Magische Momente
Den menschlichen Organismus mit einem täglichen Lauf zu würdigen, skizziert nur mein körperliches Handeln. Die nicht sichtbare Philosophie dahinter ist diffiziler. Ich sehe mich als Naturläufer. Mich zieht es hinaus in die unendliche Weite der facettenreichen Natur, in die unergründlichen Wälder – Laufen bei jeder Witterung, zu jeder Tageszeit; den Elementen ausgesetzt sein – in den Horizont laufen. Fühlen. Ich genieße die Freiheit, die sich mir bietet; nicht selten habe ich das Gefühl, als ob ich dort zu Hause wäre. Im Einklang mit sich selbst und der Natur ist es für mich der Weg zur Ruhe.

Am Montag raschelte es im Wald, ich blieb stehen und sah in die großen Augen eines nur wenige Meter entfernten Rehs. Erst nachdem ich es anredete, verschwand das Reh langsam im Unterholz. Gestern durfte ich einen ca. 30 Zentimeter großen Schwarzspecht beobachten – ein prächtiges Tier, welches mich ungefähr eine Minute an seinem Leben teilhaben ließ. Jene magischen Momente sind es, die mein Täglichlaufen definieren. Willkommen in meiner Welt!


Die Menschen altern und wandeln zuletzt
als Greise gebückt, unkenntlich fast.
Doch Du, Natur, Du bleibst dieselbe
in gleicher Frische Jahr um Jahr.
Auf Deinem Antlitz ändert sich nichts.
Nicht Falten und Furchen lässest Du schau´n,
Allen Sterblichen ihrer Jugend, bleibst Du ein Bildnis.
Du und Erinnerung. Leiden im Prangen. Keine Schmach.
Schön bist Du so, wie Du es warst.
Seit zahllosen Tagen, wann längst ich zerfallen,
preist Dich ein andrer.
(Friedrich Hermann Frey)
13. Mai 2009 um 14:48
Halli hallo mein Poet
Ein wunderschöner Beitrag, mit wunderschönen Bildern und einem wunderschönem Gedicht von einem wunderschönen Menschen. Hehehe, ja ich hör eh schon wieder auf!
Danke wieder einmal, dass du mir Einblick in deine so geliebte Natur gibst! *knicksmacht*!
Ich erschrecke immer, wenn Rehe meinen Weg kreuzen, da sie immer unverhofft schnell auftauchen, aber ich erfreue ich an deren Anblick.
Hab ich dir eigentlich schon erzählt, dass mein Papa einmal ein Kitz mit nacht Hause gebracht hat? Er hätte es beim Wiese abmähen fast überfahren. Von der Mutter war weit und breit keine Spur. Aber ich kann mich nicht mehr erinnern, was aus dem Rehlein wurde… mal nachfragen.
13. Mai 2009 um 14:50
Danke meine liebe Brigitte!
*verneigt sich*
Ich kann das nicht wirklich beurteilen, ob Friedrich Hermann Frey so schön war.
Erneut ein Einblick in meine kleine Welt. Das Gedicht ist einfach nur grandios. Vor allem die letzten beiden Sätze sind herrlich und traurig.
Ja, ich kenne die Kitz-Geschichte. Was daraus wurde, würde mich auch interessieren! Ihr habt es sicher großgezogen oder in schützende Hände abgegeben – vermute ich. Rehe sind schon putzig, vor allem dann, wenn sie nicht flüchten, das sind tolle Momente. Immerhin sind es Fluchttiere.
13. Mai 2009 um 17:53
Ob der schön war, interessiert mich ned
13. Mai 2009 um 18:06
Brigitte, hier ist ein Photo von ihm:
http://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Greif
13. Mai 2009 um 14:54
Ja, Marcus, das sind wirklich „magische Momente“, wenn man förmlich mit der Natur verschmilzt, Teil von ihr wird und den Alltag Alltag sein lassen kann.
Das geniesse ich auch immer.
Ich wünsche dir noch viele dieser Momente.
13. Mai 2009 um 16:21
Das hast Du super formuliert, Stefan! So sehe ich das auch, irgendwie gehört man dann wieder dazu – auch wenn es nur so scheint. Ich wünsche Dir ebenfalls viele Momente dieser Art!
13. Mai 2009 um 16:32
Ja Marcus, das sind sie, die glücklichen oder auch magischen Momente, die einen weiter treiben, die einen wieder den selben Weg gehen lassen in der Hoffnung ähnliches wieder zu erleben. Ich finde es schön, dass es eine Möglichkeit gibt, der Natur so nah zu sein und dabei nicht zerstörerisch in sie einzugreifen. Wir Läufer sind schon privilegiert
Salut
Christian
13. Mai 2009 um 16:47
Exakt, Christian! Privilegiert könnte man es nennen. Vor allem erst einmal die Erkenntnis zu erringen; der Rest kommt automatisch.
Die meisten Läufer stehen der Natur näher als Otto-Normal-Nichtläufer und das ist gut so.
Ich bin täglich wieder aufs Neue gespannt, was werde ich heute erleben? Schaun mer ma, dann sehn ma scho – wie der Preuße sagt.
13. Mai 2009 um 17:06
Hi Marcus,
ich glaube auch, dass man als Läufer näher an der Natur ist, sich manchmal als Teil ihrer fühlt. Geht mir oft so. Ich erfreue mich derzeit täglich an der Vielzahl der Haubentaucher, Graugänse und auch Enten allesamt mit zahlreichen kleinen Küken. Am Montag waren sie bei bedecktem nicht so gemütlichem Wetter die einzigen Zeugen meines Laufes. Doch wenn ich mich mit Nichtläufern darüber unterhalte, ihnen meine Freude darüber mitteile, wird sie nicht geteilt. Vielmehr regen sich alle über die viel zu vielen Tiere und deren Kot auf. Wie weit sind diese Menschen nur von der Natur entfernt?
Ich liebe es, bei Wind und Wetter zu laufen. Wenn dicke Tropfen auf meiner Haut platschen und dann noch der Wind durch das Gesicht fegt, merke ich, ich lebe noch und genieße es. Jetzt genieße ich das saftige Grün, sogar blühende Rapsfelder und vieles mehr. Die Natur tagtäglich zu erleben ist nach stundenlangem Sitzen im Büro eine Wohltat für Leib und Seele.
13. Mai 2009 um 17:10
Kornelia, als Täglichläufer vermutlich noch ein Tick mehr. Durch die täglichen Naturbeobachtungen fallen uns Veränderungen noch eher auf. Meistens jedenfalls. Manche Dinge brechen nach einiger Zeit plötzlich über mich herein. Die meisten Läufer sind sensibler für ihre Umwelt. Obwohl das auch eine Frage der Zielstellung ist. Wer nach Zeiten giert und durch die Welt hetzt, dessen Wahrnehmung dürfte eher eingeschränkt sein.
Nachwuchs ist derzeit überall zu beobachten; ich könnte ständig stehen bleiben. Daß sich darüber jemand beschwert, kann ich nicht nachvollziehen – eine sehr bedenkliche Einstellung wie ich finde. Für mich unverständlich.
Ich mag auch jedes Wetter, doch habe ich die Wahl – ziehe ich mir Regen vor. Bei 05-10 C°, Sturm und in kurzer Bekleidung – ein grandioses Gefühl!
Nach einem Bürotag ist so ein Lauf richtig befreiend.
13. Mai 2009 um 17:53
Hallo Marcus,
durch die Renaturierung des ‘Wuhletals’ bei mir vor der Haustür wurde mitten im Plattenbau-Ghetto ein Stück Natur wieder zurückgewonnen. Immerhin 15 Km lang von Ahrensfelde bis nach Köpenick. Das ist meine kleine, heile Welt. Da geht es mir so wie dir. Raus aus den Betonklötzen und rein in die Natur, was gibt es schöneres?
Gruß Holger
13. Mai 2009 um 18:05
Holger, in Teilen kenne ich Deine Gegend. Meine Schwester dürfte ganz in Deiner Nähe wohnen. Es ist dann wirklich so, als ob man eine völlig andere Welt betritt – ein Gefühl von Freiheit, die aufsaugend wirkt. Ich liebe das.
Meine kleine Welt ist übrigens viel kleiner als Ihr vielleicht denkt.
13. Mai 2009 um 18:19
Danke für den Link – aber du hast eindeutig gewonnen
13. Mai 2009 um 18:26
*lacht* Das lasse ich mal so stehen.
13. Mai 2009 um 22:42
Schöne Worte, die die Natur einfach nur verdient. Viel zu selten wird sie gewürdigt. Viel zu selten nimmt man sich die Zeit, betrachtet sie genau und fühlt sich einfach wohl in ihr.
Es ist so schön.
14. Mai 2009 um 08:01
Hi, Marcus,
Du weißt, dass ich genauso denke und empfinde hinsichtlich des Laufens und unserer Natur, einmal mehr hast du es in Worte und sehr schöne Bilder gefasst.
Danke – und jetzt gehe ich hinaus in die Natur:
Die Natur schenkt Leben
Wunderschön zu erleben
die Natur mit ihrer Pracht,
Kraft und Liebe wird sie geben
die gesund und fröhlich macht.
Seen, Berge und die Felder
lohnen zu ergründen,
Wiesen und die Wälder
lassen uns Ruhe finden.
Tiere, groß und klein,
streifen durch Wald und Flur,
alle wollen glücklich sein
in der zauberhaften Natur.
Sie schenkt unerschöpflich Leben
auf dieser hübschen bunten Welt,
Menschen müssen danach streben,
daß sie die große Macht behält.
© Grete Schicke
Den letzten Satz “ Menschen müssen danach streben, dass sie die große Macht behält “ erscheint mir der wichtigste.
Wünsche dir einen wunderschönen Tag dort draußen !
14. Mai 2009 um 08:07
Viel Menschen laufen durch den Wald, aber nur wenige sehen die Schönheit der Natur. Sie wissen nicht was ihnen entgeht.
Wir wissen es.
14. Mai 2009 um 09:04
Hannes, wenn nur jeder vierte Mensch „natürlicher“ denken würde, gäbe es weitaus weniger Zerstörung.
Ich nehme mir die Zeit für sie – und zwar täglich. Das haben die Täglichläufer den anderen voraus.
Margitta, ein schönes Gedicht – danke!
Ja, es wäre schön, wenn wir Menschen danach streben würden. Nicht um der Natur Willen, sondern für uns selbst. Wie Frey schon sagt, die Natur ist noch da, wenn wir alles längst zerfallen sind. Bis dahin sollten wir sie preisen.
Viel Freude beim Laufen in der Natur!
Vielleicht herrscht bei Dir eben auch so eine steife Brise wie hier.
Gerd, stimmt. Manche sind clever und fahren gleich mit dem Auto durch den Wald. Wahre Naturfreunde!
Doch wir wissen.
14. Mai 2009 um 15:05
Hallo Marcus,
wie immer sehr schön, vor allem aber auch treffend geschrieben und die Fotos sind der Beweis dafür, was du für eine herrliche Laufstrecke hast!
Weiterhin schöne Läufe so ganz nah bei und in der Natur!
Liebe Grüße
Eva
15. Mai 2009 um 12:41
Ein Einblick in meine Welt. Klein, fein und meistens mein! Die Natur erwartet mich jeden Tag aufs Neue…