Archiv nach Kategorie "Allgemein"

Übertriebene Besorgnis?

Veröffentlicht in Allgemein bei Juli 23, 2008 von blacksensei

In der Nähe meiner Laufstrecke wohnt am Waldrand eine entfernte Bekannte. Sie hat zwei Kinder, ein Mädchen um die 12 Jahre und einen Jungen, vielleicht sieben Jahre alt. Am Montag führten beide ihren Hund aus; ich traf sie am Anfang des Dammes. Als ich sie vor mir spazieren sah, ohne ältere Personen, fand ich das ein wenig bedenklich. Sicher, es ist ihr Revier und sie kennen dort wohl jeden Stein. Allerdings liegt der Eintritt zum Damm mitten im Wald, den man vorher entsprechend durchqueren muß. Auch sonst ist die Gegend eher abgelegen. Zumal ich schon die seltsamsten Gestalten in dem Areal gesehen habe, von aggressiven freilaufenden Hunden und Wildschweinen gar nicht zu reden.

Ich grüßte sie und lief zum Ende des Dammes, meinem Wendepunkt. Bevor ich selbigen erreichte, kamen mir drei männliche Personen entgegen. Vorsichtig formuliert, sahen sie nicht sonderlich vertrauenswürdig aus. Ich weiß, Vorurteile. Wahrscheinlich ist man auch übersensibilisiert, auf Grund der Medien. Ich kehrte um, überholte erst die Männer und traf später erneut auf die Kinder, welche ihre Richtung beibehielten. Eigentlich wollte ich nun den Rückweg einschlagen, entschied mich jedoch zwei weitere Kilometer zu laufen, um alle Personen zu beobachten. Um dieses Vorhaben auszuführen, mußte ich über die Mittelwiese laufen, eigentlich ein Bruch meiner Überzeugung, da die Gräser ca. 130 cm hoch sind und der Weg somit komplett zugewachsen ist. Glücklicherweise erwischte mich keine Zecke. Und auch meine bösen Gedanken wurden nicht bestätigt. Die Kinder wurden ohne Probleme vorbeigelassen und als ich sie das dritte Mal traf, fragte mich der Junge, wie viel Kilometer ich eigentlich laufe.

Meine Besorgnis, auch resultierend aus einem extrem schlechten Menschenbild, wurde also nicht bestätigt. Vollkommen absurd waren meine Gedanken jedenfalls nicht, da am 07.09.2005 eine Vergewaltigerkreatur ausgebrochen war und in meinem Laufgebiet entsprechend viele Polizeiposten stationiert wurden. Das Gefühl zu wissen, daß nichts passiert ist, war sehr beruhigend und ich konnte unbekümmert den Heimweg antreten. Lieber einmal zu oft genau hinsehen, als einmal zu wenig. Und die paar Kilometer mehr haben auch nicht weh getan. Ein schöner Lauf.

Im Wandel der Zeit

Veröffentlicht in Allgemein bei Juni 26, 2008 von blacksensei

Zu Beginn meiner Laufzeit lief ich nicht im Naturschutzgebiet, sondern meistens an einem Kanal entlang. Damals bin ich selten von dieser Laufstrecke abgewichen. Diese Strecke war höchst reizvoll, direkt am Ufer des Kanals bildeten große Bäume eine endlose Reihe. Baum an Baum, dazwischen Büsche. Der Weg indes, bestand aus losem Sand, bei Trockenheit kam man mit dem Fahrrad schwer durch, aus Läufersicht jedoch nicht weiter problematisch. Auf der anderen Seite des Weges säumten ebenfalls Bäume und Büsche den Pfad. In der grünen Jahreszeit war meine Laufstrecke einfach nur phantastisch, Alleeartig, gänzlich von einem Blätterdach überdacht. Ein Traum.

Ich lebe in einer Stadt, in der ausgewiesene Naturfeinde in der Stadtregierung sitzen. Vorrangiges Ziel, so erscheint es mir, auch durch viele fragwürdige Taten bewiesen, liegt in der Vernichtung der Natur wo es nur geht und sei es noch so sinnlos. Obwohl, die Zerstörung der Natur kann grundsätzlich nie sinnvoll sein. Ich untertreibe maßlos, hier geht es nicht um Personen, die mal hier und da einen Baum abholzen lassen, nein, hier agieren die Meister ihres Faches. Später wurde diese Zerstörungskunst auch auf meine Kanalstrecke angewandt. Der Kanal wurde ausgebaut, vertieft und im Zuge dieses Wahnsinns wurden sämtliche Gewächse in Kanalnähe vernichtet. Weiterhin wurde ein neuer Weg angelegt. Am Montag lief ich zum ersten Mal in diesem Jahr auf meiner ehemaligen Strecke, die ich seitdem nur noch selten frequentiere. Ich erinnerte mich an meine einstigen Läufe, das damalige Aussehen vor meinen Augen – die Realität ausgeblendet. Und heute? Ein trostloser Anblick – dafür gerade, ordentlich und steril. Ohne Leben. Was für eine Entwicklung. Traurig.

Ich kenne viele Beispiele im Land Brandenburg. Historisch betrachtet, eine Ironie der Geschichte. Manche Orte, Gebäude, uralte Bäume oder Ähnliches haben zwei Weltkriege und zwei Diktaturen ohne Schaden überstanden, um heute für ein paar Papierscheine mit bunten Bildern, die in falschen Taschen wanderten, vernichtet zu werden. Was menschliche Zerstörungslust, Soldaten und Bomben nicht schafften, wird heutzutage umso bereitwilliger vernichtet. Ich gebe zu, dafür fehlt mir jegliches Verständnis. Wie dem auch sei, das Wissen, daß sich die Natur von uns Menschen erholen wird, wenn wir uns irgendwann selbst ausrotten, beruhigt mich ein wenig.

Meine Laufstrecke habe ich verlegt, in ein weiteres wunderbares Areal. Nur, was nutzt das, wenn besagte Meister auch dort ihr Unwesen treiben? Wer meine Beiträge verfolgt, der weiß, daß auch dieses Gebiet sehr engagiert bekämpft wird und zwar in einer Art und Weise, die mir die Sprache verschlägt. Deprimierend. Die verantwortlichen Menschen hier lernen es nicht – oder wollen es nicht lernen. Blind für die eigenen Fehler, mit dem Ziel nichts daraus zu lernen. Diesen Wesenszug kann ich den Verantwortlichen jedoch nicht vorwerfen, da er zutiefst in unserer Natur verankert ist. Nicht im Einzelnen, auf die Gesamtheit bezogen. Oder mit den Worten von Werner Mitsch formuliert: „Früher hatten die Menschen Angst vor der Zukunft. – Heute muß die Zukunft Angst vor den Menschen haben.“ Wie wahr. Mittelfristig werde ich dieser naturfeindlichen Stadt den Rücken kehren, wenn auch diese Thematik nicht den Hauptgrund ausmacht, jedoch ein nicht unerhebliches Puzzlestück des Mosaiks darstellt.

Hitze und Fallensteller

Veröffentlicht in Allgemein bei Juni 1, 2008 von blacksensei

Nun ist er also da, der lang erwartete Sommer. Man könnte annehmen, wenn man täglich als Läufer unterwegs ist, daß einem die Jahreszeiten mit ihren unterschiedlichen Temperaturen nicht mehr viel ausmachen. Der Prozeß der Anpassung mag zwar schneller vonstatten gehen, ist aber dennoch nötig. Ich war zwar stets ein Kältefreund und auch wenn sich das mittlerweile abgeschwächt hat, ziehe ich mir die kühlere Witterung vor. Derzeit bin ich ziemlich langsam unterwegs, noch bin ich nicht an diese Temperaturen gewöhnt – das Laufen ist durchaus anstrengend. Und der Spaß ist ebenfalls ein wenig abgängig.

Die Hauptursache, welche mir die Freude raubt, ist mein gestriges Erlebnis. Auf dem Rückweg blieb ich mit meinem Hals in Angelsehne hängen, von einem Baum abfallend über den Damm gespannt. Dank der langsamen Geschwindigkeit ist nichts passiert, obwohl der Druck nicht unerheblich war. In der Regel konzentriere ich mich während meiner Läufe auf mich selbst, hänge meinen Gedanken nach und genieße die Natur. Für die nächste Zeit hat diese Begebenheit die übliche Sorglosigkeit, also ein unbeschwertes Laufen ins Wanken gebracht. Stattdessen bin ich nun angespannt und wachsam, um ein erneutes Erlebnis dieser Art zu vermeiden. Ich weiß nicht, wie es dazu kommen konnte – aus Versehen oder Absicht, aber eines ist sicher – sollte ich je auf die Person treffen, die dafür verantwortlich ist, wird es extrem ungemütlich. Nicht auszudenken, was hätte passieren können.

Die Natur stirbt

Veröffentlicht in Allgemein bei Mai 6, 2008 von blacksensei

Regulär schreibe ich meine Artikel in einem zufriedenen und ruhigen Gemütszustand. Dieser Beitrag entsteht in einem Zustand voller Wut. Ich könnte im Kreis springen.

Grundgesetz, Artikel 5, Absatz 1: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten“.

Märchen liebte ich als Kind; ich bin Realist genug, um diesen Artikel für eine Illusion zu halten. Daher verzichte ich in diesem Beitrag auf erklärende Hintergründe, Details, eigene Erfahrungen, Namen, Adressen und tiefer gehendes Wissen. Schließlich bin ich kein Krösus, der es sich leisten kann, gegen Anwälte zu prozessieren. Es folgt ein kleiner Laufbericht der anderen Art.

Direkt neben einem Naturschutzgebiet wurde hier eine Riesenindustrieanlage hochgezogen. Heute früh gegen 08:30 Uhr nahmen die Sirenen der Feuerwehr kein Ende. Am Himmel dutzende Meter hoher Rauchwolken, dazu Explosionen. Der Grund war für mich nicht sonderlich überraschend. Soeben führte ich meinen täglichen Lauf durch, natürlich in das Hochwasserschutzgebiet, mit perfektem Blick auf die Industrieanlage, selbst jetzt steigen noch riesige Rauchwolken in den Himmel. Zuerst fiel mir auf, was ich nicht sah, nämlich: keine Wildgänse, keine Biber, keine Enten, keine Fischreiher, keine Schwäne, keinen Bussard, keine Rehe, keinen Fasan – ich sah überhaupt nicht ein Tier. Dafür war das Naturschutzgebiet fein in einer Rauchwolke eingehüllt. Ich lief durch beißenden Rauch und Gestank, der mir die Tränen in die Augen trieb. Da ich mich vor dem Lauf im Internet über dieses Ereignis informierte, bin ich glücklich zu wissen, daß dieser beißende Qualm nicht gesundheitsschädlich ist (Ironie).

Dieser Lauf geht als einer der schlimmsten in meine Statistik ein. Mit dem heutigen Tage wurde eine ganze Packung Sargnägel gegen die Natur verarbeitet. Das Naturschutzgebiet stirbt langsam, in meiner Erinnerung jedoch nicht. Wir Menschen sind krank, für mit Zahlen bedrucktes Papier vernichten wir Leben. Das macht mich wütend. Kranke Welt!

Jede Tageszeitung ist von der ersten Zeile bis zur letzten ein einziges Gewebe von Greueln, Kriegen, Verbrechen, Diebstählen, Unzucht, Folter, Verbrechen der Fürsten, Verbrechen der Nationen, Verbrechen der Privaten, ein allgemeiner Rausch von Gräßlichkeit. Und dieses ekelerregende Aperitif nimmt der zivilisierte Mensch täglich des Morgens zu seiner Mahlzeit ein.

Charles Baudelaire

Negative Marktbereinigung

Veröffentlicht in Allgemein bei Februar 7, 2008 von blacksensei

Ich habe Beiträge zu den unterschiedlichsten Gedanken in meinem Weblog veröffentlicht, nur das naheliegendste überhaupt habe ich bis dato nicht thematisiert. Aus diesem Grund beschäftige ich mich heute mit den wichtigsten Utensilien eines Läufers: den Schuhen.

In den ersten Laufjahren zählte ich zu den Verfechtern von teuren Schuhen, auch der Markenname und das Aussehen war für mich von Bedeutung. So wie sich mein Laufen entwickelt hat – vom unregelmäßigen zum täglichem – änderte sich auch meine Einstellung in bezug auf Schuhe. Heute denke ich sehr minimalistisch. Ich benötige keine Laufschuhe für 300 EURO mit DVD-Player-Anschluß und sonstigem Schnickschnack. Zumal Summen in diesen oder ähnlichen Höhen unangemessen wären, da meine Schuhe nur rund drei Monate halten – anschließend müssen sie für Regenläufe herhalten. Auch das Aussehen interessiert mich nicht. Vor kurzem habe ich zwei Paar entsorgt, so daß ich derzeit nur über drei Paar Laufschuhe verfüge. Ich begab mich in mein Schuhgeschäft, um erneut den von mir favorisierten Schuhtyp zu erstehen, mittlerweile das siebte oder achte Mal in Folge.

Ich freute mich ihn sofort zu entdecken – jedoch, die Größe stimmte nicht. Eine sehr freundliche Dame bemühte sogleich den Computer, leider stellte sie fest, daß meine Schuhe nicht mehr gelistet sind, augenscheinlich ein Auslaufmodell. Immerhin startete sie eine deutschlandweite Suche und wurde tatsächlich fündig. In einigen Filialen im südlicheren Teil unseres Landes fand sie die gesuchten Exemplare und in einem Geschäft sogar zweimal. Ich habe natürlich beide bestellt und erwäge derzeit, weitere zu kaufen. Denn für mich sind diese Schuhe perfekt und selbst größere Distanzen kann ich damit zurücklegen, ohne daß ich sie erst einlaufen müßte.

Aber wie so das ist, wenn man sich an ein Produkt gewöhnt hat, verschwindet es vom Markt – unschön.