Majestäten am Horizont

Während meiner täglichen Laufrunden beobachte ich naturgemäß die unterschiedlichsten Tiere. Manche sind klein und süß, andere groß und scheu, wiederum andere relativ zahm und edel. Das Spektrum der Variabilität ist mannigfaltig. Meine besondere Liebe gilt den Raubvögeln, die stolz und erhaben durch die Lüfte gleiten. Ihre Anmut und Grazie bleibt unerreicht. Majestätisch kreuzen sie am Horizont und beobachten ihre Welt mit scharfen Augen. Nahezu jeden Tag treffe ich auf Bussarde, Adler und Falken. In ihnen sehe ich ungezügelte Leidenschaft, romantische Kraft, den Ruf nach Freiheit und gefühlvolle Stärke. Ausgewählte Exemplare reagieren auf meine Anwesenheit nicht mit Flucht, sondern bleiben in einer geringen Distanz ruhig auf einem Ast sitzen und beobachten den schwarz gekleideten Läufer, der ihnen die Aufwartung macht. Permanentes Anreden und meine wiederholte Präsenz initiieren ein latentes Vertrauen, welches ich besonders zu schätzen weiß.

Das imposanteste Schauspiel überhaupt bot sich für mich im vergangenen November – als ein temporärer Schneeregen einsetzte, in dessen Entwicklung bedrohlich dunkle Wolken von Sol persönlich angestrahlt wurden und somit ein goldenes Wolkenband in der Ferne erzeugt wurde. Unmittelbar davor flog ein stolzer Bussard direkt in Richtung Sonne – ein erlauchter Anblick voller atemberaubender Schönheit und graziler Eleganz. Eine schöne Erinnerung. Die Schnee-Eule und der Weißkopfadler sollen stellvertretend jene wunderbaren Tiere symbolisieren. Wenngleich beide Arten in meinem Laufgebiet nicht heimisch sind.

Vielleicht stehen sie auch nur sinnbildlich für den Traum vieler Menschen sich in die Luft zu erheben und zu fliegen. Wer täte das nicht gern? Wie ein Adler durch den Himmel schweben, getragen vom leisen Sturm und die beschränkte, menschliche Perspektive hinter sich lassen und ja – einfach nur frei sein! Mentale Barrieren niederstrecken und die Weite genießen – auch die des Geistes. Unerfüllte Sehnsüchte.

2009_Juni_Schneeule
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26 Antworten zu “Majestäten am Horizont”

  1. Diese Bilder strahlen soviel Schönheit aus!

    Ja, es wäre schön wie ein Vogel frei durch die Lüfte zu fliegen. Das Leben und Treiben von oben zu beobachten und sich einfach nur frei fühlen. Diese Tierchen haben es schon sehr gut – vor allem solange sie in Freiheit leben.

    Ein wirklich wunderbarer Betrag von dir – aber das ist eh nichts neues :)

  2. Ja, diese Eleganz ist einmalig! Ich liebe Raubvögel! :)

    Tja, wirkliche Freiheit ist selten geworden. Das fängt hier schon damit an, daß vor einiger Zeit wieder Bleimunition erlaubt wurde. Daran verenden sehr viele Raubvögel. Tierschutz? Wen interessiert das.

    Aber ich konzentriere mich heute lieber auf die schönen Bilder.

  3. Lieber Marcus,

    durch Deine poetische Sprache und die metaphorische Beschreibung wirken die Vögel gleich noch einen Tick majestätischer und verehrungswürdiger als sie eh schon sind.
    Ich habe inzwischen einen riesigen Respekt vor den Raubvögeln und nicht nur aufgrund ihres Anblicks. Mein Kopf durfte bereits Bekanntschaft mit den Krallen eines Habichts machen und den Luftzug eines iriitierten Bussards spürte ich auch schon im Gesicht. Trotzdem sehe ich diese anmutig dahin gleitenden Tiere sehr gerne.

    Lass es Dir gut gehen

    Salut

    Christian

  4. Uff Christian – das ist aber nicht lustig. Ich hoffe er hat dich nicht verletzt?

  5. Danke für Eure Antworten! :)

    Christian, ich hoffe, Dir ist nichts passiert!? Wahrscheinlich bist Du ihnen zu Nahe gekommen, bezüglich Nachwuchs? Derlei habe ich noch nicht erlebt, sicher – eine direkte Begegnung auch schon, wie ein Raubvogel über meinen Kopf knapp hinweg flog. Aber ein Angriff kam noch nie vor.

    Paß auf Dich auf!

  6. Früher hatten wir ja Hühner, da war ich noch ganz klein. Ausgeblieben sind da nicht die Hühnerhabichte. Was glaubst wie schnell die im Stall waren, wenn Papa oder Mama riefen – Haaaabicht!

  7. *lacht* :D

    Da sieht man wieder, wie clever doch die Putzels sind. Ich kann nur hoffen, daß sich der Habicht nicht im Stall versteckte und HAABIIIIICHT rief. :D ;)

  8. Hahahaha, das gefällt mir. Nö ein Habicht hat die Hühner nicht gekillt – das war ich *duckundweg*

  9. Welche Eleganz und Schönheit!

  10. Brigitte, zumindest gegessen. ;) Habichte sind auch wunderschön. Aber ich mag sowieso alle – auch über Spatzen freue ich mich. Die Armen sind ja nicht selten eher ungern gesehen. Mir unverständlich.

    Gerd, sage ich ja!

  11. Moin Marcus,
    bei unserem lezten Kanada Urlaub haben wir auf Vancouver Island im Pacific Rim N.P. tolle Bilder vom Weisskopfseeadler gemacht. Haben sogar ein Horst mit drei kleinen gesehen. Ich versuche die Tage mal die Bilder rauszusuchen und werde sie dir per Mail schicken. Der obige Text ist mal wieder wunderschön auch wenn ich nicht viel Poste lese ch och täglich hier bei dir. Also nicht vergessen ” I watching you” ^^
    Bei uns ist alles soweit ok, nur das Finn in einer Tour dchschreit. Wir sind beide ziemlich am Ende was schlaf betrifft. Aber mit der Zeit merkt man erstmal was man doch alles aushalten kann. Ich bin da etwas härter im nehmen was noch meine BW Zeit betrifft. Da haben wir teilweise 48 Std. und länger auf Manöver nicht geschlafen. Aber Tanja geht schon ziemlich am Stock. ;-(
    Luke will jetzt verständlicherweise auch mehr aufmerksamkeit und ist zu hause ein ziemliches ekelpacket geworden. solange ich mit luke schwimmen oder im wald bin ist er das liebst kind aber zu hause gehts dann ab. er sorgt sich zwar um finn und nimmt ihm auch im arm usw. aber er will mehr mit mama machen was zur Zeit einfach nicht drin ist. Aber das wird sich auch einspielen. So das sollte es dann mit der kurzen Info sein. Mach weiter dein Ding und lebe das leben.

    Gruß
    Marco

  12. Hi Marco,

    danke für Deine ausführliche Antwort; ich habe mir schon gedacht, daß Ihr alle Hände voll zu tun habt!

    Auf die Bilder bin ich gespannt, ein Weißkopfseeadler ist ebenso wunderschön. Allein ihr stolzes Wesen, welches sie ausstrahlen – phantastisch! Big Marco is watching me, gell? ;)

    Das hättest Du Dir auch nicht träumen lassen, daß Deine BW Zeit einmal familiär förderlich sein wird. ;) Tja, so kann es gehen. Sicher ist das nur eine Frage der Zeit, bis Finn lieber schlafen als schreien will. Das hoffe ich für Euch! Und das Verhalten von Luke ist auch normal, er fühlt sich zurückgesetzt, weil die Aufmerksamkeit um Finn kreist. Aber wie Du schreibst Marco, das wird sich einspielen. Ihr seid eine tolle Familie und es kommen wieder leichtere Zeiten.

    Ich wünsche Euch von Herzen alles Gute, genießt die Zeit zusammen, auch wenn es anstrengend ist. Denn wenn Du es Dir jetzt vielleicht nicht vorstellen kannst, die Zeit rast und bald wirst Du sagen, „Ach, damals – das war schön!“. :)

  13. Hallo,

    nein, der Habicht hat mir damals (war vor 2 oder 3 Jahren) nur einen Scheitel gezogen mit einer Kralle. Nur ein kleiner Kratzer, allerdings war der Angriff schon ein Ding. Ich habe erst einen richtigen Schlag am Kopf verspürt, der kam von hinten angeflogen und als zweites sah ich dann den Habicht fast wieder senkrecht nach oben davon fliegen. Ich war erst total benommen, den Kratzer hat dann meine Frau zuhause entdeckt, ich hatte den gar nicht bemerkt. Laut einem Zeitungsbericht ein paar Tage später, war ich nicht der einzige der attackiert wurde, der Habicht hat wohl sein Nest verteidigt.

    Salut

  14. @Marco – ich wünsche euch alles alles Gute! Wird schon werden, denk ich mal. Kinder können wirklich richtige Ekelpakete sein. Ich sehs bei meinen Nachbarn. Da geht auch ab.

    @Christian, gut dass dir nicht wirklich was passiert ist. Aber einen Scheitel ziehen, ist auch nicht ohne. Aber ganz schön link der Kerle, wenn er dich da von hinten und total unverhofft angreift. Da sieht man wieder wie klug Tiere sind und ihren Nachwuchs verteidigen. Wenn nur alle Menschen so wären!

  15. Raubvögel…ich finde sie einmalig, klasse und wunderschön….in Freiheit! Maximal noch in einer Falknerei, wo sie fliegen dürfen. Ich bekomm das heulen wenn ich sie eingepfercht in winzigen Käfigen in irgendwelchen Zoos oder Wildparks sehe. Es gibt hier einen Park in der Nähe, der wird von mir boykottiert. 6-7 Milane in einem ca. 5m hohen Käfig und max. 20m im Durchmesser. Einfach grauenhaft. Das hat mit Tierschutz usw. nichts mehr zu tun.

    Wenn das Wetter endlich mal wieder mitspielt, werde ich mal wieder auf Bussard-Foto-Jagd gehen…oder Milane. Adler haben wir keine, Falken haben wir auch…Sperber habe ich noch nicht gesehen.

  16. Christian, da hast Du noch Glück gehabt! Vermutlich hätte er auch anders gekonnt. Du mußt seinem Nest aber sehr nah gekommen sein, wenn er derart forsch agierte.

    Deine Läufe sind relativ gefährlich: Zecken, Luftangriffe… ;)

    Allzeit sicheres Laufen!

    Brigitte, sie fühlen sich halt bedroht und tun das Ihrige. Eigentlich ein normales Verhalten. Aber meistens wissen sie genau, wer eine Bedrohung darstellt und wer nicht. Vielleicht war Christian unbewußt zu nah.

    Anett, die Bilder stammen nicht aus einem Zoo. Sie sind nicht eingepfercht und haben es durchaus gut in der Adlerwarte. Aber ich stimme Dir schon zu, Freiheit ist Freiheit.

    In freier Natur gelingen mir solche Aufnahmen nicht. Da spielt ja noch nicht einmal der Specht mit, bzw. wartet, bis ich ihn gefunden habe und just in der Sekunde, als ich auf den Auslöser drückte, verschwand der Schlingel. Die sind eher unkooperativ. ;)

  17. Marcus, ich wollte dich nicht kritisieren. Es gibt mit Sicherheit auch Zoos, die sich der artgerechten Haltuntung verschrieben haben. Nur sind diese halt selten. Ich geh eigentlich sehr gern in Zoos und Tierparks. Nur wenn es so ausschaut wie in beschriebenem Wildpark, die Vögel nicht mal ansatzweise fliegen können, dann möchte ich so etwas nicht unterstützen.

  18. Schau mal hier:

    http://www.youtube.com/watch?v=dZukWErjm7M

    Ein kleines Video vom WE indem ich und Luke unseren Damm im Wald vorstellen. Witzig das ganze.

    LG
    Marco

  19. Anett, ich habe das nicht als Kritik verstanden. Du hast ja eh Recht! Ich kenne hier auch ein Beispiel, in einem Park stehen mehrere Käfige mit eingesperrten Tieren (Vögel und Raubvögel). Ich sah das vor kurzem zum ersten Mal und habe mich auch sehr aufgeregt. Für mich das ist Tierquälerei.

    Marco, danke für Deine Dammimpression! ;) Ihr zieht das ja fast schon im großen Stil auf – meine waren früher immer viel kleiner.

    Wenn ich das so sehe, bekomme ich unheimlich Lust da mitzuspielen und beim Abdichten zu helfen. Hilft Malcolm auch? ;) Bald kannst Du Finn mitnehmen und Tanja sorgt für das Kulinarische.

  20. Und hier kannst ja mal schauen:

    http://www.youtube.com/watch?v=exAwAwVdf2g

    Auf der Abi Abschlußfeier am Freitag hat mein kleiner Bruder sein erstes komplettes Lied mit Text gesungen.

  21. Hallo Marcus,
    Deine Bilder sind tolll und auch Dein Bericht ist sehr schön.
    Ja, wie ein großer Vogel durch die Weite fliegen, alles mal von oben ansehen, dass wäre toll. Frage mich manchmal, ob der Mensch je auf die Idee gekommen wäre, selber fliegen zu wollen, wenn es keine Vögel gäbe. Wird wohl keiner beantworten können.
    Hier habe ich solche Tiere noch nicht gesehen. Nur Bussarde, die zur Jagd eingesetzt werden, habe ich mal von Nahem gesehen. Möchte jedoch nicht, von ihnen angegriffen werden!!
    Gruß
    Kornelia

  22. Marco, ich kann es nur immer wieder betonen, wie grandios ich es finde, wenn man künstlerisch begabt ist, wie Dein Bruder im musikalischen Sinn! Hast Du das Talent ebenfalls? Wenn ich dort ein Lied angestimmt hätte, wären die Gäste vermutlich geflüchtet. ;)

    Kornelia, von einem Raubvogel angegriffen zu werden, ist nicht sonderlich wahrscheinlich. Nur darf man ihnen nicht zu dicht auf den Pelz rücken.

    Eine interessanter Gedankengang, den niemand beantworten kann. Ich vermute, daß wir nicht auf diese Idee gekommen wären. Wer weiß, reine Spekulation!

  23. Raubvögel haben wirklich etwas majestätisches, erhabenes und elegantes. So wie du auch sehe ich sie gerne am Himmel umherziehen, habe aber immer ein mulmiges Gefühl, wenn sie beim Laufen in meiner Nähe sind.
    Einem Laufbekannten haben sie von hinten schon mal die Kappe gemopst… ;-)

    Das Vertrauen eines Vogels versuche ich derzeit auch zu gewinnen. Allerdings ist der 2-3 Nummern kleiner. Meine Tochter hat seit letztem Mittwoch einen Sittich – ein ganz süßes Kerlchen…

  24. Ich dachte immer, solche unangenehmen Raubvogelbegegnungen wären extrem selten. Aber dem ist wohl nicht so!? Jetzt gibt es in Deiner Gegend also einen Raubvogel mit Kappe? ;)

    Ein mulmiges Gefühl bekomme ich nur, wenn ich mal anhalten muß – im Wald und zwei Millionen Mücken mich angreifen. Der Sittich ist bestimmt sehr süß – das Vertrauen gewinnst Du schnell. Als Kind hatte ich auch mal einen.

  25. Schöne Bilder – traumhaft, wenn man solche Tiere sieht. Das vermisse ich derzeit. Da muss man sich damit begnügen, unterwegs im Bus die unterschiedlichsten Menschen anzuschauen. Allerdings stellen sie dann eher einen krassen Gegensatz zu den verschiedenen “Majestäten am Horizont” dar.

    Aber bald werde auch ich wieder tausende von Vögeln beobachten. Froh wird es mich machen.

  26. Wie wahr, dieser Gegensatz ist wirklich krass und nicht wirklich eine Alternative. Leider hat man nicht immer die Wahl. Immerhin geht es bei Dir wieder aufwärts – Deine Zeit wird bald kommen.

    Tausende? Welche meinst Du speziell? Möwen?

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