Archiv für Juni, 2008

Reaktiviert

Veröffentlicht in Laufalltag bei Juni 27, 2008 von blacksensei

In den vergangenen Wochen hat mir mein Laufen nicht wirklich viel Spaß bereitet. Ich hatte verschiedene Schmerzen und an meinem linken Fuß sind sie immer noch nicht ganz abgeklungen, jedenfalls nicht beim normalen Gehen. Viel gravierender war jedoch meine mentale Einstellung, partiell sehr demotivierend. Natürlich lief ich weiterhin jeden Tag, aber selten mit Genuß. Von einzelnen Läufen abgesehen, beispielsweise meinen letzten Regenlauf (“Entfesselt“), die einfach nur grandios waren. Das sind genau die Phasen, die Täglichlaufen so schwierig machen – sich gegen die Strömung zu stellen, den Wellen der Demotivation standzuhalten.

Wie es scheint, habe ich diesen Abschnitt einmal mehr überwunden. Seit Montag freue ich mich wieder auf jeden Lauf, was sich auch in den Distanzen widerspiegelt. Einschließlich heute bin ich bereits 71 Kilometer in dieser Woche gelaufen. Ich stecke voller Energie und möchte am liebsten gar nicht mehr aufhören. Bin ich zu Hause angekommen, habe ich das Gefühl, daß ich viel zu wenig lief. Und habe ich die Dusche verlassen, könnte ich erneut loslaufen. Zur Zeit ist es eine reine Freude, die ich kaum beschreiben kann. Eine schöne Phase, die ich genieße. Möge sie lang andauern.

Im Wandel der Zeit

Veröffentlicht in Allgemein bei Juni 26, 2008 von blacksensei

Zu Beginn meiner Laufzeit lief ich nicht im Naturschutzgebiet, sondern meistens an einem Kanal entlang. Damals bin ich selten von dieser Laufstrecke abgewichen. Diese Strecke war höchst reizvoll, direkt am Ufer des Kanals bildeten große Bäume eine endlose Reihe. Baum an Baum, dazwischen Büsche. Der Weg indes, bestand aus losem Sand, bei Trockenheit kam man mit dem Fahrrad schwer durch, aus Läufersicht jedoch nicht weiter problematisch. Auf der anderen Seite des Weges säumten ebenfalls Bäume und Büsche den Pfad. In der grünen Jahreszeit war meine Laufstrecke einfach nur phantastisch, Alleeartig, gänzlich von einem Blätterdach überdacht. Ein Traum.

Ich lebe in einer Stadt, in der ausgewiesene Naturfeinde in der Stadtregierung sitzen. Vorrangiges Ziel, so erscheint es mir, auch durch viele fragwürdige Taten bewiesen, liegt in der Vernichtung der Natur wo es nur geht und sei es noch so sinnlos. Obwohl, die Zerstörung der Natur kann grundsätzlich nie sinnvoll sein. Ich untertreibe maßlos, hier geht es nicht um Personen, die mal hier und da einen Baum abholzen lassen, nein, hier agieren die Meister ihres Faches. Später wurde diese Zerstörungskunst auch auf meine Kanalstrecke angewandt. Der Kanal wurde ausgebaut, vertieft und im Zuge dieses Wahnsinns wurden sämtliche Gewächse in Kanalnähe vernichtet. Weiterhin wurde ein neuer Weg angelegt. Am Montag lief ich zum ersten Mal in diesem Jahr auf meiner ehemaligen Strecke, die ich seitdem nur noch selten frequentiere. Ich erinnerte mich an meine einstigen Läufe, das damalige Aussehen vor meinen Augen – die Realität ausgeblendet. Und heute? Ein trostloser Anblick – dafür gerade, ordentlich und steril. Ohne Leben. Was für eine Entwicklung. Traurig.

Ich kenne viele Beispiele im Land Brandenburg. Historisch betrachtet, eine Ironie der Geschichte. Manche Orte, Gebäude, uralte Bäume oder Ähnliches haben zwei Weltkriege und zwei Diktaturen ohne Schaden überstanden, um heute für ein paar Papierscheine mit bunten Bildern, die in falschen Taschen wanderten, vernichtet zu werden. Was menschliche Zerstörungslust, Soldaten und Bomben nicht schafften, wird heutzutage umso bereitwilliger vernichtet. Ich gebe zu, dafür fehlt mir jegliches Verständnis. Wie dem auch sei, das Wissen, daß sich die Natur von uns Menschen erholen wird, wenn wir uns irgendwann selbst ausrotten, beruhigt mich ein wenig.

Meine Laufstrecke habe ich verlegt, in ein weiteres wunderbares Areal. Nur, was nutzt das, wenn besagte Meister auch dort ihr Unwesen treiben? Wer meine Beiträge verfolgt, der weiß, daß auch dieses Gebiet sehr engagiert bekämpft wird und zwar in einer Art und Weise, die mir die Sprache verschlägt. Deprimierend. Die verantwortlichen Menschen hier lernen es nicht – oder wollen es nicht lernen. Blind für die eigenen Fehler, mit dem Ziel nichts daraus zu lernen. Diesen Wesenszug kann ich den Verantwortlichen jedoch nicht vorwerfen, da er zutiefst in unserer Natur verankert ist. Nicht im Einzelnen, auf die Gesamtheit bezogen. Oder mit den Worten von Werner Mitsch formuliert: „Früher hatten die Menschen Angst vor der Zukunft. – Heute muß die Zukunft Angst vor den Menschen haben.“ Wie wahr. Mittelfristig werde ich dieser naturfeindlichen Stadt den Rücken kehren, wenn auch diese Thematik nicht den Hauptgrund ausmacht, jedoch ein nicht unerhebliches Puzzlestück des Mosaiks darstellt.

Das Große im Kleinen und das Viele im Wenigen

Veröffentlicht in Laufalltag bei Juni 23, 2008 von blacksensei

Manche Menschen, die sich dem Laufsport verschreiben, reagieren ängstlich auf freilaufende Vierbeiner. Rational betrachtet und auf Grund meiner bisherigen Erfahrung, stellen Hunde nur eine geringe Gefahr dar, als potenzielle Aggressoren kann man sie abwehren, schlichtweg auf der Tatsache basierend, daß sie „greifbar“ sind, ein reales Ziel bietend. Was mich als Läufer weitaus stärker berührt, ist ein „Gegner“, der aus dem Nichts auftaucht und dem ich nicht adäquat begegnen kann, weil er einfach zu klein ist. Ich laufe überwiegend im Wald und in einem Naturschutzgebiet, von daher ist es nur natürlich, daß ich den wahren Herrschern unseres Planeten, den Insekten, meine Aufwartung mache.

Normale Fliegen und Mücken sind nicht weiter problematisch. Jedoch, einige Unterarten sind nicht nur wenige Millimeter groß, sie treten zu Millionen auf – subjektiv betrachtet. Besonders betroffen ist der Damm, dort bilden sich regelrechte Insektenbälle in der Luft, die einem fast schon die Sicht versperren und stets in Kopfhöhe auftreten. Kopf zur Seite, Augen schließen und die Hand vor den Augen halten, ist meine erste Wahl – jedoch nicht oft von Erfolg gekrönt, zumal der nächste Insektenschwarm nicht weit entfernt ist. Die Winzlinge finden ihren Weg in die Augen, Nase, Ohren und gelegentlich in den Mund. Vor allem Hitze und eine drückende Witterung, wie es dieser Tage des Öfteren vorkommt, bilden einen idealen Nährboden für diese Schwärme. Störende Fremdkörper in den Augen, eingeschränkte Sicht. Hals und Arme übersät mit schwarzen Punkten, die vorher wie Salven auf mich einprasselten. Das ist extrem unangenehm. Vor Jahren brach ich sogar einen Lauf ab und kehrte um, weil die Fliegen übermächtig waren, das hat bisher noch kein Hund geschafft.

So zeigt sich einmal mehr, daß Unannehmlichkeiten nicht immer von offensichtlichen, großen Kontrahenten ausgehen, sondern vom Kleinen und Unscheinbaren, welches nur konzentriert auftreten muß, um einen Läufer die Tränen in die Augen zu treiben. Dann und wann entscheiden also Insekten über meine gelaufene Distanz, aber wahrscheinlich betrifft das aktuell viele Läufer.

Glück ist gar nicht mal so selten

Veröffentlicht in Gedichte & Zitate bei Juni 18, 2008 von blacksensei

Glück ist gar nicht mal so selten,
Glück wird überall beschert,
vieles kann als Glück uns gelten,
was das Leben uns so lehrt.

Glück ist jeder neue Morgen,
Glück ist bunte Blumenpracht
Glück sind Tage ohne Sorgen,
Glück ist, wenn man fröhlich lacht.

Glück ist Regen, wenn es heiß ist,
Glück ist Sonne nach dem Guß,
Glück ist, wenn ein Kind ein Eis ißt,
Glück ist auch ein lieber Gruß.

Glück ist Wärme, wenn es kalt ist,
Glück ist weißer Meeresstrand,
Glück ist Ruhe, die im Wald ist,
Glück ist eines Freundes Hand.

Glück ist eine stille Stunde,
Glück ist auch ein gutes Buch,
Glück ist Spaß in froher Runde,
Glück ist freundlicher Besuch.

Glück ist niemals ortsgebunden,
Glück kennt keine Jahreszeit,
Glück hat immer der gefunden,
der sich seines Lebens freut.

(Clemens Brentano)

Welch wunderbare Worte eines großartigen Lyrikers! Letztendlich besteht Glück aus unscheinbaren Freuden, die man nur zu einem Bild zusammensetzen muß. Die Schwierigkeit besteht darin, unseren Blick auf die kleinen Dinge des Lebens zu richten und unsere Wahrnehmung zu sensibilisieren. Ein wahrlich komplexes Thema – ich beschränke mich und streife die Laufthematik ein wenig.

Wenn ich laufe, konzentriere ich mich auf die unscheinbaren Aspekte. Nicht auf Zeiten oder Kilometer, sondern auf Blumen, Tiere, abgebrochene Äste, auf das Wetter – eben auf die Natur in ihrer unerschöpflichen und perfektionierten Gesamtschönheit. Laufen als simples und positives Werkzeug des Genusses mit erwünschten und erfreulichen Nebenwirkungen. Jeder einzelne Meter bedeutet Glück. In dieser Landschaft zu laufen, bedeutet ebenfalls Glück für mich.

Mein größtes Glück? Daß ich überhaupt die Option besitze, täglich in die Natur gehen zu können, um dort zu laufen. Und natürlich die Erkenntnis, die mich einst zum Läufer machte. Manch einem ist das aus den unterschiedlichsten Gründen verwehrt und sei es nur, weil man sich selbst im Wege steht. Genießen wir unser Glück und sei es noch so klein.

Entfesselt

Veröffentlicht in Faszination Regenlauf bei Juni 13, 2008 von blacksensei

Durch Wolken ausgelöste Dunkelheit. Regen. 13 C°. Wind. Nach nun mehr fast eineinhalb Monaten bietet sich mir der Genuß eines Regenlaufes. Langsam habe ich mich an die Hitze gewöhnt, so daß das Laufen im Prinzip problemlos vonstatten geht, jedoch kostet es weitaus mehr Kraft ein gewisses Level zu halten. Die Lust am Laufen, zwar durchaus vorhanden, verschwand dennoch ein wenig in den Hintergrund. Alleine die heutige Luft, durchdrungen mit der frischen und würzigen Atmosphäre des Regens – phantastisch.

Bereits nach den ersten Metern in denen meine Lungen den Hauch der Regenluft in sich aufnehmen, fühle ich eine Energie, eine belebende Stärke, die durch den ganzen Körper fließt. Entfesselte Kraft. Der Wind peitscht in mein Gesicht, das Wasser umschließt mich mit seiner nassen Anmut. Ein Gefühl, welches sich kaum beschreiben läßt und einfach nur ein Lächeln in mein Antlitz zaubert. Diese Witterungsverhältnisse ermöglichen mir, die nach meinem Verständnis, schönsten Läufe überhaupt. Die Verkörperung puren Genusses. Das mag hochtrabend klingen, aber für den einen oder anderen ergibt diese Sichtweise einen vollkommenen Sinn. Wahrscheinlich können das viele Menschen nicht verstehen, oder doch? Ich lasse mich gerne belehren.

Auf dem Damm treffe ich eine Wanderin, der das Wetter nichts ausmacht. Um sie nicht zu erschrecken, grüße ich mit leiser Stimme. Sie dreht sich abrupt um und fragt: „Sie wohnen wohl hier?“. Ein interessanter Gedankengang. Während meiner gestrigen Radtour im Laufgebiet dachte ich ähnlich. Wenn ich mich in diesem Areal aufhalte, ist das dermaßen beruhigend, so daß ich mich auf eine gewisse Art und Weise heimisch fühle. Indes blicke ich auf den See und erspähe ein rotes Boot, in dem mehrere Frauen sitzen, laut kichern und lachen. Sie rufen: „Steuerbord! – Backbord!“. Wer weiß, was sie genau üben, jedenfalls verbreiten sie eine lustige und angenehme Stimmung, die bis zu mir vordringt, obwohl ich einige Meter entfernt bin.

Der Blick in den Himmel erinnert mich an ein Schachbrett. Vorher noch klar umrissene Grenzen im Wolkenband, unten dunkle und dicke Regenwolken, darüber die hellen. Mittlerweile verwoben zum Schachbrettmuster, schwarze und weiße Felder – die Folge konzentriert sich im nachlassenden Niederschlag. Mein Rückweg findet in völliger Ruhe und Einsamkeit statt, die einzige Ausnahme bildet ein Kuckuck, der die Abgeschiedenheit lautmalerisch unterlegt. Mit diesem Eintrag habe ich versucht, meinen Regenlauf in Worte zu kleiden und trotz meiner Bemühung mein Empfinden wiederzugeben – die Wirklichkeit ist nicht mit Worte zu beschreiben.