Der Reiz der Begegnungen

Vor wenigen Tagen fand in Berlin ein bedeutendes Ereignis statt. Nein, ich spreche natürlich nicht von diesem fragwürdigen klerikalen Theater, sondern von der seltenen Begegnung zwischen zwei Täglichläufern. Schließlich ist der wildlebende Täglichläufer ein sehr scheuer Geselle. Hierbei handelte es sich um die Täglichläuferin Kornelia und freilich – um meine Wenigkeit. Da ich Wettkampfveranstaltungen grundsätzlich ablehne, entziehe ich mir durchaus auch ein wenig die Basis für etwaiger Treffen. Dementsprechend der seltene Charakter besagter Begegnungen. Nichtsdestoweniger fand erneut ein denkwürdiger Moment statt, einmal mehr in der Hauptstadt. Der bis dato virtuell gepflegt sympathisch herzliche Kontakt wurde beim Annektieren selbiger Virtualität mit anschließendem Aufleben der Realität par excellence bestätigt.

Unser interessantes Gespräch ließ die Zeit viel zu rasant vergehen und genau das definiere ich wiederholt zum elementaren Kritikpunkt. Soeben erst getroffen, tief eingetaucht in den spannenden Dialog des Lebens wurde nahezu ohne Besinnen jener Augenblick von der allgewaltigen Vergangenheit absorbiert. Liebe Kornelia, es war schön Dich kennenzulernen – ich habe mich sehr gefreut. Meine Galerie der Begegnungen habe ich entsprechend aktualisiert.

Zuvor erlebte ich eine historisch tragende Begegnung. Und zwar lernte ich Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen kennen, seit 1871 allenthalben bekannt als Fürst von Bismarck – wie folgendes Photo explizit verdeutlicht. Unsere Diskussion fand in einem weltgeschichtlichen Kontext statt, selbstredend auf den Norddeutschen Bund bezogen und das Deutsche Reich betreffend. Leider wurde auch die aktuelle höchst inkompetente Politik der heutigen Zeit tangiert, ob dieser Thematik brach der gute Bismarck schluchzend in Tränen aus. Der würdige Galaempfang mit obligat militärischen Ehren fand in einem preußischen Traditionsrestaurant statt, welches ich als preußischer Täglichläufer nur zu gern empfehle. Die dargebotene Originalität bleibt unerreicht. Und ja, eine Frage bleibt selbstverständlich offen. Selbige stellte ich dem edlen Bismarck bei der Verabschiedung: „Laufe ER denn auch täglich???“. Seine Antwort? Demnächst hier zu erfahren. Vielleicht.

37 Antworten zu “Der Reiz der Begegnungen”

  1. Hey Marcus, die Treffen sind eine coole Sache! Das Bismarkfoto ist richtig geil! Du hättest dazu Marschmusik hochladen müssen, als mp3 File. :mrgreen:

    Keep on STREAKrunning du preußischer Täglichläufer! ^^

    MfG

  2. Eigentlich sollte beim Aufrufen meiner Seite automatisch der Radetzky-Marsch gespielt werden. ;)

    Mit preußischen Grüßen,

    Marcus

  3. ps: Falls ich mal in deiner Gegend bin melde ich mich. Hab ich deine Erlaubnis? Ich will auch in deine Ehrengalerie rein! :mrgreen:

    Super WE!

  4. Gerne doch. Hiermit erteile ich Dir den bevorzugten Wartestatus. :D

  5. Hallo Marcus,
    ich fand es sehr schönen, den scheuen Täglichläufer einmal life und in Farbe hautnah kennenlernen zu können. Der intensive Austausch mit Dir hat mir große Freude bereitet und die vielen Eindrücke werden sicher noch lange in mir weilen. Durch die recht kurze Zeit des realen Zusammenseins hat die Virtualität einen ganz neuen Rahmen bekommen.
    Dein Treffen mit dem Otto Leopold von Bismarck-Schönhausen liest sich aber auch ziemlich interessant und spannend.
    Liebe Grüße
    Kornelia

    • Live und in Farbe? Marcus bevorzugt doch nur schwarz! *grins*
      Nein – im Ernst: Ich freue mich riesig für euch beide, daß ihr euch nun auch im realen Leben kennengelernt habt. Es ist kein Vergleich zum Kennen in der virtuellen Welt. Ich kann mir vorstellen – nein ich weiß, daß ihr diese Begegnung genossen habt.
      Ganz herzliche Grüße
      Petra

      • Nur beim Täglichlaufen, liebe Petra und auch da nicht immer. An besonderen Tagen im Jahr werfe ich mich in meine weiße Bekleidung. ;)

        In der Tat, so eine reale Begegnung ist einfach nur herrlich. Nur die Zeit, die Zeit…

  6. Ja, die wildlebenden Täglichläufer sind sehr scheue wie possierliche Gesellen, die die Einsamkeit wertschätzen und die Zivilisation meiden – und manche von ihnen sind gar nachtaktiv.

    Solche Treffen sind immer seltene Momente, die ich sehr schätze. Nur verging die Zeit leider viel zu schnell (dabei war mir das gar nicht bewußt); ich vermute, wir hätten noch viel zu erzählen gehabt. Meinst Du nicht auch?

    Das Treffen mit Bismarck war höchst zackiger Natur. ;)

    • Ja, so schnell hätten wir kein Ende unserer Erzählerei gefunden, wäre da nicht das leidige Thema der Zeit dazwischen gekommen.
      Ich mag und schätze solche Zusammenkünfte doch auch sehr. Sie sind leider viel zu selten. Aber wer weiß, vielleicht, ach was, ganz bestimmt werden sich unsere Wege noch einmal kreuzen! Wenn wir das Ganze dann noch mit einem kleinen gemeinsamen Lauf garnieren, wird es uns sicher mindestens genauso viel Freude bereiten! Und bis dahin bleiben uns die schönen Erinnerungen und eben dieses Medium hier. ;)

      • Wie alle Dinge im Leben, die selten vorkommen – werden sie entsprechend wertgeschätzt. Nichts anderes ist unser Täglichlaufen. Ein gemeinsamer Lauf wäre mit Sicherheit sehr interessant. Schaun mer ma, was das Leben so bieten wird. Harren wir der Dinge und lassen uns überraschen. ;)

  7. Glückwunsch Euch Beiden (Kornelia und Dir) zu einer sehr schönen Begegnung, lieber Marcus. Bismark in der heutigen Politik wäre ein interessantes Experiment. Ich befürchte allerdings, auch er würde sicher sehr alt aussehen.
    Ich wünsche Dir ein wunderschönes September-Wochenende, das letzte in diesem Jahr. Der Oktober steht ja schon in den Startlöchern.
    Liebe Grüße
    Dietmar

  8. Wenn der reale Bismarck die heutige Politik erleben könnte – er würde aus dem Weinen nicht mehr herauskommen. In der Realpolitik sähe jeder alt aus, schlichtweg der Tatsache geschuldet, daß die Politik an sich wenig bis gar nichts zu melden hat.

    Der goldene Herbst macht seinem Namen alle Ehre. Auch Dir ein wunderbares Wochenende mit angenehmen Läufen. Als ich heute vom Laufen zurück kam, sah ich aus wie ein lebendes Spinnennetz.

  9. Kontakte in der Wirklichkeit sind natürlich reizvoll, da kann das Internet nicht mithalten. Ich würde es zweifellos als Ehre sehen, sie persönlich zu treffen. Mit ihrem Hintergrund als Täglich-Läufer gäbe es unendlich viel Gesprächsstoff.

    Herzlichst
    Richard

  10. Das Internet ist halt nur virtuell. Ohne Frage eine Bereicherung, aber letztendlich nicht wirklich. Die Realität ist das Leben. Das Thema Täglichlaufen bietet wahrhaftig mannigfaltigen Gesprächsstoff.

  11. Lieber Marcus,

    das hört sich wieder fast wie ein Treffen alter Freunde an. Es ist einfach schön, dass sich der persönliche Kontakt meist so freundschaftlich und verbunden abspielt.
    Lass den Preussen aber bei euch da oben, wir wollen unseren König zurück :-D

    Salut

  12. In der Tat, lieber Christian, die bisherigen Treffen haben diesen Eindruck immer vermittelt. Laufen verbindet eben.

    Hier oben lassen? Tz, wir haben in unserem strategischen Gespräch die südliche Expansion besprochen. König? Wilhelm I.? Oder den guten alten Kaiser Wilhelm? Oder doch den alten Fritz? Mei, die Auswahl ist gar groß. :D ;)

  13. Guten Abend :)
    Fürst von Bismarck sieht für sein Alter aber sehr gut aus. Die Zeit ging wohl spurlos an ihn vorüber :shock:

    Freu mich, dass du tolle Treffen hattest.

  14. Ja, die Treffen waren wirklich schön.

    Manche Menschen sind eben unsterblich:

    Nach Erwerb deutscher Kolonien in Südwestafrika ging das Gerücht umher, Bismarck wolle jene Gebiete besuchen. Er wurde gefragt, ob das auch stimmt, was man sich erzählt. Daß er demnächst nach Afrika will. “Natürlich!”, sprach der Kanzler “und zwar genau auf dem Kamel, welches diese Nachricht erfunden hat.”
    :D

  15. Hahahaha, das kenn ich gar nicht. Die Antwort ist aber echt genial. Preussisch eben *lach*

  16. Mei, i bin ja o a echt preußischer Bub. *lächelt*

  17. Wie recht du damit hast. Sogar das Lächeln ist wohl preussisch. :D

  18. Freilich. Zünftig preußisch – derweil ich meinen Kaiser-Wilhelm-Zwirbelbart zwirbele. :D

    http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/f7/Wilhelm_II_of_Germany.jpg

  19. LOL, na der würde noch fehlen…. :shock:

  20. Wenn er weg wäre, würde er mir fehlen. Ja. :shock:

  21. :D

    Noch ein kleines Zitat von unserem ehemaligen Fürsten: “Wenn man sagt, daß man einer Sache grundsätzlich zustimmt, so bedeutet es, daß man nicht die geringste Absicht hat, sie in der Praxis durchzuführen.”

  22. lol eure Kommentare sind köstlich! :mrgreen:

  23. Mein Reden, lieber Otto, mein Reden. ;)

  24. Ich habe ja auch schon viele interessante Menschen getroffen, aber Du schießt ja den Vogel ab. ;-)
    Alleine die Vorstellung, einen charismatischen und außergewöhnlichen Menschen aus der Zeitgeschichte einmal treffen zu können lässt die Gedanken kreisen.
    Ich hätte da viele Menschen mit denen ich gerne einmal ein Stündchen plaudern wollte. Die Geschichte hat das vieles anzubieten.
    Im Augenblick muss ich mich mit aktuellen Zeitgenossen begnügen, kann Dir aber versichern das es da auch viele gibt, die es lohnt zu kennen und zu schätzen!

  25. Ich kann Dir nur zustimmen. Ich würde auch einige Persönlichkeiten zu gerne treffen, aber leider ist das nicht möglich. Doch die Alternative – wie auf dem Photo zu sehen – ist auch reizvoll. Zuvor verkörperte er (der Chef des Hauses) übrigens Theodor Fontane – und das nicht minder eindrucksvoll wie Bismarck.

    Im Augenblick muss ich mich mit aktuellen Zeitgenossen begnügen, kann Dir aber versichern das es da auch viele gibt, die es lohnt zu kennen und zu schätzen! Das unterschreibe ich sofort. :)

  26. Der Reiz der Begegnngen lieber Marcus, mit dir bedeutet dies immer ein wunderbar unvergessliches Erlebnis.
    Da fällt mir ein, auch wir haben uns eigentlich schon viiiiel zu lange nicht mehr gesehen…….

    Naja, beim nächsten Jubiläum, 11 Jahre, 11 Monate, 11 Tage, 11 Stunden und 11 Sekunden….?

    Wer weiß…

    Ganz herzliche Grüße,
    Steffen

  27. Da fällt mir ein, auch wir haben uns eigentlich schon viiiiel zu lange nicht mehr gesehen…… Da hast Du Recht; echt schade, lieber Steffen.

    Aber vielleicht kriegen wir das vorher schon mal hin – also vor einem möglichen Jubiläum. Wer weiß, ob ich überhaupt noch ein Jubiläum begehen werde – bei der Fragilität.

    11 Jahre, 11 Monate, 11 Tage, 11 Stunden und 11 Sekunden

    Das hört sich grandios an – schaun mer ma, dann sehn ma scho, wie ma hier in Preußen sogn. ;)

  28. [...] sei. Ein trauriger Lauf. Mach es gut, mein Lieber! Zum Monatsabschluß kanalisierte sich der Reiz der Begegnungen in dem Treffen mit der Täglichläuferin Kornelia. Auch hier gilt, ein Jammer, wie schnell die Zeit [...]

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