Stürmischer Sonnenschein
Der Tag beginnt mit Dunkelheit, Sturm, Regen und frischen 16 C°. Um 09:59 Uhr starte ich meinen täglichen Lauf und das angenehme Naß von oben hat sich leider verflüchtigt. Wolken und Wind dominieren dennoch die Weiten des Himmels. Der Sturm, bestehend aus unaufhaltsamen Böen läßt seine Kraft spüren und kündigt damit langsam den nahenden Herbst an. Die ersten Bäume wechseln bereits die Farben ihres Blätterkleides und die gelben Farbtöne expandieren. Die feuchte Witterung treibt die unterschiedlichsten Arten von Schnecken in großer Anzahl auf die Wege. Für mich bedeutet das Slalomlaufen, da ich diese kleinen Gesellen nicht töten will, schließlich bin ich nur Gast in ihrem heimischen Revier.
Die Wälder und der Damm liegen einsam und verlassen in der Natur. Während meines Laufes begegne ich nicht einer menschlichen Person. Einsam in der Natur – Idealbedingungen für mich. Die Gräser und das Schilf in Dammnähe biegen sich im Wind und große Äste brechen ab und säumen den Weg. Ein schönes Beispiel dafür, daß grobe Kraft keine Chance hat, während die vermeintlich schwachen Gräser dem Sturm trotzen. Wie im Leben – wirkliche Stärke besteht aus Güte, Mitgefühl und Geduld – nicht aus Härte. Der See ist aufgewühlt, die Wellen schlagen an das Ufer. Doch davon lassen sich einige Angler nicht aufhalten, ich erspähe ein gutes Dutzend Kähne, die in der Brandung hin und her wiegen.
Plötzlich reißt das dichte Wolkenband auf und gibt ein blaues Fenster am Horizont frei. In der nächsten Sekunde bricht die Sonne für ein temporäres Gastspiel durch, ähnlich einer Taschenlampe, die mit ihrem Lichtkegel einen dunklen Raum durchleuchtet. Der Sonnenstrahl erleuchtet das gesamte Naturschutzgebiet, um sich anschließend in Nichts aufzulösen. Die Natur beeindruckt mich immer wieder in ihrer unvorstellbaren Schönheit. Auf dem Rückweg – immer noch auf dem Damm – begleiteten mich überraschend zwei Fischreiher. Sie fliegen einen Bogen und einer hält auf mich zu, um zehn Meter vor mir wieder abzudrehen. Der zweite verschwindet in die andere Richtung und tut lauthals seinen Unmut kund. Zu Beginn des Dammes halte ich an und schließe die Eisenschranke, welche seit einiger Zeit offen steht. Folgendes Photo vermittelt einen Eindruck vom heutigen Firmament – auch wenn das Bild von meiner letzten Phototour stammt, also keinen Anspruch auf Aktualität erhebt, ist die Wetterlage vergleichbar.
Ich absolviere noch eine Waldrunde und durchquere einen besonders dichten Teil des Waldes, als die Sonne sich ihren Platz auf der Himmelsbühne zurückerobert. Sie scheint durch die Baumkronen und zahllose Lichtpunkte erhellen den Waldboden. Bevor ich mich über diesen Anblick freuen kann, ist das Spektakel auch schon vorbei. Die Wolken in den differenziertesten Grauschattierungen regieren heute uneingeschränkt. Der Lauf war wunderschön, allerdings viel zu schnell vorüber. Auch die Luft ermöglichte mir wieder ein tiefes Durchatmen, im Gegensatz zum gestrigen Tag, welcher von einer metallischen Atmosphäre beherrscht wurde. Verantwortlich dafür war ein Brand in einer Industrieanlage, der rund 70 Feuerwehrleute band. Da es bereits der zweite Großbrand in drei Monaten war, wage ich zu hoffen, daß hier in Zukunft keine weiteren Industrieanlagen dem Feuer geopfert werden. Obwohl die Polizei die Bürger aufforderte, Fenster und Türen zu schließen, stellte die Rauchwolke keine Gefahr dar. Glücklicherweise ist das hier immer so. Wie beruhigend. Wie dem auch sei, mein Lauf war schön. Wieder einmal.

23. August 2008 um 14:38
Schön hast du das geschrieben, wenn ich doch nur sooo schreiben könnte! – Eigentlich müsste mein Namen (Deichrunner) ja fast eher deiner sein, wenn ich lese, dass du auf einem Damm läufst….welche Gegend ist das ungefähr?
Hier regnet es, nein besser gesagt: schüttet es seit gesten abend um 18 Uhr ohne Unterlass und mein Mitläufer (:-)) wollte kneifen, als ich ihn weckte (Zitat: es regnet doch), aber ich habe gesagt „das wollte uns doch nicht mehr interessieren – los geht’“ – es wurde ein toller Lauf durch Regen und Sturm und ebenfalls mit Nacktschneckenhüpfen
23. August 2008 um 15:05
Merci Eva, aber ich denke, Du kannst ebenfalls so schreiben. Ich erzähle nur meine Eindrücke…
Ich laufe in einem (noch) Naturschutzgebiet in Preußen.
Es ist ein kleiner Damm, aber die Gegend ist schon herrlich.
Um den Regenlauf beneide ich Dich.
Langsam geht die Zeit los, wo meine Chancen diesbezüglich wieder ansteigen werden. Schön, daß Du Deinen Mitläufer motivieren konntest. Umso schöner war es sicherlich, gell?
23. August 2008 um 16:41
Ein Preuße, der ‘gell’ sagt?? (aber ich als Badner-Kinder verstehe es schon
) – Ich wohne zwar am Deich, aber wir laufen eigentlich nie am Deich, weil es da total schief ist und das tut meinem Fuß nicht gut; ich brauche einen möglichst geraden Weg (wie sagt Herr Deichrunner immer: du hast schon kapriziöse Füße!)
Was empfiehlst du als erfahrener Läufer für Kleidung bei Regen – vor allem, wenn es jetzt dann nicht mehr nur mit T-Shirt und kurzer Hose getan ist? Hier geht ja oft ein heftiger Wind.
23. August 2008 um 17:00
Ja. Bestimmte Termini, beispielsweise „Gell“ – die mir gefallen, assimiliere ich für meinen Sprachgebrauch.
„Mein“ Damm wäre auch nichts für Dich, der Weg ist alles andere als eben. Die Umknickgefahr ist dort ziemlich hoch, was mir auch immer wieder passiert.
Kapriziöse Füße? Das kannst Du nur als Kompliment auffassen!
Eine optimale Empfehlung kann ich Dir nicht geben. Ich laufe ja noch bei Minusgraden in kurzer Bekleidung und zähle nicht zu den Läufern, die auf spezielle Kleidung achten. Solange es noch nicht zu kalt ist, würde ich an Deiner Stelle eine wasserdichte und windundurchlässige, nicht zu dicke Jacke tragen. Auch können dünne Handschuhe angemessen sein, aber das sieht wohl jeder anders und ich kenne Dein Kälteempfinden nicht. Auf jeden Fall solltest Du Dich nicht zu warm anziehen (in Abhängigkeit von der Temperatur).
23. August 2008 um 17:10
Die Natur ist doch immer schön, und ich gehöre eindeutig auch zu denen, die sich an differenzierten Grauschattierungen von Wolken freuen können.
Im Übrirgen erinnert mich dein Brand-Erlebnis an einen eigenen Lauf vor knapp 2 Wochen, bei dem es aus dem nahe gelegenen Heizkraftwerk pikant duftete und mehrere große, LKW-artige, warnorangene Fahrzeuge neben dem sonst nie geöffneten Tor im Maschendrahtzaun standen. Berichte in der heimischen Presse: – .
23. August 2008 um 17:32
Auch wieder so ein Punkt. Wer nimmt schon die unterschiedlichen Wolkenformationen wahr?
Diese Umweltverbrecher gibt es auch überall, gell? Aber solange man damit prima Geld verdienen kann, ist das eine annehmbare Sache. Daß das dann nicht in der Presse erscheint, ist mehr als logisch. Am Golde hängts…leider.
23. August 2008 um 21:18
Heute lief ich wieder mit dir mit! Ein wunderschöner Bericht. Gell Spotzl? *gg*
Hoffentlich bedeutet das bald mal das Aus für diese Anlage, denn 2 Großbrände, sind 2 zuviel.
*knutscha*
24. August 2008 um 10:43
Immer doch! *drückt*
Nein, die Anlage wird mit Sicherheit nicht geschlossen. Außerdem waren es zwei Brände in zwei verschiedenen Anlagen.
27. August 2008 um 12:52
Ja, so langsam werden die Tage wieder kürzer und die Natur bunter. Eigentlich ist der nahende Herbst die schönste Jahreszeit um seinen Sport in der Natur zu absolvieren.
27. August 2008 um 16:39
Irgendwie schade, aber so ist nun mal der Lauf der Welt. Ich bevorzuge den Frühling, früher den Winter. Zeiten ändern sich.