Der Weg zum Sport – Part V – Finis coronat opus

Eine Thematik, die ich hier vernachlässigt habe. Folgender Beitrag wird diese Serie mehr oder minder abschließend behandeln. Die Idee, einst in einer lustigen Situation geboren, nahm klare Konturen an, welche sich nun in Mauern verwandelt haben, die man nicht mehr so leicht einreißen kann. Es lag mir fern hochtrabende Ziele zu etablieren, da sie sich vielleicht als illusorisch enttarnt hätten. Mein Bestreben bestand schlichtweg darin, einer Person, die ein Leben lang nichts mit Laufen anfangen konnte mit diesem Sport vertraut zu machen. Ich nehme das Fazit vorweg, mein Ziel die Freude an der Bewegung, am Laufen zu (er)wecken, habe ich erreicht.

Meines Erachtens wäre es ein Fehler gewesen, sie durch externe Motivation zum Laufen zu animieren. Die Primärintention sollte dahingehend verwirklicht werden, daß das Verlangen – in die Natur zu gehen und zu Laufen – von ihr kommt, aus ihrem Innern. Sie muß es selber wollen. Sie muß die Freude am Laufen selbst erkennen und für sich verinnerlichen. Erst dann wird sie den wahren Weg beschreiten, der irgendwann eine Läuferin aus ihr macht. Als Basis eines langfristigen Erfolges. Wir haben klein angefangen, Schritt für Schritt, doch mit einer steten Entwicklung, die nicht nur mich überrascht hat. Hierbei haben wir uns nicht auf viele Kilometer oder auf eine hohe Geschwindigkeit konzentriert. Nein, denn das war nicht zweckmäßig und ist zudem irrelevant. Meine Laufanfängerin möchte den Sport als Instrument zur Gewichtsreduktion in Kombination mit einem gesteigerten Wohlbefinden – körperlich wie mental – nutzen.

Die Realisierung dessen ist nur möglich, wenn sie selbst wirklich dazu bereit ist. Ich habe mich bemüht, sie auf diesen Weg der Erkenntnis tatkräftig zu unterstützen. Aktuell erreicht sie 45 Laufminuten, die aufgrund gesundheitlicher Probleme eine mittelfristige Grenze darstellen. Pro Woche werden drei Laufeinheiten absolviert. Die Auswirkungen habe ich in den vorangegangen Beiträgen beschrieben, das Gewicht hat sich reduziert, wenngleich das ein allmählicher Prozeß ist. Weiterhin hat ihr Wohlbefinden eine höhere Stufe erreicht. Die anfängliche Angst von anderen Menschen belächelt zu werden, hat sich nicht bestätigt. Im Gegenteil. Positive Resonanz von allen Seiten. Herausragend die Reaktionen meiner Grußfreunde in meinem Laufareal. Unterstützung und zustimmende Anteilnahme auf der ganzen Linie. Ein Faktor, der eine gewisse Relevanz in sich birgt.

An diesem Punkt beende ich meine Reihe und ziehe mich als Berater auf eine rudimentäre Ebene zurück. Weitere Berichte diesbezüglich werden nicht folgen. Die Wandlung eines unsportlichen Menschen zur Läuferin, wie ich es in diesem Beispiel erleben durfte, hätte ich in dieser Form nicht für möglich gehalten. Sie ist stolz auf ihre Leistung. Zu Recht. Ich bin es auch. Sie besitzt meine höchste Anerkennung. Es war mir eine Ehre als Begleiter zu fungieren. Möge ihr die Glückseligkeit des Laufens immer erhalten bleiben.

Auch für mich hat sich dieses Projekt rentiert, denn ich wurde oft an meine eigenen Anfänge erinnert. Wir sollten nie vergessen, wo wir herkommen. Schließlich waren wir alle einmal Anfänger – und das betrifft ausnahmslos jedwede Dinge des Lebens. Wer dieses Wissen nicht verleugnet, ist vor Überheblichkeit als eine Form von Dummheit gefeit.

20 Antworten zu “Der Weg zum Sport – Part V – Finis coronat opus”

  1. Meine allergrösste Hochachtung hat sie! Doch das haben wir ja schon besprochen.

    Ich finde es klasse wie du das hin bekommen hast, doch ohne ihren Willen wäre das ja gar nicht soweit gekommen! Es ist eine super Zusammenarbeit gewesen und ich hoffe, dass es noch lange so weiter geht.

    Ganz liebe Grüsse und auf noch viele schöne Lauftage!

  2. Dankeschön! :) Meine Rolle ist aber sehr bescheiden gewesen. Im Prinzip habe ich nichts gemacht – ich war nur da.

  3. Und genau das war das Wichtigste – du warst da!!!

  4. Allein wäre es sicher noch schwerer geworden.

  5. Genau so ist das – kenn ich von mir!

  6. Hallo Marcus,
    schön das es solche Menschen wie dich gibt die auch etwas zurückgeben können.
    Wie sagt man so schön „Each one – Teach one“
    Mit einen soclhen Lehrer wie dir bleibt sie sicher am laufen.

    LG
    Marco

  7. Hallo, lieber Marcus,

    es ist schön, aus eigenem Antrieb andere das zu lehren, was man selbst gerne tut, vor allem, wenn es von vorne herein fast unmöglich erscheint und sich dann nach einiger Zeit der gewünschte Erfolg einstellt , beide der Gebende und der Nehmende davon profitieren.

    Die Angst, belächelt zu werden hatten meine Lauf-Schüler auch : “ Nicht über die Straße, da könnte uns doch einer sehen !“. Mittlerweile ist ihr läuferisches Selbstbewusstsein enorm gestiegen, und ich glaube, sie würden jetzt auch mitten durch eine Großstadt laufen.

    Wir allen haben einmal klein angefangen, wie du richtig sagst, und ich persönlich war froh und dankbar für jeden Rat und habe Tipps aufgesogen wie ein Schwamm.

    Schön, wenn Menschen – so wie von dir – dorthin geführt werden, dann Spaß daran haben, erkennen, wie gut es ihrem Körper und ihrer Seele tut und hoffentlich – so wie wir – daran hängen bleiben. 8)

    Gut gemacht ! 8)

  8. Brigitte, oder man genießt die Einsamkeit. Das wäre auch noch eine Möglichkeit es leichter zu nehmen.

    Marco, ich hoffe es! In der kalten Jahreszeit wird es nicht leicht am Ball zu bleiben. Aber bisher läuft es einfach nur gut. Und das wörtlich!

    Margitta, Dein Kommentar wollte moderiert werden. Das war ja noch nie der Fall!

    In der Hinsicht unterscheiden wir uns. Ich hatte niemanden, der mir Tips gab. Ich ging einfach raus und bin losgelaufen. Mehr oder weniger.

    Ich bin schon auf eine weitere Lektion in Deinem Blog gespannt. Aber Deine Schützlinge werden sicher schon sehr weit sein. Euch alles Gute!

  9. hi, marcus-

    ich freue mich, dass dieses projekt so grossen erfolg hatte.
    aber das war irgendwie schon vorher klar.
    ich kenn das ja von mir- wenn bei den ersten laufversuchen der muskelkater nachgelassen hat, dann spürt man das wohlbefinden n a c h einem lauf und will es nicht mehr hergeben.
    eine motivation, die mich täglich laufen lässt. dieses grosse wohlbefinden danach!
    ich schrieb das ja schon oft- mich hat der satz von dr. strunz animiert: täglich, lächelnd eine halbe stunde.
    ok – lächelnd laufe ich nicht- aber die seele lacht und das ist das wichtigste.

    meinen glückwunsch der dame und ich hoffe, sie bleibt dran!!!

    liebe grüsse von athena :-)

  10. Athena, wieso war es Dir vorher schon klar? Nicht mal ich hätte damit gerechnet. Zu Beginn waren wir auch fast täglich unterwegs, da mußte ich ziemlich bremsen.

    Dieses grandiose Wohlbefinden nach einem Lauf verspüre ich schon lange nicht mehr. Hin und wieder lächele ich schon, wenn ich unterwegs bin. Das ist gar nicht mal so selten. :)

  11. Hallo Marcus, richte der neuen Läuferin meine Glückwünsche aus – sie möge genau so viel Freude am Laufen haben wie wir alle und das für immer! – Aber meine Hochachtung gilt auch dir, der du sie dabei begleitet hast und in den – oft schweren – ersten Stunden an ihrer Seite warst – das war sicher unglaublich wichtig für sie! Ihr könnt beide Stolz auf euren Erfolg sein.
    Liebe Grüße Eva

  12. Dankeschön Eva! Ich richte ihr das aus – sie freut sich sicher!

    Wie gesagt, meine Rolle war nur begleitend, der Hauptteil lag eindeutig bei ihr. Heute geht es wohl wieder raus; ich werde erneut dabei sein.

  13. Marcus
    es geht mir derzeit genauso , deine Beitrage und die von Gerd (WP) müssen modertiert werden – warum :?:

    Und jetzt gehe ich bei Regen zur nächsten Lektion, mal sehen, was die Schüler sagen !! ;)

  14. Mein letzter bei Dir erschien aber sofort. Deiner eben wollte erneut moderiert werden. Das verstehe ich nicht. Wer weiß, was WP schon wieder im Hintergrund bastelt.

    Viel Spaß im Regen – da würde ich mich gerne anschließen! Aber ich bin schon fertig für heute. ;)

  15. ##Athena, wieso war es Dir vorher schon klar##

    na, ich denke, wenn man sich in die hände eines läufers begibt, dann hat man ganz sicher klare absichten, die man nicht so schnell über bord wirft. ich denke, wenn man das alleine probiert, dann ist es eher möglich, dass man so klammheimlich, dass es keiner merkt, aufgibt.
    aber deine laufschülerin hat sich ganz sicher auf diese momente mit dir gefreut und nehmen birgt geben. in ihrem fall hiess es weitermachen. da ist es wieder- aktion/reaktion. jede handlung zieht etwas nach sich…

    du warst nur der supermarktverkäufer, der der dame, die ein glas schnittbohnen suchte, an denen sie schon 3x vorbeilief, zeigte, wo sie sind… :-)

    halt mal wieder widderlich unpoetisch *g.

    ich schicke ein paar sonnenstrahlen und liebe grüsse- athena :-)

  16. Was ist nun los? Jetzt werden auch Deine Kommentare nicht mehr ohne Freigabe angezeigt – irgendwie spinnt das System.

    So gesehen hast Du Recht, Athena! Rein zufällig war mir der Ort der Schnittbohnen bekannt. :D

    Sonne? Dankeschön, aber wo bleibt sie? Hier ist es extrem dunkel!

  17. Du hast etwas erreicht, was sehr schwer ist. Du hast es geschafft einem Menschen verlorenes Selbstvertrauen zurückzugeben. Und zwar so, dass er es sich selbst zurück holt.
    Damit stärkt man einen Menschen unheimlich in seiner Persönlichkeit.
    Du hast im keinen Mantel umgelegt sondern ihm einen Mantel weggenommen damit er sein wahres Ich sehen und zeigen kann.
    Ich beglückwünsche dich zu dieser Tat auf die Du wirklich stolz sein kannst.

  18. Danke Gerd, aber der Großteil lag an ihr. Deine Worte sind wunderschön formuliert. Da muß ich mir etwas einfallen lassen, das wäre zu schade, um sie hier untergehen zu lassen. :)

  19. Marcus, Respekt vor dem was Du da erreicht hast! Dazu gehört viel Einfühlungsvermögen.

    Noch mehr Respekt vor Deiner Läuferin! Ich wünsche ihr, dass sie nie den Spaß am Laufen verliert und sie immer stolz auf sich ist. Und diesen Stolz und die Anerkennung anderer, das hat sie sich wirklich verdient.

  20. Klaus, herzlichen Dank! :)

    Ich leite das weiter – da freut sie sich sicher. Morgen abend folgt eine weitere Laufeinheit. Es ist schon erstaunlich, welche Freude sie dabei entwickelt. Und die positiven Auswirkungen des Laufens sind schon zu groß, um jetzt aufzuhören.

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