Nun hat es mich also erwischt. Nach zwei Jahren ohne Erkältung erreichten mich diverse Erreger, die einen Schnupfen auslösten. In der Nacht war mir eiskalt, dann wieder sehr heiß. In dieser Phase seinem Körper die dringend benötigte Ruhe zu gönnen, steht außer Frage. Sportliche Aktivitäten sollten vermieden werden – dessen bin ich mir bewußt. Jedoch, ich könnte meine aktuelle Serie nicht leben, wenn ich stets auf die Vernunft setzen würde – das dürfte sich von selbst verstehen. So startete ich meinen heutigen Lauf, absichtlich langsam, was mir aber nur schwer gelang, weil meine Schrittlänge einfach zu weit ist. Nach wenigen Metern wurde mir heiß, ich schwitzte und der Lauf war nicht die Ursache – er verstärkte die Symptome nur. Ich bekam zwar – subjektiv betrachtet – genug Luft, hatte dennoch das Gefühl, daß dies nicht ausreichend ist.
Es setzte ein wundervoller Regen ein, den ich nicht genießen konnte. Enttäuschte Würdigung. Ich beschränkte mich auf zehn Kilometer und war bald wieder zu Hause. Nach einer kalten Dusche fühlte ich mich richtig gut. Leider sollte dieser Zustand nicht lange anhalten. Während des Mittagessens mit meinen Eltern brach ich zusammen und dämmerte in die Bewußtlosigkeit. Als ich wieder zu mir kam, mußte ich mit Erschrecken feststellen, daß bereits ein Rettungswagen alarmiert wurde, der sogleich eintraf. Mediziner! Ich und Mediziner! Das paßt nicht im Ansatz zusammen. Gleichwohl mußte ich mich der sich anschließenden Untersuchung beugen. Als die Sanitäter das Zimmer betraten, riefen sie beide aus: „Ach, der Läufer!“ – was mich nun auch nicht mehr überraschte. Beide kannten mich, einer von ihnen ist auch Läufer, der mich gleich ein wenig mehr verstand. Ein nettes Gespräch entstand – ihre Freundlichkeit kann ich nur lobend erwähnen. Erstaunlich auch ihr Eindruck, den sie bezüglich meiner Laufgeschwindigkeit hatten. Auf Grund der Länge meiner Beine laufe ich nun mal relativ schnell – was sich für mich eher langsam anfühlt – für Außenstehende nicht.
Aktuell geht es mir wieder normal, bis auf die Erkältung. Wer jetzt damit rechnet, daß ich hiermit ein Ende meiner Serie ankündigen werde, den muß ich enttäuschen. Auch morgen werde ich meine Runde absolvieren, wenn auch in einem extrem reduzierten Rahmen. Das ist es, was Täglichlaufen als Lebenseinstellung definiert – man muß schon ein wenig verrückt sein, um die Konzeption über Jahre zu leben. Das Halbjahresjubiläum naht.