Archiv nach Kategorie "Contra Wettkampf"

Laufen bedeutet Harmonie

Veröffentlicht in Contra Wettkampf bei April 9, 2008 von blacksensei


Ich bin natürlich ein großer Verfechter des täglichen Laufens oder dem sogenannten Streakrunning und kann diese spezielle Laufform nur empfehlen, weil sie einfach natürlich ist. Laufanfängern würde ich dennoch davon abraten, da Täglichlaufen eine gewisse Konstitution und Erfahrung voraussetzt. Nichtsdestotrotz erfüllt es mich mit Stolz, wenn eine Laufanfängerin gleich zu Beginn sich mit Täglichlaufen näher beschäftigt und einfach aus dem Nichts 23 Tage durchhält. Liebe Brigitte, meinen Respekt vor dieser Leitung und Deinem Willen & Disziplin – ich bin sehr stolz auf Dich!

Bisher habe ich jegliche Laufwettkämpfe für mich abgelehnt. Trotzdem verfolge ich, vor allem lokale Wettbewerbe in den Medien und interessiere mich auch für Zeiten und Distanzen. Und dank Margitta dachte ich ernsthaft über diese Thematik nach und schloß eine Teilnahme nicht mehr explizit aus, wenn auch erst nach dem Ende meiner aktuellen Serie. Vor ein paar Tagen verfolgte ich einen Bericht über den Berliner Halbmarathon, mit seinen gut 16.000 Teilnehmern. Zwar nicht so imposant wie der Marathon im September, dennoch sehr beeindruckend. Als ich den Start beobachtete, wurde mir schlagartig bewußt, daß eine dortige Teilnahme genau das Gegenteil ist, wofür ich stehe. Dieses Gewusel am Anfang – wie soll man da seinen eigenen Stil finden, seine Geschwindigkeit? Ich kann mir nicht wirklich ein Bild erlauben, war ich doch noch nie dabei. Dennoch, das ist nicht meine Welt.

Ich lief heute 15 Kilometer bei 08 C° im strömenden Regen. Bis auf ein Nordic-Walker Ehepaar, welches ich zweimal traf, war ich allein in der Natur unterwegs. Meine Konzentration auf mich selbst gerichtet, auf meinen Körper und auf die Natur. Ich liebe es, nur für einen Moment, die Augen zu schließen und nur die Natur zu hören und zu spüren – den Wind und den Regen im Gesicht zu fühlen. Störende Gedanken werden verbannt, ich genieße einfach den Lauf. Harmonie. Ich bin mit mir selbst im Einklang. Laufen bedeutet Harmonie. Ich liebe es zu Laufen.

Wie könnte ich dieses Gefühl empfinden, wenn neben mir weitere 16.000 Läufer sind? Und habe ich das Bedürfnis 40 Kilometer zu laufen, ich tue es einfach. Einfach so. Aus mir wird kein Wettkampfläufer mehr – ich bin und bleibe ein Naturläufer. Welch Glück!

Contra Wettkampf

Veröffentlicht in Contra Wettkampf bei März 31, 2008 von blacksensei

Im letzten Jahr behandelte ich verkürzt das Thema „Wettkampf“. Ich stellte eine Vertiefung der Thematik in Aussicht, die ich nun umsetze, zumal ich heute erst von einem Walkerpaar gefragt wurde, auf welches Ziel ich so eifrig trainieren würde.

Die folgenden Worte beziehen sich auf meine Person. Wer Wettkämpfe bestreitet, welcher Art auch immer und dafür hart trainiert, tolle Zeiten etc. erreicht, verdient Bewunderung und hat meinen vollsten Respekt. In einer anderen Sportart habe ich vor vielen Jahren selber Wettkämpfe bestritten und ich besitze heute noch die Urkunden & Medaillen. Von daher kann ich die Gefühle, die einem in der Wettkampfsituation beherrschen sehr gut nachvollziehen.

Dennoch lehne ich Wettkämpfe im Laufen für mich kategorisch ab. Ein sklavisches Anhängen nach Zeiten betrachte ich als Zeitverschwendung. Warum? Es widerspricht meiner Konzeption und Vorstellung eines täglichen Trainings für Körper & Geist. Mein tägliches Programm betrachte ich als einen Weg der Selbstdisziplin und Selbsterkenntnis, mit all ihren vielfältigen Aspekten – jeden Tag neu. Jeder Mensch hat andere Möglichkeiten, Fähigkeiten und Voraussetzungen, ich sehe also keinen Sinn in einem Vergleich der Leistungen durch einen Wettbewerb. Der Wettkampf findet sozusagen in mir selbst statt, mein Programm Tag für Tag neu durchzuziehen. Laotse brachte es mit „Der Weg ist das Ziel“ auf den Punkt.

Wettkämpfe würden diesen Weg nur stören. Aus diesem Grund ist für mich die Fokussierung auf Zeiten obsolet. Somit steht meiner Konzentration auf mich selbst und meiner Umwelt – in erster Linie, der Natur, nichts im Wege. Folglich schließe ich auch Trainingspläne aus, denn woher will ein Plan wissen, was mir gut tut? Der einzige, der das wirklich weiß, ist mein Körper und diesem vertraue ich absolut. Ich lief heute 18 Kilometer bei 14 C° in allerschönster Natur – ein Genußlauf par excellence – ohne die Konzentration auf Zeiten, sondern nur auf mich und meinen Körper.

Abschließend bleibt zu erwähnen, daß meine Worte mein aktuelles Denken widerspiegeln, welches sich irgendwann vielleicht in die entgegen gesetzte Richtung entwickeln kann. Wer weiß schon, was die Zukunft bringen wird.

Beim Wettkampf ist nicht mehr der Mensch, sondern sind Uhren des Menschen Maß. Dem Griechen lag der Gedanke fern, daß Sekunden Wert haben. Er wollte sich mit Menschen, vielleicht sogar mit Göttern messen, nicht aber gegenüber der abstrakten Zeit.

Ernst Jünger