Archiv nach Kategorie "Flora"

Natürliche Sommerimpressionen

Veröffentlicht in Fauna, Flora am 16. Juli 2009 von Marcus

Die Herrlichkeit der Welt ist immer adäquat der Herrlichkeit des Geistes, der sie betrachtet – so sprach einst Heinrich Heine. Welch bestechende Weisheit in diesen schlichten Worten! Der Sommer zu heiß, der Winter zu kalt, der Frühling zu feucht und der Herbst zu stürmisch. Ist das wirklich so? Oder sind wir nur unzufrieden, weil wir die Witterung nicht akzeptieren wollen? Doch was nützt das? Das Wetter zu verdammen, ist ein absurder Weg. Denn es IST. Die allumfassende Wahrheit des Wetters ist absolut. Ausnahmslos. Jedwedes bewerten, negieren oder verfluchen – offenbart sich als sinnlose Erkenntnis. Ergo existiert nur ein Pfad, der uns die Zufriedenheit zurückgeben kann. Der Weg der gelassenen Akzeptanz oder gar der Liebe.

Manche Wetterlagen liegen mir weniger, andere mehr. Nach kurzem Wehklagen mit entsprechenden Phasen der Gewöhnung nehme ich die formvollendete Totalität an und bemühe mich, die getarnten Feinheiten des Schönen und Angenehmen darin zu entdecken. In jedem Moment des Lebens versteckt sich eine erfreuliche Herrlichkeit. Man muß sich nur bemühen, die Welt hinter der Welt zu erkennen. Täglich in die Natur gehen und laufen. Durch die grünen Wälder streifen, Flüsse und Gewässer beobachten, die lebendige Aktivität im Hain auf sich wirken lassen, unzählige Tiere im Auge behalten – den Windhauch eines leisen Sturmes im Nacken fühlen, mit großen Sprüngen tote Baumsperren überwinden. Romantische Wassertröpfchen, welche behutsam die Wolken verlassen und still zur Erde gleiten – sie im Gesicht spüren; um anschließend die trockene Hitze im aufgewärmten Körper erleben. Oder das lautmalerische Knirschen des Schnees mit allen Sinnen genießen, welches sich so eigentümlich unter den Laufschuhen bemerkbar macht.

Ja, all dies gehört zu meiner Welt. Entspanntes Täglichlaufen zu jeder Jahreszeit – stets ein bewegendes Gefühl von unbändiger Freiheit. Schöne Momente kommen. Schöne Momente gehen. Sie mit offenen Armen und einem Lächeln zu empfangen, sie mit dem Herz sehen und nicht nach Erfüllung streben – mein Weg der Verkörperung. Nachfolgend sommerliche Impressionen von Rittersporn über Fröschen bis zu einem Tagpfauenauge. Die Welt ist allezeit schön – wenn man denn will. „Die Herrlichkeit der Welt ist immer adäquat der Herrlichkeit des Geistes, der sie betrachtet. Der Gute findet hier sein Paradies, der Schlechte genießt schon hier seine Hölle.“

Staub im Wind

Veröffentlicht in Fauna, Flora, Gedichte & Zitate am 16. Juni 2009 von Marcus

Ich bin ein Antisportler. Pragmatischer Läufer. Entspannter Täglichläufer. Leidenschaftlicher Regenläufer. Alles korrekt. Alles falsch. Wie widersprüchlich! Das bin ich. – In Wahrheit sehe ich mich als formlosen Naturläufer. Für mich beginnt das wahre Glück, wenn ich die sogenannte Zivilisation vergesse und in die atemberaubenden Wälder eintrete, ihren würzigen Duft aufsauge, mich in das Hochwasserschutzgebiet im Laufschritt zurückziehe, um anschließend die Wassertropfen zu fühlen, die aus den Wolken sanft zur Erde gleiten und über die Äste der Baumkronen leise auf mein Gesicht springen und im Nacken die kalte Hand des Windes spüre. Der Odem des Lebens. Dort werde ich zu einem unscheinbaren Teil der Natur. Natürlich nur eine Illusion, aber temporär eine sehr gute und ungemein beruhigende. Laufen, Denken, Nichtdenken, Genießen. Eintauchen in die wirkliche Welt hinter der oberflächlichen Welt, die gemeinhin als die Realität betrachtet wird. Doch Realität ist immer das, was wir für die Realität halten – manche Menschen werden in ihrer Trivialität nie einen Blick hinter den Vorhang werfen. Schlimmer noch, sie erkennen nicht einmal den Schleier und sind sich dessen nicht bewußt.

Ich komme nicht umhin, mich immer wieder mit der Zeit zu beschäftigen. Durch die tägliche Laufdokumentation ist mein Zeitempfinden einer besonderen Sensibilität unterworfen. Vor wenigen Tagen schrieb ich meinen Jahresrückblick 2008 – vor ein paar Tagen? Nein. Doch so scheint es mir – dabei ist die erste Hälfte des Jahres 2009 bereits von der Vergangenheit in das Nichts absorbiert worden. Erlebnisse – schöne wie tragische – verblassen mehr und mehr; werden zu Erinnerungen des Lebens, während wir unaufhaltsam in die Zukunft schreiten. Dunkelheit wie Lichtermeer senken sich über uns und ziehen uns fort – rasend schnell, selbst das Innehalten fällt schwer. Wir Menschen mit unseren lächerlichen paar Erdenjahren sind nur Staub im Wind – nicht einmal ein Wimpernschlag in der Unendlichkeit der Zeit in unserem vermeintlichen Universum. Wir jagen albernes mit bunten Zahlen bedrucktes Papier hinterher und vergessen, was wirklich wichtig ist im Leben. Vielleicht sollten wir uns mehr mit Familie & Freunden und Liebe & Gefühlen auseinandersetzen. Unser Dasein ist geprägt von einer beängstigenden Endlichkeit und unser Geist erschreckend beschränkt – nur ein Windhauch im weiten Nichts. Und dieses kostbare Leben vergeuden wir mit Bedeutungslosem. Darüber kann man nachdenken. Oder auch nicht.

Nachfolgend ausgewählte Juniimpressionen aus meiner kleinen Welt, welche für mich jedoch bedeutsam sind. Ein zutiefst kläglicher Versuch die Eindrücke der Natur für einen theatralischen Moment einzufrieren. Stellvertretend beginne ich mit einem Frosch, der es sich auf einer Seerose gemütlich machte. Gefolgt von zwei Nachwuchsschwalben – gestern den letzten Tag im Nest, einem Perückenstrauch, Lilien und als Abschluß ein fulminantes Himmelsleuchten – als Symbol für meinen melancholischen Artikel.

2009_Juni_Seerosenfrosch
2009_Juni_Schwalben
2009_Juni_Perückenstrauch
2009_Juni_Lilien
2009_Juni_Himmelsleuchten

Flucht

In der Freie will ich leben,
in dem Sarge dumpft der Tod.
Sieh nur dort das Abendrot
um die heitern Hügel weben,
in der Freie blüht das Leben,
in der Enge hockt die Not.

Eilt drum, eilt hinaus zu streben,
eh` das Herz zu stocken droht,
Licht und Luft und Raum ist not.
In der Freie will ich leben,
Traute Vögel, laßt uns schweben,
folgsam der Natur Gebot.

(Karl Lappe)

Das allumfassende elementare Sein…

Veröffentlicht in Flora am 22. Mai 2009 von Marcus

…am Beispiel der Flora in ihrer unendlichen Vielfalt. Mein Hohelied auf die Pflanzen. Die Welt, die uns umgibt – ist eine Welt der Reichtümer und der Mythen – sie ist voller Geheimnisse, ein Mysterium des Lebens. Die schönsten Dinge sind selten die Spektakulären, der Reiz offenbart sich im Unscheinbaren. Nicht das Offensichtliche ist von Bedeutung, nein, man muß den wabernden Nebel der Oberflächlichkeit durchbrechen. Was erwartet uns? Die harmonische Symphonie der Natur als das allumfassende Sein.

Folgende drei Bilder dienen stellvertretend als Symbole aus diesem Reich: Lupine, Klematis und eine Bartiris. Ein Raum der Eleganz, Schönheit, Schwäche, Stärke, Weisheit und Poesie. Die entsprechende Sensibilität vorausgesetzt, kann man die melodische Stille im gefühlvollen Wiegen des Windes – als den Odem der Vitalität erkennen.

Geben wir dieser Welt eine Chance – würdigen wir sie – und sei es nur die einsame, vergessene Blume am Wegesrand, die traurig, aber mit Stolz dem Regen trotzt. Es lohnt sich stets bewußt in jenen Mikrokosmos einzutauchen und ein Teil desselben zu werden. Mit wachen Augen durch die Natur. Sie wird uns nie enttäuschen.

2009_Mai_Lupine
2009_Mai_Klematis
2009_Mai_Bartiris

Magische Momente

Veröffentlicht in Flora, Pro Natur, Täglichlaufen. Philosophie. am 13. Mai 2009 von Marcus

Den menschlichen Organismus mit einem täglichen Lauf zu würdigen, skizziert nur mein körperliches Handeln. Die nicht sichtbare Philosophie dahinter ist diffiziler. Ich sehe mich als Naturläufer. Mich zieht es hinaus in die unendliche Weite der facettenreichen Natur, in die unergründlichen Wälder – Laufen bei jeder Witterung, zu jeder Tageszeit; den Elementen ausgesetzt sein – in den Horizont laufen. Fühlen. Ich genieße die Freiheit, die sich mir bietet; nicht selten habe ich das Gefühl, als ob ich dort zu Hause wäre. Im Einklang mit sich selbst und der Natur ist es für mich der Weg zur Ruhe.

2009_Mai_Mittelwiese

Am Montag raschelte es im Wald, ich blieb stehen und sah in die großen Augen eines nur wenige Meter entfernten Rehs. Erst nachdem ich es anredete, verschwand das Reh langsam im Unterholz. Gestern durfte ich einen ca. 30 Zentimeter großen Schwarzspecht beobachten – ein prächtiges Tier, welches mich ungefähr eine Minute an seinem Leben teilhaben ließ. Jene magischen Momente sind es, die mein Täglichlaufen definieren. Willkommen in meiner Welt!

2009_Mai_Rhododendron
2009_Mai_Zierlauch

An die Natur

Die Menschen altern und wandeln zuletzt
als Greise gebückt, unkenntlich fast.
Doch Du, Natur, Du bleibst dieselbe
in gleicher Frische Jahr um Jahr.
Auf Deinem Antlitz ändert sich nichts.
Nicht Falten und Furchen lässest Du schau´n,
Allen Sterblichen ihrer Jugend, bleibst Du ein Bildnis.
Du und Erinnerung. Leiden im Prangen. Keine Schmach.
Schön bist Du so, wie Du es warst.
Seit zahllosen Tagen, wann längst ich zerfallen,
preist Dich ein andrer.

(Friedrich Hermann Frey)

Geräuschvolle Stille

Veröffentlicht in Fauna, Flora, Täglichlaufen. Laufberichte. am 13. Mai 2008 von Marcus

Temperatursturz. Gestern noch 24 C°, blauer Himmel und Sonnenschein – heute 15 C°, dichte Wolken und die Sonne auf der Flucht. Nicht nur Sol ist heute verlustig, sondern auch die zahllosen Besucher, die mein Laufareal zu Pfingsten erkundeten. Somit hielt die Einsamkeit während meines Laufes das Zepter der Macht in der Hand. Das Alleinsein und die damit einhergehende Stille gehören zu den eindrücklichsten Ereignissen des Lebens. Ich beziehe das Schweigen natürlich auf die Menschen, denn die Wälder selbst sind alles andere als ruhig – sie schreien regelrecht vor Leben. Gleich im ersten Wald raschelte es linker Hand und prompt erhoben sich zwei Tauben in die Lüfte. Mein Opi, Zeit seines Lebens Taubenzüchter hätte sich gefreut, was ich nun an seiner Stelle übernahm.

Ich verließ den Wald und lief zu meinen Schafen, in freudiger Erwartung die Babyschafe zu begrüßen. Jedoch, ich sah keinen zweifachen Nachwuchs, sondern dreifachen! Leider gelang es mir auf meiner gestrigen Phototour nur einen Putzel zu erwischen; irgendwann banne ich die beiden anderen auch noch auf ein Bild.

Wie bereits erwähnt, haben sich die Wälder fein herausgeputzt und Mutter Natur hat großzügig grüne Kleider verteilt. Ein grandioser Anblick, der erst im Sonnenschein richtig zur Geltung kommt und sich in atemberaubenden Lichtspielen in den Baumkronen widerspiegelt. Aber, kein Licht ohne Schatten. Den Nachteil, sofern ich es so bezeichnen darf, erlebte ich vor einigen Tagen an einer Gabelung dreier Wege. Ich bewegte mich auf das Zentrum zu, als plötzlich und völlig unerwartet ein extrem lauter Befehl durch den Wald hallte. Der Besitzer des, natürlich unangeleinten, Dobermanns rief seinen Hund zurück. Die Lehre für mich aus diesem Erlebnis kanalisiert sich in der Konsequenz an uneinsehbaren Orten noch wachsamer zu sein. Mein Lauf führte mich zum Damm, auf dem das Gras ungezügelt in die Höhe schießt. Zum Ende des Dammes fallen bereits 1,3 Kilometer Laufstrecke aus meinem Programm, da ich mich nicht in kurzen Hosen in scheinbares Zeckengebiet begebe.

Nach der Brandkatastrophe in der Industrieanlage ist nun eine Woche vergangen. Die Bewohner des Hochwasserschutzgebietes sind mittlerweile zurückgekehrt, allerdings nur zum Teil, vor allem die Anzahl einiger Tiere kommt mir arg reduziert vor. Während meiner großen Waldrunde erspähte ich Meister Reineke, der von einem Feld schnell in den Wald sprang. Später gelang es mir, einen Raubvogel zu beobachten, ich vermute einen Adler, rotbraun und riesengroß. Im direkten Vergleich wirkt mein Bussard richtig klein, um nicht zu sagen „lütt“.

Mein Bericht neigt sich dem Ausklang zu, gleichermaßen die Wolken, welche ihren Platz räumen und der Sonne selbigen anbieten. Folgendes Stiefmütterchenphoto als Farbbeispiel, wie schön die Natur sein kann, finde ich besonders gelungen.