Archiv nach Kategorie "Fauna"

Der Tanz der Schmetterlinge

Veröffentlicht in Fauna, ZEN am 9. November 2009 von Marcus

Anfang Juli hieß ich den scheinbar nahenden Winter willkommen. Zu diesem Zeitpunkt herrschten Temperaturen um die 30 C°; mein winterliches Gedankenspiel im Sommer sorgte für eine mentale Abkühlung – wenngleich nur temporär. Was damals noch in der Zukunft lag, liegt heute in der Vergangenheit. Und wie immer, vollzog sich das Leben in einer erschreckenden Geschwindigkeit. Die Realität hat sich einmal mehr gedreht, brütende Treibhausstimmung suche ich heute vergebens. Doch ich bin meinem einstigen Rat gefolgt und habe die heißen Momente genossen. Wohlan, ich blicke bei frischen 0 C° im November auf den Sommer zurück. Es ist nur konsequent, wenn ich mich nun an die sonnigen Tage erinnere. Hierbei beschränke ich mich in meiner Sommerreminiszenz jedoch nur auf eine Facette.

Mein Augenmerk konzentriert sich stellvertretend auf die anmutige Schönheit der Schmetterlinge. Bei folgenden Exemplaren gelang es mir, ihre wunderbare Existenz in einem Bild festzuhalten: Roter Admiral, Kleiner Perlmutterfalter, Tagpfauenauge, Brauner Waldvogel, Trauermantel und der Hummelschwärmer. Besonders zum Letztgenannten war eine durchaus beidseitige Sympathie nicht zu übersehen. Als sie elegant durch die Luft tanzten, konnte ich mir nur schwer die kalten Temperaturen vorstellen – doch jetzt sind sie da. Gegenwärtig verhält es sich so mit den warmen Gradzahlen. Aber auch jene werden wir schneller wieder erleben – als wir es uns derzeit vielleicht ausmalen können. Bald werden sie erneut grazil durch die Natur gleiten.

Roter Admiral

Kleiner Perlmutterfalter

Tagpfauenauge

Brauner Waldvogel

Trauermantel

Hummelschwärmer

Um der hier publizierten Schönheit einen tieferen Sinn zu verleihen, schließe ich mit einer weisen Zen-Anekdote. Die Geschichte fügt sich nahtlos in meine Täglichlaufphilosophie ein. Gleichzeitig projiziert sie ihren Sinn auf das Leben an sich – in einer zutiefst allumfassenden Weise. Eine wunderbare Kombination: Schönheit und Weisheit.

Eines Tages suchte der Schüler seinen Zen-Meister auf.

„Verehrter Meister“, seufzte er, „um Euren Lehren zu folgen, sind so enorm viel Mühe, Selbstdisziplin, Geduld und Beherrschung vonnöten. Das ist mir alles viel zu anstrengend. Ich werde das Studium beenden.” Der erhabene Meister blickte mit einem traurigen Blick auf seinen Schüler. „Kennst Du die Geschichte von der Raupe?” fragte er. Der Schüler schüttelte den Kopf. „Gut, ich werde sie Dir erzählen. „Es war einmal eine Raupe, die hatte das Gefühl, daß die Verwandlung zum Schmetterling zu anstrengend sei. So beschloß sie, eine Raupe zu bleiben“.

Und während sie mühsam, langsam und unzufrieden durch ihr Dasein kroch, schaute sie immer wieder wehmütig hinauf zu all den herrlichen Schmetterlingen, die im Sommerwind von Blume zu Blume tanzten und schwungvoll durch das Leben schwebten”. Der weise Mann beobachtete seinen Schüler und fuhr dann fort: „Nun überlege Dir wohl, ob der scheinbar einfachere und leichtere Weg auch wahrhaftig der einfachere ist“. – Lohnt es sich, bei Widerständen und Herausforderungen aufzugeben oder werden wir dadurch zu dem, was wir sein könnten?

(ZEN-Anekdote) – Von mir modifiziert

Der Sinn des Lebens

Veröffentlicht in Elementares, Fauna am 17. Oktober 2009 von Marcus

Was ist der sagenumwobene Sinn des Lebens? Eine der elementarsten Fragen, wenn nicht gar DIE essentiellste Fragestellung überhaupt, welche sich die Menschen schon immer stellten. Fast jeder zerbrach sich darüber den Kopf; große Philosophen und Gelehrte, Dichter und Denker. Die Basis eines fundamentalen Disputes, der nie für alle befriedigend beantwortet werden kann. Dabei ist die Antwort simpel, die Erkenntnis einleuchtend – natürlich kanalisiert sich die Beantwortung in der persönlichen Weltsicht, eine individuelle Betrachtung der eigenen Existenz. Der Mensch wird geboren – einfach so – heutzutage in der Regel durch die Vereinigung zwei sich liebender Wesen. Er gibt anschließend ein temporäres Gastspiel auf diesem Planeten ab; in unserem unendlichen Universum der unaufhörlichen Weite. Der Ferne. Des Nichts.

Er lebt, kann selbst jedoch keinen Einfluß auf sein entstehendes Dasein nehmen und wird nach einem begrenzten Augenblick, an dem er am wundervollen Leben partizipiert – für immer in den vergänglichen, unwiderruflichen Sog des ewigen Nichts gezogen werden. Der Sinn des Lebens? Das Leben hat keinen Sinn. Irrelevant, was der menschliche Geist zu interpretieren vermag. Wobei unsere Gattung sehr kreativ im Ersinnen von Rechtfertigungen ist, um unsere triviale Existenz hochtrabend zu legitimieren; wir versuchen sehr engagiert unser beschränktes Agieren als sinnvoll erscheinen zu lassen. Das müssen wir auch, denn die nüchternde Wahrheit wäre zu deprimierend. In der Arterhaltung respektive Fortpflanzung offenbart sich der einzige Sinn allen Lebens. Vereinigung. Geburt. Leben. Tod. Ohne tieferen Sinn. Bedeutungslos. Ein natürlicher Kreislauf. Alles, was wir in diesem Zyklus konstruieren, als da wären – Gesellschaft, Wirtschaft, Politik, Kriege, Krisen – die gesamte Grundlage unserer Zivilisation – dient nur als ablenkende Alibifunktion, um eine scheinbar sinnvolle Tätigkeit zu kreieren und damit dem Leben den Anschein von Sinn zu verleihen.

Bei der Majorität der derzeit noch herrschenden Spezies ist das sogenannte „Kindchenschema“ psychologisch fest verankert. Hierbei handelt es sich um verschiedene Körpermerkmale, die einen Schlüsselreiz etablieren und den Pflegeinstinkt direkt ansprechen. Eine wunderbare Schutzfunktion der Evolution; unabdingbar, um die Grundlage einer langfristigen Aufzucht zu bilden und damit die Eltern an den Nachwuchs zu binden und das Überleben zu gewähren. Dieses Verhalten bewirkt, daß wir menschliche Babys, aber auch Arten übergreifend Jungtiere und Nachwuchs als niedlich deklarieren. So beispielsweise auch der folgende Hochlandrindernachwuchs, den sich Anett als heutiges Thema ausgesucht hat. Ich weiß, daß die explizite Auswahl eine Herausforderung für Dich war und Du Dich beinahe für den Regenlaufbericht entschieden hättest – dies kann ich nur allzu gut nachvollziehen. Die kleinen Putzels sehen ein wenig wie Teddybären aus – während die älteren eine Karriere als Haarmodel anstreben.

Zu Beginn dieser Woche wunderte ich mich über massive Spuren in meinem Laufareal, vorrangig auf der Dammstrecke – Familie Schwarzkittel wollte ich die Abdrücke allerdings nicht zuschreiben. Bis ich dann diverse, ich formuliere es als „Hinterlassenschaften“ sah, wurde mir alles klar. Offensichtlich konspirierten die Hochlandrinder mit der verschollenen Schafherde, die ihrerseits großmeisterliche Experten der Flucht waren. Seit ein paar Tagen haben also die Rinderherde ihre Umzäunung durchbrochen und sie spazieren – wieder einmal – frei im Hochwasserschutzgebiet umher. Vor exakt einem Jahr lebten sie die allseits gelobte Freiheit und damals begegnete ich einem großen Bullen – direkt vor mir. Ich bin gespannt, ob erneut ein derart naher Kontakt zustande kommen wird. Wenn ich auch schon andere Geschichten hörte, so betrachte ich die gutmütigen Putzels als harmlos. Welch goldiger Anblick, wenn sie ihren Nachwuchs Wagenburgartig in die Mitte nehmen und beschützen. Ein wunderbares Beispiel für den wahren Sinn des Lebens. Schnörkellose biologische Reproduktion. Oder wie es Tolstoi stilvoller formulierte, „Der Sinn des Lebens ist die Vermehrung der Liebe auf Erden“.

Natürliche Sommerimpressionen

Veröffentlicht in Fauna, Flora am 16. Juli 2009 von Marcus

Die Herrlichkeit der Welt ist immer adäquat der Herrlichkeit des Geistes, der sie betrachtet – so sprach einst Heinrich Heine. Welch bestechende Weisheit in diesen schlichten Worten! Der Sommer zu heiß, der Winter zu kalt, der Frühling zu feucht und der Herbst zu stürmisch. Ist das wirklich so? Oder sind wir nur unzufrieden, weil wir die Witterung nicht akzeptieren wollen? Doch was nützt das? Das Wetter zu verdammen, ist ein absurder Weg. Denn es IST. Die allumfassende Wahrheit des Wetters ist absolut. Ausnahmslos. Jedwedes bewerten, negieren oder verfluchen – offenbart sich als sinnlose Erkenntnis. Ergo existiert nur ein Pfad, der uns die Zufriedenheit zurückgeben kann. Der Weg der gelassenen Akzeptanz oder gar der Liebe.

Manche Wetterlagen liegen mir weniger, andere mehr. Nach kurzem Wehklagen mit entsprechenden Phasen der Gewöhnung nehme ich die formvollendete Totalität an und bemühe mich, die getarnten Feinheiten des Schönen und Angenehmen darin zu entdecken. In jedem Moment des Lebens versteckt sich eine erfreuliche Herrlichkeit. Man muß sich nur bemühen, die Welt hinter der Welt zu erkennen. Täglich in die Natur gehen und laufen. Durch die grünen Wälder streifen, Flüsse und Gewässer beobachten, die lebendige Aktivität im Hain auf sich wirken lassen, unzählige Tiere im Auge behalten – den Windhauch eines leisen Sturmes im Nacken fühlen, mit großen Sprüngen tote Baumsperren überwinden. Romantische Wassertröpfchen, welche behutsam die Wolken verlassen und still zur Erde gleiten – sie im Gesicht spüren; um anschließend die trockene Hitze im aufgewärmten Körper erleben. Oder das lautmalerische Knirschen des Schnees mit allen Sinnen genießen, welches sich so eigentümlich unter den Laufschuhen bemerkbar macht.

Ja, all dies gehört zu meiner Welt. Entspanntes Täglichlaufen zu jeder Jahreszeit – stets ein bewegendes Gefühl von unbändiger Freiheit. Schöne Momente kommen. Schöne Momente gehen. Sie mit offenen Armen und einem Lächeln zu empfangen, sie mit dem Herz sehen und nicht nach Erfüllung streben – mein Weg der Verkörperung. Nachfolgend sommerliche Impressionen von Rittersporn über Fröschen bis zu einem Tagpfauenauge. Die Welt ist allezeit schön – wenn man denn will. „Die Herrlichkeit der Welt ist immer adäquat der Herrlichkeit des Geistes, der sie betrachtet. Der Gute findet hier sein Paradies, der Schlechte genießt schon hier seine Hölle.“

Majestäten am Horizont

Veröffentlicht in Fauna am 23. Juni 2009 von Marcus

Während meiner täglichen Laufrunden beobachte ich naturgemäß die unterschiedlichsten Tiere. Manche sind klein und süß, andere groß und scheu, wiederum andere relativ zahm und edel. Das Spektrum der Variabilität ist mannigfaltig. Meine besondere Liebe gilt den Raubvögeln, die stolz und erhaben durch die Lüfte gleiten. Ihre Anmut und Grazie bleibt unerreicht. Majestätisch kreuzen sie am Horizont und beobachten ihre Welt mit scharfen Augen. Nahezu jeden Tag treffe ich auf Bussarde, Adler und Falken. In ihnen sehe ich ungezügelte Leidenschaft, romantische Kraft, den Ruf nach Freiheit und gefühlvolle Stärke. Ausgewählte Exemplare reagieren auf meine Anwesenheit nicht mit Flucht, sondern bleiben in einer geringen Distanz ruhig auf einem Ast sitzen und beobachten den schwarz gekleideten Läufer, der ihnen die Aufwartung macht. Permanentes Anreden und meine wiederholte Präsenz initiieren ein latentes Vertrauen, welches ich besonders zu schätzen weiß.

Das imposanteste Schauspiel überhaupt bot sich für mich im vergangenen November – als ein temporärer Schneeregen einsetzte, in dessen Entwicklung bedrohlich dunkle Wolken von Sol persönlich angestrahlt wurden und somit ein goldenes Wolkenband in der Ferne erzeugt wurde. Unmittelbar davor flog ein stolzer Bussard direkt in Richtung Sonne – ein erlauchter Anblick voller atemberaubender Schönheit und graziler Eleganz. Eine schöne Erinnerung. Die Schnee-Eule und der Weißkopfadler sollen stellvertretend jene wunderbaren Tiere symbolisieren. Wenngleich beide Arten in meinem Laufgebiet nicht heimisch sind.

Vielleicht stehen sie auch nur sinnbildlich für den Traum vieler Menschen sich in die Luft zu erheben und zu fliegen. Wer täte das nicht gern? Wie ein Adler durch den Himmel schweben, getragen vom leisen Sturm und die beschränkte, menschliche Perspektive hinter sich lassen und ja – einfach nur frei sein! Mentale Barrieren niederstrecken und die Weite genießen – auch die des Geistes. Unerfüllte Sehnsüchte.

2009_Juni_Schneeule
2009_Juni_Adler
2009_Juni_Adler_2
2009_Juni_Adler_5
2009_Juni_Adler_6

Staub im Wind

Veröffentlicht in Fauna, Flora, Gedichte & Zitate am 16. Juni 2009 von Marcus

Ich bin ein Antisportler. Pragmatischer Läufer. Entspannter Täglichläufer. Leidenschaftlicher Regenläufer. Alles korrekt. Alles falsch. Wie widersprüchlich! Das bin ich. – In Wahrheit sehe ich mich als formlosen Naturläufer. Für mich beginnt das wahre Glück, wenn ich die sogenannte Zivilisation vergesse und in die atemberaubenden Wälder eintrete, ihren würzigen Duft aufsauge, mich in das Hochwasserschutzgebiet im Laufschritt zurückziehe, um anschließend die Wassertropfen zu fühlen, die aus den Wolken sanft zur Erde gleiten und über die Äste der Baumkronen leise auf mein Gesicht springen und im Nacken die kalte Hand des Windes spüre. Der Odem des Lebens. Dort werde ich zu einem unscheinbaren Teil der Natur. Natürlich nur eine Illusion, aber temporär eine sehr gute und ungemein beruhigende. Laufen, Denken, Nichtdenken, Genießen. Eintauchen in die wirkliche Welt hinter der oberflächlichen Welt, die gemeinhin als die Realität betrachtet wird. Doch Realität ist immer das, was wir für die Realität halten – manche Menschen werden in ihrer Trivialität nie einen Blick hinter den Vorhang werfen. Schlimmer noch, sie erkennen nicht einmal den Schleier und sind sich dessen nicht bewußt.

Ich komme nicht umhin, mich immer wieder mit der Zeit zu beschäftigen. Durch die tägliche Laufdokumentation ist mein Zeitempfinden einer besonderen Sensibilität unterworfen. Vor wenigen Tagen schrieb ich meinen Jahresrückblick 2008 – vor ein paar Tagen? Nein. Doch so scheint es mir – dabei ist die erste Hälfte des Jahres 2009 bereits von der Vergangenheit in das Nichts absorbiert worden. Erlebnisse – schöne wie tragische – verblassen mehr und mehr; werden zu Erinnerungen des Lebens, während wir unaufhaltsam in die Zukunft schreiten. Dunkelheit wie Lichtermeer senken sich über uns und ziehen uns fort – rasend schnell, selbst das Innehalten fällt schwer. Wir Menschen mit unseren lächerlichen paar Erdenjahren sind nur Staub im Wind – nicht einmal ein Wimpernschlag in der Unendlichkeit der Zeit in unserem vermeintlichen Universum. Wir jagen albernes mit bunten Zahlen bedrucktes Papier hinterher und vergessen, was wirklich wichtig ist im Leben. Vielleicht sollten wir uns mehr mit Familie & Freunden und Liebe & Gefühlen auseinandersetzen. Unser Dasein ist geprägt von einer beängstigenden Endlichkeit und unser Geist erschreckend beschränkt – nur ein Windhauch im weiten Nichts. Und dieses kostbare Leben vergeuden wir mit Bedeutungslosem. Darüber kann man nachdenken. Oder auch nicht.

Nachfolgend ausgewählte Juniimpressionen aus meiner kleinen Welt, welche für mich jedoch bedeutsam sind. Ein zutiefst kläglicher Versuch die Eindrücke der Natur für einen theatralischen Moment einzufrieren. Stellvertretend beginne ich mit einem Frosch, der es sich auf einer Seerose gemütlich machte. Gefolgt von zwei Nachwuchsschwalben – gestern den letzten Tag im Nest, einem Perückenstrauch, Lilien und als Abschluß ein fulminantes Himmelsleuchten – als Symbol für meinen melancholischen Artikel.

2009_Juni_Seerosenfrosch
2009_Juni_Schwalben
2009_Juni_Perückenstrauch
2009_Juni_Lilien
2009_Juni_Himmelsleuchten

Flucht

In der Freie will ich leben,
in dem Sarge dumpft der Tod.
Sieh nur dort das Abendrot
um die heitern Hügel weben,
in der Freie blüht das Leben,
in der Enge hockt die Not.

Eilt drum, eilt hinaus zu streben,
eh` das Herz zu stocken droht,
Licht und Luft und Raum ist not.
In der Freie will ich leben,
Traute Vögel, laßt uns schweben,
folgsam der Natur Gebot.

(Karl Lappe)