Archiv nach Kategorie "Gedichte & Zitate"

Jugendliche Gedanken

Veröffentlicht in Gedichte & Zitate bei Juli 17, 2008 von blacksensei
Wie bleibt man jung?

Jugend ist nicht ein Lebensabschnitt,
sie ist ein Geisteszustand,
sie ist Schwung des Willens,
Regsamkeit der Phantasie,
Stärke der Gefühle,
Sieg des Mutes über Feigheit,
Triumph der Abenteuerlust über die Trägheit.

Niemand wird alt,
weil er eine Anzahl Jahre
hinter sich gebracht hat.
Man wird nur alt,
wenn man seinen Idealen Lebewohl sagt.
Mit den Jahren runzelt die Haut,
mit Verzicht auf Begeisterung aber
runzelt die Seele.

Du bist so jung wie Deine Zuversicht,
so alt wie Deine Zweifel.
So jung wie Dein Selbstvertrauen,
so alt wie Deine Furcht.
So jung wie Deine Hoffnungen,
so alt wie Deine Verzagtheit.
Solange die Botschaften der Schönheit,
Freude, Kühnheit, Größe
Dein Herz erreichen, solange bist Du jung.

(Albert Schweitzer)

Und Laufen? Eine weitere, nicht unerhebliche Komponente – bezogen auf das Puzzle des Lebens – um seine Jugend zu erhalten. Geistig wie körperlich. Laufen befreit den Geist.

Glück ist gar nicht mal so selten

Veröffentlicht in Gedichte & Zitate bei Juni 18, 2008 von blacksensei

Glück ist gar nicht mal so selten,
Glück wird überall beschert,
vieles kann als Glück uns gelten,
was das Leben uns so lehrt.

Glück ist jeder neue Morgen,
Glück ist bunte Blumenpracht
Glück sind Tage ohne Sorgen,
Glück ist, wenn man fröhlich lacht.

Glück ist Regen, wenn es heiß ist,
Glück ist Sonne nach dem Guß,
Glück ist, wenn ein Kind ein Eis ißt,
Glück ist auch ein lieber Gruß.

Glück ist Wärme, wenn es kalt ist,
Glück ist weißer Meeresstrand,
Glück ist Ruhe, die im Wald ist,
Glück ist eines Freundes Hand.

Glück ist eine stille Stunde,
Glück ist auch ein gutes Buch,
Glück ist Spaß in froher Runde,
Glück ist freundlicher Besuch.

Glück ist niemals ortsgebunden,
Glück kennt keine Jahreszeit,
Glück hat immer der gefunden,
der sich seines Lebens freut.

(Clemens Brentano)

Welch wunderbare Worte eines großartigen Lyrikers! Letztendlich besteht Glück aus unscheinbaren Freuden, die man nur zu einem Bild zusammensetzen muß. Die Schwierigkeit besteht darin, unseren Blick auf die kleinen Dinge des Lebens zu richten und unsere Wahrnehmung zu sensibilisieren. Ein wahrlich komplexes Thema – ich beschränke mich und streife die Laufthematik ein wenig.

Wenn ich laufe, konzentriere ich mich auf die unscheinbaren Aspekte. Nicht auf Zeiten oder Kilometer, sondern auf Blumen, Tiere, abgebrochene Äste, auf das Wetter – eben auf die Natur in ihrer unerschöpflichen und perfektionierten Gesamtschönheit. Laufen als simples und positives Werkzeug des Genusses mit erwünschten und erfreulichen Nebenwirkungen. Jeder einzelne Meter bedeutet Glück. In dieser Landschaft zu laufen, bedeutet ebenfalls Glück für mich.

Mein größtes Glück? Daß ich überhaupt die Option besitze, täglich in die Natur gehen zu können, um dort zu laufen. Und natürlich die Erkenntnis, die mich einst zum Läufer machte. Manch einem ist das aus den unterschiedlichsten Gründen verwehrt und sei es nur, weil man sich selbst im Wege steht. Genießen wir unser Glück und sei es noch so klein.

Grundlos vergnügt

Veröffentlicht in Gedichte & Zitate bei April 3, 2008 von blacksensei

Sozusagen grundlos vergnügt

Ich freu mich,
daß am Himmel Wolken ziehen
und daß es regnet,
hagelt, friert und schneit.
Ich freu mich auch zur grünen Jahreszeit,
wenn Heckenrosen und Holunder blühen.
Daß Amseln flöten
und daß Immen summen,
daß Mücken stechen
und daß Brummer brummen.
Daß rote Luftballons ins Blaue steigen.
Daß Spatzen schwatzen.
Und daß Fische schweigen.

Ich freu mich,
daß der Mond am Himmel steht
und daß die Sonne täglich neu aufgeht.
Daß Herbst dem Sommer folgt
und Lenz dem Winter,
gefällt mir wohl. Da steckt ein Sinn dahinter,
wenn auch die Neunmalklugen ihn nicht sehn.
Man kann nicht alles mit dem Kopf verstehn!
Ich freue mich.
Das ist des Lebens Sinn.
Ich freue mich vor allem,
daß ich bin.

In mir ist alles aufgeräumt und heiter:
Die Diele blitzt. Das Feuer ist geschürt.
An solchem Tag erklettert man die Leiter,
die von der Erde in den Himmel führt.

Mascha Kaléko

Adaption:

Ich freue mich, daß ich gesund bin.
Ich freue mich, daß ich laufen kann.
Ich freue mich, daß ich täglich laufen darf.
Ich freue mich, daß ich Regenläufe lieben lernte.
Ich freue mich, daß ich einen Sinn für die Natur habe.
Ich freue mich, daß ich die Natur beobachten darf.

Laufen bereitet Freude.

Black Sensei

Jeder wünscht sich langes Leben

Veröffentlicht in Gedichte & Zitate bei Februar 24, 2008 von blacksensei

Jeder wünscht sich langes Leben

Jeder wünscht sich langes Leben,
seine Kisten voller Geld,
Wiesen, Wälder, Äcker, Reben -
Klugheit, Schönheit, Ruhm der Welt,
doch wenn alles würde wahr
was man wünscht zum neuen Jahr,
dann erst wär es um die Welt,
glaubt es, jämmerlich bestellt.

Lebten alle tausend Jahre,
was gewönnen wir dabei?
Kahle Köpfe, graue Haare
und das ew’ge Einerlei!
Im erschrecklichen Gedränge
ungeheurer Menschenmenge
würden Stadt und Dorf zu enge,
und die ganze Welt zu klein.
Niemand könnte etwas erben,
denn es würde keiner sterben;
und wer möchte Doktor sein?

Wäre jedermann so reich,
als wohl jeder wünscht zu werden:
Nun, dann würden wir auf Erden
uns, in Sorgen, alle gleich.
Da niemand des andern Bürde
künftig auf sich laden würde,
müsste jeglicher allein
sein höchsteigner Diener sein;
selber seine Strümpfe stricken,
möcht’ er nicht gern barfuss gehn;
selber Rock und Hosen flicken
möcht’ er nicht wie Adam stehen;
müsste kochen, braten, backen,
liebte er gesunde Kost.
Wäre er kein Freund vom Frost,
müsst’ er selber Holz sich hacken.

Ständen alle ohne Mängel
wir hienieden schon, als Engel,
o wie wär’ es böse Zeit
für die liebe Geistlichkeit!
Wer denn könnte Pfarrer werden
in dem Himmel hier auf Erden,
wenn der Laie besser wäre
als die Predigt, die er hört?
Nur wo nötig ist die Lehre
-und sonst nirgends- hat sie Wert.
Advokaten gingen müssig;
Richter wären überflüssig;
und Dragoner und Husaren
wären überflüss’ge Waren.
Ach, in diesem Weltgetümmel
wüchse wieder neue Not,
denn es brächte unser Himmel
manchen braven Mann ums Brot.

Wären alle Mädchen schön,
und von aussen und von innen
und vom Wirbel bis zum Zehn
zauberische Huldgöttinnen:
zu alltäglich, zu gemein
würden schöne Mädchen sein;
niemand würde auf sie blicken. -
Wäre alles Diamant,
was jetzt Kiesel ist und Sand,
niemand möchte sich drum bücken.

Jeder wünscht zum neuen Jahr.
Aber würde alles wahr,
dann erst wär’ es um die Welt,
glaubt es, jämmerlich bestellt!
Wollet Ihr die Welt verbessern,
(blosse Wünsche tun es nie,
Spiele sind’s der Phantasie!)
wollet ihr die Welt verbessern,
fange jeder an bei sich,
denn der Mittelpunkt der grössern
Welt ist jeglichem sein Ich.
Dieses Ich wirft seine Strahlen,
einer innern Sonne gleich,
durch des Lebens weites Reich.
Wie es selber ist, so malen
sich die Dinge klein und gross,
prächtig oder farbenlos!

Von Heinrich Zschokke

Hoffnungsvoll traurig

Veröffentlicht in Gedichte & Zitate bei Dezember 24, 2007 von blacksensei

Der weihnachtlichen Zeit angepaßt, folgt nun ein Beitrag, welcher keinen Bezug zum Laufen hat, dafür umso tiefsinniger ist.

Ich wünsche meinen Lesern ein wunderschönes Weihnachtsfest und einen schneidigen Rutsch in das neue (Lauf)Jahr, bleibt gesund!

„Die Geschichte von der traurigen Traurigkeit“

Es war eine kleine Frau, die den staubigen Feldweg entlang kam. Sie war wohl schon recht alt, doch ihr Gang war leicht, und ihr Lächeln hatte den frischen Glanz eines unbekümmerten Mädchens. Bei der zusammengekauerten Gestalt am Wegrand blieb sie stehen und sah hinunter. Sie konnte nicht viel erkennen. Das Wesen, das da im Staub des Weges saß, schien fast körperlos. Es erinnerte an eine graue Flanelldecke mit menschlichen Konturen.

Die kleine Frau bückte sich ein wenig und fragte: “Wer bist du?” Zwei fast leblose Augen blickten müde auf. “Ich? Ich bin die Traurigkeit”, flüsterte die Stimme stockend und so leise, daß sie kaum zu hören war. “Ach, die Traurigkeit!” rief die kleine Frau erfreut aus, als würde sie eine alte Bekannte begrüßen. “Du kennst mich?” fragte die Traurigkeit mißtrauisch. “Natürlich kenne ich dich! Immer wieder einmal hast du mich ein Stück des Weges begleitet.” “Ja, aber…”, argwöhnte die Traurigkeit, “warum flüchtest du dann nicht vor mir? Hast du denn keine Angst?” “Warum sollte ich vor dir davonlaufen, meine Liebe? Du weißt doch selbst nur zu gut, daß du jeden Flüchtigen einholst. Aber, was ich dich fragen will: Warum siehst du so mutlos aus?” “Ich… ich bin traurig”, antwortete die graue Gestalt mit brüchiger Stimme. Die kleine, alte Frau setzte sich zu ihr.

“Traurig bist du also”, sagte sie und nickte verständnisvoll mit dem Kopf. “Erzähl mir doch, was dich so bedrückt.” Die Traurigkeit seufzte tief. Sollte ihr diesmal wirklich jemand zuhören wollen? Wie oft hatte sie sich das schon gewünscht. “Ach, weißt du”, begann sie zögernd und äußerst verwundert, “es ist so, daß mich einfach niemand mag. Es ist nun mal meine Bestimmung, unter den Menschen zu gehen und für eine gewisse Zeit bei ihnen zu verweilen. Aber wenn ich zu ihnen komme, schrecken sie zurück.

Sie fürchten sich vor mir und meiden mich wie die Pest.” Die Traurigkeit schluckte schwer. “Sie haben Sätze erfunden, mit denen sie mich bannen wollen. Sie sagen: Papperlapapp, das Leben ist heiter. Und ihr falsches Lachen führt zu Magenkrämpfen und Atemnot. Sie sagen: Gelobt sei, was hart macht. Und dann bekommen sie Herzschmerzen. Sie sagen: Man muß sich nur zusammenreißen. Und sie spüren das Reißen in den Schultern und im Rücken. Sie sagen: Nur Schwächlinge weinen. Und die aufgestauten Tränen sprengen fast ihre Köpfe. Oder aber sie betäuben sich mit Alkohol und Drogen, damit sie mich nicht fühlen müssen.”

“Oh ja”, bestätigte die alte Frau, “solche Menschen sind mir schon oft begegnet.” Die Traurigkeit sank noch ein wenig mehr in sich zusammen. “Und dabei will ich den Menschen doch nur helfen. Wenn ich ganz nah bei ihnen bin, können sie sich selbst begegnen. Ich helfe ihnen, ein Nest zu bauen, um ihre Wunden zu pflegen. Wer traurig ist, hat eine besonders dünne Haut. Manches Leid bricht wieder auf wie eine schlecht verheilte Wunde, und das tut sehr weh. Aber nur, wer die Trauer zuläßt und all die ungeweinten Tränen weint, kann seine Wunden wirklich heilen. Doch die Menschen wollen gar nicht, daß ich ihnen dabei helfe. Stattdessen schminken sie sich ein grelles Lachen über ihre Narben. Oder sie legen sich einen dicken Panzer aus Bitterkeit zu.”

Die Traurigkeit schwieg. Ihr Weinen war erst schwach, dann stärker und schließlich ganz verzweifelt. Die kleine, alte Frau nahm die zusammengesunkene Gestalt tröstend in ihre Arme. Wie weich und sanft sie sich anfühlt, dachte sie und streichelte zärtlich das zitternde Bündel. “Weine nur, Traurigkeit”, flüsterte sie liebevoll, “ruh dich aus, damit du wieder Kraft sammeln kannst. Du sollst von nun an nicht mehr alleine wandern. Ich werde dich begleiten, damit die Mutlosigkeit nicht noch mehr an Macht gewinnt.” Die Traurigkeit hörte auf zu weinen. Sie richtete sich auf und betrachtete erstaunt ihre neue Gefährtin: “Aber… aber - wer bist eigentlich du?”

“Ich?” sagte die kleine, alte Frau schmunzelnd, und dann lächelte sie wieder so unbekümmert wie ein kleines Mädchen.

“Ich bin die Hoffnung.”