Archiv nach Kategorie "Architektur"

Die Wiege der Mark

Veröffentlicht in Architektur, Kultur am 29. April 2009 von Marcus

Folgender Artikel beschäftigt sich mit meiner Heimatstadt – Brandenburg an der Havel – jener Ort, der im lokalen Zentrum meiner Laufaktivitäten steht. Eine Thematik, die viel zu sehr in den Hintergrund rückt, nicht auf meine Seite bezogen – nein – generell im Leben. Wie oft setzt man sich schon bewußt mit seiner Heimatstadt auseinander? Nach dem Auftakt im vergangenen Jahr setze ich nun meine lose Reihe fort. Ich liebe zwar die Genealogie, doch die Wurzeln meiner Familie liegen nicht in Brandenburg, ergo kann meine Geburtsstadt im exponierten Interesse nur verlieren. Ich formuliere keine imposante geschichtliche Abhandlung oder gar eine kulturhistorische Lobpreisung; ich publiziere nur vier ausgewählte Aufnahmen meiner letzten Radtour, die allenfalls den Hauch eines Eindruckes vermitteln können. Ich skizziere meine Stadt durch ein Fenster, welches zudem in der Sicht vom Nebel getrübt ist.

Brandenburg an der Havel – die Wiege der Mark – ist eine kreisfreie Stadt, dominiert von viel Wasser in Form von Seen und Flüssen und zugleich die älteste Stadt im Land. Wahrscheinlich um 948 auf der Basis einer Burg gegründet. Die Geschichte ist vielfältig und soll hier nicht weiter von Bedeutung sein. Berühmte Kinder dieser Stadt gibt es derer viele, beispielsweise Friedrich Heinrich Karl Baron de la Motte-Fouqué, Bernhard Vicco Christoph Carl von Bülow – prominent als „Loriot“ und Kurt von Schleicher (Reichskanzler und General). Unbedingt erwähnenswert ist auch Johann Friedrich Andreas Bollmann, genannt Fritze Bollmann – wenngleich er kein Kind dieser Stadt ist – der unfreiwillig zur Spottfigur avancierte und mit einem fragwürdigen Lied geehrt wurde.

Ein besonderes Wahrzeichen der Stadt besteht in der europaweit einzigartigen Sumpfzypressenallee am Grillendamm – diese Pflanzenart kommt aktuell nur noch in Nordamerika vor. Als eine der signifikanten Hauptsehenswürdigkeiten muß man den Brandenburger Dom „St. Peter und Paul“ bezeichnen. In ihm wird die originale Gründungsurkunde von Berlin aufbewahrt. Diverse Städte – wie einst auch das Dörfchen Berlin – bekamen das Stadtrecht von Brandenburg an der Havel verliehen. Im Dom selbst existiert noch eine der seltenen Wagnerorgeln, die zudem noch funktioniert.

Dom „St. Peter und Paul“

Direkt anschließend ist hier die Ritterakademie zu erkennen, 1704 gestiftet. Größte Bedeutung erhielt sie, als König Friedrich Wilhelm I. seinen Erlaß verfügte, daß jeder, der eine Tätigkeit im preußischen Staatsdienst ausüben wollte, eine solche Institution für mindestens zwei Jahre besucht haben mußte. Auch ihre historische Entwicklung ist mannigfaltig, würde jedoch en détail den Rahmen sprengen. Stellvertretend mögen folgende Absolventen genügen: Karl Abraham Freiherr von Zedlitz (preußischer Minister), Friedrich von Schuckmann (Innenminister und Mitglied des Preußischen Staatsrates) und Otto Graf Lambsdorff.

Ritterakademie

Abschließend ein Photo der ehemaligen Mühlenwerke, die mittlerweile zu Wohnungen umgebaut wurden, freilich in idyllischer Lage. Sowie ein Bild vom Havelschlößchen, dereinst partiell als Gasthaus genutzt. Gleichwohl die Natur in meiner Heimatstadt oft und stark mit Engagement bekämpft wird, lohnt sich ein Ausflug allemal. Sehenswürdigkeiten in Kombination mit schöner Natur finden sich allenthalben. Die nächsten 1000 Jahre mögen getrost hereinbrechen – vielleicht sogar mal 100 Jahre ohne Krieg?

Mühlenwerke & Havelschlößchen

Zeitreise in die Spätgotik

Veröffentlicht in Architektur, Kultur am 10. Juli 2008 von Marcus

Bisher habe ich stets Landschaftsaufnahmen präferiert – ohne Menschen oder Bauwerke – nur die pure Natur, was auch meiner Laufphilosophie entspricht. Hin und wieder sollte man den Blick heben, um sich auf neue, vielleicht gegensätzliche Dinge zu konzentrieren. Ich bin zwar kein Kirchenfreund, dieses Bild halte ich dennoch für gelungen. Das Photo läßt sich natürlich anklicken und damit vergrößern.

Der Grundbau entstand um 1240 – die auf dem Photo zu erkennende Version stammt aus dem Jahr 1411. Ein paar Details: einschiffiger Hallenbau, spätgotischer Stil. Der Turm kam 1460 dazu. Die Nutzung ging von einem Kloster, über ein Hospital bis zu einer Bierbrauerei. Jedoch wurde 1865 das letzte Klostergebäude entfernt. Ein Jahr später wurde ein neues Gebäude angeschlossen, welches ein Gymnasium beherbergte. Im zweiten Weltkrieg wurde das Bauwerk zur Ruine gebombt, zwei Lehrer und ein Schüler fanden den Tod. Die berühmte Franziskanerbibliothek wurde von den Polen als Kriegsbeute nach Krakau verschleppt. Entsprechend dem Völkerrecht ist Polen zur Rückgabe verpflichtet, aber grau ist alle Theorie.

Bevor ich mich mit fremden Federn schmücke, sei erwähnt, daß ausnahmsweise nicht ich für die Entstehung des Photos verantwortlich zeichne, sondern meine Nichte. Allerdings, wer könnte ein Franziskanerkloster besser in Szene setzen, als eine Frau, die den Namen Franziska trägt? Gell, Franzi? :D