Archiv nach Kategorie "Besondere Läufe"

Leben

Veröffentlicht in Besondere Läufe bei April 11, 2008 von blacksensei

Mein Wetter. Dunkel, der Himmel voller Wolken, schwacher Wind, 5 C°, Nieselregen liegt in der Luft. Man sieht den Atem. Am Ende werde ich 13 Kilometer laufen. Ich bin nicht einer menschlichen Person begegnet – die Einsamkeit gehörte mir. Dem regnerischen Wetter der letzten Tage entsprechend zeigten sich die Waldwege von ihrer unschönen Seite. Mein lieber Opi hätte gesagt: „Ach, du ahnst es nicht!“. Matsch, Schlamm und riesige Pfützen, die eine Einladung zum Hinfallen an jeden Läufer boten. Die Krönung des Ganzen bildete ein Traktor, der mir vor ein paar Tagen auf dem Damm entgegen kam, dabei – warum auch immer – mehrere Eisengitter hinter sich herzog. Der Weg nun, eine einzige Katastrophe.

Das Hochwasser zieht sich immer weiter zurück, dennoch kann man die überfluteten Wiesen noch „Schwanensee“ nennen, sind doch noch überall weiße Punkte in der Ferne zu erkennen. Und selbst mitten auf dem Damm erspähte ich einen Schwan, der es sich dort gemütlich gemacht hatte. Da der Damm nicht sonderlich breit ist, blieb mir nicht viel Freiraum zum Ausweichen. Ich redete den Schwan an und lief in einer langsamen Geschwindigkeit in einem Meter Entfernung an ihm vorbei, während er mich wachsam beobachtete. Er rührte sich keinen Millimeter. Über diesen Vertrauensbeweis erfreut, lief ich weiter. Eine Erfahrung in dieser Form ist neu für mich – bisher traten Schwäne, wenn auch langsam, immer den Rückzug an. Auf meiner Rücktour ereignete sich das gleiche Prozedere. Seltsam. Ich hoffe, er ist nicht krank oder verletzt. Am Ende des Dammes scheuchte ich einen Fasan auf, ein possierliches Kerlchen.

Seit einiger Zeit „zischeln“ mich die Graugänse oft an und meckern besonders laut. Eine Gans verfolgte mich sogar in einer Entfernung von fünf Metern für ungefähr 20 Meter, während sie mich ausschimpfte, aber stets ihre Höhe einhielt. Für dieses Verhalten existiert eigentlich nur ein Grund, der mir heute bestätigt wurde. Im Wasser erblickte ich Familie Graugans mit ihrem Nachwuchs, ca. sieben Kleine an der Zahl. Ich unterbreche meinen Lauf eher ungern, aber dieser Anblick war so herzig, daß ich mit Freuden stehen blieb. Einfach zum Knuddeln, nur die Gänse sahen das anders und flüchteten. Später sah ich eine Ente, von einer Art, die mir unbekannt ist und ich zum ersten Mal überhaupt erblickte.

Der heutige Lauf mit den vielen Tierbegegnungen war unbeschreiblich schön. Wir Menschen bildeten früher ein Teil der Natur, bis wir diese Verbindung lösten und die Natur fortan bekämpften. Ein Krieg, den wir immer weiter perfektionieren. Es existieren einige Beweggründe, die erklären, warum ich laufe. Ich hatte heute besonders stark das Gefühl ein Teil der Natur sein – wieder zu ihr zu gehören. Wahrscheinlich klingt es seltsam und ist schwer nachvollziehbar, aber dieses Gefühl ist der Hauptgrund, warum ich täglich dort laufe. Vor kurzem schrieb ich über die vor Kraft und Energie nur so strotzenden Wildschweine, ich übertrage den Satz auf die Natur. Sie hat vor LEBEN nur so gestrotzt – und ich war dabei – ein Teil von ihr. Ein Genuß. Ein wahrlich besonderer Lauf.

Geisterenten, Wildschweine und die Arroganz der Macht

Veröffentlicht in Besondere Läufe bei Februar 28, 2008 von blacksensei

Vorwort: In meinem ehemaligen Weblog führte ich eine Rubrik der „Besonderen Läufe“, welche bis dato keinen Eingang in meinen aktuellen findet. Der heutige Lauf war für mich außergewöhnlich, so daß ich die Kategorie wieder aufleben lasse, freilich ohne die einstigen Berichte.

Sonnenschein. Blauer Himmel. 09 C°. Startzeit 09:58 Uhr. Ein schöner Morgen mit mäßigem, aber angenehmen Wind, der mein treuer Begleiter werden sollte. Nach 400 Meter kam mir ein Wagen der Müllabfuhr auf dem Fußweg entgegen. Als ich dessen Höhe erreichte, fuhr er plötzlich den Greifarm aus und blockierte den Weg komplett – wer rechnet mit so einer Rücksichtslosigkeit? Ich habe auf eine Diskussion verzichtet und lief weiter. Und genoß mit allen Sinnen den Frühling, welcher seine Macht immer mehr entfaltet.

Auf dem Damm angekommen, mitten in allerschönster Natur, fühlte ich mich einfach glücklich. Ich beobachtete die vielen Enten, Wildgänse und Schwäne. Leider wirkte der gestrige Tag nach – die Ruhe der Natur wich negativen Gedanken. In meinem Artikel „Hoffnung treibt das Schiff der Narren“ habe ich bereits erwähnt, daß mein Laufareal in seinem Fortbestehen bedroht ist. Aus diesem Grund besuchte ich gestern die Stadtverordnetenversammlung im Rathaus, die das Thema auf der Tagesordnung hatte. Der erste Schock für mich, stellte sich in einem Gespräch heraus, welches ich am Eingang mit anhören durfte. Wie abwertend und abfällig die Stadtverordneten über ihre Mitbürger redeten, war unerträglich. Dazu ein blasiertes und arrogantes Auftreten der Politiker – widerwärtig! Später durfte ich erfahren, daß im besagten Naturschutzgebiet weder Enten noch Wildgänse existieren. Ich war begeistert von dieser Fachkompetenz, die mich jedoch irritierte, denn was sehe ich nur täglich auf dem Damm? Ende Januar konnte ich die Geisterwildgänse sogar photographieren (unter Photos) – erstaunlich.

Wie auch immer, ich erlebte ein Musterbeispiel, wie schief es bereits an der Basis in diesem Staat läuft, an höhere Ebenen mag ich gar nicht erst denken. Demnächst werde ich die Naturschutz-Thematik eventuell ausführlich behandeln.

Ich ließ den Damm hinter mir und lief tiefer in den Wald, als ich ein Rascheln vernahm. Mein Kopf drehte sich nach links, ich erwartete wie so oft ein Reh zu erblicken, stattdessen erspähte ich zwei Wildschweine. Es dauerte einen Moment, bis ich diesen Anblick realisierte, denn mein letzter Wildschweinkontakt fand am 03.11.2000 in der Dunkelheit statt. In einer derart kurzen Entfernung, im schönsten Sonnenschein hätte ich nie damit gerechnet. Vor allem ihre Größe beeindruckte mich, riesengroß und vor Kraft strotzend. Ich verlangsamte meinen Lauf und hielt fast an – ca. acht Meter von mir entfernt, überquerten sie den Weg und verschwanden im Wald. Sie haben sich nicht für mich interessiert, ein Glück! Ich lief weiter, meine große Waldrunde, als es erneut raschelte. Nun rechts von mir. Und schon wieder begleiteten mich die beiden Schwarzkittel. Diesmal änderte ich meine Route und bog nach links ab, hoffentlich sind sie nicht auf die Straße gelaufen. Ich bin fasziniert von dieser Begegnung, bei Tageslicht so imposante und mächtige Waldbewohner zu treffen, deren Spuren seit Jahren offensichtlich sind. Dieses Ereignis werde ich nie vergessen.

Der Rückweg verlief mehr oder weniger problemlos. Abschließend bleibt zu erwähnen, daß es sich um einen wunderschönen Naturlauf handelte, der meine negativen Gedanken letztendlich in positive wandelte. 14 besondere Kilometer im Zeichen der Schwarzkittel.