – eine neue Läuferin ist geboren. Und selbst am 24.12. wurde eine Laufeinheit absolviert. Welch Entwicklung!

August

Auf die Temperaturen bezogen, war der August eher frisch, dafür umso drückender. Nur zwei Läufe fanden bei über 30 C° statt, der Negativwert liegt bei 16 C° – viel zu kalt für den Sommer. Im August forcierte ich das Training mit meiner Laufanfängerin, welches sich überraschend gut gestaltete. Auch in diesem Monat brannte eine große Industrieanlage; von dem Schaden hat sie sich bis heute nicht erholt.

2008_august_wald
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September

Auch der neunte Monat des Jahres verschwand ebenso schnell in die Vergangenheit wie alle anderen zuvor. Eine schmerzhafte Erfahrung sollte sich für mich in einem Sturz manifestieren, der siebte in meiner Laufzeit. Als Entschädigung bot mir die Natur ein paar Tage später den schönsten Lauf im gesamten Jahr 2008. Ein Lauf, der sich tief in meinem Gedächtnis eingebrannt hat und nicht mit Gold aufzuwiegen ist. Kurz, ein Traumlauf par excellence.

Oktober

Der Oktober stand im Zeichen der Galloway-Rinder. Sie beschlossen in einer Übereinkunft ihr umzäuntes Areal nicht mehr zu akzeptieren; in der Folge erkundeten sie frei von Zwängen ihre Umwelt. Ich redete sie täglich an und mit der Zeit gewöhnten sie sich an meine Person, bis sie sich gar nicht mehr für mich interessierten. Grandios der Anblick eines großen Galloway-Bullen, der mitten auf dem Damm stand. In einer Distanz von drei Metern lief ich langsam vorbei. Der langhaarige, gehörnte Geselle beobachtete mich nur gemütlich – sehr imposant!

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November

Zu Beginn dominierten Nebel und Nässe als vorherrschende Elemente. Die Temperaturen brachen in den letzten Novembertagen ein und ich durfte als Zeuge den Schneemächten beiwohnen. Auch viele Tierbegegnungen fanden in diesem Monat statt, in erster Linie mit Familie Schwarzkittel. Für den schönsten Moment zeichnete Frau Bussard verantwortlich. Im größten Schneeregen tat sich ein dunkles und goldenes Wolkenband auf und offenbarte phantastischen Sonnenschein – der edle Bussard flog direkt in Richtung Sonne. Ein temporär begrenztes Ereignis voller atemberaubender Schönheit und Eleganz.

2008_november_naturschutzgebiet
2008_november_seeblick

Dezember

Ein beruhigender Monat der Stille. Mein Laufareal war zum Großteil verlassen. Zwei Jäger in Tarnbekleidung machten am 13.12. die Natur unsicher, sechs Schüsse fielen während meiner Anwesenheit. Kurz vor Weihnachten wäre ich fast von einem Auto angefahren worden. Zum 23. Mal – innerhalb von vier Jahren. Ich sehe mich schon unter einem Auto liegen, wer weiß, vielleicht wird irgendwann meine aktuelle Serie dadurch beendet. Die Temperaturen im Dezember waren augenscheinlich viel zu warm, teilweise 10 C°. Für mich jedoch angenehm. An den Weihnachtstagen traf ich unterwegs so viele Läufer wie das ganze Jahr nicht.

Weitere Details aus meiner Jahresstatistik 2008:

31 Regenläufe
16 Mal in Begleitung gelaufen
05 Mal Fastunfälle mit Autos
04 Mal Wildschweinkontakt
18 Mal Handschuhe getragen
13 Mal ein langes Oberteil getragen
02 Mal eine lange Hose getragen
an drei Tagen zweimal gelaufen
kältester Lauf bei -08 C°
heißester Lauf bei 32 C°

Dieses Jahr erreiche ich über 4800 gelaufene Kilometer – ohne einen einzigen Marathon.

Während ich diesen Rückblick formuliert und meine Laufdatei eingehend befragt habe, mußte ich oft lächeln. Wenn auch mehrheitlich wehmütig, denn viele Erlebnisse, die ich hier in diesem Beitrag verarbeite, sind zu schönen Erinnerungen geworden. Momente, die mir so frisch erscheinen, als ob sie erst gestern passiert wären. Augenblicke, die tiefe Emotionen in mir geweckt haben, lustige wie traurige, dunkle wie helle, lächelnde und wütende Momente. Vergangen. Sie überleben nur noch in meinen Gedanken und verblassen Tag für Tag mehr.

Was ist ein Jahr? Was ist das Leben? Nichts. Wir kommen aus dem Nichts und werden wieder in das Nichts gehen. Doch das Täglichlaufen bietet mir die Option, täglich neue, wunderbare und natürliche Dinge zu sehen, zu erleben, zu beobachten und am wichtigsten für mich – zu FÜHLEN. Ja, das Leben wird viel intensiver. Ich wünsche mir, daß dieses Glück mich noch eine Weile begleiten wird. Mit diesem Artikel verabschiede ich mich von 2008.

Jahresrückblick 2007

Veröffentlicht in Jahresrückblicke am 28. Dezember 2007 von Marcus

Mit immer schnelleren Schritten rast das Jahr in die unwiederbringliche Vergangenheit – Zeit für einen Rückblick auf das Laufjahr 2007. Ich kann das Fazit gleich vorweg nehmen, es war ein erlebnisreiches Jahr, mit wunderschönen Läufen und tollen Begegnungen mit Tier und Mensch. Als weniger schön stellte sich ein erneuter Hundeangriff dar, von diesem Punkt abgesehen, bedauere ich sehr, wie zügig sich dieses Jahr doch verflüchtigt hat.

Januar
Im Januar standen überdurchschnittlich viele Läufe im Dunkeln auf dem Programm. Zudem wurde meine These widerlegt: „In der Nacht ist man im Wald alleine (von den Waldbewohnern abgesehen)“. Der Januar war ein sturmreicher Monat, entsprechend sahen die Wege aus, teilweise mußte ich mehr klettern als laufen. Höhepunkt des Monats war eindeutig der Lauftag, an dem das Sturmtief „Kyrill“ seine immense Macht demonstrierte.

März
Herausragend im März war mein Sechs-Jahres-Jubiläum. Wer hätte das gedacht? Ich nicht. Ansonsten wäre ich, wieder einmal, fast von einer Schlange gebissen worden, sie schnappte nach allen Richtungen. Im März und April verursachte mein Knie Probleme. Ich reduzierte meine Kilometer und einige Zeit später verschwanden die Schmerzen.

Mai
Im Mai erfolgte der erste Hundeangriff in meiner Laufzeit, den ich nicht abgewehrt habe. Der kam so schnell und überraschend, bevor ich reagieren konnte, stürzte ich bereits zu Boden. Insgesamt sind es nun 16 Angriffe; 15 abgewehrt. Eine akzeptable Quote.

Juli
Der Juli war partiell warm und auch am heißesten Tag des Jahres drehte ich meine Runden. Selbst bei diesen Temperaturen genoß ich meine Läufe.

September
Gegen Ende des Monats verfolgte mich beim Laufen ein Polizeihubschrauber, anschließend „jagte“ ich einen Mannschaftswagen der Polizei durch den Wald. Im alten Weblog habe ich das ausführlich beschrieben. Der Grund für dieses Aufgebot ist mir bis heute unbekannt.

Oktober
Noch ein Polizeireicher Monat: Am Waldrand geriet ich sogar in eine Hundestaffel. Die Höhepunkte im Oktober bildeten die zahlreichen Läufe im Nebel, welche man nur als phantastisch definieren kann.

Dezember
Im Gegensatz zum Vorjahresmonat zeichnete sich dieser Dezember durch seine frischen Temperaturen aus. Nichtsdestotrotz ist es noch nicht kalt genug, um auf eine lange Hose umzusteigen.

Was sollte noch Beachtung finden?

- 5x in Begleitung gelaufen
- 2x fast von einem Auto angefahren
- ganz knapp einem herunter fallenden großen Ast entkommen
- insgesamt werde ich etwas über 4600 Laufjahreskilometer erreichen

    Und das ohne Marathonteilnahmen oder Wettkämpfen.
    Die 148 Fahrradkilometer sehen dagegen niedlich aus.
    Weiterhin ergaben sich Begegnungen, die ich hier nicht erwähnen kann. Dennoch, ein Erlebnis, welches ich sehr kurios fand, möchte ich noch anführen. Im August kam mir eine Frau entgegen, die mich fragte, ob ich einen „Socken“ gesehen hätte. „Einen gestreiften?“ – Ich habe damals laut gelacht. Sachen gibt’s…

    Wenn ich meine Aufzeichnungen durchgehe, kommt es mir vor, als ob die ganzen Ereignisse eben erst passiert wären. Tempus fugit.

    Ich lasse mich überraschen, was 2008 bringen wird.