In der Nähe meiner Laufstrecke wohnt am Waldrand eine entfernte Bekannte. Sie hat zwei Kinder, ein Mädchen um die 12 Jahre und einen Jungen, vielleicht sieben Jahre alt. Am Montag führten beide ihren Hund aus; ich traf sie am Anfang des Dammes. Als ich sie vor mir spazieren sah, ohne ältere Personen, fand ich das ein wenig bedenklich. Sicher, es ist ihr Revier und sie kennen dort wohl jeden Stein. Allerdings liegt der Eintritt zum Damm mitten im Wald, den man vorher entsprechend durchqueren muß. Auch sonst ist die Gegend eher abgelegen. Zumal ich schon die seltsamsten Gestalten in dem Areal gesehen habe, von aggressiven freilaufenden Hunden und Wildschweinen gar nicht zu reden.
Ich grüßte sie und lief zum Ende des Dammes, meinem Wendepunkt. Bevor ich selbigen erreichte, kamen mir drei männliche Personen entgegen. Vorsichtig formuliert, sahen sie nicht sonderlich vertrauenswürdig aus. Ich weiß, Vorurteile. Wahrscheinlich ist man auch übersensibilisiert, auf Grund der Medien. Ich kehrte um, überholte erst die Männer und traf später erneut auf die Kinder, welche ihre Richtung beibehielten. Eigentlich wollte ich nun den Rückweg einschlagen, entschied mich jedoch zwei weitere Kilometer zu laufen, um alle Personen zu beobachten. Um dieses Vorhaben auszuführen, mußte ich über die Mittelwiese laufen, eigentlich ein Bruch meiner Überzeugung, da die Gräser ca. 130 cm hoch sind und der Weg somit komplett zugewachsen ist. Glücklicherweise erwischte mich keine Zecke. Und auch meine bösen Gedanken wurden nicht bestätigt. Die Kinder wurden ohne Probleme vorbeigelassen und als ich sie das dritte Mal traf, fragte mich der Junge, wie viel Kilometer ich eigentlich laufe.
Meine Besorgnis, auch resultierend aus einem extrem schlechten Menschenbild, wurde also nicht bestätigt. Vollkommen absurd waren meine Gedanken jedenfalls nicht, da am 07.09.2005 eine Vergewaltigerkreatur ausgebrochen war und in meinem Laufgebiet entsprechend viele Polizeiposten stationiert wurden. Das Gefühl zu wissen, daß nichts passiert ist, war sehr beruhigend und ich konnte unbekümmert den Heimweg antreten. Lieber einmal zu oft genau hinsehen, als einmal zu wenig. Und die paar Kilometer mehr haben auch nicht weh getan. Ein schöner Lauf.


