Am Dienstag fuhr mir die Bahn vor der Nase weg. Bevor ich nun 20 Minuten warte, entschloß ich mich per Pedes den Weg nach Hause einzuschlagen. Quer durch die Innenstadt – trotz der Erkenntnis, daß die nächste Bahn in jedem Fall schneller ist. Wie dem auch sei, Warten liegt mir nicht – so ging ich schnellen Schrittes los. In normalen Halbschuhen, welche für derartige Distanzen nicht eingelaufen sind. Die Lehre von der Geschichte, nicht weiter verwunderlich, manifestiert sich in Blasen an beiden Füßen. Sehr unangenehm. Unabhängig davon habe ich derzeit noch leichte Rückenschmerzen. Ich will nicht jammern, das ist halb so wild und die Probleme verschwinden bald, hoffe ich. Dennoch, das Laufen wird dadurch nicht leichter. Und ich gebe zu, ich wäre derzeit gern ein normaler Läufer wie früher. Denn dann würde ich pausieren. Ein wenig sehne ich mich danach in die Unregelmäßigkeit zurückzukehren.
Einst war mein Körper schwach und ich habe die Personen in meinem Umfeld beneidet, die sportlich topfit waren; damals war ich alles andere als trainiert. Die Zeiten haben sich geändert, mein Traum von damals ist Wirklichkeit geworden – nicht zuletzt auch durch das Täglichlaufen. Mittlerweile denke ich, daß ich mir nach über sieben Jahren Täglichlaufen (auf die aktuelle Serie bezogen), Tag für Tag, genug bewiesen habe. Ich bin nicht der Streakrunning-Hardcore-Dogmatiker, für den das Täglichlaufen alles bedeutet. Im Gegenteil. Meine Einstellung ist relativ entspannt, aber nach diesen Jahren wird es mit jedem Tag schwerer einen Schlußpunkt zu finden. Das ist der Nachteil meiner Konzeption, sozusagen der Tribut. Ich gebe weiterhin zu, daß ich zu mir selbst sehr rücksichtslos sein kann – eine Grundvoraussetzung.
Der Preis für die Erfüllung des Traumes ist inzwischen recht hoch geworden. Sollte ich aber einen guten Grund finden, aufzuhören, kann ich dem Ende gelassen entgegen sehen und mit stolzem Blick zurückblicken. Ob mir das dann auch gelingen wird, steht freilich in den Sternen. Jahrelanges, ritualisiertes Training kann man nicht einfach beenden. Immerhin stelle ich das mit diesem Beitrag zur Disposition, auch wenn es das Zentrum meiner Philosophie nicht tangieren wird, zumindest nicht im Grundsatz. Noch nicht. Vielleicht bin ich derzeit auch nur in einer schwachen Phase. Wer weiß.
Der heutige Tag wird schön, blauer Himmel und Sonne. Ein langer Lauf wäre angemessen, allerdings muß ich mich auf eine extreme Minirunde beschränken. Einerseits schade, andererseits der Gesundheit geschuldet – doch unumgänglich.
